Freitag, 18. September 2026
Wiesn 2026 - nicht mit mir
Wiesn?! Mein heutiges Gesicht im morgendlichen Spiegel sieht aus wie eine Kinder-CD - verkratzt, zerfurcht und voller Schmuddel. Wie kann das eine Gesichtserkennung händeln?
Wenn man mich als hingegen als Gesichtserkennungskamera einsetzen würde, wären alle sicher vor Überwachung. Für mich sehen aus vier Meter Entfernung alle gleich aus. Ich bin auch kein Freund von Fernwärme. Aufgrund meiner Körperbeschaffenheit bin ich ein großer Befürworter von Nahwärme. Ich stehe gern allein am Holzofen und heize mich auf, ich mag keine Anderen.

Und jetzt wieder die nächste Scheiß Wiesn. Wo man früher die heimischen Fanatiker von aufgeblasener Boaznstimmung mit Freimarken lockte, um wenigstens in den Außenbezirken der Stadt zwischen 10 morgens und 10 Uhr abends ein wenig Ruhe zu finden, importiert man jetzt das weltweite Lumpenpack, das ausschließlich vom Stammhirn gesteuert wird mit den Grundfunktionen Saufen, Pissen, Ficken. Für das kulturelle Großereignis Oktoberfest.

Ein Schauspiel ist für mich die Morgendämmerung, die Symphonie der Vögel, der taufrische Bodennebel, das Lichtspiel der Pappel, der erste Ausflug des Zitronenfalters, während es für andere ein in Wände gezwängtes Theaterstück ist, zu Unzeiten, wo jedes normale tagaktive Tier längst in seiner sicheren Höhle liegt. Zu mir spricht eine Birke weit deutlicher als ein Heinrich Heine. Sie hat durch die Flechten an ihrer Wetterseite, durch ihren Wuchs, die Ausbildung ihres Wurzelwerks das beständig mit den unterirdischen Pilzkulturen und anderen Bäumen kommuniziert, durch ihre Wunden, Zwiesel und den Baumkrebs auf Augenhöhe, durch die anmutigen Bewegungen der Baumkrone eine andere Ausdrucksform. In ihrer kulturellen Ausdrucksweise steht sie einem Heine zumindest gleich, in ihrem Spannungsbogen meines Erachtens weit darüber. Ein Hölderlin oder Trakl ist für mich nichts weiter als Sekundärliteratur - verglichen mit dem Sonnenuntergang in natura.

Wiesn mit dem Liter Bier für 15 Euro, aber bei der Anfahrt über den Benzinpreis jammern. Viel Spaß … ich will nur hoffen, dass mir morgen bei meiner Flucht nicht irgendein Folklore-Umzug in die Quere kommt.
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Mittwoch, 12. August 2026
Hyperakusis
Ich bin phonophob, ich bin ein Feind der Schallwelle, jeglicher Schallwelle, die in meinen Luftraum eindringt. Besonders misstrauisch bin ich gegenüber jenen Flachlandvölkern, die davon ausgehen, dass Stille ein bedauerlicher Systemfehler sei.

Ich dagegen bin ein Architekt der Stille. Denn erst wenn nichts mehr klingt und frequentiert, kann das eigene Ich vorsichtig vorrücken. Die Stille ist kein Mangel an Geräusch, sondern ein hervorragend eingerichtetes leeres Blatt, auf dem sich die eigene Geschichte fantasievoll schreiben lässt. Die lärmende Masse hingegen scheint beherrscht vom Horror vacui.

Physikalisch hat der Schall in Luft ohnehin irgendwann seine Obergrenze erreicht: ungefähr 194 Dezibel. Danach wird aus der Welle gewissermaßen eine Druckkatastrophe. Man könnte sagen: Selbst die Physik hat irgendwann genug und bittet um Ruhe. Ich gehe davon aus, dass wir uns aufgrund der Tatsache, dass sich Schall unter Wasser sich noch schneller auf sein Opfer stürzt als an der Luft, evolutionär aus dem Wasser an Land bewegt haben.

Das Universum selbst liefert dafür einen gewissen Trost. Im Perseus-Galaxienhaufen erzeugt ein Schwarzes Loch Druckwellen im heißen Gas – einen Ton, der etwa 57 Oktaven unterhalb des mittleren C liegt. Eine Schwingung dauert dort ungefähr zehn Millionen Jahre. Das ist eine angenehme Form von Musik: Man muss nicht befürchten, dass der Refrain plötzlich wiederkommt. Leider ist auch diese kosmische Gelassenheit nicht von Dauer, denn auf der Erde genügt bereits ein Staubsauger, um die Zivilisation an ihre Grenzen zu führen.

Am Anfang war das Wort - will heißen: zeitgleich mit der Entstehung des Universums kam der Schall. Der Urknall war auch gleich das lauteste Geräusch, das uns aus dem Nichts geblasen hat. Vielleicht erklärt sich daraus die rätselhafte urmenschliche Neigung zur Hyperakusis, zur Phonophobie und zu jener existenziellen Abneigung gegen Geräusche, die man gewöhnlich erst bemerkt, wenn irgendwo jemand einen Kugelschreiber fallen lässt. Schallwellen sind schließlich keine lockenden Sirenen, sondern parasitäre Wesen, die sich von Stille, Ruhe und dem akustischen Nichts nähren. Je weniger man hören möchte, desto hungriger werden sie und wollen gleich alles vollkritzeln mit ihren Frequenzen.

Überhaupt ist die Welt voller akustischer Zumutungen, die sich als Kommunikation tarnen. Das Rascheln einer Chipstüte im Kino, das Klappern von Besteck in einem überfüllten Restaurant, das unvermeidliche Räuspern kurz vor dem Beginn eines Vortrags. Es sind kleine akustische Terroranschläge auf das leere Blatt der Stille. Und immer gibt es jemanden, der danach sagt: „Ach, so laut war das doch gar nicht.“

Doch Lärm ist nicht nur eine Frage der Dezibel. Lärm ist auch eine Frage der Ungefragtheit. Ein einzelner Vogel kann den ganzen Morgen zwitschern, ohne dass man ihn des Lärms bezichtigt. Ein Mensch dagegen kann drei Minuten lang über den Preis von Benzin oder Marmeladengläsern sprechen und damit einen akustischen Ausnahmezustand herbeiführen. Offenbar besitzt das Universum keine objektive Lärmmessung für das Unerträgliche.

Vielleicht liegt darin die eigentliche Aufgabe des Menschen: nicht immer noch mehr zu sagen, sondern gelegentlich etwas unausgesprochen zu lassen. Einen Gedanken nicht auszuformulieren. Einen Satz nicht zu Ende zu bringen. Ein Gespräch einfach in der Luft stehen zu lassen, bis es sich von selbst in Stille verwandelt.

Und irgendwo dort, weit unterhalb des mittleren C, schwingt das Schwarze Loch im Perseus-Galaxienhaufen seinen kosmischen Bass. Seit Millionen von Jahren.
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Samstag, 18. Juli 2026
Der feuchte Traum vom Regen

Die Zeit des Erwachens auch für Langschläfer wie die fliegenden Ameisen und die Siebenschläfer, deren Unwesen jährlich ab dem 27.Juni droht.

wer ihn schon mal segeln hat sehen, versteht sofort, warum Segelfalter

Alle nach der Maat neu- und wiedergeborenen Familienmitglieder der Pflanzenwelt, dieses Jahr gleich zu Beginn in spürbaren Wassermangel hinein geboren, drängen sie sich trotzdem um die besten Liegeplätze am Wiesenstrand.

als Wegbegleitgrün geeignet, aber im Buchenwald chancenlos - eines jener Fobos (Fear of Becoming Obsolete)

Die Sippe der Huflattiche reserviert mit seinen ausladenden Blättern ganze Freiflächen, während Berufskraut und Bärenklau die Standortfrage himmelwärts strebend beantworten. Das Gundermännchen kriecht verstohlen, aber um so erfolgreicher, auf unterster Ebene in neu zu kolonisierende Gebiete.

Der Wolfs-Eisenhut, eine Begegnung der Dritten Art

Und gleich unter dem mageren A-Horziont liefert sich das Glaskraut mit seinen krakenartigen Wurzeln ein Rennen mit etwaigen Rhizomen.

Leben an der Abbruchkante - da kann man schon mal für die Zukunft üben

Magnolie und Glyzine setzen zur zweiten Blüte an, während das Kartoffelkraut geplagt von Hitze und Trockenheit bereits das Zeitliche gesegnet hat.

Trotz all dem Gewusel und Getriebe findet sich für alle ein Plätzchen. Und am frühen Abend kündigt sich mit Wetterleuchten der erste Regen seit Wochen an. Alles eilt noch schnell zu Distel und Flockenblume, um sich den Magen vollzustopfen mit dem überbordendem Nektar im Frühlingsangebot.

die Nymphe einer Reiswanze auf einer Jungfer im Grünen

Lovebug

selbst der Name hiflt dem Regenbogen-Blattkäfer nichts in dieser Wüste

Die Wolkenfront dringt nur widerwillig bis zu uns. Hoch oben im Tal fahren elektrostatische Entladungen quer über den azurblauen Abendhimmel - St.Elmores Fire. Angezogen vom Blitzgewitter zeigen sich nun auch die Stars in der Manege, die Glühwürmchen in ihrer Prominenz. Bioluminiszenz und elektronisches Gewitter, Fledermaustänze vor glühendem Blau, doch aus dem Himmel brechen weder Schweiß noch Höllenkugeln und das blitzblank gewaschene Träumchen vom erlösenden Regen biegt nordwärts ab und zieht abermals an uns vorbei. Auch für heute ist massenhaft Regen für Kärnten vorgesehen, der es aber nicht durchs Tauernfenster schaffen wird. Da bleibt einem Nichts als durch die tagsüber verschlossenen Fenster auf die weiterhin regenlose Hitzebrut zu starren und sich als prächtiger Blattkäfer den angenehmen Seiten des Lebens zu widmen.

Während also das lohnarbeitende Volk von der Regierung als fauler Sack beschimpft wird, gilt das neue "Bravo und Hurra" jenen Shortsellern, die gegen SpaceX gewettet haben. Der ehemalige Chef von Black Rock Deutschland sieht die Zukkunft somit eher in einer Casino-Wirtschaft, wo man vormittags seine Wetten abschließt, mittags sich dem Ausbau seiner Jacht widmet und abends die Wetterlöse mit den Krediten auf seine Immobilien gegenrechnet.
Jenen Leerverkäufern, die in der SpaceX-Angelagenheit rund 8,7 Milliarden Dollar verdient haben, sollte man zukünftig nichts weiter als virtuelles Wasser und digitales Brot auf einem leeren Teller servieren, um zu eruieren, wo so was hinführt.

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Sonntag, 5. Juli 2026
Paradies im Nirgendwo
Bei einem konspirativem Treffen in einer Pizzeria südlich der peraridriatischen Naht habe ich mir sagen lassen, dass man in Deutschland jetzt den Faulenzern Beine macht - wo man es beim Wal schon nicht geschafft hat.
Erhöhung der Sozialabgaben für die, die eh schon arbeiten und zeitgleich Attestpflichtverschärfung. Stinkfaules Teilzeit-Pack.
Die, die vorher schon nichts getan haben, wird das nicht viel jucken. Mich auch nicht wirklich. Wer sich so was als Chef im Haus wählt, selbst Schuld.

Ähnlich der Politik verhält es sich mit dem Wasser, dem es egal ist, ob es dich als Regen trifft oder dich in seinem Strom mitreißt. Es kriecht nicht wie eine Schlange auf der Suche nach Nahrung durch dein Gebälk, sondern tropft durchs Dach, weil es den Weg des geringsten Widerstands sucht. Das Wasser ist faul, träge, will immer nur seine kinetische Energie abstoßen, nach unten, nach unten. Nach oben nur, wenn Widerstände es zwingen. Die Welle ist keine Erfindung des Wassers. Die Welle wird dem Wasser aufoktroyiert vom Widerstand selbst. Kaltes Wasser ist noch fauler als warmes, welches sprudelt, blubbert, spritzt. Heißes Wasser dehnt sich aus, später kühlt es sich ab, bis es den kinetisch tiefsten Punkt erreicht hat, sich nicht mehr bewegt.
Vermutlich hat Wasser nicht besonders viel Bewusstsein, doch als Eisblock tief im Gletscherinneren findet es möglicherweise seinen tiefsten Frieden mit einem Fünkchen Bewusstsein und einem Lächeln. Permafrost, da ist jetzt bald Schluss mit lustig.

Ähnlich verhält es sich mit Steinen. Auch sie scheinen stets talabwärts zu wandern und nicht himmelwärts zu flattern wie die Vögelchen. Auch ihnen - zumindest dem Alpenstein - scheint die Hitze nicht zu bekommen. Alles rutscht ab. Ganz unbewusst, von äußeren Umständen getrieben. Der Stein selbst scheint bewusstlos, untätig. Selbst für den Steinschlag muss er nicht ausholen, sondern sich einfach lösen aus dem buddhistischem Dasein als Gesteinsblock im Alpenmassiv. Jeder möchte den niedrigsten Energielevel erreichen, nur der Homo sapiens sapiens will nicht altern und schon gar nicht sterben.
Und mit der Arbeit ist das so eine Sache. Wer ist schon wirklich Fan von Lohnarbeit. Aber Hobbykeller und Autoschrauben, den Garten voller Blumen, da zahlt man sogar dafür, dass man was tun darf. Gilt die Attestpflicht ab dem ersten Tag auch für den Bundeschef? Kann man sich gar nicht vorstellen.

Die zweite Junihälfte ist eine aktive Zeit. Termine, Termine. 24.Juni Johannistag, 27.Juni Siebenschläfertag. Letzte Rhabarberernte, Johanniskrauternte und im Beerenfeld der ungleiche Kampf gegen das Vogelvolk.

Alles erwacht - auch ohne Arbeitsvertrag.

Ich stehe in einem Feld vom Berufskraut mannshoch, das eigentlich Garnichts tut als faul rumzustehen und leicht im Wind zu schaukeln. Blutbleich und butterweich, Sonnenschmelze. Die Schürze umgebunden, den Rücken-Akku draufgeschnallt, 5kg, gefühlt mehr, drüber den Tragegurt, vorsichtig, weil die Lasche fast schon ausgerissen, die leichte Mütze auf, wegen der Sonne und dem Dreck, den Freischeider eingehängt, beladen wie ein Packesel, Kopfhörer auf und los kann's gehen.

Der Fadenmäher arbeitet sich langsam den Hang hinab, langsam genug für die noch etwas unreife Blindschleiche.
Er elektromotorsenst sich durch die Pflanzenfront aus Süßgräsern, Storchenschnabel und Hahnenfuß, durch Lichtnelken, Akeleien und monströse Wiesenkerbel. Der Pflanzensaft spritzt fast schon erfrischend auf die von Brennnesseln angegerbte Haut. Gundermann, Glaskraut und Giersch geben in ihrer atomisierten Form diverse Geruchsnoten von sich.
Ein sensorisches Konzert nicht immer nur angenehmer Gefühle - auch für die Wiesenbewohner wie die rote Mordwanze,

die Böcke,

und die Raupenfliege

Rund um die freigeschnittene verbliebene Lichtung Wald so weit das Auge reicht, wo einst noch prächtige Almwiesen ihr volles Antlitz zeigten. Die subsidiäre Viehwirtschaft hat es einfach nicht in die Moderne geschafft. Sie ist wie ein lahmender Gaul auf der historischen Strecke abgeblieben. Ohrmarken, Veterinärskosten, Haftpflicht und als Todesstoß die Wiedereinführung der Wölfe.

Der tagsüber talaufwärts rauschende Wind mischt sich mit seinen zarten hohen Tönen in das gurgelnde Treiben des Baches und den Rufen des Kuckucks. Der Mann in der blauen Schürze mit Edelweiss hat sein Tagwerk getan. Das Surren des Freischneiders meldet sich ab, während sich die Buchfinken als Solisten im Orchestergraben einfinden.

Kinder sagen dir gerne die volle hässliche Wahrheit, wenn du alt wirst, tut das dann jeder.
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Montag, 1. Juni 2026

"Wenn man mit einem Genossen in den Wald geht und dessen Geschwätz entlaubt die Bäume und lässt die Vögel verstummen, braucht man schon ein starkes inneres Grün, um die Wälder nicht kalt und nackt zu sehen. Da hilft zum Beispiel, in ein echtes Grün zu fahren. In ein stabiles großes Grün und noch ganz andere herrliche Farben …"

- Anna Seghers

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Dienstag, 26. Mai 2026
Naturmuseum Zeckenland

In vordester Front die Weiden, gleich dahinter die Kiefern. Beide sehr wasserverträglich und die Kiefer auch trockenresistent. Eine einzelne Fichte, weil sie schnell hochschiesst, hier wo der Buchenwald keine Heimat findet. Abends um 6 láuft der Goldschakal hier seine eigene Fährte ab. Manche zeitlos ungebunden.

Andere etwas kopflos.

Im Flussbett, das alle paar Monate mal etwas und alle paar Jahre ganze Massen an Wasser führt, findet sich der Abbruch der alpinen Verwerfungen und erste Pionierpflanzen.

Heilpflanzen

Küchenkräuter

und manche einfach wegen der Optik

... Pantherspanner, Schlingnatter, Brillenschötchen, Wundklee, Thymian, Teufelskralle, Schwalbenwurz und Kreuzblume.
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Freitag, 24. April 2026
Der sudanesische Wal - Offenbarungen an meinen Chemotherapeuten
Man hat mich nicht von Geburt an zu jeder Gelegenheit nach Südtirol/Alto Adige, später auch über die südlichen Grenzen Polentoniens hinaus, geschleppt, jede Sekunde meiner Ferien, Fenstertage und verlängerte Wochenenden, ohne dass ich irgendwie ein wenig Italiener geworden wäre. Der Coretto aus Triest, wo man seine österreichische Abstammung noch in jeder Kaffeebohne riecht, die Pasta in Bologna, dem Magen Italiens, das Sprechen mit den Händen.

Ich bin kein grosser Freund von Essen, der ich mein Gemüt täglich in Nussschnaps bade. So würde ich ohne italienische Küche vermutlich schon lange verhungert sein. Und man muss vom Kochen nicht viel verstehen, um festzustellen, ob ein Pizzaiolo den Teig in den Steinofen geworfen hat, oder man in einer Welt gelandet ist, wo die Pizza so überladen ist, als würde man nicht merken, dass es sich um Ferigpizza handelt.

Und was bekommt man hier serviert: Fertigpizza mit Analogkäse und Emulgator-Rand, Convenience-Produkte. Das wirkliche Essen sieht man hierzulande nur noch in Koch-Shows. Serviert wird digital.

Ich spreche hier in Metaphern, denn eigentlich geht es um den sudanesischen Wal - den Bruder des Buckelwals von Poel, der uns angestrandet wurde wie eine animalische Schattenflotte.
Sicher, wer strandet, dem sollte man auf die Beine helfen. Und wer keine Beine hat, dem werden welche angenäht. Und wer es dann trotzdem nicht schafft, der kommt ins Fernsehen ... solange es sich - und das sollte man wissen - erstens um ein Tier handelt und zweitens irgendwie in unserer Nähe beheimatet ist. Mit sudanesisch wird das nix und auch nicht mit Betriebsratswal.

Wir bekommen serviert, was es im Klärbecken unserer Medien durch die Filter schafft. Erstklassige Berichterstattung heisst, dass die Dritte Welt mit zehntausenden von Toten und auch zweitklassische Großmächte wie Russland mit Gedenkveranstaltungen an einen millionfachen Völkermord darin nicht vorkommen. Duale Analog-Information, 0 und 1, gut und böse, schwarz und weiss, Buckelwal statt Grauwal.
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Sonntag, 12. April 2026
Ein Hin zur Aufputzgesellschaft, ein Heer von Idioten
An den Bahnhöfen meiner Stadt, wo man inzwischen nur noch hingeht, um zu sehen, ob doch noch was fährt, haben sie inzwischen die Bänke abgebaut. Aber nicht weggeschafft, sondern wie wilde Tiere im Zoo mit Absperrgittern umschlossen. Und obwohl somit auch die an die Bänke montierten Abfallkörbe hinter Absperrgittern ihr einsames Dasein verbringen, liegt inzwischen so viel Müll über jene abmontierten, abgesperrten Bänke verteilt, dass inzwischen auch schon Schilder angebracht wurden, mit der Aufschrift "Keine Toilette". Es erinnert im Grunde an jenen "Das ist keine Pfeife"-Surrealismus von Rene Magritte.

Seit einiger Zeit sehe ich mehr und mehr Gesichter, die so langgezogen zu sein scheinen wie frischer Teig in der Mittagssonne, in einer Weise, dass sie unverhältnismässig vertikal wirken im Vergleich zum Körper. Fast als wäre es eine neue genetische Linie.

Und plötzlich bringt mich ein Zehnjähriger auf die vermutliche Ursache, als er bemerkt, dass mein Gesicht irgendwie viereckig wäre. Vielleicht ist es ein psychologisches Phänomen, vielleicht hängt es aber auch mit der Relativitätstheorie zusammen, da ich im Gegensatz zum modernen Stadtmenschen Jahre zeitlos in einem feuchten Keller zwischen Marmeladengläsern und verstaubsten Pelzmänteln verbracht habe.

Der überwiegend weibliche Teil der mir Entgegenkommenden versucht sich mehr und mehr als Influencerin zu transformieren, mit Lippen, deren Emphatie mit Botox aufgepumpt, beim Sprechen wie Aquarienfische babbeln. In naturalistischen Gesellschaften verwendet man hierzu Lehmmasken, die hier durch Make Up fast naturgetreu nachgestellt werden. Oder es sind einfach nur Frustfressen, weil die meisten heutzutage beim sozialen Aufstieg als Tellerwäscher, respektive Essensausfahrer hängenbleiben und nicht den erwünschten Gottstatus mit Einladung nach Dubai erhalten. Hunger muss man sich heute erarbeiten bei den Massen an Nutrition und Proteingroßkanistern. Aber das Gefühl von Sattheit wird sich niemals einstellen in einem Universum des ständigen Wachstums.

Das Innen hat sich nach Aussen gekehrt. Keiner will mehr körperlich schuften, aber alle laufen ins Fitness. Und weil Kreditwürdigkeit bei Klarna und Schwestern schon gegeben ist, wenn man auf eine Taste drücken kann, sind für viele ihre Autos voluminöser als ihr Lebensraum in der Zweizimmerwohnung, die sie mit ihren Eltern, zwei Brüdern und vier Schwestern teilen.

Die BRD, einst Land der Beflissenheit und Hochtechnologie ist zur Aufputzgesellschaft mutiert. Dazu passend wurden auch alle Abdeckungen an den Bahnhöfen entfernt, so dass nicht nur alle Kabelkanäle wieder frische Luft atmen, sondern auch der Brutalismus von blankem Beton der Stadt ein neues Angesicht der verleiht.

Mit der Entfähigung, dem sogenannten Deskilling, wächst der Raum für das ICH. Im Vakuum bläst sich jeder Luftballon sozusagen von selbst auf. Im Grunde basiert das auf der alten Münchner Technik des Apothekers Franz Kolb. Man entkernt die zivilisatorischen Errungenschaften und macht die Masse zu Plastilin - in den tollsten Farben.
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Sonntag, 15. Februar 2026
Das Penzberger Schisma
Weil man sich in München die Recherche nicht mehr leisten kann - über 5 Euro für 0,5 Liter Bier, in der Kastanienklause glücklicherweise noch 3,10 Euro - so soll es journalistisch dieses Jahr ins Münchner Umland gehen. Zum Beispiel nach Penzberg:
Mancher mag denken Penzberg wäre ein bedeutungsloses Kaff am Rande der Alpen. Weit gefehlt. Man mag den Dorfcharakter daran erkennen, was es in Ortskernnähe nicht gibt: eine bayrische Wirtschaft und eisblaue Bächlein.

Penzberg war in früher Vorzeit, nach bisherigen Forschungsstand, der Ausgangspunkt für das abrahamitische Schisma, die Teilung der Einheitskirche in katholisch, evangelisch, muslimisch. Das Penzberger Schisma. Hier also floss das Blut der Glaubenskriege in solchen Fluten, dass seine Bäche heute noch die rote Farbe führen.

Ehe ich mich der Teilung selbst zuwende, möchte ich den Begriff der Bierwüste klären, der emotional oft falsch gedeutet wird. So es in der Sandwüste viel Sand gibt, gibt es in der Bierwüste viel Bier. Somit fällt Penzberg mehr in die Kategorie der Sandwüste als der Bierwüste.

Wie sich an den Spuren des Schisma-Denkmals ablesen läßt, hat sich diese Teilung bereits vor der natürlichen Bildung von Biergärten manifestiert. Ehe sich die katholischen Wänste der Ausbildung ihrer Religion in flüssiger Form zuwenden konnten, hat sich hier der monotheistische Glaube in eine Superposition begeben, aus der heraus sich eine ordentliche bayrische Wirtschaft mit Biergarten nicht mehr entwickeln konnte.

So müssen wir heute Vorlieb nehmen mit einem Cevapcici in einem Jugo-Biergarten, der, das muss man bemerken, ganz ordentlich an einen Hang gebaut ist, wie sich das aus technischen Gründen eigentlich auch gehört. Durch das frühe Schisma blieb es Penzberg also leider verwehrt, einen ordentlichen Dorfcharakter herauszubilden, so daß es auch heute noch als Transitstation fürs Ausflüge aufs Land dient - mehr aber leider nicht. Armes Penzberg.
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Freitag, 30. Januar 2026
Simlos - Auf dem Weg zum weg
Mein Handy ist kapputgegangen und es fühlt sich irgendwie so an als wäre mir ein Teil meines Körpers entnommen worden. Eine Innerei oder zumindest ein Teil davon. Digitale Phantomschmerzen. Seit gestern durchlaufe ich die fünf Stufen der Trauer nach dem Kübler-Ross-Modell. Erst Verweigerung: es ist nicht kapput. Man sieht nur nichts. Dann Zorn: auf das Handy, den Verursacher der Katastrophe und natürlich dessen Hersteller. Überhaupt, ganze Scheiß Nation. Dann Verhandlung: Es muss doch noch funktionieren. Wenn ich schüttle, während ich die Start und die Ab-Taste gleichzeitig vibrierend an- und ausschalte ... Und schließlich: Depression. Da befinde ich mich jetzt gerade. Ein Organ fehlt und auch die entsprechenden Sinne werden nicht mehr angesprochen. Eine Reizwüste in der meine Tränen schon im Fallen vaporisieren.
Aber irgendwann kommt dann auch die Annahme: wenn ich beginnen kann, es positiv zu interpretieren ohne jemanden dafür verantwortlich zu machen. Nur bis dahin folgen unter Garantie schon die nächsten Prüfungen meiner Leidensfähigkeit.
Mitten im Winter fällt zudem noch die Autoheizung aus. Und kurzfristig, zwischen den diversen Terminen in Autowerkstätten, auch mal die Radio-Mp3-Kombüse. Sie könnten mich sofort davon überzeugen, dass solche Serien von Katastrophen in engem Zusammenhang mit Sonnenstürmen stünden oder mit russischen Hackerangriffen auf meine Autoelektronik.
Wieviel kann man einem westlichem Bürger nehmen, bis er auf sein Ich reduziert ist?
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Sonntag, 3. August 2025
Die Sekunden zwischen dem Regen
... dieser Text fehlt hier. Grund: Überlastungsanzeige oder einfach die tropfnasse Lethargie, die dem Regen folgt ...
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endlich Sonne, brütende Hitze und ich Kellerkind, die Betondecke über mir und unter mir nur Fundament. Ein Fundament das uns verlustig zu gehen scheint. Durch das kleine Fenster am Lichtschacht dringt wenig Welt zu mir. Mir ist das schon zu viel.
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Dienstag, 25. März 2025
März elogisch
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Sonntag, 1. Dezember 2024
Litterae ex gravis

war is just annother way to say: I care for you

KHL-AO

Fett und satt im Land der Weihnachtsmärkte
Manche werden es mir oder dem Universum danken, dass ich keinen RSS-Feeder getriggert, oder mich sonst irgendwie digital veräußerlicht hätte. Ich danke den vielen Wenigen, die nicht wiederkamen und mir selbst fürs Wiederkommen. Die Bilder waren auch wirklich nicht besonders einladend. Das tut mir leid. So konnte ich heute einige Zeit ganz allein auf meinem Blog verbringen.

Und siehe da, da draußen, auch noch ein paar Aktive. Der Gute Schirmi, ein ein Schlückchen Bährenmarke, natürlichdas Faultier und geschüttelt, täglich neu gerührt . Ich glaube nicht, dass 2025 so viel schlimmer wird als 2024. Wir werden alle älter :-) Liebe und Frieden.

Folgendes Bild von der Wiesn 2024 hat mich erneut beschäftigt. Es entstammt der Wiesn-Zombie-Kunst und ist nicht von mir.

Sehen Sie den Schatten im Zentrum des Bildes, ein Engel, seinen Flügel links unten gegen den Sturm der Zeit aufgefaltet. Es ist Walter Benjamins Engel der Geschichte. Wir können sein Gesicht nicht sehen. "Seine Augen weit aufgerissen, sein Mund steht offen." aus Wolfram Eilenbergers Geister der Gegenwart. Er blickt zurück auf das Jetzt und sieht, was für uns nur eine Abfolge von Ereignissen mit der Zahlenfolge 2024, eine Trümmer anhäufende Katastrophe, vor sich, die Zukunft im Rücken. Ein im- oder explodierender Tanker, aus paritätischen Gründen russisch, hinabgezogen von Kabeln und Kadavern in die kulturellen Untiefen. Autokratisch väterliches Gehabe, die Rückbesinnung auf den Muskel (da kann Thomas Müller mal von Glück sprechen, dass seine Zeit bald vorbei ist), und weil Gender nicht gefällt, wird der Rest, der Feminismus, die Gleichheit vor Recht und Gesetz auf die Strasse gezerrt ... zur Begutachtung. Das hatten wir doch erst kürzlich, finde ich.
Die exakte Kopie eines Scheiterhaufens verbrannter Bücher.
Alles Gesagte kalte Asche. Der Tisch wird neu gedeckt.

Die Dialektik der Aufklärung, so Eilenberger weiter in seinem Buch, will wissen, wie es von der Aufklärung zum Dritten Reich kommen konnte. Sie sprechen hier von rückläufigen Momenten, die zur Selbstzerstörung der Aufklärung geführt hätten.
Inzwischen weiß man, dass Geschichte nach 3 Generationen komplett vergessen ist. Hätten die Römer Fußball gespielt, die Namen wären heute bekannt – das FIFA 2025 Rome Expansion Set.
Den Engel Benjamins, mit seinen aufgerissenen Augen, seinem Entsetzen darüber, zu was der Gebrauch des Daumens, der aufrechte Gang und die Fähigkeit zur Sprache und somit die Fähigkeit zu Wahrheit und Lüge bisher geführt hat, diesen Engel hat es nun bis zu uns getrieben. Und wir erfinden neue Monster und neue Waffen und neue Konflikte und neue Frontlinien, vielleicht gar nicht nur aus Gier, sondern einfach nur, um sich selbst nicht bewegen zu müssen. Wie die Wahrheit in Aesop, Fables 530 (from Phaedrus Appendix 5) stolz voranschreitet, während die Lüge kein Beine hat, d.h. sie kommt nicht weit.

Eines der interessantesten Interviews der letzten Zeit finde ich
Yuval Harari auf The Diary of a CEO. Er umschreibt unter anderem die Auswirkungen von Technologien auf unser Denken.
Wenn Sie schon mal LSD in einer hohen Dosierung erlebt haben, wissen Sie, dass man dazu einigermaßen mental gefestigt sein sollte. Wenn andere Dimensionen ins Spiel kommen, wenn ein Leberknödel sich im Raumzeit-Kontinuum zu einer neuen Lebensform wandelt, wenn plötzlich fixe Referenzpunkte wegfallen und keine alten Regeln mehr gelten, wenn plötzlich Saurier an der Tür klingeln, dann muss sich das Gehirn mehr anstrengen und manche werden schizo.

Wenn man unser Gehirn nun per Neuro-Link an eine KI anschließt oder an das Netzwerk eines Wasserwerks, oder wenn wir uns alsbald zu brain-pool-Parties treffen, unsere Gehirne zum Netzwerk zusammenschließen. Wir haben, so Harari, gerade mal die industrielle Revolution mit Ach und Krach überstanden, in uns im Grunde immer noch das Gehirn eines Höhlen- und Savannenbewohners, und rasen ohne Rast in ein rasant ansteigendes Überjahrhundert, das wir entweder tot oder als Halbandroid verlassen werden.

Ich weiß nicht, ob das was uns Guattari und Deleuze in ihrer Schizoanalyse erklären, mit dem im Zusammenhang steht, was ich mir dazu denke. Aber schizo passt einfach perfekt. Wir sehen nahezu mehr virtuelle Realität als reale. Es sieht aus wie Banane, schmeckt aber wie Erdbeere und ist vermutlich synthetisch. Meine Billig-Sommerschuhe heißen Mount Everest. Meine These:
Die Leute werden irre werden - ganz im Sinne von Deleuze und Guattari.

Wir sind die Gene, die es durch den Flaschenhals der Eiszeit vor rund 200.000 Jahren geschafft haben. Das ist ja schon mal prima. Wir sind so mindestens schon einmal über das Siegertreppchen gestolpert.

Unsere Fähigkeit, auch die industrielle Revolution irgendwie zu meistern, bewertet Yuval Harari in dem hervorragendem Interview auf Diary of a CEO mit der Schulnote 4. Und er betont, dass wir uns bei der nahenden Klimakatastrophe und der rasenden Entwicklung Künstlicher Intelligenz und Biotechnologie nicht nochmal eine solche Note leisten können. Nur wo sind die Lehrkräfte?

Vielleicht Bücher wie die „Krähen“ von Cord Riechelmann. Oder ein wenig Historie
Peter Neumann – Feuer – Eine Reise ins lange Jahrhundert der Utopien 1883 - 2020
Tobias Hürter – Das Zeitalter der Unschärfe – Die glänzenden und die dunklen Jahre der Physik 1895 -1945

Ich glaube nicht, dass das zeitgemäß ist. Viel wichtiger:

Es gibt ein weiteres Dokument aus der Wiesn-Zombie-Reihe zum gleichen Vorgang, das ich Ihnen nicht vorenthalten will.

Ist das nicht seltsam.

Ich denke, in einer Welt wie der kommenden wird man sich auf elitäre Nischen besinnen müssen. Als interessante Anlagemöglichkeit für nächstes Jahr habe ich da ein Restaurant für Gallenkranke im Zentrum Berlins im Auge, ohne mich jetzt aus dem vielleicht schon bald enteignetem Fenster zu lehnen. Eher so ein Pfiff um die Ecke, wie Walter Serner sagen würde.
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Mittwoch, 9. Oktober 2024
Nachtrag WieZen 2024
THE RETURN OF THE COMET

sozusagen die Wiedergeburt des Pasinger Kometen, nur ohne Schweif

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