Mittwoch, 17. Oktober 2012
On Demand ...
äh, müsste ich jetzt nur wissen, was ich wollte. Das macht die Suche nach dem "demand" so aufreibend, daß die Wünsche hinten runterfallen. Wunschlos glücklich treibt der Konsument im Strudel der erzeugten Träume dahin, heißt eigentlich, wird hineingezogen, auf Linie gebracht ... denn jedem kann man es nun auch nicht recht machen, wenn eben alles so billig sein soll, daß man es sich mit Dumpinglöhnen auch noch leisten kann.

Weniger "on demand" schwirren die Werbeblöcke uns um die rauchenden Köpfe. Will ich nun das Walgbrett aus Nußholz oder das aus Kastanie. Ich brauch sie zwar nicht, diese furnierte Pressholzplatte, weil in meiner Küche nur Fertiggerichte enstehen, aber sie paßt gut zu den Fliesen. Und! eine Küche ohne Walgbrett ist eben nur eine halbe Küche. Für meine Bedürfnisse könnte ich mir im Grund den Backofen und die Mikrowelle ins Wohnzimmer stellen, gleich unten und rechts vom Fernseher. Hätte man immer die Fertigpizza im Auge, ohne die Wettervorhersage zu versäumen. Kühlschrank käme neben den PC, daß man sich gleich die Kühlung sparen kann ... ich meine PC in den Kühlschrank, außen erzeugen ja beide Erderwärmung. Weil man dann zum DVD-Wechsel immer erst den Kühlschrank öffnen müsste, wäre auch dem der Klimawerwärmung geholfen.

Erzählen Sie mir nicht, daß die Klimaerwärmung nicht von den Herstellern der PC-Lüfter zumindest miterfunden wurde. Heute wird einem doch jeder Systemabsturz als das Problem einer mangelhaft unterlüfteten Graphikplatte verkauft. Bei Heizungsverkäufern liegt da der Nutznießergedanke zu sehr auf der Hand, als daß es nicht ein Image-Problem gäbe. Die hassen den Gedanken der Erderwärmung. Auch das Image der Heizkraftwerke leidet unter der neuen Hitze. Heizdecken kann man wenigstens körperlich spüren, und im deutschen Winter sich auch mal wünschen. Die kann man anfassen; Heizkraftwerke nicht oder nur sehr selten.

Wettervorhersage versäumen, meine ich eher aus sportlicher Sicht als aus Interesse, denn der "forecast" steht minutenaktuell auf meinem Desktop, sowie auf meiner blinkenden Wetterstation. On Demand? Eigentlich ist alles schon da, ehe man sich es wünscht. Bereiche, in denen der Wunsch nicht so entstehen will, bombadiert man vorsorglich mit Gratisprodukten en masse, daß für Wunschlos-partikel erst garkein Raum entstehen kann. Wenn man heute etwas Neues für sich entdeckt, wurde es dort schon als Offerte plaziert, als take-away, mal mit und aus Kundenbindungsgrünen auch mal ohne Preis. Sie entdecken nicht Wachsmalkreiden für sich, sondern diese wurden für Sie erfunden. Selbst bei Kartoffeldruck soll ja der Herrgott selbst den Erdapfel geschaffen haben und wir ihn erst nach mehreren Milliarden Jahren auf dem europäischem Kontinent für uns entdeck. Was für ein Makro im Mikrokosmos!

On Demand ist natürlich ganz anders gemeint. Dieser Begriff umreißt Situationen, in denen Wunsch schon lange da ist, nur mit der Produktlieferung klappt es nicht. Weil 200 Stangen Zigaretten nur für Hausbesitzer eine Alternative darstellen, wird der lagerlose Einzimmerbewohner dazu gezwungen, das Suchtverlangen teils erst nach nächtlichen Eskapaden stillen zu können. Oder Sonntag, die Milch aus und der Bäcker im Urlaub.
Ganz klarer Vorteil bei meiner Küche im Fernsehregal: man hat auch immmer die Bierreserven im Auge. Was bei 'ob noch genügend Bier im Keller ist" passieren kann, zeigen sich oft genug bei kommunikationsgestörten Feierlichkeiten und ihrer Logistik, wenn alle im Informationsverlauf mitpfuschen. Bei meinen Einzimmer-Parties mit dem PC im Kühlschrank im Fernsehregel führt diese Frage regelmäßig zu einer einheitlichen, entsetzten Stimmung und dem sofortigem gemeinschaftlichem Aufbruch in die regnerische Nacht hinein. Bis zur Nachttanke, letztlich auch wieder eine Möglichkeit die Wettervorhersage zu erfahren, diesmal aus der Tageszeitung an der Kasse. Die Infomation darf man mitnehmen, die Zeitung sollte man da lassen.
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