Freitag, 24. August 2018
Zurück im Halbleben - ein Spiegel wehrt sich
Aufgrund anhaltender und gravierender Angriffe bayrischer Holz-Hacker war unser System über Monate lahmgelegt. Unter dem Motto "Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht" wurde versucht, etwas Licht ins Dunkel der hartenlinie zu bringen. Ein Mißverständnis würde ich sagen, denn nicht alles was wild ist, lebt im Wald.
Es wurde versucht, den Sumpf trockenzulegen, kam zu Fällungsversuchen und Wortdiebstahl. Es hat Monate gedauert, bis auch dem dümmsten Holzhacker klar wurde, dass ich keine Landschaft bin, sondern nur dessen Spiegelbild. Ein beschlagenes Spiegelbild vielleicht, aber sicher kein Naturzustand.
Als Philantrop, der ich bin, will ich es auf die klimatischen Verhältnisse schieben und gehe davon aus, dass es sich dabei um einen veränderbaren Geisteszustand handelt und nicht um heillose Dummheit.
Somit waren unsere Kräfte gebunden im Kampf mit im Code wühlenden Ungeistern. Zudem musste ich die Erfahrung machen, dass man so mit Lohnarbeit zugeschissen werden kann, dass Tageslicht nur noch im Traum vorkommt.

Ich bin wieder da und mit mir der Erfahrungschatz, den zu heben ich trotz der widrigen Umstände in der Lage war. Ich hoffe, es ist überhaupt noch jemand da, um diesen mit mir zu teilen.
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Dienstag, 7. April 2015
Vom Leben überfahren

Alltagsvoodoo - aus dem Leben eines Wozumbies


Wer schreibt, dass er so viel erlebt, dass er nicht zum schreiben kommt, wirkt irgendwie unglaubwürdig. Aber wie sonst könnte ich mich rausreden, dass es hier etwas stockt - auf dem schwarzen Blog. Jeder Handwerker mit drei eigenen Häusern, jeder Gemüsebauer mit drei Hektar Grund und jede Mutter mit drei Kindern wird das nachfühlen können. Bei jedem Menschen mit hochgesteckten Zielen, wie beispielsweise noch vor 70 in die Rente zu gehen und die Kinder aus dem Haus zu treiben bevor sie senil werden, wird garnicht die Zeit finden, das hier zu lesen.

Nach der Arbeit kommt das weitere Tüfteln, beim Gemüsebauern ein Schneckenjahr und bei Müttern eben Elterntage, Kindergeburtstage und Arztbesuche bis einem der Kopf raucht. Eigentlich löst sich das Ich komplett auf und wird übernommen von seinem Hab und Gut, vom Haus, vom Acker und von den Kindern. Wie das Vieh vor den Wagen gespannt hat man ein Ohr bereits an das nahende Surren der Peitsche verloren, mit dem anderen stets auf Lauschstation, was sonst noch für Probleme auftauchen könnten. Aber die latente Paranoia geht vollends unter im Alltag, weil selbst sie stets von neuen Schwierigkeiten überrannt wird.
Die Balken werden dir vom Holzwurm weggefressen ehe du den letzten verbaut hast, die chinesische Riesenkrabbe hat sich plötztlich auf deutsche Rüben spezialsiert und mit der Anzahl der Sekunden, die deine Kinder heranwachsen, werden neue Allergien erfunden und Richtwerte gesenkt, dass sich die Erziehung letztendlich nur noch auf Überlebenstechniken reduziert.
Und weil man nach außen wie eine Lokomotive wirkt, hängt sich der ein oder andere gleich hinten dran. Wer kennt das nicht, wenn man als Chefarzt vormittags nach ner 16 Stunden Schicht heimkommt und der ganze Bekanntenkreis zur telefonischen Sprechstunde für Hypochonder sich meldet. Oder denken Sie nur an den Systemadministrator, der sein Geld vorwiegend durch hohe Stundenzahlen verdient und in seiner Freizeit zwischen seinen Freunden im Kreis fahren könnte, um alle Systeme am Laufen zu halten. Im letzteren Fall spart man sich zumindest das Abendessen und im Grunde könnte man gleich die eigene Wohnung einsparen. Dein Auto ist das einzige groß genug, um den Sperrmüll der anderen zu transportieren, du bist der beste Ansprechpartner den ganzen Tag und vorwiegend nachts, wo Probleme offensichtlich an Gewicht zunehmen, weil du eben kein Arschloch bist, wie alle anderen, und im Grunde macht es auch keinen Unterschied mehr, ob du mit drei oder mit zwanzig Kindern duch die Gegend eierst - keiner will säen, aber alle wollen ernten.

Mancher träumt davon, daß er kollabiert unter all den hereinstürzenden Ereignissen, aber vor der endgültigen Löffelabgabe wird das nicht passieren. Denn der Körper und insbesondere der Zentralcomputer sind so beschäfgtigt und kämpfen mit stets leichtem Fieber darum, an der Oberfläche zu bleiben, daß Schmerzreize einfach nicht mehr weitergeleitet werden oder im Wahnsinn des Data Overflows einfach untergehen. Man ist so davon besessen, Listen abzuarbeiten, so man diese überhaupt hat, und weiß letztendlich garnicht mehr wozu.
So stand auf der heutigen Liste: Blogeintrag über 50 Zeilen ohne Tricks bei der Schriftgröße. Nur wozumbie?
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Donnerstag, 10. April 2014
Mission Control - Einführung in des Leben als Bauarbeiter
Im Alter wird man grau wie man an der Betonkarre alt wird, und somit auch grau, umhüllt von Zementstaub im Frühlingswind. Vermutlich wieder einer dieser wärmsten Jahrhunderttage Anfang April. Der Schweiss brütet wie Klebstoff auf der Haut. Er wirft Blasen bis er als Tropfen in der staubgeschwängerten, durstigen Luft verdunstet, ehe er in den noch viel staubigeren Boden fällt.

"Wenn ich schaufle, dann bin ich Schaufel," hat einmal ein weiser Mensch gesagt. Ich schaufle und mische, mehr weiss als weise. Das Rundherum wird bestrahlt von der Sonne, die durch den Staubnebel bricht, den Blick trüb vom Zementschleier, stehe ich an der Betonkarre.

Die Baustelle braucht meine Mischungen. Weil wir nicht vom verbrecherischem Baugewerbe sind, mischen wir, also ich, noch im Schubkarren, zum Rühren die Kreuzhacke, von der man bis heute nicht weiß, wessen Kreuz sie zerhackt. Zement und jetzt gerade Quarzsand im Verhältnis 4:1 und heute mehr Wasser, weil der Sand zundertrocken ist, um es anschließend mit der Kreuzhacke durchzustochern bis es "druckert" oder "lind", saftig grau, so richtig fett oder pudeltrocken ist.

Noch zwei Karren Fertigbeton werden gewünscht, wie es mir die Steinklopfer in ihrer zarten Sprechweise zu verstehen geben, und ich schaufle, schütte und hacke das Zeugs mit dem schwarzem Kreuz auf rotem Dreieck. Mission Control! Jedem das Seine, in jeder Körnung von 0 bis 3200, von Schotter bis Brechsand, mit den leckersten Zutaten wie Zement und Kalk, vom Putz bis ins Schotterbett. The human Mischer.

Und dass sich an all den Zementstaub auch wirklich was anhaften kann, gehts zwischendurch zum Steineschneiden. Mit diamantbesetztem Stahl gegen Beton und Granit. Und weil die Flex eben ein Winkelschleifer ist, nimmt sie beim Schliff Material mit. Gesteinsmassen, die sich förmlich in Luft auflösen. Unter Kennern: Fog - Nebel des Grauens. Mir unerklärlich, warum da neben Gehörschutz und Schutzbrille laut Katalog eine Atemschutzmaske der Klasse 1 ausreichen soll.

Der Todesstaub

Von der Wohnungstür bis ins Wohnzimmer und zurück ins Bad führt eine graue Spur, ein Gehweg, sozusagen der zementierte Feierabend. Wenn ich mal Glück habe und vor Sonnenuntergang nachhause komme, sehe ich die leuchtenden Kleiderberge am Horizont meiner Wohnung, sortiert nach schmutzig, geht noch und divers. Und dazwischen wirkt der ehemalige Schmutz nun wie handverlegtes Betonpflaster. Ich würde sagen, mein Wohnzimmerbelag ist inzwischen frostsicher, nur vereinzelt scheint hie und da noch der der alte Flokati-Teppich durch.

Das war nicht immer so. Erst seit ich meiner Frau gekündigt habe, ehe mich die Firma wegen meiner Frau kündigt.

Ob ich das Unkrautvlies bei Aldi im Angebot schon gesehen hätte, oder ob vielleicht die Kollegen auch eines wollten. Sie könnte es gleich mit reinpacken.
So was geht nicht. Auch wollen meine Kollegen nicht zu uns zum Grillen kommen. "Bring doch mal paar mit." "Paar gleich?" sag ich noch, "wenn du wüsstest, was die den lieben langen Tag so von sich geben." Wie: Deine Alte ist so fett, die fällt auf beiden Seiten gleichzeitig aus dem Bett. "Willst du das mal nen Abend lang beim Grillen dir reinziehen. Witze, dass Tiefbau noch hochgestapelt wäre. Neee, an dem Abend unternehm ich dann was mit Freunden."

Und zwischen den Witzen wird der Geith to the Universe durchgearbeitet, Tool Talk, die Lithurgie des Kleinhandwerkers im Münchner Osten, der Geith-Baustoffhandel-Katalog. Listenpreise werden wie Körbchengrössen gehandelt.

Und nachdem man sich dem erschreckenden Ende der Bierkästen nähert und alle Arbeitsunfälle schon runtergeleiert, kommen die Heldengeschichten auf den Tisch. Leicht veränderte Gerhard-Polt-Versionen wie die von den acht Metzgern auf der Wiesn und dem Zwetschgenmanderl, deren Sorte man in unserem Berufsfeld Baustelle auch öfter mal am Bauzaun trifft. Niederes Volk, das einen T20-Schraubenzieher nicht von einem Kreuzschlitz unterscheiden kann. Vermutlich Volk in Lohnarbeit, am Schreibtisch. Rein waffentechnisch sind wir Handwerker da meistens in der besseren Position als diese Stempelkissenpfurzer hinterm Bauzaun. Wir haben die größeren Hämmer und Bagger, das rostigeren Autos, zumeist weniger Hirn und seit Neuestem auch eine Berufshaftpflicht.

Auf jeden Fall hatte meine Arbeit irgendwann die Schnauze voll von den ständigen Anrufen und Annäherungsversuchen meiner Frau. Und so habe ich ihr jetzt gekündigt. Warum man da mit Trennungsjahren anfängt, ist mir unerklärlich. So ein Trennungsjahr wär mal interessant in der Berufswelt - im Privaten eher störend.

Von der Kohle, die ich jetzt mehr (und sie weniger) habe, kauf ich mir als allererstes, als Ehefrau-Ersatz einen Geschirrspüler. Wir sehen und staunen, DER Geschirrspüler. Weil DIE Waschmaschine hab ich ja schon.
Ich find das schon dramatisch und in der Steuererklärung entsprechend erwähnenswert, dass es noch keine Bauduschen gibt, die die Kleidung gleich mitwaschen. Mit diesem Problem hatten wir doch seit eh und je zu kämpfen. Zurück von der Jagd, blutig wie das erbeutete Schwein von oben bis über den Lendenschurz runter. So will man doch nicht beim Abendessen erscheinen, da wird man am Ende noch mitgegessen. Doch in meinem Staubfang, in meiner Höhle wohne ich nun alleine, ohne Frau, und da dies auch die maximale Form der Verhütung darstellt, auch ohne Kinder.
Und wenn ich einsam bin, leg ich mir den Stiehl-Akku-Bläser mit in die Heier.

Mit meiner Hilti könnte ich mir sogar nochmal Kinder vorstellen ;)
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Montag, 5. August 2013
Bauphysik für Hausfrauen
Der Sommer brütet und es wird gebaut als wären es die letzten Fleckchen Erde, die es zuzubetonieren gilt. Die Körpertemperatur wird schon im Schatten bestiegen, in der Sonne köchelt der Asphalt sein scharfes Süppchen.

In dieser Staubwüste gerät der männliche Körper in einen Rauschzustand und die umherlaufenden Damen in Extase. Dem knackig-braunen Straßenarbeiter läuft der Saft über die orangefarbene Sicherheitsweste. Darunter nackte Haut. Die letzten Brusthaare schon weggekalkt und das kurze Stoppelhaar an den Spitzen leicht angeteert, stehen wir hier vor einem Zoo voller Menschen, die mehr dem Tierreich zugehören als unseren Artverwandten. Aber das ist Bauphysik wie sie jede Hausfrau versteht.

Die Silikonpistole, der agressive Begriff mit dem weichen Silikon, das nicht aufhört aus der dünnen Spitze zu quellen, selbst nachdem man aufgehört hat zu pumpen. Ähnlich dem PU-Schaum, der jämmerlich nachejakuliert, schon lange nachdem alles voll ist. Alles schäumt, spritzt und staubt in der flirrenden Luft. Klare Gedanken finden hier keinen Lebensraum. Hier wird jegliche moralische Schranke jeder Passantin dekonstruiert und der reine Wille bahnt sich vom Stammhirn bis in die letzte Zelle.
Im Hintergrund wandert der Rüttler mit 120 Beats pro Minute über die verdichtete Erde. Mit jedem Schlag des Presslufthammers spannt sich der Rock der am Bauzaun verweilenden Dame immer enger um die Hüften. Das Sammelsurium aus tausend und einem Reiz lässt Brüste und Bizeps noch weiter anschwellen. Alle Elemente der Lust spielen im Gedanken Ringelpietz mit Anfassen.

Hände und Füße in Schuhen, besche Hotpants und einen schweißdurchdrängten, verwegenen Lappen um den Kopf. So zeigt sich das Baustellenvölkchen, während es zielbewußt und mit Urwaldschreien das Geschehen steuert. Aus dem Graben bückt, beugt, wirft ein Unglückseliger Schaufel um Schaufel aus dem Loch. Die Phantasie unserer Dame, genannt Marie, geht fremd und steigt hinab in den Graben. Es ist der sexuelle Befreiungsschlag. Die Hingabe an die Lust. Einmal raus aus den muffigen Kasematten. Vielleicht nicht hinein in den Graben, sondern doggystyle auf dem frischen Estrich im siebten Stock den heimischen Sextourismus betrachtend. Baustellentango ohne Bauzaun, von Muskelpaketen durchgewalkt, a happy ending massage mit Flasche leer und Tank voll.
Da hab ich mich jetzt sprachlich verrannt, aber ich will es mal so stehen lassen, selbst wenn Gott dies nicht gewollt hätte. Schon wieder:( kann man nicht viel machen "wenn da Wong z'Grombo gfahn is". Ist dann wie afrikanische Lehmpiste nach Regenguss. Kann man das Auto immer wieder aus dem Graben schieben, es wird dorthin alsbald zurückkehren. Da wirkt dann die Erdanziehung, der kinetische Faktor, schon bei der geringsten Schieflage. Und Sex ist wie feuchte Erde. Alles sinkt automatisch auf das tiefste Niveau. Was soll's.
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Dienstag, 6. März 2012
An der Rampe - gefangen im Vorzimmer der Arbeitslager des Amtes für Wirtschaft und Soziales
Sie fuehlen sich manchmal schwach und hilflos und moegen Katzen. Sie wuerden am liebsten um 6 Uhr noch im Bett liegen bleiben ... wenn da nicht all die Bett- und Raubwanzen mit Ihnen laegen und schon viel frueher als Sie zur Arbeit gingen, um an den Schwachstellen Ihres Koerpers zu nagen und zu meisseln.
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Wer wuerde glauben, daß die Empfaenger unserer Arbeitslosenversicherung, sprich die aus diesem Topf bezahlten argen Arbeitsaemter zu solchen Mitteln griffen, um Ihnen den Morgen zu versauen. Wer wuerde schon glauben, daß die Betreiber der modernen Arbeitslager, nicht die Arbeitslosigkeit bekaempfen, sondern den Arbeitslosen mit Tropenkrankheiten und Toxoplasmose. Der Feind des Arbeitsamtes ist schließlich nicht die Arbeitslosigkeit, sondern jener unverschämte Teil der Arbeitslosen, die zu Leistungsempfängern mutieren.

Es sei vermerkt, daß es sich der Arbeitslosenversicherung um eine staatliche Versicherungsgesellschaft handelt, in die man kräftig einzahlt, bevor man auch Anspruch auf Leitungen erhält. Woraus sich auch die Tatsache ergibt, daß der Leistungserbringende eigentlich das Arbeitsamt sein sollte. Möchte man meinen - anfühlen tut es sich entgegengesetzt.

Denn wer nun seinen Anspruch geltend macht, erlebt Dinge für die andere in den tiefsten Dschungel fahren müssen. Wer denkt, daß sich die Toxoplasmose nur unter Obdachlosen und ALG2-Empfängern breit macht, der hat ALG1 noch nicht erlebt. Unter Chagas - so will ich das mal nennen, was sich hier als Vorhofwärter so rumtreibt. Prionenangriffe, um dem Antragssteller, den letzten Lebenswillen zu rauben, um ihn so schwach und mürbe zu machen, daß er Terminfristen und Antragsstellungen versäumt, um ihn dann mit Leistungskürzungen wieder aus der Statistik und dem Empfängertopf zu drängen.

Einen aufschlussreichen Beitrag zu dieser von Rot-Grün angestossenen, fortlaufenden Geschichte dieser Arbeitslagermentalität hat für uns die Vorleserin ausgegraben.

Im Detail steckt der Teufel, denn der Begriff der Arbeitsagentur, die dem Leistungsberechtigtem, also jenem, der über Jahrzehnte sich brav seine Arbeitslosenbeiträge abziehen ließ, als Agent für eine neue Arbeitsstelle dient, hat sozusagen ausgedient. Ersetzt wurde er durch den Begriff der Arbeitsargentur - siehe ARGE - der sich dem Lateinischen Argentum entlehnt, dem Wort für Silber, sprich Geld. Und diesem Agenten des Kapitals geht es nicht um Arbeit, sondern darum die Überflüssigen der modernen Arbeitswelt durch geschicktes Lavieren und Taktieren, durch Lug und Betrug den Leistungsberechtigten von seinen gesetzlichen Ansprüchen fernzuhalten.
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Mittwoch, 21. Dezember 2011
Unter Pfeiffen - modernes Arbeitsleben



Warum immer anlehnen, an den Tarifvertrag, warum nicht mal auch einfach ablehnen. Unter Tarif ohne Weihnachtsgeld und Sommerprämie mit einer halben Stunde wöchentlich mehr arbeiten. So sieht unsere Lohnerhöhung aus und unser Inflationsausgleich gleich mit.
Und ich bin noch Altvertrag. Bei Arbeitsstellenwechsel wäre es dann ein neuer Vertrag mit drei bis vierhundert Euro netto weniger. Das nenn ich mal Arbeitsanreiz. Diese Arbeit ist nicht gut, nur weil alles andere angeblich schlechter ist. Ich bin nicht darauf angewiesen, daß ich kaum etwas verdiene.

Liebes Management, ihr fahrt irgendwohin und nehmt uns nicht mit. Damit sind wir nicht mehr dabei. Wir bleiben da, ihr seid weg. Eigentlich nicht verkehrt.
Seit die leitenden Angestellten ihre Leitungsaufgaben darin sehen, den Untergebenen nur noch mitzuteilen, wie schlecht sie arbeiten; wenn der Controller-Wahnsinn darin besteht, zu subsummieren wieviele Fehler ich begangen habe, anstatt sich um deren Vermeidung zu kümmern, dann ist es auch nur sinnig, das Management einzig mit der Aufgabe zu "betreuen", uns klar zu machen, daß es für so schlechte Arbeitsleistung eben auch nur eine ebenso schlechte Bezahlung verabreicht gibt. Und wenn ich 1€ und 2,70€ steuerwerten Vorteil zusammenzähle, dann nenn ich die Zumutung von Amateurkantine mal kein gratis Mittagsmenu. Es soll sich im Magen ja auch wie in der Arbeit anfühlen.

Es geht nicht mehr darum, den Laden gut zu schmeißen, sondern darum, nach Erklärungen zu heischen, warum es eben nicht mehr so gut läuft. So wundert es nicht, daß Firmen versuchen, so viele Aufträge an Land zu ziehen, wohlwissend daß alle Produktivkräfte, alle Arbeiter bereits entlassen sind. Wenn ich nicht mehr dafür bezahlt werde, was hinten dabei rumkommt, sondern es eigentlich nur mehr um die Simulierung von Tätigkeit geht, dann kann ich auch verstehen, warum mein Arbeitgeber keinen Sinn mehr darin sieht, nach Tarif zu bezahlen.
Das ist schon richtig. Wenn Lohn nicht mehr geleistet wird, wie soll sich da Leistung lohnen? Wer aber keine Tariftreue kennt, der sollte auch keine Treue vom Lohnpartner erwarten.

Auf eine entsprechende Zusammenarbeit. Prost.
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