Sonntag, 12. August 2012
Linksschreibung für Rechtsverdreher



Einen rechten Haken und eine linke Gerade der Dichotonie, diesem dualem Hirntod, dieser blinden Dualität des etwas unbeholfenen Zweibeiners, der den aufrechten Gang noch nicht so recht gelernt hat und es scheinbar auch nicht vorhat. So kommt es im Schafspelz, das Linksrechts der Propagandamaschine aus unserer angeblichen politischen Mitte, die uns auf 2D einstampfen möchte.

Wer hat sich denn den Scheiß ausgedacht. Für mich als hartelinie, die sich wie das Möbiusband an beiden Enden wieder trifft, wirkt diese Trennung der Gehirnhälften, dieser lobotomische Eingriff, der jegliche Kommunikation zwischen Links und Rechts unterbindet, darauf ausgerichtet ein Volk von Schafen zu schaffen, um ihnen die Furcht vor den nicht lobotomisierten Wölfen mit dem Schaufelbagger einzuflösen. Um wieviel linker sind jene Rechtsbrecher, die diesem gedanklichem Unrecht Vorschub leisten?

In der Paulskirche soll es also geschehen sein, daß sich die Linken links und die Rechten rechts auf den Parlamentsbänken niedergelassen hätten. Linksrechts mit repräsentativer Demokratie als Topping. Was für eine armselige Vorstellung, so das Leben verbringen zu wollen. Linksdrehend und rechtsdrehend, aber vorwiegend die Schraube locker in den Köpfen, die sich mit solchen Mitteln die Erde untertan machen wollen. Fraktionieren, um jede Gegenwehr aufzuspalten.

Wie bitteschön hat sich denn dieser Paulskirchengedanke in anderen Ländern breitgemacht? Haben sich Spanier, Togolesen und der Rest der Welt etwa auch in der Paulskirche getroffen? Ist es womöglich eine genetische Grundveranlagung, daß sich Linke links und Rechte rechts hinzusetzen belieben? Hat Stalin den rechten Gebäudeflügel einfach umdefiniert oder abgerissen wie etwa die bundesdeutsche Polizei den rechten Teil ihrer Asservatenkammern? Nicht nur an runden Tischen gerät diese Teilung ad absurdum.

So sinister erscheint mir das Gedankenkonglomerat des Herrn Stubenzweig nicht, wenn er die Sehnsucht der Differenz des Sergio Benvenuto anführt, das wunderschöne Bild des mäandernden Flusses, dessen Ufern wir folgend doch immer geradeaus gehen. Nur ein Verbrecherpack, das sich unbehindert am Rest bereichern möchte, erachtet es als notwendig, sich dergestalt als rechtschaffende Mitte zu definieren, als tragende Säule einer Gesellschaftsform, die das Wörtchen Demokratie nicht noch weiter in den Dreck ziehen könnte. Im Englischen läßt sich der Wahnsinn dieses Ungedankens noch leicht erkennen: Demo-crazy.

(Und weil das Schbackenvolk es nicht anders verdient hat, offensichtlich auch nur die Demo-fassung des Wahnsinns.)
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