Montag, 12. November 2012
Polyglycos über die letzte Verunstaltung des griechischen Theaters
... oder: Europas finaler Rettungsschuß geht daneben.

Die Griechen mögen das Theater erfunden haben. Letztendlich wurden sie vom Theater übernommen. Die dionysische Bühne, auf der der Krieg zwischen alter Götterlehre und neuerer Philosophie ausgefochten wurde, hat ihr Leben gelebt. "
Diesem kommenden dritten Dionysus erscholl der brausende Jubelgesang der Epopten. Und nur in dieser Hoffnung gibt es einen Strahl von Freude auf dem Antlitze der zerrissenen, in Individuen zertrümmerten Welt."
GAB, liebe Epopten und Polytoxer, in dieser Hoffnung gab es einen Strahl, der lang schon erloschen, so er bei uns noch im besten Licht erstrahlte. Denn der Hoffnung ist nach Jahrtausenden an Reisezeit auf unseren Nervenbahnen die Lust vergangen, sich weiter auf den Weg zu machen, unserem unbeweglichen Erkenntnisvermögen entgegen. So wartet sie nun im Niemandsland auf Godot&friends.
Erspare mir das goldene Fließ made in China,
Bruder Polyphemos, die Zeiten sind so dunkel, daß selbst Kierkegard sich hinter den Wandvorhängen versteckt hielte, daß ich lieber der Blinde unter den Zyklopen wäre - und natürlich will es am Ende immer keiner und niemand gewesen sein.

Heute, nachdem die Sinnflut den Planeten mit einer stürmischen See überzieht, glotzen nur noch die Okeaniden, Nereiden und Nymphen von den Logenplätzen der Wellenberge auf unser trauriges Schauspiel herab. Es orchestriert nun ein anderer Wind. Einzig die Kulisse wummert in HD.

Im Land der Lotosesser, liebe Politoxer, seid ihr gefangen von der süßen Frucht - ihr erlegen. Das einzige Licht, das euch leuchtet, ist die eigene Verblendung.

Kettet mich an den Vormast, ehe sich unser Boot dem innenpolitischen Störsender nähert, ehe ich unserer despotischen Medusa lausche, deren Be- und Enthauptungen uns noch den letzten Sinn rauben. Politisch betreut von Skylla und Charybdis ist die goldene Mitte nicht so recht zu finden.
Laßt Euch eines gesagt sein: Freßt nicht die Merkel des Helios, so Euch der Sturm nicht zerschmettert oder Ihr aufgespießt von der Troika, dem Dreizack des Poseidon.

Ihrer Schwester, der Katastrophe, zur Seite schreitet die reinigende Katharsis durch Neuronien; dem folgend selbst der flächendeckende Mörserbeschuß des Amor eure Herzen nicht mehr treffen wird, denn diese liegen blutlos auf einem Berg, auf einem Leichenberg mit Gipfelkreuz. Von einer Tripleine ohne Anker strangulierte Matrosen des europäischen Superdampfers. Wir Europäer hätten aus der Titanic mehr lernen können.
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