Die Welt als open source
Ich hatte ja erst kürzlich erwähnt, daß wir die Krise mit dem Herunterwirtschaften unseres Rufes meistern könnten. Das Fleddern des Bundesadlers, allerdings unter der Prämisse des Grundeinkommens. (siehe)
Und wer hat es so schön aufgegriffen? Unsere Presse am Beispiel unseres Verteidigungsministers. Und wie es in der Natur der Sache liegt, verteidigt er sich. Das muss eine Berufskrankheit sein, denn es wäre aus meiner Sicht nicht nötig gewesen.

Es gibt so einiges, was ich dem Herrn Guttenb. zu Schlechte halten würde. Seine Doktorarbeit nicht. Denn diese besitzt für mich eine Art Open-Source-Charakter. Ich glaube, sie ist dem gleichem Gedanken entsprungen wie die nordafrikanische Renaissance ad momentum.

Verletzung der Persönlichkeitsrechte? Ganz aus dem Rahmen gerissen, möchte ich mal hervorheben, daß ohne Persönlichkeit auch keine Verletzung vorliegen kann. Und wieviel Eigenpersönlichkeit sprechen sie einem mehrfachem Familienvater im Vollzeitjob als MdB zu?

Ich möchte mich hier kurz halten und nur kurz anführen, daß die Wissenschaft in ihrer Ehrlichkeit gleich neben der Religion steht. Sie behauptet ein Erbe zu tragen, den Geist der Aufklärung, das gleiche Gerede wie die Religionen, nur anders schattiert. Wir wissen nach wie vor eigentlich nur, daß wir nichts wissen, und schaffen es trotzdem.

In einer digitalen Cut-Paste-Gesellschaft ist der Besitz an Immateriellem hinfällig. Wir leben so schnell, daß sich Wissenschaft und Kunst jeden Moment aus sich selbst heraus erneuert. Mir kann genommen werden, ab dem Moment wo es geschaffen wurde. Aber der Quell der Kreativität kann mir nicht genommen werden. Von mir dürfen Sie abschreiben, Mister GoodHill.

Ich finde die Idee großartig - parallel zum Rufmord an Deutschland - jedem von Geburt an einen Doktortitel zu verleihen. Ja, zum Grundeinkommen gehört der Doktortitel ganz einfach dazu.


damals am 20.Mär 11  |  Permalink
Na ja, so ganz stimmt das alles nicht: "wieviel Eigenpersönlichkeit sprechen sie einem mehrfachem Familienvater im Vollzeitjob als MdB zu?" - natürlich so viel Eigenpersönlichkeit wie Ihnen oder mir oder jedem Menschen. Dass er als Politiker und vielleicht auch als Familienvater versucht, seine Eigenpersönlichkeit weitestgehend zu verleugnen, das heißt doch nicht, dass er keine hat.
Und vor allem stimmt nicht, dass der "Besitz an Immateriellen" hinfällig wäre. Natürlich kann mir genommen werden, wenn ich etwas erschaffen habe. Vermutlich ist es sogar gut, dass mir Gedanken genommen werden und ins Allgemeine eingehen - so wie ich genommen habe, als ich Gedanken von anderen zu meinen eigenen umgeformt habe. Nichts gegen Sampeln, solange es sich Sampeln nennt. Trotzdem bleibt Geben Geben und Nehmen Nehmen. Und das kann man ehrlich betreiben oder unehrlich (wie man ja auch Religion ehrlich oder unehrlich betreiben kann).

einemaria am 20.Mär 11  |  Permalink
so stimmt das natürlich garnicht
, denn es ist ja auch nicht seine Persönlichkeit (und was heißt hier überhaupt "Eigenpersönlichkeit"?), die verletzt wird. Wie Sie sehen, habe ich mich hier sprachlich etwas treiben lassen. Der Geist des Lesers ist glücklicherweise gewillt, viele sprachliche Entgleisungen beim Überlesen zu kitten - sensibel wie eine Dampfwalze ;)
Da sehen Sie mal, wie wenig das geschriebene Wort eigentlich bedeuten kann. Nicht wie es gemeint oder geschrieben, sondern wie es verstanden wird. Ich erblicke keine vom Säuseln der Bundeskanzlerin betriebenen Windräder am Horizont, sondern sehe im Kiotoprotokoll die fabelhafte Gelegenheit mit Luft zu handeln. Ich sehe in den politischen Interessen des geistigen Eigentums die Gefahr, nichts mehr sagen zu dürfen ... mit oder ohne Tantiemen und Besteuerung.
Weil der Planet eben örtlich begrenzt ist, wird sich die Gier immer weiter bis in die letzten Ecken und Enden unseres Unviversums, bis in unsere Körper fressen. Und den letzten Gedanken okkupieren. Da halt ich es lieber mit Proudhon: Eigentum ist Diebstahl.

damals am 21.Mär 11  |  Permalink
Das kann ich verstehen: Sie sehen in der politisch motivierten Aussage immer zunächst einmal den Betrug - und haben damit sicher in 90% der Fälle Recht. Und halten eh alles für egal.
Ich habe umgekehrt Angst, dass uns die Politker mit der Begründung "Es ist eh alles egal." auch noch das Eigentum an unseren eigenen Worten streitig machen wollen.
Komisch - wie zwei Leute sich missverstehen können, gerade weil sie dieselben Ängte treiben.
Also nieder mit der Angst!

einemaria am 22.Mär 11  |  Permalink
sehr wohl
zum Wohl und weg mit der Angst.

PS: Ich spiele mit den Gezeiten wie ein Kind allein am Meer. Ich bin sehr mißverständlich. Lassen Sie sich aber nicht täuschen: mir ist nicht alles egal. In den restlichen 10% der Fälle ist die Wahrheit politisch motiviert. Ich halte die Politik für eines der Grundübel. Für die Besitzstandswahrung Ihrer Worte können Sie mich nicht gewinnen. Für Ihre Freiheit, zu sagen, was auch immer Sie zu sagen haben, werde ich mich mit meinem letzten Atemzug noch einsetzen. Ich hoffe, daß uns darin keine Ängste treiben, sondern Träume beflügeln. Ich geniese es hier in meiner neuen Blogfamilie und freue mich auch sehr über Ihren Kommentar.