Mittwoch, 26. Mai 2021
Coronafrei

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Sonntag, 9. Mai 2021
PlusPuls 05/21 - Das Morgenmagazin mit den Nachrichten von Nachheute

Wahrheit ist die Erfindung des Lügners

zitiert aus einem höchstinteressantem Interview mit Heinz von Förster

Man muss es sich nicht erst von Förstern erklären lassen, daß die Rede von der Wahrheit katastrophale Folgen hat und die Einheit der Menschheit zerstört. Das sollte man mal der Fake-News-Hexenverfolgung und der political correctness und ab der nächsten Amtsperiode auch den Grünen an den grünen Winkel heften. Wenn man aber unter Schwarzlicht aufwächst, wie wir hier in unter dem weiß-blauen Himmelsgewölbe Bayerns, bekommt alles einen gewissen Blaustich. Bei genauerer Betrachtung wirkt die Wirklichkeit irreal auf die Wahrnehmung. Da leidet nicht nur die Wahrheit, sondern eben auch die Wirklichkeit, unter Sinnestäuschungen. Endlich werden wir die ganzen heimlichen Witze aus der chinesischen Kulturrevolution und dem Stalinismus neu aufbereiten können, wenn Dinge wie das Netzdurchsetzungsgesetz zur Blutgrätsche ansetzen, wenn dich eine 'falsche' Wortendung einen Monatslohn kostet. Warum das Kind nicht gleich beim Namen nennen - Netzdurchseuchungsgesetz.
Das wird die Hölle auf Erden. Wie ernst man das mit der Hasskriminalität nimmt, mit den zukünftig strafbaren Beschimpfungen von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen, Beleidigungen und üblen Nachreden nimmt, merkt man, wenn es in der Tagesschau über Querdenker, Putin, Nordstream-Piplines geht. Oder Fake-News und Bildzeitung. Da darf man sich jetzt schon eine Zweitwohnung in China oder Russland anmieten, wenn man nicht diskurskonform ist, oder Assange oder Snowden heißt.

Sie werden sagen, das Auge liest mit. Und ich sage Ihnen, der Bauch trinkt mit. So empfehle ich Ihnen: schenken Sie sich ein kühles Weißbier ein an diesem herrlichen sonntäglichem Sommerbeginn, den uns auch die Eisheiligen von Mamertus (11.Mai) bis zur kalten Sophie (15.Mai) nicht mehr versauen werden. Stellen Sie sicher, dass Sie das politische Weißbierglas der hartenlinie benützen, das sicherstellt, dass nichts verschütt geht,

denn die hartelinie ist die einzig isotrope, die einzige von der Richtung unabhängige Linie, die aufgrund ihrer räumlichen Homogenität allseitig und allwirksam ist. Die Linie ist die einzig tragende Staatsform, die sich dieser Produktion eines autoaggressiven Volkskörpers entgegenstellt, die einzige, die die Fabrikation des Wegwerfmenschen verhindern wird.

In einer westlichen Superduper-Demokratie in der zukünftig nur noch (mit-)reden darf, wer sich ein Niedrigenergiehaus leisten kann, alte weisse Männer eklig findet und die richtige Partei gewählt hat. Eine Wahrheit, also eine Partei - ist doch klar. Wie man sich das logistisch vorstellt, all die Solarpanelen und E-Autos die vorwiegend da produziert werden, wo man harte Kante zeigen will, ist mir rätselhaft. Nordstream2 scheint den Grünen ja garnicht zu gefallen:"Nach dem Giftanschlag auf Kremlkritiker Alexej Nawalny muss die Bundesregierung endlich klare Kante zeigen und den Bau von Nord Stream 2 stoppen. Die Bauarbeiten sollten sofort eingestellt werden. Das Projekt finanziert ein korruptes Regime und ist eine Wette gegen die europäischen Klimaziele ? es hätte nie realisiert werden dürfen." Ok, wegen einem Nawalny, einem Youtuber, der aus dem Nichts an die Spitze einer neuen Opposition gerutscht zu sein scheint. Und jetzt die Entführung (?das Transkript des Funkverkehrs sieht da etwas anders aus und wie war das gleich mit der erzwungenen Landung von Evo Morales in Wien?) des netten jungen belarusischen Journalisten Roman Protasevich, der bei näherer Betrachtung irgendwie ganz gut zur AFD passen würde, wie auch schon Nawalny. Wie sie immer daherkommen, die adretten Oppositionen im Feindesland ;-)
Und wegen den Klimazielen, denen die Nabuco-Pipeline eines Joschka Fischer nicht im Wege zu liegen scheint, sagt eine Partei, die neben Südwestmetall auch die Allianz, die Münchner Rück oder Daimler zu ihren Großspendern rechnet.

Ich könnte mir ja eine Welt vorstellen, wo man nicht Verbrennermotoren durch E-Autos und E-Fahrräder kompensiert, sondern den misshandelten öffentlichen Verkehr ausbaut. Einen Trikont, den wir nicht mit Bundeswehreinsätzen demokratisieren, sondern durch Anpassung der Rohstoffpreise und Hilfe zur Selbsthilfe die Möglichkeit schaffen, dass sie nicht durchs Mittelmeer schwimmen müssen. Eine Staatengemeinschaft, mit der man in ernsthaften Dialog tritt und auch andere Meinungen und Wahrheiten zulässt (wie das früher in Europa ja auch schon mal geklappt hat) und in Bezug auf Saudi-Arabien, die Türkei, Polen, Ungarn, Ukraine für die jetztige Bundesregierung auch zu passen scheint. Eine Presse, die nicht nur am Einheitsdiskurs feilt mit 'Myanmar ein Gemetzel' und 'Uiguren-Genozid', aber Kolumbien und Mexiko passt schon oder nicht gehört.

Eine LBGTQ*-woke-Supereinheitsmeinung - one size fits all - in einer entmaterialisierten Arbeitswelt, wo die Wiedergewinnung der Produktionsmittel unmöglich ist, weil der Computer eh schon im HomeOffice steht. Eine Schere, die so weit aufgeklappt, dass sie genau an die Gurgel passt. Ein bewaffneter Raubüberfall von Staatsseite, auf den wir uns mit den derzeitigen Bildern aus Kolumbien schon mal seelisch einstellen können. Wie wird zukünftig Opposition in Deutschland aussehen, wenn die ehemalige Friedenspartei - auch mit Hilfe von 100.000,-? durch den Verband Südwestmetall (Heckler&Koch, MTU, Diehl Defense) - harte Kante gegenüber Russland und China ankündigt und die Regierung übernimmt.

Ich will mich eigentlich nicht einreihen in das polarisiserte Hypen und Bashen der Grünen, aber mit einer grünen Partei an der Macht, die solche Dinge bereits im Vorfeld ankündigt, wird die von ihnen ehemals verkörperte Hoffnung auf eine friedlichere Welt endgültig zu Grabe getragen. Es wird einen weiteren 'player' im 'theater of war' geben, der neben fanatischen Monotheisten, über die man keine Witze mehr machen darf, und ihrem US-Bündnispartner, der weltweit für seine diplomatische, friedensorientierte Haltung bekannt ist, uns ein eine Zukunft zurückführen wird, wo der Krieg hoffentlich nur kalt bleiben wird.

Sie kennen den Geschmack von Pustekuchen? Dann Guten Appetit.
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Sonntag, 25. April 2021
Auflösung 1

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Freitag, 16. April 2021
Duldungsstarre
Es wäre gelogen zu behaupten, dass sich der Berufsverkehr nicht etwas entschlackt hat. Aber von Lockdown ist im Berufsleben wenig zu spüren. Gut, die städtischen Angestellten sind im HomeOffice, die meisten staatlichen Leistungen wie Schwimmbäder, Schulen, Ämter etc sind geschlossen oder auf ein Minimum reduziert. Buchhandlungen müssen geclickt und collectet werden, aber bei Amazon rammeln ganze Horden durch die Lieferhallen, die Wirtschaften zu, aber Lieferandoo und Co sind die Könige der Nacht, wo wir (Abgeordnete ausgenommen) dank der Ausgangssperre nach 21 Uhr abgetasert und strafverfolgt werden. Kein Frisbee-Spielen oder Kicken zu Dritt ist mehr erlaubt, aber Gladbach gegen Manchester in der ungarischen Puskas Arena.
Den Kurzzeitarbeiter*innen wird auch der magere Rest nachträglich noch versteuert, weil sie bei Vorabbesteuerung bereits zu Aufstockern geworden wären. Die Hierarchie der Not zeigt noch deutlicher auf, wer seine Schäfchen ins Trockne bekommt. Die Caritas lehnt die Einführung eines Tariflohns für Pflegekräfte ab - das ist es also, was mit Klatsche gemeint war. Die Kassierer müssen sich hinten anstellen beim Impfen, aber ihrem ehemaligen Vorstand Herrn Spahn finanziert die Bank eine 4,25-Millionen-Villa ohne Eigenkapitalleistung. Kein Problem für ihn, denn die Rückzahlung wird bei einer inflationstreibenden 240-Milliarden-Euro Corona-Hilfe ein Klacks. Selbst die Staatsverschuldung erledigt sich so fast von selbst. Hinten raus kommt ein Höhenflug des DAX mit großartigen Dividenden mit einer verängstigten, verarmten Bevölkerung für neue Höhenflüge des Großkapitals, an deren Corona-Hilfen man aus Rücksicht bloß keine Auflagen knüpfen möchte. Währenddessen fordern die Lobbyverbände genau jener Unternehmen , wie "Die Familienunternehmer e.V." (BMW, Oetker, Merck etc), für sich ein Belastungsmoratorium, während ihre Kernforderung die Erhöhung des Rentenalters (für Arbeitnehmer) ist. Wer sich für die Arbeitgeberseite großer Unternehmen interessiert, sollte sich mal den Forderungskatalog der "Familienunternehmer" zu Gemüte führen, die sich aktuell auch gegen die Testpflicht am Arbeitsplatz, der keineswegs ein Infektionstreiber sei, aussprechen. Ein Lobbyverein, der Vermögens- und Erbschaftssteuer, sowie ein Transparenzregister der Briefkastenfirmen für ein Teufelswerk hält. Das sind unsere momentanen Corona-Experten.

Die Kanzlerin kündigt einen harten Lockdown an, aber jeder in Bayern gefangene Bürger wundert sich, was sich da nun geändert haben soll. Corona ist nur der Sammelbegriff für die Übernahme des Kleinhandels und des Durchschnittsbürgers durch das Großkapitel, für das Ausreizen der maximalen Kürzung von Freiheiten und Rechten bei gleichzeitiger Einführung von neuen Pflichten. Wer hier von "wir schaffen das", Solidarität und Zusammenhalten spricht, ruft im Grunde zur Revolution auf, denn was sonst könnte mit Solidarität in diesem Zusammenhang gemeint sein. Mit Blick auf die personelle Besetzung der Corona-Expertenräte kann es sich bei der deutschen Lockdown-Politik nur um die endgültige Vernichtung einer bereits vom Kopf herabfaulenden Solidargemeinschaft handeln.
Es kann eigentlich nur eine Lösung geben: Die Yes Men regeln die Welt.
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Montag, 5. April 2021
Principia Discordia
Der Bahnsteig ist nicht mehr so voll wie in den Tagen prä-Corona. Das ist gut. Es ist fünf vor zwölf, also sieben, im Jahre 3187 des erisischen Kalenders nach der Principia Discordia, und somit das Jahr 9 im Jaktober Kalender. Das Jahr 9 post Maya sozusagen. Mir brennt die Zeit auf den Nägeln, während für die Mayas und andere die Welt schon untergegangen ist, bzw. sie selbst.

Es ist eiskalt und die S-Bahn gefühlt noch verspäteter als eh schon. Und das im diskordianischem Monat der Zwietracht. Das ist schlecht.
Endlich fährt sie ein, die hochmodernisierte, verspätete S-Bahn. Die Türen öffnen sich - neuerdings mit so viel Gepiepe und Neonlichtern, dass man das Gefühl bekommt, man betrete einen Nachtclub - ich steige zu.
Plötzlich überkommt mich das Gefühl, dass ich auf allen Sitzen gleichzeitig sitzen möchte, nicht etwa um möglichst vielen anderen einen Platz wegzunehmen, sondern aus einem kleinkindlichem Gefühl der Allmacht heraus. Es zerreisst mich förmlich, da ich mich selbst nicht teilen kann. Autozentrismus hat bei uns in Deutschland, dem Land der SUV-Egos, leider eine neue Bedeutung bekommen. Aber sagen wir, es ist ein Gefühl der abhandengekommenen Allmacht. Man war alles und fühlt sich nun als wenig, als Rädchen in einem Computer.

Vielleicht widerspreche ich da der Quantenphysik, aber ich kann den Zustand der Ubiquität trotz aller innerer Anstrengung einfach nicht erreichen, während andere da viel näher dran sind. Ich denke da an Jugendliche, die offensichtlich eine andere Lebensform darstellen als wir Erwachsene. Auf einem der Vierersitze sehe ich vier Jugendliche, die sich so unähnlich als stammten sie von 16 Vätern und Müttern. Zwei Haushalte? Dass ich nicht lache. Aber schlau, denn wer heute noch ungestört feiern möchte, füllt sich das Bier in hippe Clean-Cantene-Aluflaschen und säuft sich durch den öffentlichen Berufsverkehr, dem letzten Ort wo Massenzusammenkünfte noch möglich sind.

Ich kann es ihnen nicht verdenken. Wir bestehen fast nur aus Wasser und so verhalten wir uns auch im Falle von Schlupflöchern wie Wasser. Ich würde sagen, das Wasser bestimmt den Geist ('panta rhei' wie man bei uns im Wirtshaus zu sagen pflegt).

Wie hat sich diese ubiquitäre und doch so junge Lebensform auf unserem Planeten nur entwickeln können? Man könnte gut und gerne glauben, sie wurde von uns selbst gezüchtet. Gezüchtet durch mediale Umformung des Geistes. Durch werbistische Dauerberieselung. Durch die kapitalistische Propaganda, die das Du zu einem Ich gemacht hat. Wo jeder 'different', indem alle das gleiche kaufen, wo Durchsetzungsvermögen und Individualität zum Heros ernannt, wo man mit Menschen auf der ganzen Welt kommuniziert, weil man gelernt hat durch die Umstehenden hindurchzusehen.

Wer heute noch nicht auf dem Mount Everst war, hat einfach nicht gelebt. Das Wort Hauptschulabschluss kam in diesen multinationalen Kampagnen nie vor. Wozu auch? Profit lässt sich damit nicht machen. Und dass er sich nicht so abhängt fühlt, haben wir ihn in Mittleren Schulabschluss umbenannt - den kleinen Bruder des Mittelschulabschlusses. Man kann die Dinge auch gutreden. Das scheint zu funktionieren. Ich zitiere aus der berühmten Merkel-Rede auf dem Anne-Will-Podium: "Es wird dazu kommen, dass wir das Richtige tun." Das potenziert die Dreistigkeit, sich für die Idee von einem ruhenden Gründdonnerstag zu entschuldigen. Im Grunde freundlich, wenn sie Die Welt eine 'rethorische Wanderdüne' nennt.

Den staatlichen Bildungsauftrag wird man unter diesen Umständen privatisieren (müssen) wie man das mit der Grundversorgung fast schon durchgezogen hat. Dafür hat Politik keine Zeit mehr. Das lohnt auch nicht, es selbst zu tun. Verhökern was geht und solange es noch geht. Oft hat man nur 4 Jahre, um sich zur ParlamentarierRente noch einen Sitz in einem Aufsichtsrat oder einen Beratervertrag hinzuzubasteln.
Warum dieser Aufschrei beim FFP2-Maskenskandal, so passend zum entfallenen Faschingsfest? Das sind doch 'Peanuts'. Was heute politisch noch lohnenswert scheint, ist der Waffenhandel mit all seinen Provisionen und Kickbacks. 60 Panzer und die größte Heckler&Koch-Waffenschmiede ausserhalb Deutschlands für Saudi-Arabien. Da rechnen sie mal wieviel paar Prozente Provision ausmachen. Das lohnt. Und da - wer hätte es gedacht - kommen nun die echten Profis ins Spiel. Leute, die sich lange mit diesem Thema beschäftigt hatten - die Mörder der Friedensbewegung, die Grünen. (siehe Abstimmungsverhalten der versch. Parteien)

Menschen, die inzwischen so ausgelaugt sind von den endlosen Diskussionen einer Basisdemokratie, dass sie endlich ihre ehemals verhassten Vorväter verstehen und den persönlichen Pragmatismus entdecken.
Deutschland wählt nun die Verbotspartei. Man kann nämlich das maßgeblich 'Gute' auch herbeiverbieten (ein wirklich zukunftssicheres Wort). Verstehen Sie mich oder die kommenden Grünen nicht falsch. Ich bin mir nicht sicher, ob Besitzstandswahrung im grünen Regierungsprogramm vorkommt. Aber wenn man in Solarpanelen und Lithium investiert hat, wenn man selbst ein subventioniertes E-Auto sein Eigen nennt, dann wäre man geradezu blöde, wenn man von heute auf morgen sich den Stromhahn zudreht und Kohle oder Atom abschaltet. Das ist mit Verbieten nicht gemeint. Der Hambacher Forst, gerade mal Lebensraum genug für einen halben Wolf, ist damit auch nicht gemeint. Warum wäre Daimler auch sonst drittgrößter Spender der Grünen? Übertroffen vom Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie und gleich folgend Allianz und Munich Re.

Verbieten wird man Ideologien und Worte. Die Anderen will man verbieten. Nazis, Uiguren-Schlächter (vergiss Tibet und die vorangegangene koloniale China-Politik Europas), Nawalny-Töter (äh, wie war das mit Julian Assange, Herr Habeck?), und Leute, die nicht wissen was LBGT*& heisst, oder die dachten bei (m,w,d) würde das d für 'das' stehen. Und dass einem bei all dem Gutmenschentum das Feindesbild nicht verlorengeht, gibt man der AFD mit Parolen wie 'Keine Grenzen' oder 'Kein Mensch ist illegal' noch mal einen richtigen Boost. Das drückt dann auch fleissig das Lohnniveau und auf dem Wohnungsmarkt wird es nochmal etwas enger. Es sorgt für einen Brain- bzw. vor allem Muscle-Drain im Trikont, wo der Rest gerne weiter dahinvegetieren kann. So bleibt das Kajakfahren in Thailand für Herrn Hofreiter noch erschwinglich.
Die Lebensbedingungen der Fluchtregionen regeln wir dann mit der Bundeswehr. Wie gut das läuft, hat uns nicht nur unser Bündnisparter, gods own country, gezeigt. Wir durften selbst die Erfahrungen machen in Jugoslawien, Irak und Afghanistan.

Und mir war immer klar, dass es zwei Wege gibt, mit politischen Falschdenkern umzugehen. Man kann mit Ihnen reden oder man kann 'Nazis töten'. Aber umerziehen das ist dann doch sehr langwierig und es hat so ein uigurisches Gerüchle. Wie das alles klappen soll, ist mir rätselhaft.

Ich bin dann doch ganz froh, dass ich als alter weisser Mann trotz meiner Körperfülle noch ganz gut auf einen einzigen Sitz passe. Ich hoffe inständig, dass die Überwachungskamera vermutlich noch nicht meine Gedanken lesen kann, als ich die Viererbande friedlicher Jugendlicher betrachte und mir denke, dass sie, im Gegensatz zu mir im jugendlichen Alter, vor lauter Instagram garnicht auf den Gedanken kämen, einen der Feuerlöscher unter den Sitzen zu entwenden. Mir ist nur nicht klar, warum die jüngeren Menschen immer größer während die Sitzgelegenheiten immer kleiner werden. Das ist im Gegensatz zur aktuellen politischen Lage ein echtes Mysterium.

Jedes Menschenleben ist wichtig, heisst es neuerdings von Seiten der Corona-Regler. Ich denke leise in mich hinein, dass das bei staatlichen Regelungen hinsichtlich der Zucker- bzw. ihrem Subunternehmen Lebensmittelindustrie, der Autoindustrie und den anderen wirtschaftlichen Zweigen irgendwie vergessen wurde. Das Virus hat keine Lobby - das ist offensichtlich. Eine der kommenden Mutationen wird auch noch die Politiker schmieren, das ist sicher. Obwohl - ich versuche auf keinen Fall misstrauchisch zur Überwachungskamera hochzublicken und denke nochmals leiser - so ein Ausdünnen der Gerontokratie ... . Beim Aussteigen schenke ich der jugendlichen Viererbande noch 60 Euro. Einerseits um ihr mathematisches Interesse an der Division zu wecken und andererseits als Zukunftsinvestition. Sollen sie sich doch ihre Blutgruppe, eine sechsstellige Zahl oder die Abo-Jahreskarte auftätowieren lassen. Für Kondome, das fand ich dann auch ohne Soutane zu missverständlich, obwohl es aus malthusianischer Sicht durchaus zielführend gewesen wäre. Ihre Meinung ist mir eh wurscht, aber vielleicht läuft die Überwachungskamera ja auch mit Ton.

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Sonntag, 21. März 2021
Culte, memento mori - ein Verriss mit Biss

Teil 1

Ob Deines Werkes, das zu lesen ich bedacht, ward mir altem Manne Angst und Nacht. Um meines Augenlichtes bange, Schriftgröße 8, als wollt verstecken dieser Bengel, Schlingel Du, der hinter antiquierter Sprache dich versteckst. Was will er sagen? Will er sagen oder nicht? Selbst bei hellstem Tageslicht geht mir das auf den Sengel.

Ob Reimmaß oder Rose, ob sie perlt die Träne oder nur benetzt. Die Netzhaut schon verletzt eh ich das erste Wort vernehme. Es heißt Rise Rase Rose, reich mir die Lupe, lupus est, dieser Hominide will mir Böses, will mich quälen, will mir erzählen von Faust und ghoetischen Gewölben, will mich martern. Wirf lieber Teer und Federn als dies Papier und diesen Stift. Sag Fack ju Göhte und schreib vom Mondkalb, schenk mir ein vom Schierlingsgift. Aber bitte, bitte, raub mir nicht die letzten Lebensstunden, ich sag es dir ganz unumwunden, mit 37 Seiten Gesammelten Werken.

Warum sprichst Du nicht mit mir, warum wirfst Du dies Papier ins Angesicht des Auges mir, das alt, zerfurcht und blind, ermattet. Doch ich erkenne, scribo ergo sum, das Leben fast schon ausgeblasen wir uns ähneln, ich alt außen, Du von innen, morituri te salutan, dass vom Tode und von Tränen, Blut und Wunden, musstest schreiben. Denn dessen Erstlingswerk, in Schwarz gebunden, sich nennt gesammelt, muss nur noch stolpern, um zu erreichen seines Grabes gebrabnes Loch.

Keine Falte diesen Körper je gefunden, Babyspeck ihn noch bedeckt, spricht er schon von Entfremdung, Herbstweh, spricht von Sonnensturz und Zedernblut, hat die Sonne kaum gesehen, wünscht sich schon die Nacht. So versteh auch ich dein Schrifttum, 8pt, dass wir Alten nicht können's lesen, durch's Nadelöhr entwischen willst Du, unentdeckt und feige.


Teil 2 - das domestizierte Wort

Hinter Ihrem Beitrag zur Lage der Kultur in den Zeiten der (für Sie) hoffentlich vorübergehenden Schließung vieler Einrichtungen vermute ich ein ganz persönliches Interesse. Mir schwant, dass Sie Ihre Nebeneinkünfte als Theaterkünstler missen. Geschlossene Theater, Museen, Musikbühnen etc. Jene Kulturtempel, aber auch die Tempel der Fußballkultur, die man ähnlich wie Museumsbesuche nur noch digital besuchen kann. Das tut mir leid für Sie. Für mich ist es ganz erfreulich. Und für mich sind sie den verschrienen Konsumtempeln gar nicht so weit entfernt. Man kann auch Kunst konsumieren.

Ein Schauspiel ist für mich die Morgendämmerung, die Symphonie der Vögel, der taufrische Bodennebel, das Lichtspiel der Pappel, der erste Ausflug des Zitronenfalters, während es für andere ein in Wände gezwängtes Theaterstück ist, zu Unzeiten, wo jedes normale tagaktive Tier längst in seiner sicheren Höhle liegt. Zu mir spricht eine Birke weit deutlicher als ein Heinrich Heine. Sie hat durch die Flechten an ihrer Wetterseite, durch ihren Wuchs, die Ausbildung ihres Wurzelwerks das beständig mit den unterirdischen Pilzkulturen und anderen Bäumen kommuniziert, durch ihre Wunden, Zwiesel und den Baumkrebs auf Augenhöhe, durch die anmutigen Bewegungen der Baumkrone eine andere Ausdrucksform. In ihrer kulturellen Ausdrucksweise steht sie einem Heine zumindest gleich, in ihrem Spannungsbogen meines Erachtens sogar darüber. Ein Hölderlin oder Trakl ist für mich nichts weiter als Sekundärliteratur - verglichen mit dem Sonnenuntergang in natura.

Ich bin eher ein Freund der Bodenkultur und somit kein Freund der Bodenversiegelung, und sei es ein Museum oder Theater oder Kino. So seien sie Ihnen dennoch gegönnt. Leben und (wenigstens ein bisschen) leben lassen.
Sie sprechen von der Kultivierung des Menschen, einer Kultur, die in ihrer Vermessenheit und Arroganz zugleich die Kultivierung des ganzen Planeten vorsieht. Von der Lichtung zur Wiese zum Rasen, vom Tümpel zum Badesee zum Schwimmbad, vom Dschungel zur Landschaft zur Kulturlandschaft zum Garten. Die Kultivierung scheint mir eher die Eindämmung des Natürlichen, die Ausrottung anderer Kulturen. Das sehen Sie als Stütze der Moral als Ammenbrust der guten Sitten. Ich sehe das nicht so.

Die Künstlerschaft ist Ihrer Meinung nach in einer für die deutsche Nachkriegszeit beispiellos vernachlässigten Stellung. Wenn Sie damit Subventionen meinen, dann möchte ich Sie daran erinnern, dass man sich damit in eine Abhängigkeit stürzt, der man in einer kapitalistischen Gesellschaft nur schwer wieder entkommen wird. Ich will hoffen, dass Sie mit dem 'Streben nach restloser Gleichberechtigung mit Wirtschaft und Konsum' nicht genau das meinen.

Die bildenden und darstellenden Künste haben zweifellos ein Lockdown-Problem. Es verdient sich kein Geld mehr damit, bzw schwerlich. Um das mal ganz hart auszudrücken: Sie können froh sein, dass sich jemand für Ihre Darbietungen interessiert. Dass jemand dann noch Geld zahlt, um Ihren Gedanken zu lauschen, das grenzt dann schon an ein Wunder. Aber dass jemand für Ihre Gedanken zahlt, ohne sich dafür zu interessieren, da müssen Sie schon einer Regierungspartei beitreten oder sich dem obersten 1% anbiedern.

Freie Kunst für freie Menschen. Weshalb ich mit meiner Copyright Liberation Front für ein Verbot von Copyright eintrete. Ich denke: Worte (wie jede andere Form) sind frei. Wenn eine Lisa Lasselsberger jemals am Hungertuch nagen oder obdachlos werden sollte - ich bin da. Dem Karl Valentin hat in der deutschen Nachkriegszeit leider keiner geholfen.

Das Schaffen von Kunst ist aber keineswegs verboten worden. Kultur kann man nicht schließen. Kultur findet statt. Fankultur kann aus Fußballstadien ausgeschlossen werden, aber nicht ein. Eine für mich sehr respektable Form des Theaters ist beispielsweise das Surveillance Camera Theater. Das Leben ist die Bühne, oder die Leinwand wie man an der Billboard Liberation Front sieht. Es ist schwieriger geworden, widerspricht aber Ihrer These von der Unersetzbarkeit von fleischlicher Begegnung mit Kunst, vom fleischlosen Lichtspiel und von den ersten Todeszuckungen der Künstlerschaft - wie unter anderem die Kunstaktion Bern zeigt.

Sie schreiben, dass die Zerstreuung durch Konsum, und nicht durch Kultur, ein kapitalistisches Denkmuster sei, das der Moral des kleinen Bürgers auf zersetzende Art und Weise entgegenwirkt. Zerstreuung wirkt immer zersetzend. Ein Spaziergang im Wald fokussiert da schon eher, auf das Wesentliche. Somit widerstreben jene Maßnahmen nicht der geistigen Wandersehnsucht einer Künstlerseele, sondern sind eher förderlich.

Zudem sprechen Sie von einer schleichenden Verrohung, im Stile einer passiven Kulturrevolution mit zivilisatorischen Schäden. Davon abgesehen, dass wir ohne Kulturrevolutionen wie dem Dadaismus über einen Heinrich von Kleist nie hinausgekommen wären, trete ich sogar für ein Projekt der Dezivilisierung ein. Wo diese uns hingebracht hat, sehen wir an Fridays for Future, Ende Gelände und dem abhanden gekommenen Friedenswillen der Grünen.
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Donnerstag, 4. März 2021
Der Impfpriviligist
Mit hochdosierten Vitamin-E oder -D-Ladungen wird man die viralen RNA-Schleudern wohl nicht abschrecken oder niederstrecken können.

Ich will ganz ehrlich sein. Trotzdem ich viel von meiner doch sehr kostenintensiven Breitbandantibiotika-Therapie überzeugt bin - ich rauche - mache ich mir da nichts vor. Das wird alleine nichts helfen. Selbst wenn ich mir über hundert Gifte durch tiefes Inhalieren in die letzten Winkel meines Körpers treibe, werde ich mich damit schwerlich gegen das Corona-Virus immunisieren.

Man wird auch keinen Impfschutz erreichen, indem man heimlich die letzten Blutreserven der in häuslicher Pflege befindlichen Oma anzapft - obwohl ich hierzu bisher noch keine belastbaren Studien finden konnte. Beim Impfen wird es also bleiben, wie es bei der Rente schon ist: First come, first serve. Die Letzten werden die Ersten sein.

Das ist doch mal was, wenn die ganz Alten mal die Ersten sind, die wieder Leben in unseren Alltag bringen. "The Roaring 80s" wie man ja so sagt. Knochen knacksen, Gelenke knarren, und überall das Surren von Rolatoren. Morituri te salutant - die Totgeweihten grüßen dich.
Aufgrund der Annahme, dass die erste Touristenschwemme der über 80jährigen Europa bald erreichen wird, wäre es ein geschickter Zug, die Reisebüros in Altenheime zu verlegen und dem Roten Kreuz/Halbmond, die Caritas und Kumpanen bei der Lufthansa zu beteiligen. Was liegt näher als ein Johanniter-Kreuzfahrtschiff oder Massentransportmittel für Rolatoren und Rolatorinnen.

Der Rest wird darben müssen, wenn man nicht gerade in der Altenhilfe tätig ist. Oder ... der Impfalgorithmus ist einem irgendwie wohlgesonnen.

Ich habe mich aufs Geratewohl einfach mal registriert. Eher so nebenbei, im Glauben, dass da eh nichts passiert. Mein Impfterminrechner hatte als Impftermin das Jüngste Gericht errechnet. Ich habe die Angaben wahrheitsgemäß eingetragen und siehe da: Drei Tage später kam der Vorschlag des Impftermins.

Nun wohne ich nicht in einer der Metropolen, sondern in einer Gemeinde, wo man für Autozulassung und einen neuen Pass keine Nummer ziehen oder anstehen muss. Ich habe täglich mit vielen Menschen live zu tun und muss auch sehr alte Menschen treffen. Ich selbst habe - zumindest aus Sicht der futuristisch denkenden Rentenversicherung - noch nicht die Mitte meines Lebens erreicht und bin doch schon geimpft. Ad Astra, zu den Sternen, wie Seneca zu sagen pflegte.

Jetzt weht mir der scharfe Wind der Neider entgegen. Es hagelt Kritik und Vorwürfe wie beim jüngsten Gericht.
Ich werde gehasst, als hätte ich die Sieben Plagen durch irgendeinen schwarzmagischen Trick irgendwie umschifft.

Selbst aus dem HomeOffice und von Seiten vieler Kürzestarbeiter werde ich mit Flüchen belegt, von Menschen also, die im Gegensatz zu mir also nicht tagtäglich mit Dutzenden von potenziellen Virenlasten umlagert werden.

Rund die Hälfte der Neider, wie sich herausstellt, sind selbst noch garnicht registriert - das würde ich diesen Menschen dann doch mal vorschlagen - oder noch besser, wissen noch nicht einmal, ob sie sich impfen lassen wollen. Die Nebenwirkungen und so! Bei mir war das dann der Nachfolgetag mit leichten Erkältungserscheinungen. Und der COVID-Arm! Dann warten Sie mal, wie sich das anfühlt, wenn Sie statt im Impfzentrum das Astra-Zeneca, mal von der Arzthelferin die Tetanus- oder Gelbfieberimpfung reingepresst bekommen. Das ist dann mal Arm!

Aber Impfdrängler schreien, weil man das Wort eben mal gelernt hat oder daran einen besonderen phonetischen Reiz entdeckt hat.

Ich trage nach wie vor Maske, ich kann nach wie vor eventuell jemanden anstecken, ich habe keine Privilegien, ausser dass ich mehr als vermutlich keine Notbetten oder Intensivstationen blockieren werde. Das wars.

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Diesen Beitrag habe ich, in Anbetracht der derzeit stattfindenden Polarisierung und mentalen Volksstörung, unter der Rubrik "Dezivilisierung" laufen. Hier stimmt was nicht.
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Sonntag, 28. Februar 2021
Die evangelikale Quadratur des uigurischen Kreises
Xinjiang oder Jiang Qing, Gut und Böse, Wahrheit und Lüge ... und die Quantenphysik ... und warum man den Kommunisten eigentlich dafür danken müsste, dass das Christentum plötzlich merkt, dass man den Muslimen auch anders beistehen kann, als nur durch Kreuzzüge.

1994 weigert sich die USA, das Massaker in Ruanda als Genozid zu bezeichnen. Mit der aussergerichtlichen Internierung in Guantanamo und Tötungen durch Drohnen weltweit schert es sich auch wenig um das althergebrachte Rechtsverständnis. Ich konnte auch keinen anderen Grund als das Prinzip der Abschreckung finden, warum man Julian Assange in GBR nach wie vor in Isolationshaft hält. Ich frage mich, ob es weitsichtig ist, wenn das westliche Wertegefüge weltweit mit Waffengewalt installiert wird, während man über die Terrorherrschaft der Drogenkartelle in Mexiko in der Presse kein Wort verliert.

Mir macht das Sorgen, wenn der Art. 11 Abs. 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von unseren 'demokratischen' Regierungen in die Tonne getreten wird. Die Begründungen für die Angriffskriege in Jugoslawien, Afghanistan, Libyen, Syrien, Yemen etc, die die Situation in den Ländern und weltweit eskalieren lassen, könnten fadenscheiniger nicht sein. Die Rechtsgrundlage hierfür scheint mir, "weil wir es können".

Damit verspielt man seine Reputation, so man sie hatte. Damit wird unser Planet mit Sicherheit nicht sicherer. Und damit wirkt die westliche Kritik an der Krimkrise und an der Annexion Tibets irgendwie heuchlerisch.

Ich lebe Zeit meines Lebens mit der 'gelben und roten Gefahr', zwei Weltmächten, deren expansive Aussenpolitik überschattet wird von einer NATO, die es fast schon an den Ural geschafft hat. Ich zähle über tausend Militärstützpunkte allein der USA in rund 40 Ländern, in denen sie nicht wirklich überall eingeladen wurde.

Vor dieser Kulisse der Scheinheiligkeit wirkt die momentane Chinakritik bezüglich des Umgangs mit dem Volk der Uiguren irgendwie fadenscheinig. ABER was mich wirklich enorm aufregt, sind die Fakten, auf die sich die US-Regierung nun beruft. Es hätte sicherlich bessere gegeben, doch der Bericht eines Adrian Zenz über die Situation der Uiguren, auf den einzigen auf den sich berufen wird, weist auf eine Entwicklung hin, die mir nicht nur Sorgen, sondern ernsthaft Angst macht.

Wie der Grayzone-Artikel über den China-Bericht des Adrian Zenz zeigt, beruft sich die US-Regierung hierbei auf einen evangelikalen Exremisten, der nicht nur empfiehlt, widerspenstigen Kindern biblisch den Hintern zu versohlen, sondern der auch glaubt, dass Gottes Zorn manche Juden in seinem feurigem Ofen läutern und die anderen Juden auslöschen wird. Was er von Homosexualität und Frauen hält? Da müssen Sie garnicht dreimal raten.

Wie jemand schön auf reddit gesagt hat: they have got rid of Trump and now they give you the architect of the system that gave you Trump. Wenn Menschen, die die biblische Endzeit herbeiahnen und herbeireden, zur Grundlage unseres Verständnisses von Wirklichkeit werden, wird es meines Erachtens brandgefährlich.

Die angebliche Wahrheit ist (zumindest in diesem Fall) die Reduktion der Wirklichkeit auf den persönlichen Vorteil.
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Freitag, 19. Februar 2021
Eine Welt ohne Antworten
Klar, könnte man auch mal über mehr Freiheiten reden. Ganz unabhängig von Corona und seinen Folgen. Man könnte mal den Rentnersprüchen von notwendigen Arbeitslagern etwas entgegensetzen und fragen, wer denn dann ihre Rente bezahlen soll. Einfach mal drüber nachdenken, wo wir Regelungen lockern könnten, oder wo, wie man das bei Autofirmen in Deutschland gerne macht, freiwillige Selbstkontrolle statt staatlicher Regulierung möglich wäre. Man könnte die Cancel-Culture mal mit dem Prinzip des Nullsummenspiels bekannt machen. Einfach wieder mit den Händen essen und dem Sozialisationsprozeß eines Norbert Elias ein Schnippchen schlagen.
Genau jetzt wäre die Zeit für solche Überlegungen.

Man könnte sich überlegen, ob man sich Buchhandlungen und Tante-Emma-Läden nicht einfach leistet, weil man sie möchte. Und sie nicht dem 'freien' Markt zum Fraß vorwerfen. Einem freien Markt, der diesen Namen nicht im Ansatz verdient.

Genau jetzt wäre es an der Zeit, das Zusammenleben wieder lebenswert zu machen, indem man Kriege verbietet, indem man Kapitalerträge so versteuert, dass Handwerk und andere tatsächlich geleistete Arbeit wieder einträglich werden. Warum nicht auch das Strafgesetzbuch vereinfachen und Steuerhinterziehung einfach in den Paragrafen packen, wo es hingehört, nämlich in §242 (Betrug) und §263 (Unterschlagung, Diebstahl), und nicht §"Hälfte zurückzahlen, dann passt schon". Man könnte überlegen, ob ein Parlament mit der Hälfte der Abgeordneten nicht genauso gut, wenn nicht sogar besser funktioniert.

Es ist überfällig, sich die Idee vom ewigen Wachstum mal genauer erklären zu lassen, um zu verstehen, wie sich das rechnerisch ausgehen soll. Und viele Leser von Zeitungen wären sicherlich daran interessiert zu wissen, warum der DAX in Zeiten wie diesen seinen Höhenflug erlebt - vertrauenserweckend ist diese Tatsache in Hinblick auf die Zukunft nicht wirklich. Ich vermute, die Analyse wäre zu komplex für Medien, die vom Drama leben. Wenn es richtig blutig und dreckig wird, berichtet man sinnigerweise lieber über dramatische Schicksaale, denn über Gewinner. Wer will schon hören, dass sich Dick Cheney während des Irak-Kriegs mit dem zivilen Ausstatter des Militärs, Halliburton, eine goldene Nase verdient. Aber Geld verdient sich da, wo das Blut auf der Strasse fließt. Bei jedem Feuergefecht, das sich die ISIS mit wem auch immer liefert, ist jeder Schuß ein satter Gewinn auf irgendjemandems Konto.

Es sind die kleine Dinge, die einen verwirren. Warum in Corona-Zeiten Krankenschwestern in Kurzarbeit gehen und Kliniken geschlossen werden. Warum bemüht sich die westliche Wertegemeinschaft um den russischen Oppositionspolitiker, nein, den Führer der russischen Opposition, Nawalny (welche Partei war das gleich wieder? Russland der Zukunft, mit wievielen Mitgliedern? Wer ist dann nur diese Jabloko-Partei unter Jawlinski? Und warum stuft Amnesty diesen youtubigsten Bekämpfer Putins plötzlich nicht mehr als politischen Gefangenen ein? Also die Nawalny-Geschichte hat schon mehr Spin als die Skripal-Affäre. Ein echter Nowitschok-Krimi 007 Teil 2, diesmal mit einem fotogenem James-Bond-Gesicht. Bei Nawalny, so juristisch zweifelhaft seine Verurteilungen sein mögen, kann ich mich garnicht mehr einkriegen, weil ein Whistleblower Assange vermutlich für die 'gleiche' Straftat (Verstoß gegen Bewährungsauflagen, nein, stimmt nicht. Assange hatte ja garkeine Bewährung, weil keine Verurteilung im Gegensatz zu Nawalny) gleich nebenan in London seit Monaten in Einzelhaft sitzt und dort vielleicht den Rest seines Lebens verbringen wird. Warum ist der große Sieger des Kapitalismus die größte kommunistische Partei. Und war mit ewigem Wachstum und Fortschritt auch die Rückverfettung auf eine 40-Stunden-Woche gemeint, oder sollte uns die Automatisierung nicht alle von der halben Wochenarbeitszeit befreien. Man frägt sich. Aber die Antwort, werden wir uns wohl selbst geben müssen.

Die einzige wirklich befriedigende Stabilität gibt mir der Nussschnaps. Der ist und bleibt transparent und schmeckt seit Jahrhunderten gleich. Der Rest ist Ponzi-Masche.
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Dienstag, 26. Januar 2021
Im Großen wie im Kleinen
Man sagt ja: im Kleinen wie im Großen. Das stimmt nicht immer. Wir bestehen aus Atomen, aber vom Verhalten her sind wir uns durchaus unähnlich. In unseren Atomen schwirren Teilchen und ähnliches umher als wäre es ein Hühnerstall auf Speed. Die Teilchen halten sich scheinbar auch teilweise auf, aber eben nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, während wir uns wohl bewußt sind, dass wir uns hier an der Bushaltestelle schon über eine Viertelstunde den Arsch abfrieren. Ein längerer Aufenthalt mit mehr als einer Wahrscheinlichkeit. Die Zeit in der Krise.
Alles bewegt sich, alles fließt, nur mein Struller hängt willensschwach vor der Hecke hinter der Haltestelle und tut nichts. Einzig das no-movement-movement und mein Struller sind exekutive Elemente ganz im Sinne von Ende Gelände.

Rien ne va plus. Wir und meine schon frühmorgens bekiffte Bekannte sind die neuen Helden des Stillstands. Und der Bus natürlich. Jetzt schon fast 20 Minuten. Also kein no-movement, sondern ein non-existing, die Urmutter der Bewegungslosigkeit. Die kinetische Energie von etwas nie Dagewesenem.

Als Vielfahrer im öffentlichen Verkehr fände ich die Kampagne "Ich komme wann ich will" untertützenswert.

Kein Fahrplan, sondern mehr Leichtlebigkeit. Ich komme, wann ich will. Da werden keine Hoffnungen zerstört, sondern geweckt. Ein lächelnder Bus und der Tag ist dein Freund, wie das die DB mit ihrem aleatorischem Fahrplan bereits verwirklicht hat. Aber der Öfi am Stadtrand hat von noch nichts mitbekommen. 21 geschlagene Minuten und davon jede einzelne geschlagen und geprügelt.

Ich bin ein auf irgendeinen Bus Wartender, ein Fussgänger oder vielleicht bald Passagier in einer Superposition, der einzig auf den Zusammenbruch der Wellenfunktion wartet ... oder eben auf den Bus. Ich stehe frierend hier, während mich die vorbeischleichende Blechlawine mit KubikxZylinderzahlxUmdrehungen/Minute Kohlenmonoxid und anderen fossilen Reststoffen berauscht. Der Gedanke an Kohlendioxid und Erderwärmung ist für mich in diesem Moment nicht fassbar. Eher das Rauschen von Wellen. Grünen Wellen, roten Wellen. Die vorbeiziehende Herde Autos klingt wie am Meer, aber sie riecht wie Ölteppich. Autos aller Coleur, aber kein Bus, kein Mammut in dieser Herde.
Ob das Gefühl, vor Wut fast zu kotzen, viele Menschen befällt? Vielleicht wären Haltstellen ein sinnvoller Ort zum Aufstellen von Hundescheißetütchenspendern. Im Großen wie im Kleinen. Der große Bus kommt nie, aber immer der kleine Mann bekommt den Ärger dafür in der Arbeit. Ärger von meinem großen, kleingeistigem Chef, der HomeOffice für eine Geisteskrankheit hält und Wetter für etwas, das aufgrund seiner Vorhersagbarkeit nichts mit dem Arbeitsbeginn zu tun hat.
Im Grossen wie im Kleinen? Bei Bussen wie bei Steuerhinterziehung das Gleiche, nämlich genau konträr. Wenn man 20 Personen 10 Minuten sitzen läßt gilt der Haftungsausschluss, aber eine Person 10 Minuten zu spät, fetter Ärger. Und Steuerhinterziehung? Davon kann man als angestellter Nettoempfänger nur träumen.
Wie viele Autos statistisch in der BRD auf einen Bus kommen? Ist wohl streckenabhängig. Auf jeden Fall reguliert nicht nur hier das Angebot den Markt und nicht umgekehrt. Dieses Land benötigt Einsitzer und keine Panzer. Der Beifahrersitz als mobiles Büro - ein von der Pendlerpauschale finanziertes CarOffice. Selbst einige der nie kommenden Busse besitzen hier einen USB-Lade-Port. Das wär mal was: BusOffice - mit dem Großraumbüro in die Arbeit geflitzt. Aber nein, wir produzieren großräumige Geländewagen, wo man nicht mal einen Kühlschrank reinkriegt, und öffentliche Verkehrsmittel mit einer Sitzaufteilung als wäre die Gesamtbevölkerung gliedmaßenamputiert.
Wenn ich bei diesem Plan A an Plan B denke, oh je, dann kann ich mir ungefähr ausrechnen wie es mit dem zweiten Bus kommen oder auch nicht kommen wird. Man wird mich als Arbeitswegelagerer verhaften. Als Corona leugnenden Volkskörperterrorist, der einfach nur rumsteht. Kein Sport, keine Gassiführen, keine Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger, kein selbstständiger Handwerker oder Lasterfahrer in der Ruhephase. Die Bewegungsabsicht war nicht zu erkennen, wird es heißen.

Verlegte Haltestelle mit Hinweisschild unter Schneedecke und vormals ich. Noch Abdrücke des Kampfes im Schnee. Blut? Nein. Asche auf mein Haupt. Heim, Coronasymptome an Betriebsstätte gemeldet, Selbstdiagnose R.5G gestellt einmal auf den großen Biergott Ägir Ägir angestossen und ...
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Montag, 11. Januar 2021
Liebe Reichbürger, liebe Mitinhaber von Firmenanteilen der hartenlinie,
um mit Trotzki gleich mal auf den Punkt zu kommen, „Du interessierst Dich vielleicht nicht für den Krieg, aber der Krieg interessiert sich für Dich.“

Den meisten muss man heute keine Extra-Ängste mehr aufbürden. Auch ein Herr Söder fürchtet sich inzwischen vor einer potenziellen Corona-RAF. Andere reagieren bereits beim Gedanken an die Viruserkrankung symptomatisch. Wieder andere verfallen in eine asthmatische Schnappatmung, wenn sie eine Maske sehen. Und gleich in der nächsten dunklen Gasse nach 21 Uhr wartet schon die Agoraphobie, die Platzangst, die Furcht vor weiten Flächen und offenen Plätzen. Vom Lockdown zum „Luck down“.

Angst und Terror, diese Währungseinheiten einer stabilen Herrschaftsordnung sind bereits inflationär vorhanden. Auch das Teilen und Herrschen, ganz nach kolonial-britischem Vorbild, sehen wir in der derzeitigen Form der Polarisierung bereits in Höchstform. Da fehlt nicht viel zur Machtübernahme der hartenlinie. Und diese finanzieren wir über die Luftsteuer.

Rausgehen muss Geld kosten. Je mehr frische Luft, desto teuer. Die CO2-Steuer für den kleinen Mann und die kleine Frau natürlich auch. Neben AirPods Pro gibts nu auch AirTime, gerne auch in der Pro-Packung. AirTime Pro für fett EarthKnete. Sich rauskaufen, wie ne Baloonfahrt. Da weiß man, was man hat, wenns am Wochenende mal zu Onkel Fritz nach Reutlingen geht. Kostet rund hundert für zwei Erwachsene und zwei Kinder, Hin und Rück. Mit AirTime Pro kommt die Packung Extrafreiheit. Ausgangssperre mal verpennt - AirTime Pro. Ein Produkt aus dem Hause Becker.

"Was uns anbetrifft, so haben wir uns nie mit dem wichgespültem Pfaffengerede und vegetarischem Quäkergeschwätz über die Heiligkeit des Menschenlebens beschäftigt. Wir waren Revolutionäre, als wir in der Opposition waren, und wir sind es auch jetzt, wo wir an der Macht sind. Um das Individuum heilig zu machen, muss das gesellschaftliche Regime abgeschafft werden, das dieses Individuum ans Kreuz schlägt. Diese Aufgabe aber kann nur durch Eisen und Blut erfüllt werden." auch Trotzki, der sinnigerweise dann auch mit einer eisernen Axt in Mexiko erschlagen wurde.

Die Idee, der nicht sterbenden Revolution stammt sinnigerweise dann auch aus Mexiko von der dort ansässigen, 71 Jahre regierenden PRI, Partido Revolucionario Institucional, und ihrer institutionalisierten Revolution. Revolution ist nicht schwer zu begreifen. Einfach mal an einen Trommelrevolver gedacht, schon ist das Bild im Kopf. Es bewegt sich, es dreht sich, und am Ende ist alles, vielleicht unter anderem Vorzeichen, auf jeden Fall aber, wie immer, nur mit sechs leeren Kammern und ein paar Toten und Verletzten. Hm, auch doof irgendwie ...

Es wird schwierig und vermutlich stehen uns die schwierigsten Wochen, Monate, Jahre noch bevor. Denn um in diesem Land aus einem schwarzen Loch zu entkommen, muss man schon Deutsche Börse, Lufthansa oder TUI heissen. Dem deutschen Individuum fehlt einfach die nötige ‘escape velocity’, die nötige Entweichgeschwindigkeit. Ihm fehlt schlicht die monströse Kapitolflucht eines Bitcoin. Der Deutsche hinkt, wenn es um die zweite kosmische Geschwindigkeit geht. Ihm entweicht vieles, aber er selbst entweicht seltenst bis nie. Man merkt das schon sehr deutlich, wenn sich zwei deutsche SUVs auf einer Straße begegnen, auf der sie nicht aneinander vorbeikommen. Ein anderes vorzügliches Beispiel ist natürlich die deutsche Kohleindustrie. Ein Steinbruch hat mehr Freiheitsbewußtsein als der deutsche Homo Sapiens und eine wesentlich höhere kinetische Energielage. Ob das an unserer örtlich, genetischen Nähe zum Neandertaler liegt? Ich weiß es nicht. Komm, flieg, kleiner Wellensittich.

Stillstand wiederum, die Weltwirtschaft am Boden, ist in unserem Land, dem das mal ganz gut bekäme, schlimmer angesehen als der Teufel selbst. Ich denke, dem Deutschen ist es am liebsten, wenn sich alles um ihn herum bewegt und er ganz ungezwungen in seinem Fernsehsessel ruht. Vielleicht ist es das Gefühl, dass sich alles nur um ihn, Tanguy, Linus und Julian, bzw um sie, Emilia, Ella, Lina dreht. Ungezwungen muss es sein, das ist wichtig.

Also: Eigentlich klopft die friedliche Revolution gerade an die Türe. Nur leider ist es schon nach 9 und wir sind schon zu fünft. Dann vielleicht halt beim nächsten Osterzyklus in 532 Jahren.

Deutschland ist stabil
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Dienstag, 29. Dezember 2020
Bios pecuniaris
Sie werden sich fragen, was macht die alte Becker so über die Tage. Und Krise und so. Die alte Becker hat da doch sicher was auf Lager, diese alte Raubritterin. Am Schaufelradbagger des Kohletagebergbaus wär die alte Becker der Schaufelzahn. Bei Raubbau und Krise ist doch die Becker immer vorne dabei.

Ja, das stimmt. Aber ich diversifiziere. Also nicht nur alte, demente Insassen von Pflegeheimen nach Strich und Faden abziehen. Da seh ich keine Zukunft. Mein Hauptgeschäft ist die Vermietung von Bio-Garagen. Oder wie ich sage, deine 12 Quadratmeter Beitrag zum Umweltschutz.
Innen mit kindersicherer Farbe zum Sonnenblumenfeld umgestaltet. Idealer Aufbewahrungsort für die gesamte Stahlrossflotte der umweltbewußten Neumenschen. Mit Stromanschluss für E-Lastenbike und das E-Offroad, gespeist aus den Solarpanelen am Garagendach. Muss man etwas zuspeisen, aber mit Ökostrom von Greenpeace. 'Garage de Veloziped' inklusive natürlich Sportkinderwägen und Kindersportwägen. Garagentorgriff aus Bakalit und innen ausgeleuchtet wie ein Filmstudio, mit LED. Gegen Aufschlag auch begrüntes Garagendach. Und fürs gute Gefühl surrt oben noch das ein oder andere Kinderwindrad. Das macht die Becker - zum Bio-Sonderpreis.

Neue Idee: Das Sortierhaus. Wenn sich daheim mal wieder alles ansammelt und keiner mehr durchblickt, geschweige denn ganz hinten im umsponnenen Speicher nachzusehen, ob in der fetten flachen Schachtel nicht doch noch ein Großbildfernseher drin ist. Mieten Sie Space beim Sortierhaus, und zwar nicht nur so ein Kellerabteil, sondern mit Freifläche, so dass man die ganzen Konsumrückstände in Ruhe nochmal durchgehen kann, ehe man sich verabschiedet. Im Grunde vermiete ich also ein Konsumhospiz, wo die ehemaligen Besitzer noch in Ruhe Abschied nehmen können.
Ich denke, der Konsumstau ist nicht durch einen mangelnden Willen zu Mehr als vielmehr dem fehlenden Platz verursacht. Im Grunde sollte ich es mir vom Bundesverband des deutschen Einzelhandels refinanzieren lassen. Wer bei mir einlagert, der tut dies erstmal nur vorübergehend, aber im Grunde ist es ein Abschied, denn der Vakuumeffekt des Konsums befüllt die kurzfristig entstandenen Lücken zuhause viel schneller als dass man etwas von dem Eingelagerten wieder mitnehmen würde.

Und in der Zwischenzeit, so das Sortierhaus nur eine Idee ist, auf der Freifläche einen Christbaumverkauf. Bio-Schneebruch-Fichte aus deutschem Mondholz. Statt Millionen von Tannen völlig sinnfrei abzuholzen, verkaufen wir Bio-Schneebruch, und weil es Fichte ist, zum gleichen Preis. Am Eingang dämmert ein Flokati-Hirtenhund. Dem Christbaumhirten Sepp, der genauso halbtot wie der Hund in seinem Campingstuhl döst, hängen die Holzspäne noch im angeklebten Bart. Papa, schau, ein Bio-Weihnachtsmann. Er spricht nicht, sondern brummelt unverständlich und grimmig. Nur für den zusätzlichen Kauf einiger Zweige und Zapfen gibts auch einen Lächler. Noch ein paar Antik-Holzsterne aus gelben Schalbrettern, 3,50 das Stück, eine Packung Spekulatius mit dem Logo der Deutschen Bank und ein Fläschchen 'Pino Mugo', Latschenkiefernsaft gegen Atemwegserkrankungen, schon ist man Stammgast. Denn bei der Becker wird gelebt, nicht gestorben.

Der Gewinn wird stante pedes in Nußschnaps umgesetzt, denn nur die Dummen haben vergessen, wie schnell Desinfektionsmittel knapp werden kann. So viel zu meiner Wirtschaftsprognose.
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Donnerstag, 24. Dezember 2020
Von Freinachten bis Frohstern
spielen wir die Leidensgeschichte bis zur Wiederauferstehung, dem Tag an dem wir den großen Stein vor dem Höhleneingang beiseite schieben.

Bis dahin in dieser toten Zeit die Fortsetzung von "Der Tod ist eine Endung":


Ich esse E-Food am Rande der Stadt, deren Puls hier nur noch vage zu spüren ist. Appetit und leichter Hunger sind für mich niedrige Beweggründe. Ich warte auf meinen Kollegen - das macht schon mehr Sinn. Leider flackert sie nicht, die Neonbeleuchtung, sondern leuchtet so gleichmäßig, daß kein mystischer Gedanke aufkommen will. Der Tag, der mein Leben um 180 Grad herumreissen wird, scheint wie jeder andere auch.

Ein müder Sommernachtstraum schwingt sich behäbe aus den Federn und wandelt sich ins Alltägliche. Noch keine Schlangen an den Kassen, denn alles, was sich ausbeuten läßt, drängt sich in den Linienbusen und deren Haltestellen. Wo man früher nicht mehr unterscheiden konnte zwischen gehobenem Dienst und den niederen Chargen, wo sich leitende Angestellte und das schlecht besoldete Volk aus den Werkstätten und Fabrikhallen gleichermaßen in Jeans und Jacke kleideten, trägt man heute wieder die Erkennungszeichen seiner Zunft. Maler in Weiß, Gärtner in Grün, Hausmeister in grauen und Mechaniker in schwarzen Cordura-verstärkten Arbeitshosen mit so vielen Taschen wie sich nur irgendwie anbringen lassen. Bessergekleidete fahren erst nach der Arbeiterschaft und den Schülern und zumeist nicht mit Bus oder Bahn, sondern sitzen im täglichen Stau, der unserer Marktwirtschaft mehr Arbeitskraft raubt als alle Grippewellen zusammen. Wenn ich an das Zitat von Karl Marx denke, Sprache entstünde, wie das Bewußtsein, erst aus dem Bedürfnis, der Notdurft des Verkehrs mit anderen Menschen, muss ich sagen, er war ein echter Seher.

Während alles to-go trinkt, esse ich Dinge, deren Namen ich noch nie gehört, und warte seelenruhig auf meine erneute Einberufung nach Jahren des Dahinsiechens, im Glauben zu vergessen, wenn man nur genug Hochprozentiges in sich hineinschüttet. Unabänderliches Schicksaal hält nicht sehr lange, wenn man sich selbst vorzeitig aufgibt. Und mein Kollege wird meinem Schicksaal schließlich den Rest seiner Unabänderlichkeit nehmen. Ich habe und konnte nicht vergessen und brauche keine bandagierte Hoffnung. Ich habe die Taschen voller Zukunft in Form einer SFP9 mit kurzem Abzugs- und Rückstellweg.
Auch von den Springfluten des Schicksaals darf man sich nicht hetzen lassen, sondern treiben wie ein Fisch im Wasser oder eben ein Revolutionär im Volk. Wie ich es gehasst habe, das ewige Durchkauen einer Ideologie. Um wieviel leichter geht einem da die synthetische Alge und das Laborfleisch in diesem E-Food-Imbiß runter, wenn man sich sicher sein darf, nie wieder mit der Mao-Bibel oder Sun Tzu aneinanderzugeraten. Nie wieder Tactical Field Guides oder Room Clearing Procedures, keine Trainingseinheiten oder Indoktrinationen, sonder freies Bewegen auf dem Feld der Möglichkeiten. Kein theater of war and operations, sondern einfach nur der Lebenskampf, live.

Wirklich neu für mich ist die Abwesenheit von Nußschnaps, ohne den ich mich irgendwie nackt fühle. Mein Leben war so durchdrungen davon, er war atomarer Bestandteil all meiner Habseligkeiten. Jetzt steckt mein schnapsdurchwachsener Körper in der Hülle nagelneuer Funktionskleidung. Das Innenfutter meiner Hose knistert bei jeder Bewegung und beim Gehen reibt das Pseudo-Gore-Tex so hörbar, dass man denken könnte, ich wäre eine Grille auf Partnersuche. Die Jacke nicht zu eng wegen der SFP9, Heckler und Koch - buy local, think global. Ich bin so nussschnapsfrei, so trocken, daß man aus den Resten einer im Wüstensand Babyloniens gereiften Mumie mehr Saft herauspressen könnte.
Auf die goldenen Ähren der Vorstadtfelder träufelt bereits erstes Sonnenlicht. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Ich taste nach dem Sicherungshebel meiner Finsterzwille als zwei weniger eilende Herren mit Gesichtern wie Klarsichfolien von der anderen Straßenseite meinen Blick kreuzen. Maria Becker, das klingt nicht wie Margarete oder Sulamith. Das klingt eher wie Erbsensuppe aus dem Dachauer Hinterland. An mir haftet kein Stäubchen Verdacht. Ich hatte nun so viele Jahre in einem Wohnblock verbracht, daß ich mich selbst schon rechteckig fühle. Niemand könnte glauben, daß ich bin, was ich war und wieder werde. Ausser scheinbar meinem ehemaligem Kollegen, der mich hierher bestellt hat.

Kollege ist der falsche Ausdruck für jemanden, mit dem man seine gesamte Berufslaufbahn verbracht hat, mit dem man all den Schweiß und sehr viel Blut anderer geteilt hat. Wir waren Spitzensportler, gemischtes Doppel, in einer Extremsportart, wo man entweder einen der vorderen Plätze belegt oder zwei Meter unter der Erde mit den Würmern sein postmortales Dasein fristet. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich hatte mir das ausgesucht, weil ich am Ende meines Lebens nicht die ausgetragenen Pakete oder verkauften Topfpflanzen zählen, über alte Kantinenwitze lachen oder meinen Rentenbeginn im Wirtshaus um die Ecke feiern wollte. Ich wurde hineingeboren in die Welt der Politik mit anderen Mittel.

Mein Urgroßvater war Wünschelrutengänger in den verhassten Gräben der Westfront. Jede Nacht gruben wir uns ein. 3 oder besser 4 Meter tief, jede Nacht. Und man durfte nie auf Wasser stossen, sonst hieß es, die Nacht im Freien, im Sperrfeuer und im Granatenhagel zu verbringen. Wenigstens ein paar Stunden nachts in einem Erdloch ehe man andertags wieder in den sumpfigen Gräben die faulige Haut im Brackwasser treiben ließ.
Im Grunde waren es seine Abenteuergeschichten und seine Geschichten der Kameradschaft, die meine Vorväter schließlich dazu brachten, auch dieser Art von Kameradschaft nachzueifern. Da reicht kein Flugzeugabsturz in den Anden oder der Ausbruch des Krakatau. Nur ein noch blutigerer Krieg bietet diese Zwangslage, in der sich Wildfremde zu solch grenzenloser Aufopferung hinreissen lassen. Vom Sog des Heldentums erfasste Männer und deren Frauen, die sich wie eine Eva Braun an den Feldmantel eines verkappten Vaters klammern, um Teilhaber der Macht zu werden. Die Väter sind die richtungsweisende Schiene und die Mütter die mitochondriale Lokomotive. Der Weg ist vorgegeben von den Erzählungen und Märchen der Väter. Hingetrieben aber wird man von den Müttern.

Der Zweite Weltkrieg war im Grunde die zweite Halbzeit eines generationsübergreifenden Mythos, der nach dem aufkeimendem Nihilismus der Jahrhundertwende wieder eine Religion schuf, der neue Götter hervorbrachte und mit seinem unerschütterlichem Glauben an Ideologien in der Lage war den Fanatismus des Christentums zu ersetzen. Eine neue Religion, die wieder einherging mit Kolonisierung und Glaubenskriegen. Wie sonst ließe sich erklären, dass sich Menschen hipp hipp hurra ins Gemetzel stürzen für eine Nation, die gerade mal drei Generationen alt ist.
Vor dem Imbiss wird es schlagartig heller. Die Wolkendecke reißt auf, die Historie ab. Der Traum ohne den die Wirklichkeit nicht existieren kann wird neu geboren. Kann man aufstehen ohne gelegen zu sein? Ein Aufstand ohne Grundlage gegen etwas, das es nicht mehr gibt. Der Geistesblitz aus heiterem Himmel, ohne Wettervorwarnung, ohne historischen Bezug. Der Akt ohne Re, ohne Parkmöglichkeit, eine Einbahnstrasse mit Höchstgeschwindigkeit, das Vor ohne Zurück. Eine Knalltüte mit Überraschungseffekt, Phosphor, der zum ersten mal das Wasser gesehen hat, und die Lösung der Elemente. Der Orgasmus von Materie und Antimaterie. Der erste Urknall vor und nach einer Geschichte, in einem Jetzt, das wir bis dahin nie erleben durften. Wir sind der unerklärte Krieg der Gedanken, wir sind das Wilde im Dienste des Geschehenen. Zumindest ich, in meiner Funktionskleidung von der die aufkommenden Skrupel augenblicklich abgleiten.

Der sorgsam gestaffelte Olymp des Dritten Reichs mit einem Postkartenmaler als neuer Zeus. Ein vegetarischer, abstinenter Zeus ohne Hera. Vielleicht wäre es ganz anders gekommen, wenn Geli Raubal am 18. September 1931 nicht vom Blitz ihres Zeus in Form einer Walther vom Kaliber 6,35 mm danierdergestreckt worden wäre. Sie hätte seine erste Hera, zwar nicht Schwester und Gemahlin, so doch Nichte und Gemahlin sein können. Oder auch nicht - wer kann das schon sagen bei einer Generation von Männern, die sich en gros an ihrer Nachkommenschaft vergreift. Er hätte sich das quälende Magenleiden durch intesiven Konsum von Bohnen erspart und vielleicht sogar mal das Oktoberfest besucht. Als Mannschaftskapitän für die zweite Halbzeit der neuen Religion war ein vom Gasangriff kurzzeitig erblindeter böhmischer Gefreiter ohne Mittelschulabschluss wie geschaffen. Ein an den Schlägen des Vaters Herangereifter aus einer Familie von Halbidioten und Irrsinnigen der Linie Schicklgruber, wie einer Aloisia Veit. In diesem historischem Dilemma wirkt ein an die Brust der Mutter getriebener, der in seinen Jugendträumen gescheitert und im Milieu von Männerwohnheimen großgeworden, wie ein aus den Ruinen des ersten Weltkriegs und einer Weltwirtschaftskrise auferstandener Kamerad. Erst der große Krieg Teil 2 konnte für eine krisengeschüttelte Generation schwacher Söhne sinnstiftend wirken. Da reicht es aus, wenn nur ein Teil der Bevölkerung von diesem Eifer gepackt wird, um den Rest mit in den Abgrund zu reissen.
Radikalisiert heißt für mich, dass der Zahn abgestorben ist und nur noch eine Wurzelbehandlung eine Linderung des Schmerzes. Der erste Sonnenstrahl schlägt ein wie ein Blitz ohne Donner durch die matte Scheibe des E-Food-Imbiss.
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Samstag, 19. Dezember 2020
*-: ɐdoɹnǝ ǝssǝns ǝuıǝɯ 'uǝƃɹoɯ uǝʇnƃ
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist ɐdoɹnǝ mit Kind und Kegel. Komm herab von deinem Stier, lass ab vom Tier i-=<*** __. Es ist schon nach Neun, du bleibst jetzt hier, auf ein paar Bier.

😘

Ich komme von einem Kontinent, der nicht mal seine Grenzen kennt. uǝuoıʇɐu sind mir unbekannt, doch uǝzuǝɹƃsǝpuɐl dicht, meine ʇpɐʇsʇɐɯıǝɥ ist umbenannt, herrje, wie mich das ficht. puɐlɥɔsʇnǝp, wir weben dein Leichentuch, wir weben hinein den dreifachen Fluch - wir weben und fangen an zu spinnen! Ich bin kein Wir, ich bin ein Ich. So finde ich gar wunderlich -noch schnell ein Bier - dass du die Tür verrammelst, dass du 🇪🇺 auf einem Schimmelstier vor meiner Tür vergammelst.

uıǝlɐdoɹnǝ, du stummer Fleck, ob all des Leids, das dir Synapsen hat verdrahtet, hol raus den Käs und teil den Speck, den Leberkäs schon angebratet.

Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken!

Erich Kästner

Drum trinket Bier und Wein und Schnaps und schüttet weg die braune Brühe, schüttet sie weg, die Zuckerindustrie, samt Amazon und Lieferando, schüttet sie weg die schwarze Milch der Frühe. Schenkt euch ein Lächeln ohne Maske, scheißt für ein Sekündchen aufs Kommando. Ich kork schon am Fass, doch du hustest mir was.
Den Tod zu töten das wird schwierig, mit Herzverfettung, Fertigpizza, das ewige Leben ist ebenso gierig wie der ewige Fortschritt mit ner Villa in Berlin oder Nizza. Den Danneröder Forst zu opfern, Buchhändler weg, Tante-Emma-Läden raus, stattdessen SUV und Kurzstreckenflüge, nicht nur für mich ein grausiger Graus. Da brauchts schon High-Tech-Medizin und Hirntransplantation, um das zu geniesen, auf Feldern von Ökospritmais zu wandeln statt auf saftigen Wiesen.

Viel hässlicher im Angesicht des Virus ist die häßliche Fratze des Kapitalismus. Im Berufsverkehr dicht gedrängt, im Büro ein Gewusel, abisoliert in der Höhle des HomeOffice und nach Feierabend digital konsumieren. Die Frontschweine beklatschen und Steuernachlässe für die Daheimgebliebenen. Nicht dein Leben ist systemrelevant, sondern deine Arbeitskraft.
Viel tödlicher als der Tod ist nicht zu leben.

...
Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße:
es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
Es ist Zeit, daß es Zeit wird.

Es ist Zeit.

Letzte Strophe von Paul Celans 'Corona'
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