Sonntag, 18. November 2012
Bier-Boarding im Haberfeld
I sog ned a so und aa ned a so, aber so oder so is jetz die Wiesn vorbei.

As Gschwerl is wieder hoamgfahrn, zumindest de meistn. Wie man eben so sagt: der Unterschied zwischen Saupreißn und normale Preißn ist, daß letzterer nach dem Urlaub wieder heimfährt. Denn mit den ersteren gibt es hierzulande so seine Schwierigkeiten. Davon abgesehen, daß sie den Einheimischen das Bier wegtrinken und an der Parkplatzproblematik nicht sonderlich konstruktiv mitwirken, dauert es kein Jahr und schon fühlen sie sich wie die Platzhirsche, die plötzlich merken, daß die grantige Bäckerin und das besoffene bayrische Prekariat nicht wirklich auf ihrer Wellenlänge liegen.

Die bayrische Küche war bis vor wenigen Jahren, von Mehlspeisen, Semmelnknödeln in Champignonsauce und gemischtem Salat mit Speckwürfeln, eine rein antivegetarische. Wasser war zum Händewaschen da und alkoholfrei ein Ausdruck von Lebensfeindlichkeit. Die Semmeln hießen Semmeln, das Wetter war prinzipiell zu kalt oder zu heiß und die Menschen per Du.
Es dauert kein Jahr und der Preiß stellt fest, daß Bayern eigentlich nur seine Schönheit erlangt, wenn es keine Bayern mehr gibt. Kein Jahr und dem Zugereisten fällt ein, daß Vegetarismus die Hochkultur der mundialen Küche darstellt und nur Untermenschen mit Stiernacken und haarigen Wadeln sich an der durch und durch fettigen Fleischküche Süddeutschlands vergehen. Plötzlich sind die Brezen zu salzig, die Kuchen zu sahnig und das Urige zu grob geklotzt. Plötzlich muß alles mongolisch sein und die scharfen asiatischen Gewürze durchdringen jeden in München geborenen Schweinsbraten.
Zudem fehlt dem alpenländischem Urtyp, außer gegenüber Dackeln, jeglicher Ansatz von Tierliebe. Der Bayer lebt wie eine Sau und frißt sie anschließend, weil er sie nicht mag. Er scheißt die hageren Preißnkinder in einem Tonfall an, daß sie sich durch diese Traumatisierung letztendlich wie ihre Eltern entwickeln und ebenso zu Saupreißn mutieren, ohne jegliche Chance der genetischen Assimilierung.

Kurz und gut: der Bayer und der Preiß haben ein Unverhältnis, das sich in eine zu eng geschneiderte Zwietracht kleidet. Aus Sicht des Bayern hat der Preiß den zweiten Teil von Leben, das Leben-lassen, nicht verstanden oder will es zumindest nicht verstehen. Vielleicht ist es der berufsbezogene Aspekt der Zuwanderung, der vorwiegend karrieristisch orientierte Norddeutsche an den Alpenrand verschlägt. Mag sein, daß es sich bei den innerdeutschen Migranten aus dem Norden um eine Spezies handelt, die besonders durchdrungen ist von jener protestantischen Arbeitsethik. Ein Völkchen, das sich attackiert fühlt von der Philosophie des "paßt schon"und "werd scho wern", das in der Gemütlichkeit einen bedrohlichen Kapitalverlust sieht, wie sich das auch in der hektischen Sprechweise der nordgermanischen Invasoren ausdrückt.

Die Liberalitas bavariae wird hierdurch nicht nur auf die Probe gestellt, sondern in einem Maße malträtiert und vergiftet, daß sich jene Freundlichkeit, die hinter all dem Grant und der scheinbaren Verbohrtheit der Einheimischen steckt, nicht mehr so leicht hervorkramen läßt.

Ob dieser blinden Herangehensweise der okupierenden Gewalt gerät so manches in Vergessenheit. Alte Riten und Ruten. Denn so angenehm weiß-blau wie die bayrischen Tage gestalten sich die Nächte oft nicht. Nachts bleibt Bayern so schwarz wie es sich politisch durch den Tag quält. Schwerer Nebel hängt inzwischen über dem Amigo-Sumpf und in den dunklen Stuben köchelt eine Suppe, die sich nicht verdauen läßt.
As Hoberfeldtreibm

Ein Fluch im Wind
und jede Lüg´ zerrinnt.
In tiefer Nacht,
dort gründet unsre Macht

Jaz Kameraden lasst`s enk sang,
doat`s enkara Gwara scharf lan,
wenn enk oana duat net bass`n,
schiaßt´s eam glei nei in a Hax´n.
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