Samstag, 24. Dezember 2016
Kitsilano - ein Leben in der Cremetorte
Wer gerne den zehnfachen Preis dafür bezahlt, dass er im Regen lebt, sich von Algen und vergorenem Kohl ernährt, und sich darüber freut, dass der chinesische Kaufrausch nicht nur die Immobilienpreise unerschwinglich macht, der muss nach Vancouver ziehen.

Vancouver in British Columbia, die neue hip town am Pazifik. B.C. wird oftmals mit British Columbia übersetzt. Eigentlich heisst es aber "a billion chinese" oder einfach "bring cash". Tolle Geschichten von Indianern, denen wir glücklicherweise schon alles abgenommen haben.

Für einen Marterpfahl und einen Wohncontainer benötigen sie auch kaum Platz. Für mich fühlt sich der Dauerregen an wie die Krokodilstränen des grossen Manitou.

Und ein atemberaubender Blick von Kitsilano über die Bucht Richtung Squamish. Holzhäuser im englischen Kolonialstil, Hobbit-Style, nicht weit vom Stadtzentrum und doch so ruhig als wäre erst kürzlich die Pest durchgezogen. Den Horizont bilden Gebirgszüge verziert von Märchenwäldern. Der pazifische Regenwald mit seinen Bartflechten und massiven Nadelbäumen ist schön anzusehen,

doch fürs schmerzfreie Anschauen wurde eigentlich das Fernsehen, der virtuelle Urlaub, erfunden, oder eben Kitsilano Indoor.
Der Nachteil des Regenwaldes ist nämlich seine feuchte Wetterlage. Für Regenwürmer, Arthritis und die Scheibenwischerindustrie mag es bekömmlich sein. Fürs Gemüt nicht. So denkt man lieber auch nicht an East Vancouver, Needle Town, mit seinen Unmengen an Drogentoten.

Hier muss man nicht an Zombies glauben, um ihnen über den Weg zu laufen.

Gott sei es gedankt, dem Gott des Geldes, dass man durch die Skyline im Zetrum trotz all ihrer Glasfassaden nicht hindurchsehen kann nach Osten.

Es muss der Dauerregen sein, der die Leiber und den Charakter so aufgeweicht hat, denn einst wurde dieses Land, in dem nun jeder zweite Laden eine Apotheke ist, von furchtlosen, hartgesottenen Menschen besiedelt.

Wen wundert es da, dass Canabis letztendlich legalisiert wurde, um diese tragische, weichgespülte Entwicklung der Gegenwart seelisch zu verkraften.

Wenn wir uns den Luxus leisten, die Gegenwart mal auszublenden, gibt es durchaus auch Positives von Kanada zu berichten. Wie das Wahlsystem

oder die Einstellung zu Wirtschaftsfragen

"Without economy none can be rich, with it none can be poor."

Ich will das nochmal deutlich hervorheben: "With it (economy) none can be poor." Da könnte man doch irgendwie auf den Gedanken kommen, das Fenster mal zu erneuern oder einfach kapputzuschmeissen.
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Donnerstag, 22. Dezember 2016
The Tales of Kirk - a touch of Canada
Die HBC, Hudson Bay Company, einst Besitzer 40% des kanadischen Staatsgebiets, Nutzniesser des vermutlich grössten Lehens, das ein König, in diesem Falle Charles II, jemals vergab, gibt es noch, doch eher so wie Dinosaurierknochen. Jetzt wo man keine Pelze mehr trägt und ein wunderschöner Bieberfellhut nur noch böse Blicke erntet, hat sich die Geschäftswelt Kanadas erheblich verändert. Auch die Holzindustrie leidet, da sie ihren Brennstoff nicht mehr an den Mann kriegt. Beim Blick in die dunklen Tiefen der kanadischen Wälder, stellt man voller Erstaunen fest, dass die schönsten Douglasien und Hemlock-Tannen über den Waldboden verstreut liegen bleiben wie sinnloses Treibgut.

Auch auf dem Wasser hat es sich ausgefischt. Ein politisch korrekter Fisch darf nicht mehr in Freiheit, sondern nur noch auf einer der Fischfarmen seine Jugend verbringen, um später auf einem Teller zu landen, anstatt auf dem Meeresboden sinnlos zu verrotten. Von Schicksaal der Walfänger möchte ich hier garnicht sprechen, um nicht den letzten Leser zu verlieren.

Wir sind an einem historischem Wendepunkt angelangt. In Zukunft werden wir uns an die Natur verfüttern. Im Job verheizen wir uns eh schon. Und der wiederbelebte Trend des Menschenopfers wird seit längerem schon vom Schlachtfeld auf die Strasse erweitert. Wir sind die erste Spezies, die sich lieber selbst ausrottet, statt im Garten Eden ein schönes Picknick zu veranstalten.

Wir haben uns dermassen aus dem Kreislauf der Natur geschossen, dass wir uns inzwischen selbst nicht mehr leiden können, geschweige denn frisch gefischten Fisch oder ein zünftiges Lagerfeuer. Das Leben, das uns früher noch Schweiss und Blut gekostet hat, ist inzwischen zur 4dimensionalen Leinwand geworden und nur die wenigsten kriegen Plätze in den vorderen Reihen. Selbst auf den Logenplätzen trägt man lieber Baumwollfetzen statt Nerz. Und die hinten bekommen garnichts mehr, geschweige denn Fisch.
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Montag, 19. Dezember 2016
The Tales of Kirk - eine Irrfahrt in die Wildnis von Keinerda
Die Disziplin des Zweier- Kanadiers muss ein Ding der Neuzeit sein, in Anbetracht der unbesiedelten Weiten, wo man sich wundert, dass sich zwei Menschen finden, die des gleichen Weges ziehen.

Beim Flug über die schneebedeckten Rockies bedarf es genaueren Hinsehens, um glauben zu können, dass es sich um endlose Bergketten handelt und nicht um ein Wolkenmeer. So weit reicht kein Auge. Und wo kein Berg steht, rankt ein Mammutbaum zum Firmament als gäbe es keinen Platz mehr hier unten. Kanada ist nicht unbedingt berühmt für seine Blumenpracht, sondern sein Kleid aus Schnee und Wald. Eine Art Schutzkleidung wie man in Alberta sieht, wo Ölschiefer aus den irdischen Eingeweiden geschnitten wird und Fracking die Landwirtschaft ersetzt. Anstatt den Lebensunterhslt mit Winterradi oder Eissalat zu bestreiten.

Wo sich dann doch mehrere Nachfahren der ersten Siedler und Ureinwohner zusammenrotten, scheinen sie sich freiwillig durch Alkohol und Fentanyl auszurotten. Wanderbewegungen wie die Besiedlung der meschenfeindlichen Wüste oder der Rocky Mountains geschehen vermutlich vorwiegend aus dem Wunsch heraus, Zweierkanadier zu bestücken und beim Tottrinken unter Gleichgesinnten zu sein.

Anstatt im vollbeheizten Paris oder Rom den hübschen Damen aufzuwarten, ziehen seit Menschengedenken die Wahnsinnigen in die öde Wildnis, um ihr Dasein gegen Bären, Wölfe und feindliches Klima zu verteidigen. Nur um sich letztendlich mit Feuerwasser selbst zu richten. Das nennt sich sinnigerweise selbstbestimmtes Leben, bzw Sterben.

Zu allem Unglück sind hier selbst die Mosquitos winterhart. Es bleibt einem wirklich nichts erspart.

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Dienstag, 13. Dezember 2016
Es geht so ...
waren seine letzten Worte.

Selbst im Land der Lurche ist nichts für die Ewigkeit gemacht. Leben und leben lassen, heißt es allerorts. Nur scheinbar nicht hier.

Das Projekt der Dezivilisierung hat scheinbar Fahrt aufgenommen und hinterlässt seine Opfer an allen Ecken und Enden.

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Mittwoch, 21. September 2016
Des Bier des hod da Deifi gseng - Analyse der Bodentruppen 2016

Man darf sich nicht wundern, dass wenn man einen Todesstreifen anlegt, links und rechts davon nicht viel gedeiht. So trifft auch der neue Zaun den Kotzhügel mit voller Gewalt.

Der Sammelplatz der Bodentruppen ist somit Geschichte und damit auch die Wiesn an Geschichten ärmer.

Die Tendenz war auch schon in den letzten Jahren erkennbar. Am liebsten wäre es den Veranstaltern des grössten Volksfestes der Welt, man würde seine 100 Euronen einfach überweisen und ginge garnicht mehr hin. Dann könnte man auch das Bier billiger machen und vielleicht würde die alte Wiesn dann nicht mehr 14 Euro Eintritt kosten.

Den wenigen Mutigen, denen es gelang, noch einen Zugang auf die Spielwiese der Münchner Brauereien zu finden, fanden viel Raum und in jedem Zelt noch einen Platz.

Verstecken wird da richtig schwierig.

Anpirschen ist geradezu unmöglich gworden und wie gefährlich Manöver auf einer so freien Fläche sind zeigt uns folgendes Bild.

Es wäre klug gewesen, sich vorher Gedanken darüber zu machen, was passiert, wenn die Wenigen das viele Bier wegtrinken müssen. Die sogenannte Holzfasslage ist prekär und führt dazu, dass man neuerdings schon Betten auf der Wiesn aufstellt.

Viele der Ehemaligen, die dieser miserablen Heereslage Herr werden hätten können, wurden inzwischen verbraten, wie unser Loisl.

Man muss Gott danken, dass es noch den ein oder anderen Veteranen der Offiziersklasse gibt, der sich mit solchen Notzeiten auskennt und die Lage entsprechend nützt.

Aber das sind Raritäten, wie eine gscheide Wirtshausrauferei oder das so berüchtigte Masskrugschmeissen. Es ist zum Haare raufen, zum Tisch zertreten und zum heulen.

Aber ich muss leider sagen, München kotzt nicht mehr richtig. Die Saufside Westend wird es so bald nicht mehr geben.
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Montag, 19. September 2016
Die RegenbogenWiesn - Der Masskrug als Zeichen seiner Zeit

"Wer eine Regenbogenwiesn ausruft, sollte sich über den Regen nicht wundern."

Bayern ist berühmt für seine Schlösser, Kühe und Autos, aber nicht gerade für seinen Pragmatismus. Doch nicht umsonst gönnt man sich mit München einen roten Fleck in einem schwarz-braunen Meer der Politik. Hier darf man, umzäunt vom Erzkonservatismus, noch experimentieren. Hochhäuser sind verpönt, dass man es von ausserhalb nicht am Horizont erblicken könnte, aber in Bodennähe herscht hier noch ein liberales Klima.

Die Nackten im Englischen Garten und am Luss-See, die heimlichen Raucherkneipen, ein Radweg direkt an der BMW-Zentrale. Hier darf man noch frei seine Meinung äussern, so sie sich nicht gegen die Sicherheitskonferenz oder die Rüstungsindustrie richtet.

Dementsprechend hat man auch verstanden, dass gleichgeschlechtliche Sexualpartner die finanzkräftigsten Mitbürger sind - double income no kids. Und so ist es nur folgerichtig, dass der diesjährige Wiesnmasskrug in Rosa gestaltet wurde. Ein Rosa so luftig und unbeschwert, dass man denken könnte, er wäre so leicht wegen der Farbe und nicht etwa weil er schlecht eingeschenkt ist.

Im Hintergrund ein nur angedeutetes Riesenrad, dass es sich als Ziel terroristischer Anschläge kaum eignet, und rosa Wölkchen, die den homophoben Feind des Oktoberfests blind machen sollen.

Selbst das Pärchen im Vordergrund ist aus gutem Grund geschlechtsneutral gehalten. Erst möchte man meinen, es handelte sich um eine kämpferische Szene, wobei die rechte Figur ihren Arm hilfesuchend nach oben richtet, bis man merkt, dass sie eigentlich nur ihre verregnete, aufgeweichte Brezn wegwirft.

Das Pärchen sinnigerweise in Grün. Auch das hat man in München schnell begriffen, dass deren Wähler viel Geld ausgeben und nicht wirklich in der Sozialpolitik mitmischen. Wer sonst sollte all die Bioläden am Leben erhalten, wo doch keiner mehr einen Schweinsbraten essen kann ohne einen anaphylaktischen Schock zu erleiden.

An der Analyse des weggeworfenen Essens arbeiten wir noch. Hier bieten sich mehrere Erklärungsmuster.
Vielleicht haben die beiden Grünen Hunger und können die in rosa Wölkchen schwebende Nahrung nicht essen, weil zu viel Salz auf der Breze, zu viel Zucker im Herzen und zu viel Alkohol im Bier sind. Dass es sich um hungernde Unterschichtler mit der Hand zum Gruß handelt, die es sich nicht leisten können, möchte ich bezweifeln, sonst wären sie ja braun.
Ich vermute, dass es sich um einen auf die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern beziehenden Affront gegen die AFD und FDP handelt, bzw auf deren Wahlergebnisse. Zwei Grüne, die sich wünschen, auch so hoch hinauf zu kommen. Und nicht ein schwarzer Klecks auf dem Krug.

Ein teils rätselhafttes Motiv 2016 also. Aber wieder mal ein deutliches Zeichen, dass es weder um Form noch um Inhalt geht, sonst hätten wir schon längst den octogonalen Krug mit einem Henkel oben wie beim Milchkanderl und mehr Fassungsvermögen.
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Wiesn 2016 - erste Opfer der Palastrevolte

ein Livebeitrag von unserem Wiesnreporter Kalle Bargeld

Mein Spezl der Roland

- ich nenne ihn hier der Einfachheit halber Roland, denn eigentlich heißt er anders, was aber nicht aufgedeckt werden soll, um nicht ihn dumm, oder mich verprügelt dastehen zu lassen -, also eben dieser Roland ist eine Fachkraft, wie sie während des normalen Betriebsablaufes in dieser Stadt kaum zu finden ist, eben nur dort wo die Profis zu Werke gehen. Jetzt hat aber wieder die große Biersause begonnen und heuer sogar im Schutze eines Zaunes, und man sollte doch meinen, dass jetzt Rolands Stunde geschlagen habe, er endlich wieder im Glanze seines vollen Talentes blühen könne, aber nein. Was tut man? Man schmeißt den Roland raus, er muss Platz machen für irgendeine 1000-köpfige Kompetenz, die das halbe Zelt gemietet hat und zu blöd für meinen Spezl, dass er eben in der falschen Hälfte auf dem Tisch gestanden war. Bevor ich weiter aushole, sei kurz erwähnt, dass ich einen Fachkräftemangel beklage und es am Beispiel der unterqualifizierten Work-Life-Balance-Fressen versus Roland mit der "schlechten Haut" in die Gemüter drücken möchte.
Da sitzt also der Roland neben mir auf dem Gartenstuhl und es regnet. Der Freund versucht gute Miene zum zerfickten Spiel zu machen, erzählt vom Rausschmiss wie von einem Stellungskrieg, in dem er und ein paar andere von der Flanke her - also mitten im Trinken - aufgerieben wurden. Der Freund in einer tosenden Brandung aus Spezialkräften, renegatische Söldner des Wirts, die vorgestern noch in Szeged gegen die Homosexualität vorgegangen sind und heute das Bierzelt von den Alkoholikern befreien, morgen vielleicht die Welt von sich selbst. Plötzlich standen Roland und ein paar andere Profis im Regen vor verschlossenen Türen, außenrum nach wie vor der Zaun, aber der brachte ihnen jetzt auch nichts mehr, wo das Bier fort war. Dafür waren ihre Plätze jetzt eben von spezisaufenden, Geradenochangestellten besetzt, die zwar in Lederhosen und Dirndln erschienen waren, aber eben ohne Expertise und eigentlich bloß in der Absicht, nicht nicht gefehlt zu haben, wenn sie nicht erschienen wären. Eine dumme Situation innerhalb des Festungsrings, aber so war es immer schon: da gibt es diejenigen, die in die Stadt rein dürfen und dann gibt es diejenigen, die ins Schloss dürfen. Im Ansturm feindlicher Horden bildete die Stadt mit ihren Bewohner einen – vielleicht mürrischen, aber immerhin – Puffer, bevor es dem Hofstaat an den Kragen ging. Einfaches Prinzip. Bau dir einen äußeren Festungsring und überzeuge das Gevölk, das sich darin tummelt, es gelte, jene Mauern gegen etwas Äußeres zu verteidigen. Verstecke dich selbst und deine Geschäfte im zweiten, inneren Ring vorm Gevölk und dem was da eventuell irgendwann von noch weiter außen kommen möge. Und das Bier? Hilft, zu besänftigen und wo das nicht funktioniert, den Zorn zu vereinzeln.

So sitzen wir, der Roland und ich, der den Schmerz des Freundes durch die frohgemute Fassade hindurch wittert aber nichts sagt, ihm stummes Mitleid zollt. Ich erinnere mich an einen anderen Freund, den Biergärtner und an seine versprengten Truppen, die seit Jahren, oder vielleicht seit jeher, aber ganz sicher jeder für sich und geeint nur im Getränk, eine Linie zu halten trachten. Nicht die Linie, auf der man bei der Polizeikontrolle tänzelt und auch nicht die Linie, um die schielende Augen hinter ihrem 50er-Röllchen bemüht sind. Die Linie ist hart und das zeichnet sie aus. Was genau auf der Linie fährt, das spielt eine untergeordnete Rolle, wichtig ist die Stringenz, eine gewisse Deutlichkeit, die – Inhalt hin oder her – wenigstens nicht verlogen ist. In dem Sinn mach ich mir ein Bier auf. Unsere Seelen sind zermahlen, wir haben zwar Pissflecken an der Hose und Arme und Beine haben wir auch, aber keine Substanz, nichts mehr, garnichts mehr, deswegen halten wir aus auf unserer Linie. Prost und Gruß an die Wirtin Erika und an den Wirt Hias, die beide so heißen wie sie hier heißen, deren Kneipen aber zur besseren Tarnung ungenannt bleiben.

Zurück zur Sache. Roland trägt seinen Bericht vor und geht dabei erhobenen Hauptes aus einer Niederlage heraus. Was soll man dazu noch beitragen? Das ist eben das Gemeinderatige. Der eine macht das, die Nächste macht jenes und am Ende wird beschlossen, man habe es schon richtig gemacht, irgendwie, und der Betriebsablauf bleibt ungestört*.

*) Es ist mir zuwider an dieser Stelle den Bierpreis an den Pranger zu stellen. Auch wenn sich die Fachkräfte auf einmal die scheiß Mass leisten könnten, käme es zu keiner Umwälzung im Betriebsablauf. Ist eine Hypothese, also hypothetisch, aber mir fehlt der Glaube zu etwas Erfreulicherem.
Der Regen will nicht aufhören. Vorvorgestern saßen wir, der Roland und ich, unweit von hier und haben einem jungen Kerl zugesehen, wie er versucht hatte, seinen Körper zu stählen für das was vor ihm lag. Der hatte ein Sprungseil und Kopfhörer, Schuhe und eine Hose, aber kein T-Shirt, und da ist er also in der Sonne die noch geschienen hatte herumgehüpft, in unkonventionellen, also professionellen Schlenkern, nur dass es hier eine andere Professionalität war, als die oben beschriebene. Der Junge hatte heftig geschwitzt, das Tempo seiner Schwünge immer weiter erhöht, Fetzen von einem schäbigen Pop-Lied mitgesungen, "I´m gonna make it…" und irgendwas von Stärke oder Zusammengehörigkeit, wenn es das Wort überhaupt gibt. Dieser Typ hatte wohl nie etwas vom osmotischen Druck gehört, vom Alkohol, der in die Zellen selbst dringt, der sich, wenn der Muskel eine Stadt ist, in jedes einzelne Gemüt von deren Bewohnern zwängt, egal wie stark die Festungsmauern sind. Solche Heinis kommen also aus aller Welt angereist, um sich ins Getümmel zu stürzen, eine Ödnis zu bezwingen, die schon mit dem viele Stunden dauernden Herflug für sie aufgehört hatte zu existieren – "Wer alleine losgeht, bleibt auf der Strecke, die bleiben alle liegen, allesamt." Und morgen soll es schöner werden, was das Wetter angeht. Vielleicht tut sich dann ja was, vielleicht beschließen wir etwas zur Autobahnausfahrt, zum neuen Möbelhaus, oder doch zur Betriebsstörung.
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Sonntag, 18. September 2016
Alle Hände für die Allmende - Wiesn 2016
Ich habs ja schon erwähnt. Die Wiesn hat schon aufgemacht und ich hab nix vorbereitet, keinen Tisch gedeckt und keinen eingeladen. Da bleibt mir nichts als auf Liveberichterstattung zu gehen und die Gedankenflut in den ganzen Dauerregen mithineinzuschütten.

Den Gedanken der Allmende können Sie aus dem vorangegangenem Artikel leicht herauslesen: Die Wiesn gehört eigentlich allen. Da ist der neue Zaun eigentlich nur eine Ausdruck des Zeitgeistes, der Raffgier und des Eigentumgedankens. Ich hatte das ja im Biergärtner

bereits erwähnt: von der Wiesn darf eigentlich nichts mitgenommen werden. Keine Krüge, keine Erinnerungen (ausser man fotografiert sie) und auch des konsumierten Essens und Trinkens möge man sich vor Verlassen des Stadtgebietes bitte entledigen.

Inzwischen darf man auch nichts mehr mitbringen. Keine Rucksäcke, kein eigenes Essen wie in normalen Biergärten, keine Erwartungen und seit Gundolf Köhler 1980 auch keine selbstgebastelten Sprengsätze.

München ist eine sehr kohärente Weltstadt mit einem Herz, das bald einen Schrittmacher braucht. Wir haben eigentlich alles. Berge, Seen und Idylle, sobald man mal aus der Stadt rauskommt. Wir haben zwei Fussballvereine, die sich gegenseitig ergänzen. Den induktiven FC Bayern mit einer sehr breit gefächerten Anhängerschaft, die auch viel vom Bier versteht, wie wir das von Stuhlgewitter mit "Billich saufen" sehr eindrücklich vorgesungen bekommen. Und die deduktiven Blauen, die eher aus dem Allgemeinem zum Speziellen streben.

Also eigentlich alles da. Nur beim Bier hapert es. Lätschn- und Schaufelbräu, ein Hacker, das man besser im Regal lässt. Jeder säuft das depperte Augustiner, dieses geschmacksangereicherte Wasserl, als wäre es das höchste auf der Erde. Dazu noch eine in Pakistan produzierte Lederhosen und komische, weiss-rot karierte Hemden, die man bis ins 21.Jhdt in Bayern noch nie gesehen hatte.

Wir haben unsere Räterepublik noch nicht vergessen, wie uns das erneut die Gruppe Stuhlgang mit ihrem wunderschönem Lied "Von Kim Jong il das Siegen lernen" ans Herz legen will. Wie aber soll die hartelinie ihre Bodentruppen an die Front befördern, wenn wir auf oben benannte Betriebsstoffe zurückgreifen müssen, während die Regierungsmacht aus Franken über viel mächtigere Waffen verfügt.

Trotz all der Überbevölkerung herrscht bei uns ein Fachkräftemangel, dass einem der grösste Rausch nicht über die Niedergeschlagenheit hinweghilft. Was wollen wir denn mit Millionen von Syrern, die selber garkein Bier saufen. Ist ja nun wirlich nicht so, dass wir unter Lammfleichüberproduktion zu leiden haben, sondern unter Bergen von Schweinsbraten und einer Wiesn, die wir inzwischen umzäunen, dass keiner mehr davonlaufen kann.

Das ist doch Irrsinn! kein Wunder, dass da nicht nur immer wieder das alte Lied, sondern auch ganz andere wirre Gedanken entstehen. Diesem Land täte es mal ganz gut, wenn man von der Flagge den goldenen Streifen entfernte.
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Wem gehört die Wiesn 2016 - die Tragik der Allmende
Ich wollte erstmal lieber nichts sagen oder schreiben, weil irgendwie nicht so klar war, ob es eine Wiesn 2016 so geben wird oder nicht. Zudem komm ich grad von der Alm, also der Hochwiesn, und bin noch nicht recht orientiert. So ein persönlicher Almabtrieb ist auch ein innerlicher Abstieg, ein moralischer Niedergang, denn auf der Alm da gibt es bekanntlich ja keine Sünd, und hier unten, insbesondere auf der Wiesn, geht es vorwiegend darum.

Mein Nachbar sagte auf der kürzlich stattfindenden Räteratssitzung unserer Allmende sehr weise: "Was du nicht brauchst, gehört mir." Und ich hab ihm dafür nicht den Kopf eingeschlagen. So etwas ist also möglich. Die Wiesn gehört nämlich allen und vom Rest nur das, was man braucht.

Die Tragik der Allmende besteht also nicht darin, wie von einem Hornochsen wie Garrett Hardin behauptet wird, dass Menschen nicht in der Lage wären, Gemeingut gemeinsam langanhaltend zu nutzen, sondern die Tragik besteht darin, dass gerade Gierköpfe wie er und wenige andere durch intensive Landwirtschaft, durch beständige Leistungssteigerung, durch ständige Produktionsmaximierung, etc nicht nur die Allemnde, sondern den ganzen Planeten an den Rande der Existenz bringen. Schließlich bekam auch Elinor Ostrom, die Letzteres behauptet, dafür den Nobelpreis 2009 und nicht der glückerlicherweise schon verstorbene Soziopat Hardin oder die Chicago School of Economics.

Ausgangspunkt für die Münchner Räterepublik war eine Kundgebung am 7.November 1918 auf der Theresienwiese. Als der Rausch des Oktoberfests gerade verflogen war, nahmen jene, die vom Blutvergiessen die Schnauze voll hatten, das Blatt, die Waffen und vor allem die Regierugsgeschäfte selbst in die Hand, um in einem Freien Volksstaat Bayern dem Volk eine Art Selbstverantwortung an die Hand zu geben.

Daraus zu schließen, dass man dadurch wohl gesehen habe, dass es nicht funktioniert, wäre entsprechend zu behaupten, schon der Kolonialismus habe gezeigt, dass es die Indianer und Völker Afrikas und Asiens eben nicht alleine schaffen. Die Macht des Stärkeren ist nicht zwingend der Beweis seines Rechts, den anderen was wegzunehmen. Nur weil eine Berliner Regierung die Weissen Garden aus ganz Bayern rekrutierte und bewaffnete, die den Münchnern den Gar ausmachten, heisst das nicht, dass die Münchner das nicht selbst gewollt und geschafft hätten. Enstprechend war es auch nicht das Volk von Burkina Faso oder Chile, das Thomas Sankara und Salvador Allende exekutierte, sondern stets das Militär mit Hilfe auswärtiger Staaten wie den USA und Frankreich. Die naheliegende Schlussfolgerung wäre schon eher, dass man zuerst die Regierung und das Militär als Handlanger der multinationalen Konzerne eleminiert, um sich anständig selbst zu regieren. Der Fisch stinkt eben immer vom Kopf her.

Und so ist es auch mit der Wiesn 2016. Denn was macht der Wirt ohne Gäste ... kein Geschäft. "Es ist halt Scheiße"
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Donnerstag, 18. August 2016
hate the hate-speech und Tod allen toten Faschisten
Man kennt das ja von früher, die Hundehasserhasser und die No-Go-Zone-Goer. Die Frage ist ja immer, ob die zerstrittenen Parteien irgendwelchen Argumenten zugänglich sind, den richtigen Argumenten natürlich, oder ob die Fronten schon so verhärtet sind, dass nur noch scharf geschossen wird, sobald einer den Kopf rausreckt. Aber selbst wenn der totale Krieg herrscht, wie in den beiden Weltkriegen, sollte man hoffen, dass irgendwann auch wieder geredet wird. Sonst wird man um eine erneute Bombardierung a la Dresden oder die Hiroshimabombe nicht umhin kommen. Die totale Auslöschung des Feindes ist und bleibt immer eine der möglichen Lösungen.

Sachliche Argumente ok, aber unsachliche Argumente, wie dass Preussen und Bayern in einer Nation zusammengefasst sein sollten, ich weiß ja nicht. Am Ende könnte man gar denken, dass Deutschland ein Land war und immer gewesen ist, wo lauter Deutsche leben. Gerade noch einer der letzten Flecken Europas, die es aus einem Flickchenteppich zur Nation geschafft hatten und keine 100 Jahre später sah man sich durch irgendwelche blutigen Bande aneinander gefesselt. Ob man das noch gelten lassen soll, kann, darf? Für mich ist das Rassismus aus der untersten Schublade.
Manch Unding wie eben genanntes hat sich ja bereits so eingeschliffen oder ist gerade im Begriff des Einschleifens, wie das Verbot von Raucherkneipen. Mit diesem Schleifen werden zugleich die Messer gewetzt für eine unselige Zukunft. Meine Schwester sagt immer: die Toleranz hört da auf, wo die Intoleranz anfängt.

Im Internet ist das natürlich doof, weil die Leute da was schreiben, ehe man ihnen das Maul stopfen könnte. Da muss die Zensur schon schneller als das Licht reagieren, um wenigstens noch ein wenig Anstand zu retten und uns vor dem Schlimmsten zu bewahren. Da liest man dann Sachen, die man, noch ganz verklärt von all der Werbung und sonstigen Einblendungen, schnell mal glaubt oder gar für richtig hält, ehe einem einer erklären könnte, dass es totaler Mist und schlimmste Propaganda ist.

Da wünscht man sich die Delete-Taste voll in der Mitte der Tastatur und viermal so groß wie die Return-Taste. Und man frägt sich, warum das eigentlich alles so ungefiltert rein darf. Keine Einlasskontrolle, wie sich das für gute Veranstaltungen so gehört. Oder einen Internet-Führerschein. Glaubt man garnicht, dass es so was in unserer zivilisierten Welt noch geben darf. Freiheit kann es doch nur geben, wenn man die Scheisse der anderen verbietet.

Glücklicherweise erklären sich die letzten Kämpfer für das Gute und Schöne wie Facebook und Google bereit, diesem Wust an Unsinn und Amoralität entgegenzutreten und rauszuwerfen, was nicht reingehört. Hätte man schon früher mehr von China oder Nordkorea lernen können, wie das geht. Nachdem das halbe Land schon lichterloh brennt, wird endlich wieder ein wenig gelöscht. Dass man die Kommentare aus den Online-Zeitungen rausgenommen hat, ist bei einem Wahlvolk aus Schafen und Wölfen nur konsequent.

Einfach mal das Falsche zu löschen? Warum nicht. Merkt doch nachher keiner mehr, dass da ein Fehler war. Das ist wie bei der Rechtschreibung, wenn man über den korrekten Text nochmal hinwegliest, weiss man nachher nicht mehr, wo die Fehler waren. Den Fehlerteufel mal ausgetrieben, lebt es sich einfach besser, zumindest für einen selbst. Also nicht nur die Fehler müssen raus, sondern die Fehlerteufel gleich mit. Ist doch wie bei ner Wohnung. Wenn man die mal so gründlich durchgereinigt hat und alle Fenster und Türen geschlossen hält, dann bleibt das so für ewig. Merkt man ja schon bei der Autoreinigung.

Warum sollte das für den Faschismus nicht gelten. Wenn man ihn erstmal so richtig ausgemerzt hat und all die Flausen eleminiert, dann sollte es eigentlich passen. Denn woher käme denn dieses krebsartige Hirngespinst, wenn es endlich bis auf die letzte Zelle ausgelöscht ist. Gedankengut kann man es ja wohl nicht nennen. Die entsprechenden Bücher müssen selbstverständlich gleich mit auf den Scheiterhaufen.

War es Marcuse oder so ein Spinner, der gesagt hat: Im Falschen kann es kein Richtiges geben. Dann doch im Richtigen auch kein Falsches. Und wenn doch, muss man hald ein wenig nachhelfen. Wie mein Vater gesagt hat: Das ist doch nicht schwer zu begreifen. So gehört das eben. Sonntag geht man in die Kirche und nicht auf den Spielplatz. Die CSU regiert hier aus gutem Grund schon seit Menschengedenken, weil die Sozis hier eben nichts zu suchen haben. Die Wähler der Grünen fliegen doppelt so viel mit dem Flugzeug, weil sie beim Rest schon so sparen. Und wo Gutmenschen ihr Wesen verbreiten, kann das Unwesen der Falschmenschen nicht weit sein.

Jetzt wird es nur schwierig bei den Witzen, die sich doch zumeist daran erheitern, dass eine ihrer Zielgruppen fehlerhaft oder einfach nur dumm ist. Bei den Ostfriesen ist das offensichtlich, bei den Preussen geschieht dies aus dem Gefühl der Minderwertigkeit des Bayern heraus, dem Seppl, der die von deutschen Steuergeldern finanzierte Kuh auf eine imaginäre Alm treibt. Dem Ösi, der sich bis heute noch irgendwie angeschlossen fühlt, darf man auch gerne mal eins auf die Mütz geben. Wenn der Witz aber mal die Nationalgrenzen verlässt oder gar über die EU-Grenzen hinausschiesst, dann ist es nicht mehr nur unwitzig, sondern verfolgungswürdig, wenn nicht gar strafbar. So lustig wie heute die Comedy-Shows ins Wohnzimmer prasseln, brauchen wir Witze eigentlich nicht mehr. Ab in den Papierkorb damit und gleich ein wenig Strafzoll für alle Witzbolde, die es noch probieren.

Weil wir uns für die Verbrechen unserer Vorfahren schämen, ist jetzt das Fremde das Nahe ... solange es fremd bleibt, möchte ich mal anmerken. Im Grunde ist es das gleiche Prinzip, warum es im Urlaub immer schön ist und die Leute alle so lieb. So einen Schutz oder ähnliches Mitgefühl würde man den Pennern vor der Haustür oder den lausigen Alkoholikern mal wünschen. Aber wer bis an unsere Haustür anstinkt oder ungepflegt auf unserer Strasse rumläuft, für den wird dieser Minderheitenschutz gerne mal ausgesetzt. Wer sich so lausig seine eigene Zukunft in unserer Gutgesellschaft verbaut, der darf sich gerne wieder hinten anstellen. Jetzt sind erstmal andere dran. Und wer blöd daherredet, kriegt gleich mal Rede- oder Hausverbot. Das ist doch nicht zu viel verlangt.

Also, wo war ich stehengeblieben? Bei dem Tod den toten Faschisten. Ach, was spar ich da rum? Tod allen Toten!
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Dienstag, 16. August 2016
no country for old smokers
Ich meine, man sieht das überall. Die Zeiten werden härter. Hier zumindest im Land von Biomilch, glutenfreiem Honig und fetten Autos. Früher hatten wir noch Nischenjobs. Wer nix will oder kann, geht zur Post oder Bahn, war die Devise. Jetzt müssen wir schon kontinentalfremde Zuwanderer importieren, dass uns überhaupt noch jemand die Briefe bringt. Eigentlich ist es ja fast besser, dass die neuen Billiglohnpostler (geblieben ist also: wer nix will, geht zur Post) nicht mehr des Lesens oder gar des Deutschen mächtig sind, sonst lesen sie uns auch noch die Briefe vor unseren Augen weg.

Aber am besten sieht man die Entwicklung am Auto, dem Phänomen unserer Zeit. Ich weiss garnicht, wann Sicherheitsgurte erstmals erfunden wurden. Aber ich kenne noch Zeiten, wo man sich nicht unbedingt anschnallen musste. Inzwischen muss jeder sich festzurren. Bald wird der Fahrer auch noch Helm tragen müssen. Das kann nicht mehr so lange dauern.

Rechte und Pflichten hat mein Vater immer gesagt. Da sehe ich die Waagschale heutzutage aber gewaltig schief hängen. Das Leben wird härter und nirgendwo wird es weicher. Selbst Moospolster fühlen sich inzwischen wie Hartgummi an. Das Einzige, wo man an Härte offensichtlich spart, ist die Karosserie und bei den Stoßdämpfern. Letztere hat man gleich ganz abgeschafft. Ist auch irgendwie ein Zeichen der neuen Härte. Zumindest für den Fahrer.

Ich denke, ich zähle mich vom Gesichtpunkt der Lebesstilistik zur entarteten Kunst, zu den Dingen, die irgendwie ausarten, Gattung Raucher.

Ein hartes Land. Rauchende Colts, but no mercy, bullets but no smoke. Miese Tricks und eine ganz andere Art der Mathematik, wo aus einem Glimmstengel eben mehr Abgas rauskommt als aus einem Auspuff, wo 2,1 Kubik Hubraum mal 4000 U/Min ganz im Gegensatz zu 5 Zügen multipliziert mit einem sehr, sehr eingeschränktem Lungenvolumen keine letale Dosis darstellen.
In Bezug auf Geschichtsfälschung kennt man ja so einiges. Ich denke, dass auch die Tatsache niemals ans Tageslicht kommen wird, dass abertausende rauchender GIs vorwiegend deswegen nach Vietnam geschickt wurden, um dort massenweise dahingeschlachtet zu werden, wie alte Kippen im Aschenbecher. So was möchte man lieber nicht wissen. Soll mir mal einer einen bekannten, rauchenden Feldherren nennen.

Auch ich, Feldherr so mancher Bodentrupe, liege hier im Schutz eines verstaubten Holzschuppens, um von jener faschistoiden Intoleranz, der wir unsere Freiheitskämpfe geopfert haben, nicht augenblicklich zerrissen und dahingeschlachtet zu werden. In meine Lunge rasselt es, doch kein Tönchen dringt nach aussen, um nicht entdeckt zu werden. Husten wäre jetzt mein letzter Atemzug. Ein so befreiendes Hüsterchen könnte mir Kopf und Kragen kosten, hier im Schützengraben des Rauchers. Schlechthin alles oral Lustvolle muss im Geheimen seine wenn auch nur teilweise Befriedigung finden. Selbst hinter jedem Kaffee wird heute oft schon der Sargnagel der Menschheit vermutet.

Und dann das Zentralproblem schlechthin. Wohin mit dem Rauch? Am liebsten würde man ihn ja nicht mehr hergeben, aber selbst durch tiefstes Inhallieren und minutenlanges Verharren der Lungenflügel, die keinen Schlag mehr wagen, entweicht letztendlich doch noch ein wenig fast schon unsichtbarer Rauch. Vorbei sind die Zeiten, wo man mit zum Froschmaul gerundeten Lippen noch verschwenderisch schöne Rauchring beim Ausatmen formen durfte. Widersinnigerweise sind es die sehr verbotenen Orte, wo man das Beweismittel Rauch noch am einfachsten verschwinden lassen kann. Flugzeugtoiletten, wo man in die Absaugung beim Spülvorgang bläst oder die leicht gekippten Oberfenster in den Eilzügen, die den Rauch durch ihre Sogwirkung hinfortreissen.

Im Zeitalter der allgegenwärtigen Überwachungskamera wird der Raucher dank Wärmebild ja nicht nur an den entweichenden Wolken, sondern auch aufgrund seiner erkalteten Gliedmaßen wie dem Raucherbein oder den stets bläulichen Händchen sofort erkannt. Und dann die vergilbte Haut zwischen Zeige- und Ringfinger. Dieses Schandmal ist heute jedem Kleinkind ausnahmslos bekannt. Und das, obwohl es kaum mehr Raucher gibt. Logischerweise. Denn Rauchen tötet.

Herrje ... ich wurde entdeckt. Jetzt gibts Schelte und eben kein schickes Ende für diesen Beitrag. So wird es die Raucherliteratur natürlich nie in die Geschichtsschreibung schaffen.
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Montag, 1. August 2016
Nano, der neue Dreck
Und da hat sie Recht, meine doch eher technikuninteressierte Kollegin. Mit dieser Nanotechnologie kommt doch nur wieder noch mehr Schmutz aufs Parkett. Kleine unscheinbare Partikel, die man noch nicht mal mehr mit Mikrofasertüchern oder dem Stahlbesen wegbekommt. Wo doch jetzt schon, trotz geschlossener Fenster, selbst im Urlaub Unmengen von Staub und Schmutz in unsere Wohnung eindringt, ohne dass wir erklären könnten, wo der denn herkommen sollte. Die Silberfischchen bringen ihn wohl nicht mit.

Jetzt also noch kleinerer Schmutz unter dem Kampfbegriff Nanotechnologie, vermutlich weil Atomtechnik nicht mehr so positiv besetzt ist. Das ist wie TTIP, das erst noch CETA oder TISA hieß, am Ende aber doch der gleiche Trick ist, um mir an die Wäsche zu gehen und mir noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. Solch lausige Pseudowissenschaft kann nur mit kinetischen Impulsen bekämpft werden, seien es nun Ohrfeigen oder Fußtritte unterhalb der Gürtellinie.

Wir sind im Post-Post-Zeitalter angekommen. Die Post-Post, die einfach weg ist, weil nun auch der Supermarkt weg ist, in dem sie vorübergehend untergebracht war. Der Supermarkt war scheinbar nur ein Zwischenlager für jene ehemals verbeamtete Postfiliale, die nun im Nichts endgelagert wird, samt den bösen Atomen, die nicht ins Bild einer sauberen Nanotechnologie passen. Wir sind angekommen im postpostalischen Zeitalter der emails, in der Ära des Elektrons als Botenstoff, das kein Arbeitsentgelt oder menschenwürdige Pausen fordert.
Wir brauchen keine Nano-Autos, sondern eine andere Verkehrspolitik, wir brauchen keine Mikroorganismen, die unser Plastik fressen, sondern einfach kein Plastik mehr. Sonst wird es uns bald gehen wie der Post, die die maximale Winzigkeit bereits erreicht hat.

Wir haben uns inzwischen heruntergearbeitet auf einen Mindestlohn und die Molekularebene der Idiotie, die meint, dass wir mit noch mehr Technologie die bisherigen Umweltsünden wieder ausbügeln könnten. Bakterien, die sich vom Ölfilm auf dem Golf von Mexiko ernähren und andere, die aus dem Nichts billiges Benzin hervorzaubern. Nanopartikel, die uns vor dem schützen, was wir letzte Woche noch erfunden haben. Killer gadgets, die den genetical underground im Zaum halten.

Liebe Kollegen, dont drink the cool aid! Meine Kollegin hat da vermutlich mehr Technikverstand als die over 5000 Quantenphysiker und Nanotechnologen. Wir brauchen keine Mass, die in ein Schnapsglas passt, und wir brauchen nicht noch kleineren Dreck. Wir brauchen einen stabilen Bierpreis und eine gemütliche Umgebung ohne drängende Fortschrittsgedanken, die uns erlaubt, die Mass in aller Ruhe zu trinken. Mehr nicht.

Skype Mitbegründer Jaan Tallinn findet das übrigens auch.
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Donnerstag, 21. Juli 2016
Meine erste Wurst: Darmgrippe und Rebirthing
"Einmal die 1 auf 00, bitte." Auf dem Weg zum Ziel verliert er fast schon die Hälfte seines Körpergewichts im Flur. Unser Reporter Maria Di Ficciano berichtet live von der EM der Würste.
"Ich scheiss auf die Toilette! Das kann doch nicht sein. Trotz Ballbesitz kackt er im Mittelfeld total ab. Der Torraum bleibt völllig unbefleckt. Dafür ist das Mittelfeld ein totaler Saufhaufen. Eine Anhäufung von Fehlpässen sozusagen."

Bei Darmgrippe wirkt jegliche Politik und selbst der sonst so zentrale Sport plötzlich fern und zweitrangig. Ganz vorne steht die Verdauung, bzw deren Persönlichkeitsstörung. Man wird gebeutelt von fremden Mächten, von Fieberattacken und Krämpfen aus einem unbekanntem Innerem, das man sonst eigentlich nie spürt, als würde man aus dem eigenen Inneren angegriffen, das sich hinter Darmwänden verbarrikadiert, eine Koalition, die zerbricht. Ein Bein könnte man sich noch abschneiden, aber die Mitte des Körpers, die will man nicht verlieren. Jegliche Gegenwehr scheint ausgeschlossen. Eine Appeasement-Politik wie Brot für die Welt ist da der falsche Ansatz.

Kaum ist es drinnen, kommt es unten und oben schon wieder raus. Die Nudel hängt noch an der Lippe und wird trotzdem am anderen Ende etwas verfärbt wieder sichtbar. So lang war die Nudel noch nie. Wie lässt sich das medizinisch oder physikalisch erklären. Lichtgeschwindigkeit wirkt da wie die rechte Spur auf der Autobahn. Aus der Schüssel in die Schüssel, ohne gefühlten Zwischenwirt. Man kann wirklich von großem Glück sprechen, dass die Ohren da nicht mitmachen. Es wäre wahrhaftig kein Ohrenschmaus.
Das Clopapier kann man sich an solchen Tagen eigentlich sparen oder man ißt es gleich mit. Es bleibt einem nichts, als den Konflikt durch devotes, passives Verhalten auszuhungern.

Wirklich schlimm ist vorwiegend der psychologische Effekt, der vollständige Kontrollverlust. Wenn man nach einem langen Leben wieder die Macht verliert, über die eigenen Ausscheidungen zu herrschen, wieder Kleinkind wird, sich diesmal aber, durch die Mühle der Zivilisation geprägt, die Windel zurückwünscht, die man jetzt natürlich nicht zur Hand hat. Aus solch einem Moment heraus muss der Ausdruck "Am Arsch sein" entstanden sein.

... nach Tagen dann, nachts um 12, die erste Wurst. Wie ein Aal, der auch nur einmal in seinem Leben laicht, nach einer 5000km-Reise zur Saragossa-See, flutscht die Wurst ins Brackwasser der Toilettenschüssel. Die Speerspitze der Reconquista, die Wiedergeburt des Ich. Man möchte sich jetzt eigentlich gleich ein Bier aufmachen im Siegestaumel. Ein Weißbier, wegen der gesunden Hefe. Und schon gehts wieder los.
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Samstag, 16. Juli 2016
Erste Bodengewinne - Grenzverschiebungen der Wahrnehmung
1. Links und Rechts heissen jetzt Oben und Unten. Ost und West heissen jetzt Nord und Süd.

2. Nachdem man dem Glauben anhängt, dass Amokläufe wie der in Nizza oder Orlando im Rahmen einer terroristischen Strategie von islamistischen Fundamentalisten begangen wurde, werden die Schulmassaker in den USA von Columbine bis Sandy Hook nun als christlich-fundamentalistische Terroraktionen eingestuft.

3. Der Militärputsch in dem NATO-Mitgliedsstaat Türkei ist jetzt ein NATO-Putsch mit dem Amerikaner Fethullah Gülen an der Spitze?

4. Die USA hat sich als Unterstützer terroristischer Gruppen wie Al-Quaida selbst verurteilt und wird sich spätestens mit dem Wahlsieg Trumps im eigenen Land inhaftieren, nachdem der internationale Strafgerichtshof die USA bis heute nicht anerkennt.

5. Die deutsche Regierung wird eine Minderheitenregierung bilden. Dass sie sich rein stimmentechnisch eigentlich nur noch selbst vertritt, reicht bis heute leider noch nicht zu einer Absetzung.

6. Nusschnaps wird billiger und in den rückeroberten Gebieten wie Wassser und Luft zu Allgemeingut erklärt.
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Montag, 11. Juli 2016
Krieg dem Krieg - Aufruf zur Globalisierung der einsamen Seelen
An einem Fussballfinalabend erreicht man die wirklich einsamen Seelen in Blogs online. Vorwiegend Frauen, zugegeben, wobei man an den Umkehrschluss aus politisch korrekter Sicht garnicht denken sollte. In dieser Einsamkeit hat ihnen die Einführung des Frauenfussballs nicht wirklich weitergeholfen. Und da Menschen, bzw vorwiegend diese Frauen, keine einzige Sportart gerne ansehen, verpassen sie auch die ganze Alkoholwerbung. Sie werden sich nun fragen, in welcher Weise das für Sie als politisch Denkender interessant ist und was das mit dem Krieg im Irak zu tun hat, aber warten Sie ab, es hat weitreichendere Folgen, als sie vermuten.

Dass ich mit Politik nicht viel am Hut habe, hat nichts mit Politik zu tun, und dafür kann sie auch nichts, die Politik. Es liegt nicht an ihr, sondern an mir. Weder Fussball, noch Politik und noch nicht mal das Wetter interessiert mich. Ich lehne alles ab, was die Tagesschau zu bieten hat, möchte man meinen. So man die Tageschau in irgendeiner Weise ernst nimmt. Letztere interessiert besagte einsame Frauen ebensowenig wie die Sportschau. Nicht zufällig, wie sich noch herausstellen wird. Dabei versäumt sie dann nebenher noch ein paar Alkoholwerbungen und wird auch nie erkennen, dass ihr Mann die Nachrichten eigentlich nur desshalb verfolgt, weil anschliessend die Bundesligaergebnisse verlesen werden. Politik als Aufwärmrunde sozusagen. Warum noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, andernorts eine Gutausschau zu senden, ist mir rätselhaft, tut hier aber nichts zur Sache.

Mich interessiert der Terror. Ich bin in einer Großfamilie klein geworden, wurde so geprägt, dass ich mich mein Leben lang als ein Einpfennigstück fühle. Selbst nach der Währungsumstellung. Argumente wie "Wer den Pfennig nicht ehrt ..." konnten mir da nicht viel weiterhelfen, weil man ja weiß, woher die kommen. Von anderen Pfennigen. "Wer das Helle ist nicht ehrt, sollte kein Dunkles trinken". Ja, das macht Sinn. Denn wer keinen Alkohol trinkt, der ist entweder auf Drogen oder er hat noch nichts Schlimmes erlebt, hat noch nie sozialen Schiffbruch erlitten und den Abend in einer Bahnhofskneipe zugebracht, ohne Freunde natürlich. Terror und Alkohol. Das sind keine Brüder, sondern Verbindungsstrassen, wo das eine zum anderen führt.

Und weil während der Fussball-EM, insbesondere natürlich während des Finales, im Kopf eines durchschnittlichen Ehemannes ein kompletter Aufnahmestop für unsportliche Gedanken herrscht und jeglicher Restraum, jede vom Fussballfieber nicht infizierte Zelle, vom Bier besetzt, bzw gedeckt wird, hat der Eheterror hier keine Chance. Da kann sie zedern und sich die Haare raufen, mit Scheidung drohen. Während des Finales hat der heimische Terror keine Chance, kein Ziel. Die männlichen Scheunentore sind da nur offen für das runde Leder. Während des Tatorts könnte so eine Situation allerdings leicht ausser Kontrolle geraten, aber da sehen sie glücklicherweise ja beide zu.

Und genau das brauchen wir, um den Krieg gegen den Krieg zu gewinnen. Es gibt keine größere Macht als eine einsame Frau, die kein Gegenüber findet, die sich nirgendwo widerspiegeln kann, um ihre Launen auszulassen. Hier kulminiert eine Kraft, die es zu nützen gilt, wie eine Atombombe, die die man in der Hosentasche vergessen hatte. Genau da wollen wir eigentlich hin.

Worauf will ich also hinaus? Ich will Ihnen da vorab noch einen Tip geben. Die Fussball-WM in Qatar. Jetzt sollte es eigentlich dämmern. Also nicht dunkel werden, kein Sonnenunter-, sondern Sonnenaufgang. Morgenland, Fussball-WM, Bier, Terror. Na? Überlegen Sie mal. Wie sieht es mit der Bierversorung in Qatar aus, oder im Irak, in Afghanistan, Syrien, Palästina. Schlecht, Sie sagen es. Und weil man nun bereits seit einer Dekade versucht mit Krieg und Terror den Alkoholkonsum in den islamischen Breiten anzukurbeln, ihn vielleicht nicht auf Weltniveau zu bringen, obwohl das vielleicht schneller geschehen könnte als in der Disziplin Fussball, ihn doch zumindest zu etablieren. Absatzmärkte erschließen, sagt man im Allgemeinen. Und jetzt versucht man es mit einer Fußballweltmeisterschaft, durch die Hintertür. So als könnte man von hinten ins Tor schießen, wie Russland und die Ukraine in der Vorrunde ins Aus. Ich denke da nur an den nur allzu bekanten Fußballkrieg von 1969, obwohl sich nicht herausfinden ließ, welche Biermarke da verkauft wurde.

Aber genau hinter diesem Tor, am Spielfeldrand der Politik, mit der man den Alkohol dem Islam ins Netz ballern möchte, um endlich auch den Multiplikator des Terrors ins Land zu bringen, hinter diesem Tor stehen jene globalisierten einsamen Seelen, so neu und unerwartet wie die Torlinienrichter, und machen dem schmutzigen Spiel ein Ende. Mit jeder Plage erwächst stets auch eine Hoffnung. Fussballuninteressierte Frauen, fahrt 2022 nach Qatar und sauft den Männern das Bier weg. Einsame Seelen der Welt, vereint Euch. Krieg dem Krieg.
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Sonntag, 10. Juli 2016
Auf Feindsuche oder des Gärtners Blutspur
Brandneuer Blitzmelder: "Soeben erreichen uns erste Funksprüche, dass durch unseren Superaufklärer und Verbindungsoffizier kiezneurotiker, den wir bei Waffenkäufen im Baumarkt rekrutieren konnten, Einheiten der Organisation Feynsinn, die mit mythischen Kämpfern wie dem Spiegelfechter, der scheinbaren B-Waffe Hirnfick 2.0 und hartelinietypischen Truppenbewegungen wie der flatter (die morgendliche Flatter nach dem Entzug) aufwarten, sich uns anzuschließen versuchen. Also eine mehr als schlagkräftige Truppe. Wir werden all unsere Kampfkraft und mehrere Divisionen unserer Horden ins Feld werfen, um den Erstkontakt mit diesen freundlichen Truppenverbänden nicht abreissen zu lassen, und uns zu Ihnen durchzuschlagen wie durch Grappa-Mousse.

Eine erneute Teilung der Ostfront wird nicht hingenommen, sondern unsererseits die feindliche Frontlinie durchbrochen. Bei den derzeitig blendenden Leberwerten lassen sich vielleicht schon morgen erste positive Meldungen verlautbaren."


Ab durch die Hecke huscht das Vorkommando der Bodentruppen der knallhartenlinie. Lediglich auf den Bildschirmen der öffentlich-rechtlich-Privaten ist der Feind zu sehen. Dort allerdings in seiner ganzen Körperbreite und rund um die Uhr. Wenn man aber mal vors Haus geht, ist er nicht da. So möchten wir Ihnen durch diesen kurzen Livebericht einen Lichtblick durch den Dschungel bieten, der uns bisher die Sicht für das nötige Sperrfeuer verstellt. Begleitet von unser bisher einzigen militärischen Aufklärungsdrohne, der Schnapsdrossel, kämpfen sich mutige, in olivegrüne TexStandard-Camouflage gekleidete Brigaden Richtung Osten.

Durch Hartriegel und Dornbusch, von Rosendornen geküsst, der Kretzmilbe näher als der gefürchteten Zecke. Auge in Auge mit der jungen Vogelbrut spreize ich meine Hautfetzen an den Knochen durch die Hecke. Die Nähe zur Natur kann manchmal auch zu nah sein. Von aussen bohrt sich die Brombeere ins Fleisch, von innen die Gartenschere ins Hosenbein.

Die Benziner-Heckenschere rasselt und qualmt, selbst zwischen Sommerflieder und Jasmin riecht es wie auf der Autobahn. Und just als ich über Kopf arbeite, öffnet sich der Tankdeckel. Das wär mal ne brandheisse Schlagzeile: Bodentruppen der hartenlinie machen Bodengewinne durch Selbstverbrennung. Aber schmutzige Ersatzwäsche liegt glückerlicherweise immer über den ganzen Fussraum im Auto verstreut, zwischen WD40 und Schneeketten. Hier wird nie ausgeräumt, sondern nur von hinten nach vorne verstaut und vice versa. Ja, die Winterreifen sind natürlich auch noch drauf, weil man seine Zeit eben lieber bis Sonnenuntergang im Gebüsch verbringt, um sich nicht unnötig der Sonne und der allgegenwärtigen Gegenüberwachung auszusetzen.

Insekten, von der Zecke und Kretzmilbe mal abgesehen, teilen nicht gerne, auch nicht das Revier. Im stummen Eck bodendeckt die Taubnessel als Hummelmagnet. Doch selbst Biene und Wespe zählen eher zur friedlichen Sorte, wenn man die Gastfreundschaft der Griebelmücke als Vergleich heranzieht. Zum Frühstück und Abendessen gibt es bei Griebelmückinger nämlich Blutsuppe, die sie nicht absaugen, wie der anständige Mosquito, sondern sich einfach reinbeissen bis der Lebenssaft fliesst. Wer sich dieser Tortur zweimal täglich je 2 Stunden wehrlos ausliefert, muss sich nicht wundern, wenn abends das Bein vom Allergieschock anschwillt, als müsste man augenblicklich amputieren.

Man möchte, meine ich, meinen, je kleiner desto gemeiner. So bedienen sich Ameisen so perfider Methoden wie des Quantensprungs oder des Wurmlochs, um einen von Kopf bis Fuss einzudecken, sobald man ihr Nest auch nur betrachtet. Eine wirklich elende Megastruktur, diese Ameisenunkultur. Wen man leider gerne öfter sehen würde, wie die Schnecke oder die Wühlmaus, um sie mit der Harke zu erledigen, zeigt sich fast nie. Kulturlebewesen schlafen nachts.

Rein physionomisch muss man feststellen, dass die Welt, die stets so gelobt wird für ihre Ordnung, durchaus nicht immer logisch ist. Beispielsweise liegt, steht oder schwebt beim Vordringen in feindliche Gartengebiete immer alles am Boden oder über Kopfhöhe, nie in Handhöhe. Das zwingt einen zu Bewegungen, die selbst beim Ballet oder Yoga verboten sind. Da nützt einem abends, wenn die Wirbelsäule durchhängt, auch die Idealhöhe der Arbeitsplatte in der Küche nicht mehr viel. Ganz im Gegenteil, der Begriff Idealhöhe wirkt dann geradezu zynisch. Der Rücken würde schmerztechnisch lieber mit den Händen im Mülleimer verweilen.

Ebenso wie den medial aufgerüsteten Feind, sehen Sie unsere Unkrautsoldaten nie. Selbst zu Zeiten der Waffenruhe, wenn sie es nicht mehr über die Tischkante hinaus schaffen. Die Reconquista des Girsch und ihrer Natoverbündeten, der Krieg im Garten, das Vorspiel zur großen Schlacht, bleibt dem Mitstreiter in der Heimat verborgen. So bitten wir Sie dennoch, uns weiterhin mit Ihren großmütigen Nusschnapsspenden zu überschütten, um wirklich gut durchpromillisiert dazustehen, wenn unsere Vorhaut den ersten Feindkontakt meldet und es endlich zum finalen Schlagabtausch kommen wird. Spätestens ab dem 8./9.Juli ist schließlich auch mit den vier gesamtdeutschen Bataillonen in Polen und im Baltikum zu rechnen. Das war gestern, also bleiben Sie einschaltbereit. Und nochmal danke für den Schnaps.
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