Die Bank bin ich
Jedes Staubkörnchen ist ortbar, jeder Herzschlag einer Krankenversicherungsnummer zuordenbar. Personenkennung wohin man geht, woher man kommt. Kein anonymer Kauf von Sim-Karten, kein anonymes Internet. Die bargeldlose Feinmechanik der Datenbeschaffung. Und wer sich windet, dem wird der Zensus ins Haus geschickt wie Knecht Ruprecht.

Aber wo so mancher Burger sein Hab und Gut versteckt, ist nicht rauszukriegen. Wer am 11.September Millionen gegen amerikanische Fluggesellschaften gewettet hat, ist trotz Clearstream nicht zu ermitteln. Und welche Gelder ein deutscher Minister versteuert, muss erst auf CD gebrannt werden, ehe es ans Licht gerät. Die letzten Geister und Geheimnisse scheinen in der Finanzwelt zu existieren.

So gespenstisch geht es auf den Cayman Inseln dann doch nicht zu, auf denen vorwiegend keine caymanischen Banken tätig sind. Es sind einige private, aber auch ganz dicke Internationale "too big to fail". In unserem Fall die Deutsche Bank, die mit Filialen in fast allen Steuerparadiesen vertreten ist, in manchen mehrfach.

Sagen wir mal, ich wäre die Bank von hartelinieLand. Jeder Burger vertraut mir 10 Euro an, macht rund 800 Millionen Euro in meinem Safe, Eigenkapital. 10 mal soviel darf ich als Bank nun verleihen, macht 8000 Millionen.
Und wer will die? Zum einen der deutsche Staat, um seine Verschuldung weiter voranzutreiben - derzeit fast 1800 Milliarden

- bei gleichzeitigen Ausverkauf des Staatseigentums. Und das gibt es nun billig für jene, an die ich die restlichen Milliarden verleihe. Gut 7000 Millionen aus dem Hut gezaubert und zinsreich verliehen. An meine ursprünglichen Sparer gehen jährlich gerade mal vielleicht 15 Millionen an Zinsen, was sie im Namen des Staates zigfach als Zinsen an mich zurückzahlen.
Bei 7 Milliarden läge die Rückzahlung vielleicht bei einer Milliarde, minus 15 Millionen, macht 985 Millionen Reingewinn für mich - bezahlt vom Burger. Für das leisten Banken sich einen Staat. Daß wir ihn bezahlen, soll uns vermutlich das Gefühl vermitteln, daß es unser Staat wäre.

So wächst mein Geldsäckle schneller als das von Onkel Dagobert. Und nach mehreren Jahrzehnten gehört mir der Staat. Da stellt sich nicht mehr die Frage, wer hier wen reguliert. Und weil wir es uns nun auch noch leisten, das deutsche Liebespärchen Banken und Wirtschaft im Ausland unter militärischem Begleitschutz spazieren zu lassen, so wird das richtig teuer. Das werden wir mit einer gekürzten Heizkostenpauschale für Sozialhilfeempfänger nicht stemmen können.

Ich bin mein eigener IWF, ich bin die Bank. Le Banque am I. Parkbank, unverrückbar, keine Schraube locker. Denn Sie müssen ihr Geld nicht selbst ausgeben. Das tun andere für Sie. Wer trägt das Risiko?


dhonau am 06.Jun 11  |  Permalink
transparenz ist ...
ein wort der sonntagsreden. ansonsten werden allgemein gern informelle nebelkerzen gezündet, wo produkte in umlauf gebracht werden, die man dringend nicht braucht.
natürlich verringert sich das risiko ein wenig durch informiertheit, aber dann fängt das leben an, in der finanzwelt stattzufinden.
wer anfängt, ins labyrinth der tausend finanzprodukte (schon dieser begriff ist nebel) einzusteigen, muß hoffen, durch einen schneeball oder andere geschosse frühzeitig außer kraft gesetzt zu sein. systemisch ist der schaden kleiner als man denkt (nicht im einzelfall, aber im allgemeinen). jedes system überlebt nur, insofern es hinreichend großes mutationspotenzial entfaltet.

sagt der finanzvirologe dh.

einemaria am 07.Jun 11  |  Permalink
Hoffentlich bin ich nicht das Steißbein ;)