Die RegenbogenWiesn - Der Masskrug als Zeichen seiner Zeit

"Wer eine Regenbogenwiesn ausruft, sollte sich über den Regen nicht wundern."

Bayern ist berühmt für seine Schlösser, Kühe und Autos, aber nicht gerade für seinen Pragmatismus. Doch nicht umsonst gönnt man sich mit München einen roten Fleck in einem schwarz-braunen Meer der Politik. Hier darf man, umzäunt vom Erzkonservatismus, noch experimentieren. Hochhäuser sind verpönt, dass man es von ausserhalb nicht am Horizont erblicken könnte, aber in Bodennähe herscht hier noch ein liberales Klima.

Die Nackten im Englischen Garten und am Luss-See, die heimlichen Raucherkneipen, ein Radweg direkt an der BMW-Zentrale. Hier darf man noch frei seine Meinung äussern, so sie sich nicht gegen die Sicherheitskonferenz oder die Rüstungsindustrie richtet.

Dementsprechend hat man auch verstanden, dass gleichgeschlechtliche Sexualpartner die finanzkräftigsten Mitbürger sind - double income no kids. Und so ist es nur folgerichtig, dass der diesjährige Wiesnmasskrug in Rosa gestaltet wurde. Ein Rosa so luftig und unbeschwert, dass man denken könnte, er wäre so leicht wegen der Farbe und nicht etwa weil er schlecht eingeschenkt ist.

Im Hintergrund ein nur angedeutetes Riesenrad, dass es sich als Ziel terroristischer Anschläge kaum eignet, und rosa Wölkchen, die den homophoben Feind des Oktoberfests blind machen sollen.

Selbst das Pärchen im Vordergrund ist aus gutem Grund geschlechtsneutral gehalten. Erst möchte man meinen, es handelte sich um eine kämpferische Szene, wobei die rechte Figur ihren Arm hilfesuchend nach oben richtet, bis man merkt, dass sie eigentlich nur ihre verregnete, aufgeweichte Brezn wegwirft.

Das Pärchen sinnigerweise in Grün. Auch das hat man in München schnell begriffen, dass deren Wähler viel Geld ausgeben und nicht wirklich in der Sozialpolitik mitmischen. Wer sonst sollte all die Bioläden am Leben erhalten, wo doch keiner mehr einen Schweinsbraten essen kann ohne einen anaphylaktischen Schock zu erleiden.

An der Analyse des weggeworfenen Essens arbeiten wir noch. Hier bieten sich mehrere Erklärungsmuster.
Vielleicht haben die beiden Grünen Hunger und können die in rosa Wölkchen schwebende Nahrung nicht essen, weil zu viel Salz auf der Breze, zu viel Zucker im Herzen und zu viel Alkohol im Bier sind. Dass es sich um hungernde Unterschichtler mit der Hand zum Gruß handelt, die es sich nicht leisten können, möchte ich bezweifeln, sonst wären sie ja braun.
Ich vermute, dass es sich um einen auf die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern beziehenden Affront gegen die AFD und FDP handelt, bzw auf deren Wahlergebnisse. Zwei Grüne, die sich wünschen, auch so hoch hinauf zu kommen. Und nicht ein schwarzer Klecks auf dem Krug.

Ein teils rätselhafttes Motiv 2016 also. Aber wieder mal ein deutliches Zeichen, dass es weder um Form noch um Inhalt geht, sonst hätten wir schon längst den octogonalen Krug mit einem Henkel oben wie beim Milchkanderl und mehr Fassungsvermögen.