Dienstag, 24. Mai 2011
Besoffen? na klar.
... aber nicht betroffen. Kein Bölkstoff, sondern besoffen mit erhobener Brust, ein stolzer Rausch.


Als Directors-Cut-Jubiläumsgelage nochmals das Ja zum Finalrausch. Erste Staffel.


Glauben Sie mir, werthe Dame, ich versuche Ihnen sehr wohl aus dem Weg zu gehen, um Sie nicht zu belästigen, mit meiner Welt. Die Ausfallschritte von Besoffenen dienen nicht, wie hinlänglich behauptet wird, dem Stabilitätsgewinn. Nein, es sind jene Ausweichbewegungen des schlechten Gewissens, das viele Betrunkene quält - mich nicht. Stabilität haben wir am Tresen lehnend genug - das kann ich Ihnen versichern.

Das vom Alkohol überwältigte Objekt versucht seiner Umwelt durch einen ganzen Maßnahmenkatalog gerecht zu werden:
Oben erwähnt, die Ausfallschritte, mit denen der Betrunkene auf sich aufmerksam zu machen versucht, um Begegnungen wie unsere zu vermeiden. Er versucht also nicht, sich anzuschleichen oder heimlich mit jemandem in Berührung zu kommen. Nein, er versucht sich durch Bewegung und Gestikulation und oft auch durch seinen Geruch von seiner Umgebung abzuheben.

Mehrfach hilft auch lautes Reden von Unsinn oder gezielte unflätige Bemerkungen, um sich unbetrunkenes Publikum vom Hals zu halten. Es muß nicht immer gleich eine offensichtliche Beleidigung sein, oft genügt eine persönliche Frage, um sich seinen Humor nicht von promillelosen Proleten kapput machen zu lassen. Unnötig zu erwähnen, daß sich scheues weibliches Publikum oder Kinder hierzu bestens eignen. Bei Ihnen, werthe Dame, wenn Sie mir diese Bemerkung erlauben, hilft das nicht.

Insgesamt gesehen, können wir also feststellen, daß sich Besoffene die allergrößte Mühe geben, keine unerwünschten Begegnungen zu riskieren. Und wenn Sie sich wundern, warum man in Deutschland überhaupt von Alkoholismus spricht, bei den vereinzelten rotzbesoffenen Stinkbomben, die uns mal über den Weg laufen - die Schüler des Dionysos, Botschafter des Rausches wie ich - dann lassen Sie mir Ihnen mal was aus den Straßengräben und Äckern in unserem Land erzählen. Wenn einer GPS-Geräte gespendet bekommen sollte, dann wären das all jene, die in der Kategorie "kriechend nachhause" an den Nachtläufen teilnehmen. All die unbekannten Soldaten der vierbeinigen Garnison, die sich im Einzelkampf durch stets unbekannte Gebiet robben. Wie soll man da sauber bleiben? Besoffen an der Waffe, das ist unsere Vision einer blühenden Zukunft.

Wie der Maikäfer seinen Monat kennt, gibt es auch hier in München ein kriechendes Tier, das sich scheinbar Ende September mehret. Dann mag es sich anfühlen, als stünden Sie in der Innenstadt umringt von Heerscharen des Rausches. Doch glauben Sie mir, die Echten, jene, die nicht vom flambierten Apfel und der Achterbahn berauscht, jene, die sich grenzenlos der alkoholischen Verwahrlosung hingeben, die werden Sie nicht an öffentlichen Plätzen finden. Wir kriechen über Zäune und durch Hinterhöfe, immer schön im Schatten haltend - und bei Verlassen der Genußstätte ist es zumeist schon sehr schattig.
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Diese Ihnen verschlossene Schattenwelt, meine Dame, existiert weltweit. In Indien hinter Bretterverschlägen, im kubanischen Slum ist es sinnigerweise der Medizinmann, der den aus Krankenhäusern entwendeten Desinfektionsalkohol zeremoniell trinkfertig macht; in Polen gibt es 90prozentigen Trinkspirituz ganz offiziell zu kaufen.
Ich lüge, 95%. Das ist schon fast Feingoldqualität - geht ja auch um die Vodka Masters 2009.

Nicht erst am Tage des Jüngsten Gerichts werden diese Horden und Kolonnen aus den Hecken und Gräben, Gruben und Löchern kriechen, besoffen an der Waffe. Wenn der Niedriglohn unter Sozialhilfeniveau fällt, werden jene sublimierten Kräfte der Gesellschaft zu den bayrischen Mai-Mai. Und hierfür betrete ich das wackelige Pflaster dieser schein-apollonischen Gesellschaft. Als Botschafter des Friedens torkle ich schreibend, weil sonst lallend lali lala ...

Edle Dame, wir wer den uns bald wieder sehen lesen hören
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