Vielleicht darf ich mal ein wenig von der Korrespondenz veröffentlichen, die ich von meinem einzigem Liebhaber - zumindest dem einzigen, an den ich mich über die Jahre hinweg erinnern kann - so bekomme.
Denn vielleicht lässt sich dadurch besser verstehen, warum ich jetzt noch schnell ein paar Humpen kippen muss, um dann realistischer rüberzukommen, wo er doch angedroht hat, dass er gleich anruft.
Ich kam heute noch nicht zu mehr als zwei Bier. Ja, das gibts. Stress - wem erzähl ich das in diesem Jahrtausend. Und das merkt er dann und wird sauer. Eifersüchtig. Nicht auf die Nüchternheit, sondern auf die Tatsache. Es wäre geradezu, als hätte ich mir in seiner Abwesenheit zum ersten mal die Fingernägel lackiert. Das macht Männer skeptisch, argwöhnisch. Denn was man nicht für sie tut, tut man für andere Männer - niemals für sich selbst.
Sorry wegen gestern. Es waren wohl die vielen kleinen Biere, dass ich am Tresen auf die falsche Seite gekippt bin. Ich darf dir aber versichern, dass dieser zufällig weibliche Tresenanbau nicht mal im zu kurz geratenem Ansatz mein Fall gewesen wäre. In einem Männerleben - das kannst du natürlich nicht nachvollziehen - fällt man in vielerlei Schößchen ohne gleich bei allen hängenzubleiben. Ich bin einfach am falschen Ort eingeschlafen. Das kann man jemandem doch nicht zum Vorwurf machen. Auf Strassengräben warst du bisher auch nicht eifersüchtig. Ich liebe dich Schatz und hab uns vorsorglich für heute abend gleich mal zwei Kästen mit Muskelkraft ins Haus geschleppt.
Also husch husch zum Kasten und zwei handwarme Halbe zwischen die Kiemen, sonst kann ich am Telefon nicht anders als leicht mürrisch und verhalten mir sein Gewäsch anzuhören. Es interessiert mich nicht wirklich, was er so über sich und über sich zu erzählen hat. Zum Glück muss ich mich am Telefon aber auch nicht mit der Tatsache auseinandersetzen, dass er mich körperlich nicht wirklich anspricht. Er liebt mich und das reicht mir. Ach, was sag ich, er mag mich irgendwie, aber Hauptsache er will mich besitzen. Das geht für mich weit über die alltägliche Liebe hinaus. Männer lieben auch keine Autos um ihrer selbst Willen, sondern sie wollen sie besitzen. Ich fühl mich da im Moment wie ein Auto in der Werkstatt: wenn es nicht da ist, fehlt es am meisten.
Ich renne hinter meiner Vorhaut her wie ein gehirnamputierter Schwanz. Durch die Stadt kreuz und quer. Und such dich. Rein in jede Kneipe vor der sich Raucher drängen. Kneipe um Kneipe durch die Grosstadtviertel. Und das alles nur für dich. Sag mal, kannst du dir nicht ne Stammkneipe zulegen wie das normale Menschen tun, dass man sie auch findet. Normale Menschen suchen in Kneipen auch Bier und nicht, wie ich Volltrottel, Dich. Ich liebe dich, Schatz. Aber du strapazierst meine vom Alkhol weichgewaschene Geduld.
Pressen, pressen. Zwei Halbe, dass er nicht denkt, ich wäre wegen einem anderen so nüchtern, dass er nicht das Gefühl bekommt, als wäre ein fremder Stecher zwischen mich und mein Bier gerutscht. Mit zwei Presshalben das Bild der klassischen Maria Becker nachzeichnen, so wie sie allseits rundum bekannt und mancherorts auch beliebt ist. Das gesunde Mass bei Affären wie der unseren ist, ihm immer ein Bier hinterher zu sein. Er immer voraus, aber ich immer in seiner Nähe. In seinem Windschatten trinken sozusagen. Obwohl ich guten Grund hätte, da auch mal rauszutreten, wie die mails und sms-Auszüge vielleicht zeigen.
Fick diich du Huer (Das war dann der Abend seiner Betriebsfeier. Ich vermute, nur versehentlich an mich geschickt. Aber schön, dass er mir das so offen schreibt. Die Kombi von Besoffenen und Kontaktlisten bringt mehr ans Licht als die NSA.)
Worte meines Liebhabers, der meine mails im Spamordner verwahrt. Ich könnte mir vorstellen, derzeit wegen dieser Huer.
"Noch n Bier?" "Ich würd schon noch eins trinken," ist meine Antwort, obwohl die rethorische Frage eigentlich an den blinden Scheich gerichtet war. Wir spielen Mensch-ärgere-dich nicht bei Ottfrid im Keller. Mir schwant Böses, denn scheinbar bin ich die einzig Unbekannte in dieser muffigen Holzvertäfelung. Der Scheich spielt Grün, der Rebell Blau, ich Gelb.
Mit dem Versprechen auf einen feuchten Keller hatte man mich aus meiner Stammkneipe gelockt, wobei ich mir nicht mehr sicher bin, ob ich da an Unmengen von Alkohol dachte oder an die Unmöglichkeit, dass es in diesem Leben bei mir unterm Rock noch einmal zu Tröpfchenbildung kommt. Obwohl ich weniger als die mir kleinste bekannte Zeiteinheit von 3 Bier am Tresen verbracht hatte, im Grunde also grade reingekommen war, wäre ich nicht im Traum auf die Idee gekommen, dass mit feuchtem Keller wirklich ein muffiger unterirdischer Verschlag gemeint sein könnte, in dem wir nun sitzen. Alle noch etwas verkrampft, alle noch in den Wehen eines vielleicht doch vielversprechenden Abends.
"Ein Kurzer dazu wär natürlich wie Weihnachten," versuche ich, wenn schon nicht die Situation, so doch mich zu retten. Die folgenden Blicke zeigen aber nur Unverständnis, mit dem auch ich mich quäle bei dem Gedanken, ob der Scheich sich mit Gottes Hilfe zum Sieg würfelt, denn schließlich ist er blind und kann Spielfeld und Figuren eigentlich nicht sehen. Aber was soll's, ich freue mich über die unerwartete Einladung und das Freibier.
Mit den anderen gut befreundet scheint auch der vierte Spieler, nennen wir ihn sinnigerweise Mister Rot. Ein sympathischer Mittfünfziger, der aussieht als würde der Keller aufgrund seiner so muffeln. Er lacht, er würfelt, scheint sich um das Spiel nicht besonders zu kümmern, doch er nuckelt auffällig langsam an seiner Flasche, was meine spontane Sympathie für ihn etwas schmälert.
Und dann gibt es seltsamerweise noch einen Fünften, der nicht mitspielt. In seinem weichgspültem Trainingsanzug wirkt er auf mich wie der Schiedsrichter und so ist er auch jener, der am meisten Interesse zeigt an unserem Brettspiel. Gleich zu Beginn hatte ich mir von ihm eine Ermahung eingefangen, für meine mangelnde Konzentration. "Sie haben Fünf gewürfelt. Also müssen Sie auch fünf Felder vorziehen." So weit, so gut, so trocken, so schlecht. Er trinkt wie auch der Scheich keinen Tropfen und im Gegnesatz zu diesem nicht mal Wasser. Ich kenne ihn nicht und will das auch weiterhin so halten, und doch wünsche ich ihm schon die Schuppenflechte nicht nur an den Hals.
Brettspiel ist nicht meine bevorzugte Abendunterhaltung. Wenn schon würfeln, verknüpfe ich das gerne mit daraus resultierendem Trinken. Trinkspiele also, wie im alten Europa. Eine Fünf korreliert in meiner Raumzeit mit fünf Bier oder wenigstens fünf Schluck Bier. Doch ich weiß mich als Gast zu verhalten und bin an anderen Kulturen wie diesem Gremium hier durchaus interessiert. "Do as the Romans do, egal wo du bist," sag ich immer. Und so nimmt der Abend seinen Lauf ohne grössere Stockungen und Staus im Alkoholfluss meinerseits. Ottfried hat auch das mit den Kurzen inzwischen verstanden und ich darf mich inzwischen selbstständig aus der Bommerlunderflasche im Regal bedienen. Für mich ein Maikäfergetränk, weil es mich an Pommernland und meinen inneren Frieden erinnert. Dem Schiedsrichter scheint es nicht so zu gefallen, weil ich des öfteren vom Nachschenken nicht rechtzeitig zum Würfeln am Tisch zurückkehre. Selbst mein Scherz, dass Nachschenken doch eine grossartige Nachrüstung für Weihnachten wäre, lockert seinen Missmut keineswegs.
Auch bei Ottfrid und Mister Red summieren sich inzwischen die Promille und so werde ich, nach Stunden zwar, aber doch höflich nach meinem Namen gefragt. "Maria, Maria Becker, wie der Bäcker nur mit e wie Semmel. Und vorne eben wie die Mutter von Jesus. Unten übrigens auch." Ein Kalauer, so flach wie meine Brüste, hat zwar selten Reichweite, aber er erreicht den lauschenden oft da, wo er es nicht vermutet. Kneipenpsychologie von der der Schiedsrichter so einiges lernen könnte, denn die darin vermittelte Unbekümmertheit erzeugt das Gefühl, dass man gefahrlos mit allem antworten könnte.
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"Ich bin Offrid." Da zeigt der Genuss also schon seine oftmals fatale Wirkung. "Das ist," damit wird nun auch Mister Red enttarnt, "Hänschen, aus ihm wurde Hans, ne, Spaß, aus ihm wurde Volker-Ernst.Wir kennen uns noch aus Frankfurt und schließlich von Briesen, Objekt 74. Zudem sprechen wir beide ganz anständig palästinensisch."
"Ach, Staub." Das erklärt dann auch, warum er sein Bier nicht so richtig runterzubekommen scheint, das dann aber doch augenblicklich in seine Gehirnzellen einzusickern scheint. Ich gönne mir noch ein paar Schluck und versinke wie so oft im Akt des Trinkens, so dass ich vom Namen des Scheichs nur noch den letzten Teil mitbekomme "... Rahman. Ist zum ersten mal dabei, bei unserer geselligen Brettspielrunde. Wie Sie ja auch." "Maria, Offrid, also Du, nicht Sie." "Wie Du ja auch, Maria." "Also, Offrid," ich fühle mich zu diesem Versprecher geradezu hingezogen, "Ernst, Rahman und ...?" Ich schiele zum Schiedsrichter. "Er ist unser Handler." Klar, wenn bei fünf Leuten nur vier einen Namen besitzen, klappt das ja trotzdem. "Mister Handler." Ich versuche ihm bei aller Abneigung zumindest einen Titel zuzusprechen. "Ja, er ist der Spielleiter."
"Darf ich nochmal vom Bommerlunder, Offrid?" Ich warte nicht auf die Antwort, denn bei mir dämmert da eine Ahnung, so dunkel wie keine nächtliche Sonnenfinsternis sein könnte. "Du willst mir doch nicht sagen, ich sässe hier mit dem ersten Teil der Hepp-Kexel-Gruppe, der dritten Generation der RAF und dem angeblichen Urheber des WTC-Anschlags '93 an einem Tisch? Dann wäre der Spielleiter ja zwangsläufig die NATO und die westlichen Geheimdienste in einer Person?" "Ach, Maria, Du sitzt hier mit Offrid, Hänschen, einem blinden Mann im Pyjama und unserem Personal Trainer beim Mensch-ärger-dich. Nicht?" "Wahr, allzu wahr. Was haben wir denn noch an Bommerlundervorräten?"
Für all jene, die sich bisher noch nie ein Bewerbungsschreiben als Handlanger der Terrordienste eingereicht haben, sollte man vielleicht vorab erklären, dass der erste und einzige Scheideweg eines solchen Werdegangs darin besteht, sich vor dem Hintergrund der dualen Propaganda zwischen links und rechts zu entscheiden. Wie Josef Mengele mit seinen weißen Handschuhen an der Sortierrampe von Ausschwitz wird man sie fragen, ob sie lieber hochrangige Persönlichkeiten, das wäre links, oder einfach gerne wahllos Frau Meier Huber Müller und ihre Schrazen ins Jenseits befördern, das wäre dann rechts, der schwarze Terror.
Linksrechts - das ist die blinde Dualität des etwas unbeholfenen Zweibeiners, der das Laufen noch nicht so recht zu lernen gewillt oder gewollt. So kommt es im Schafspelz, das Linksrechts der Propaganda, die uns auf 2D einstampfen will. Wir können nicht mehr gehen, wenn wir unsere beiden Beine nicht mehr koordinieren können.
Die Begriffe links und rechts treiben uns in eine sozusagen lobotomische Sackgasse. Wenn rechts mit links nicht mehr kommuniziert, wenn der lobotomische Eingriff beide Gehirnhälften trennt, haben wir die sanftesten Schafe. Es ist diese Dichotomie, dieser linke Haken mit der rechten Geraden, die wir verpaßt bekommen, die unseren Geist nicht mehr auf die Beine kommen läßt.
Linksrechts ist der vergiftete Kuchen einer Diktatur mit repräsentativer Demokratie als Topping, als ausgleichende dritte Position. Es ist dieses durch und durch verlogene Paradigma, das jene weiter oben schwimmen läßt, die sich auf Kosten anderer zu bereichern belieben. Denn nur mit diesen Extremen zur Seite erscheinen sie als scheinbar in der Mitte, die sie doch eigentlich mit ihren Herrenstiefeln auf uns stehen, mitten drauf.
Wie es in The Fourth Position and the New American Revolution heißt:
"It allows us to see the possibility and desirability or a multi-polar world. These ideas will allow for an exact programmatic expression to flower. As far as Americans are concerned, it will be understood finally that the American Empire is itself neither ‘left’ nor ‘right’ – Bush or Obama were neither fascists or socialists. It is the Liberal Atlanticist paradigm itself which creates the illusion of ‘left’ and ‘right’; we see and understand finally that ‘left’ and ‘right’ are all but subsets of the present paradigm."
Von diesem Thron gilt es sie zu stürzen. Oder wie Gramsci sagen würde: diesen historischen Block gilt es zu brechen.
Und wenigstens zu Weihnachten darf man den Adepten des Terrors hinzufügend erklären, dass es anschließend keinen zweiten Scheideweg mehr gibt. Da beginnt schon die Sackgasse für die Laufburschaft, den ärmsten aller Schweine im Saustall der Politik, die schon auf dem Weg zum Futtertrog zu Kanonenfutter werden.
Wem sein Leben und das der anderen nicht gefällt, hat mit diesem Berufwunsch auf jeden Fall einen Volltreffer gelandet.
Wie wars? werd ich sagen müssen, nachdem mich keiner frägt. So will ich mal vor der Nüchternheit nicht rekapitulieren, sondern mit ein paar Kaffeesätzen die Rekonstruktion einer stillen Erinnerung beginnen, dem Perchtentrinken im Puff, wo wir so manchen Geist aus der Flasche trieben.
Es muss grandios gewesen sein, denn es kamen ganz unvermutet fast alle meine Freundinnen vorbei - bis auf VodkaN und meinen Kuschelpartner xxff. Letzterem allerdings gelten all meine Weihnachtsgrüsse, da er sich dem Christkind hingab in dessen Geburtstagsnacht, diesem stocksteifem Bübchen. Und da scheint es dann passiert zu sein - wären sie hier gewesen, hätten sie wohl verhütet - die Neuzeugung des Handlangers des Geschenkekonsums. Gratuliere zu diesem genetischem Erstschlag!
Back 2 Puff und meiner Gästeliste.
Gänzlich unsicher bin ich mir, ob Valie Export in ihre Aktionshose Genitalpanik gekleidet sich einfand, die Erfinderin des Tapp- und Tastkinos. Vielleicht war es nur das viele Augustiner Export, das mich davon träumen lies. In meiner zu diesem Zeitpunkt schon beträchtlichen Bierwallung, hätte ich ihr den Oskar-Kokoschka-Preis gleich nochmal verliehen, den Preis eines Mannes, der seiner pathologisch geliebten Alma in der ersten Nacht den Pyjama entriss, um nur in diesem noch einzig sie zu malen. Ein seltsamer Mann im Nachtkleid seiner eigenen Seele, der sich nichts sehnlichster wünschte, als dass sie während ihrer körperlichen Vereinigung ihr 'Handerl' gegen ihn erhöbe. Ich persönlich wünsche von solch einem Preis nicht beschmutzt zu werden.
Valie also vermutlichst nur eine Halluzination der Verzweiflung, nachdem meine grosse Liebe, die namenlose Nonne, die Puffparty vom Messwein bei der Weihnachtsmette dahingestreckt in kirchlichem Asyl verschlief. Ihr hätte all mein Raum und meine Deckung gegolten. Doch letztendlich hat sie sich wieder mal in der Lithurgie verrannt. Schade einerseits, wenngleich sie immer nur vom Essen spricht andererseits.
Andere aber kamen voller Inbrust. Und so musste ich mir möglichst vor den ersten vollräuschenden Nächtlichkeiten Gedanken über die Platzwahl machen.
Nachdem es beim Perchtentrinken während der Rauhnächte neben den Nebenwirkungen vorwiegend darum geht, die bösen Geister auszutreiben, bestand ich darauf, dass auf dem Barhocker rechts von mir niemand anderes als Anita Augspurg Platz nähme. Jene Frau, die schon 1923 beim bayrischen Innenminister Franz Schweyer vorstellig wurde, um die Ausweisung des Österreichers Adolf Hitler einzufordern, und die es auch war, die maßgeblich den Putsch der Braunhemden im November 1923 verhinderte.
Und links von mir Lida Gustava Heymann, ihre Lebensgefährtin - in der Hoffnung, dass ich von der Fummelei das ein oder andere Fummelchen abbekomme. Sophia hätte auf meinem Schoß gut Platz gefunden und hätte so auch nicht Grund gehabt, sauer zu sein - wesshalb sie letztendlich nicht zu und in uns stieß.
Ziemlich früh rannte uns auch meine Nachbarin die Pufftür ein - zum Unbill des Betreibers mit einem sorgsam verschleiftem Kasten Bier als Weihnachtsgeschenk, den wir schließlich nur behalten durften unter dem hochheiligem Versprechen, dieses Ungeschick barseitig zehnfach zu übertreffen.
Ein wenig schizophren wurde die Angelegenheit, als sich zu späterer Stunde Frau Holle einfand. Denn eigentlich kam sie als singuläre Gestalt angewackelt, doch nach multiplen Bieren gesellten sich die Gold- und die Pechmarie hinzu. Das mag in Teilen daran liegen, dass ich öfter mal doppelt sehe, in Teilen daran, dass jedes Äuglein von einer anderen Gehirnhälfte bedient wird. Ich weiß es nicht. Etwas entworrener wurde die Angelegenheit, als sich zumindest Goldmariechen daran machte, die so verlegten Betten in den Gästezimmern der oberen Etage wieder ins Reine zu bringen.
Weil wir die Salzstangen bereits lange vor der Ankunft von Frau Perchta verschlungen hatten, mussten wir uns keine Sorgen machen, dass sie uns aufgrund irgendwelcher Festspeisegebote, die Bäuche aufschlitzt. Auch der Faulheit wegen konnte sie uns nicht ans Leder oder den Knüppel aus dem Sack (na bitte, in reiner Frauengesellschaft), diese missmutige Genossin, denn wir soffen wie das eben nur Löcher können.
Also summa summarium, ein wirklich gelungenes Weihnachten, sozusagen die Frühgeburt eines neuen Jahres ohne Komplikationen.
Es fühlt sich nicht vorweihnachtlich an in meiner grindigen Mundhöhle. Bei jedem oder für jeden, der an mir vorübergeht, riecht es nach einer schon länger aufgerissenen Tüte frittierter Erdnüsse. Vermutlich bin ich der Träger des Geruchs, das olifaktorische Zentrum des abendländischen Untergangs. Ich stehe rum wie abgebunkertes Falschgeld und meine Gesichtsmuskulatur führt ein seltsames Eigenleben. Selbst meine Gedankenstränge versuchen selbstständig einen Henkersknoten zu binden. Und ich, beziehungsweise mein Gehirn kommt nicht mehr los von dem Gedanken, wo denn nun die Aquarelle Hitlers abgeblieben sind. Mein Wohlbefinden ist, unabhängig von Feier- oder Nichtfeiertagen, der Vernichtung preisgegeben.
So beschließe ich, Weihnachten im Puff zu verbringen. Natale bordello, weil es da zur heiligsten aller Zeiten im Gegensatz zu den sonst bei mir so beliebten Kleinstkneipen, sprich Boazn, nicht rührselig wird. Hier steht das Geschäft stets an erster Stelle, wobei ich dabei weniger an die sexuellen Dienstleistungen als an das alkoholische Angebot denke. Insbesondere als asexuelle Frau finde ich hier mehr die Art von Ruhe, die mir an so abgefeimten Tagen wie Weihnachten wichtig ist, und ich bekomme zudem die mir gebührende, respektvolle Aufmerksamkeit, trotz meiner hohen Promillezahl, oder gerade deswegen.
Wenn sie nur wüssten, dass bei mir unten nur noch viel rauskommt, aber nichts mehr reingeht, was schon der hohe Blasendruck äusserst zuverlässig gewährleistet, sähe das vielleicht anders aus. Aber die mein körperliches Wrack so adrett bedeckende Hülle lässt solcherlei Rückschlüsse nicht zu.
Selbst an Weihnachten wird im örtlichen Puff nicht gejammert und rumgeheult, sondern in den oberen Rückzugsbereichen gepimpert, was das Zeug hält. Da bleiben die anschliessenden Gespräche an der Bar, die heute mein zuhause ist, rein sachlicher Natur. Also keine Notwendigkeit für Wehrmut oder Wehmutstropfen, sondern ganz nüchterne, notlose zehn Bier mit Schnapseinlagen. Das Elfte bekomme ich schließlich als Weihnachtsgeschenk. Und mit etwas Glück presst sich auch noch meine Freundin Vodka N durch die Eingangstür. Für mich also Entspannung pur.
Unterleibsschmerzen während der Bierschwangerschaft
Fettleber tut garnicht weh, hat mir heute mein Sportarzt eröffnet. Anfangs eigentlich ein erlösender Gedanke, bis dann die Brüder und Schwestern der Gedanken sich beim abendlichen Korn hinzugesellten und mir ganz neue, erschreckende Varianten eröffeneten. Parasiten, Würmer, Körperfresser, denn irgendwas fühlt sich nicht gut an in meinem von mir bisher unbesehenem Inneren. Eventuell schlimmer als Viren und Körperfresser, vielleicht bin ich schwanger. Nur von wem?
Vielleicht sind es Zwillinge. Zwei Schnapsdrosseln im Fruchtwasser oder - das ging dann wieder gedanklich ins Positive - zwei Flaschen Schnaps, die mir in wenigen Monaten aus dem Uterus entweichen. Ganz vielleicht sogar gebäre ich in absehbarer Zeit einen Kasten Helles. Das Leben kann auch zu Unmenschen wie mir manchmal gütig sein. Nichts ist unmöglich, Idiota, sag ich mir immer, allzumal wenn es wieder drückt und sticht im Unterleib.
Man würde das sehen, so meine mir beim Umtrunk behilfliche Nachbarin. Ich sage: Wer sich hin und wieder ganze Batterien aus Leichtalkohol reinschüttet, schwankt in seinem Umfang oft stundenweise. Wenn man nach einem halben Kasten Bier nicht auf die Toilette geht, weil man Angst hat, dass die Nachbarin sonst die andere Kastenhälfte vernichtet, ist man satte fünf Liter, also das Gewicht eines aufgedunsenen Embryos, schwerer und ... dicker. Bierschwanger eben.
Auf der untersten Stufe meiner Kellertreppe klebt mein Arsch im verschütteten Nußschnaps und ich krieg die Gedanken nicht mehr klarer. Eben war er doch noch da, schon ist er wieder weg, durch mein Leben wie ein Kugelblitz, der Ast, an dem gesägt wurde. Der Zweig im Garten Eden, an dem nie der verbotene Apfel fruchten durfte.
Jetzt wo ich in alpenländischen Hochprozentigem bade sehe ich, dass selbst als wir das ultimative Mittel der Hutzauberer, den Retsinataucher, aus dem Ärmel schüttelten, es schon Überabend war. Als wir den Ikarus mit der Finsterzwille vom Himmel holten, mussten wir feststellen, dass den Daedalus die Geier schon wieder zum Himmel emporgetragen hatten.
Als Sie "Ich bin immer zu früh." schrieben, haben Sie das "zu" nicht so recht bedacht, denn für den Abflug mag das stimmen, doch beim Landen ist das nicht angesagt.
Sie werden sich fragen, was das Stiegl-Bier aus Salzburg mit den verborgenen Schriften der Bibel, den Apokryphen, zu tun hat? Die Antwort ist: der kleinste und gemeinsame Nenner bin ich. Denn hier treffen beide zum ersten mal aufeinander.
Leider kann ich den Anfang dieser Geschichte nicht mehr rekonstuieren, nachdem sich Teile der Lunge in einem Hustensturm über meine langjährigen Niederschriften hierzu ergossen haben. Im selbigen Unwetter hat sich dann auch noch der goldene, heilige Gerstensaft über die bereits von Lungenschrapnellen durchlöcherten Papiere ergossen, so dass bereits mein Frühwerk zu Relikten geworden ist, ehe es jemals das Licht erblickt hätte. Frühe Relikte, aber sicher spätere Apokryphen, mein Frühwerk.
Wer mich kennt, wird sich fragen: Welche Lunge? Na, bereits meine dritte. Die Ärzte kommen bei mir inzwischen mit dem Transplantaten nicht mehr hinterher. Irgendwann hab ich's dann begriffen: Lieber letzte Chance als letzte Ölung, lieber Ödem als Lunge. Die Lunge stirbt kinderlos, aber das Ödem hat die letzte Chance, sich über Tröpfchenbefruchtung an der Krankenschwester gütlichst zu tun. Und vielleicht sogar noch Kinder mit ihr zu bekommen. Wer weiß das schon. Grosse Teile meiner Niederschriften werden keinesfalls mehr Kinder bekommen - ein zu Papier gebrachter Tintensee mit Bierschaum und treibendem Schleim.
Aber was solls. Schon allein der Rest ist der Rede wert. Ich wär selber nie drauf gekommen, doch Echo/Sound Test Service hat mir kürzlich folgenden Hilferuf auf Skype zukommen lassen:
Der monotheistische Block, dem nur eine Emotion eigen, der zunehmende Haß auf jede Art von Andersgläubigkeit, beginnt sich wie reifender Stinkkäse immer eindringlicher bemerkbar zu machen - ehe er sich hoffentlich bald endgültig auflöst. Auch Käse kommt also in Wellen.
Es wird zunehmend enger auf dieser Reise nach Jerusalem, mit immer weniger Stühlen für immer mehr mono-religiöse Wertevermittler. Der Leidtragende bei einem Familienstreit sind zumeist die Außenstehenden. Die Triebabfuhr derer, die lieber glauben als zu wissen, trifft den Atheisten im vollen Lauf der Geschichte.
Allein in sieben Bundesstaaten der USA wurden erst kürzlich Gesetze erlassen, dass Personen, die die Existenz eines höheren Wesens leugnen, kein öffentliches Amt innehaben dürfen, wie die American Humanist Association berichtet.
Selbstverständlich ist es nur konsequent Unbeteiligte zu eliminieren, bis man sich im Lager des Ein-Gott-Glaubens eben gegenseitig mit dem Messer und atomarem Rüstzeug an die Gurgel geht. Ein entsprechendes Bibel- oder Koranzitat wird sich wohl auch hierfür finden. Ähnlich dem Leitspruch des kreuzzüglerischem Judenprogroms in Köln: Richtet sie alle, Gott wird die seinen verschonen!
So nachzulesen in einem Teil der Apokryphen, im 3.Buch der Makabäer, in dem beschrieben wird wie Ptolemaios IV. im hellenistischen Ägypten zum einzig wahren Glauben (in diesem Fall dem jüdischen) konvertierte, nachdem es ihm weder gelang, die Juden zum dionysischen Glauben zu bekehren, noch sie anschliessend durch Elefanten niedertrampeln zu lassen. Doch dem nicht genug, forderte die jüdische Gemeinde nach seiner Bekehrung ihre eigenen Abtrünnigen selbst niedermetzeln zu dürfen. Im Wortlaut der deutschen Wikipedia-Übersetzung:
"dann gingen ihre Priester und die ganze Menge
unter Anstimmung des Alleluja voll Freude von dannen.
Und sie bestraften jeden befleckten Volksgenossen,
der ihnen unterwegs in die Hände fiel,
und töteten ihn mit Schimpf und Schande.
An jenem Tag erschlugen sie mehr als 300 Männer
und begingen ihn voll Freude als Festtag,
weil sie die Gottlosen getötet hatten."
Wer glaubt von solch intolerantem Verhalten in einer übergriffigen Moderne verschont zu bleiben, weil er nur heimlich an nichts glaubt oder wie die Griechen auch einen Götterhimmel vorweisen könne, der sei gewarnt. So hatte schon das Flächenbombardement des Theodosius I. eine Streuwirkung, die man so nicht erwarten hätte. Zitat Wikipedia: "391/92 verbot er jedoch schließlich die heidnischen Kulte und ihre Ausübung. Dies war, wie gesagt, vermutlich eine begrenzte Aktion, die sich wohl ganz konkret gegen die großteils altgläubigen Anhänger des Eugenius richten sollte. 393 wurden auch die Olympischen Spiele verboten, doch erst Theodosius II. setzte ihnen mit der Verbrennung des Zeustempels wirklich ein Ende ..." Sie würden dich schon allein desshalb teeren und federn, weil du keine Gemagebühren an Radio Vatikan abführst und kein andersgläubiges Blut an deinen Händen klebt.
Und sie sehen alles, im Gegensatz zu ihrem Gott, dem so manch pädophiler Pfarrer schon mal durch die rächenden Hände rutscht. In diesem Sinne, liebes Echo/Sound Test Service, kann ich Ihnen nur den Artikel "The Mafia, The CIA & The Vatican's Intelligence Apparatus" empfehlen, um sich mal schlau zu machen, wie das in unserer Zeit so läuft.
Resentimente - neuste Abhörtechniken aus dem hartelinie-Labor
Das Herzstück eines Geheimdienstes ist einerseits das Geheimnis und andererseits die Drohkulisse der Unwissenheit der Anderen. Wenn dann mal was rauskommt, tut man so, also wäre das im Grunde schon lange bekannt und von unendlicher Unwichtigkeit.
Wenn man allerdings als Schlapphut mal keine Ahnung hat, was so alles im trüben Informationsfluss schwimmt, dann schickt man Blindgänger wie einen Herrn Showdown an die Infofront und lässt anklingen wie durchtrieben und grenzlegal man alles durchblickt. Man düngt den Aberglauben, dass man jede Alditüte mit RFID-Chips bestückt hätte und jeden Lackaffen durch die Webcam beim Wixen studiere.
Man prahlt mit Full-Spectrum-Dominance und schmückt sich mit anderen zukunftsträchtigen Wortcollagen wie Joint Vision 2020. Ich hab keine Ahnung mit was sich die Turmschreiber der NSA die Birne so wegkiffen, aber meines Erachtens wissen Sie noch nicht mal die Bundesligaergebnisse der letzten Woche. Dafür haben diese geistigen Tretminen keinen Algorythmus.
Ich hab mich testhalber mal selbst abgehört. Bin ja auch der Einzige, der mir zuhört, wenn ich so in meinem Biersuri auf der Tastatur herumklimpere. Und ich muss sagen, dass mir das garnicht gefällt, was ich da heute so zu Ohren bekommen habe. Es ist zutiefst erschreckend, was ich alles so zu wissen glaube. Das betrifft nicht nur Vergangenes. Ich bin mir sogar sicher, in einer Art Jointless Vision, dass der TSV 1860 nächsten Montag keinen Sieg gegen Greuther Fürth zustande bringen wird, wenn ich das hier mal so leaken darf.
Glücklicherweise gibt es da bei mir die Delete- oder auch Entfernen-Taste, die heisst, noch mehr Bier mit kleinen Zwischeneinlagen. So kann ich Dinge sagen, um sie anschliessend so zu löschen, dass keine Spur mehr zurückbleibt und auch kein starker Sturm sie mehr zurückweht. Im Grunde könnte ich mich so jeden Tag neu erfinden, ohne jemals in Widersprüche durch schon Gesagtes zu geraten. So lässt sich auch das Wörtchen abgehört besser verstehen. Erst hat es noch zu mir gehört und dann ab ... etwa dem 10 Bier, also circa einer Stunde, eben nicht mehr. Und zwar in einer Weise, die die Vergangenheit revidiert, anulliert, nihiliert, sie so ausradiert, dass selbst dem Radierer anschliessend nichts abgeht oder ihm ein Schwund nicht anzusehen wäre. Auf zauberhafte Weise scheint die Tinte wieder im Füllfederhalter zu verschwinden, beziehungsweise die Tasten eine eigenartige Rückwärtsbewegung auszuführen, bei der anschliessend niemals auch nur ein Quäntchen Energie verbraucht worden wäre.
Und so wandle ich auch morgen wieder an den Abgründen der Zivilisation in Downtown Sicko City ohne mich nur im Geringsten daran zu erinnern, was ich von den Schbacken gestern so gehalten habe. Einzig meine selbst abgehörten Zukunftsvisionen bleiben stets die gleichen, bezüglich der Spielleistung des TSV und der zunehmenden Verdummung des sich vermehrenden Genmülls in diesem Lande. Ich denke, the new world order ist garnicht so new und selbst das Karma hat über die Jahrtausende nicht seine starke Hand gezeigt. Einzig die buddhistische Idee der Auflösung des Geistes bei völliger Erleuchtung scheint mir sinnig: Nur die Vollidioten sind zurückgeblieben.
Ein, wie ich meine, belangloser Planet am Rande der hartenlinie und das NSSM 200
Seit heute morgen tut mir die Rippe weh, als wäre sie angebrochen. So weit ich mich selbst über die Jahre kennengelernt habe, muss es heute nacht einen Vorfall gegeben haben. Vermutlich habe ich, in meiner verzweifelten vielzelligen Isolation versucht, mir eine Rippe, genau jene, aus dem Leib zu reissen, um daraus einen Partner zu formen. Heute bin ich froh, dass mir das nicht gelungen ist, sonst wäre ich in starker Erklärungsnot und müsste zu allem Unglück meine wenigen Alkoholreserven auch noch mit einem anderen teilen.
Schlagartig fällt mir ein warum ich gestern zu trinken angefangen habe, obwohl es da eigentlich keines Grundes bedarf. Und doch nehme ich stets einen zur Hand, ehe diese zur Flasche greift. Gestern ging es um den eugenischen Gedanken, der mitschwingt, wenn man den brennenden Witwen in Indien beim Sterben zusieht. Es sind zuviele, insbesondere zuviele Frauen, so sagt man, cher. Und dieser Gedanke scheint so tief verhaftet im indischen Volkskörper, dass sie sich selbst zur Schlachtbank, beziehungsweise zum Scheiterhaufen schleppen. Von den vielen unschuldigen Bäumen, die dabei hops gehen, spricht keiner; mal so nebenbei erwähnt. So wird das nichts in Indien. Spontane Initiativen wie die als Familienunternehmen heranwachsenden Frauenkraftwerke am Ganges, spontaner Unternehmergeist, aber ohne Klimazertifikat und ohne Nachhaltigkeitsnachweis. Einfach mal ein Holzgerüst ans Flussufer gezimmert und fertig ist das Heizkraftwerk.
386 Mäuler auf jeden Quadratkilometer. Das ist die Hälfte mehr als hier in Deutschland, die, so man populationmatters.org Glauben schenkt, wie Heuschrecken den Planeten kahl fressen. Unter dem scheinheiligen Vorsatz der 'food security' wird das Horrorszenario entwickelt, dass guatemaltekische Kleinbauern (116 pro qkm) den Urwald eleminierten und senegalesische Hungermäuler (60 pro qkm) klammheimlisch den letzten afrikansichen Elefanten wilderten.
Als Grosskonsument von Kartoffelschnaps, oder Aquavit, wie man in 'guter', also schlechter, Gesellschaft sagt, möchte ich mal anmerken, dass davon der Planet nicht aus der Bahn geschleudert wird. Ich schütte das Lebenswasser nicht in mich hinein, um zu vergessen, sondern um meine letzten Gehirnzellen in Wallung zu bringen, um mein Denkstübchen wieder auf Vordermann zu bringen.
Ich als Alkoholikerin sage: eat the fuck less! 5 von 10 US-Amerikanern laufen rum wie fette Einkaufstüten, die aus allen Nähten platzen und machen sich Gedanken über die Geburtenraten von Immigranten und noch nicht Immigrierten. Wo sind die denn auf den Fotos von populationmatters.org, diese wandelnden Fettwalzen. Das Dogma unserer Wirtschaft, ewiges Wachstum, scheint mir das Problem - wenn überhaupt. Der illegale Holzhandel einer Handvoll burmesischer Generäle, deren Produkte unsere naturbelassenen Vorgärten zieren, der überhitzte Motor einer Autoindustrie und die Summe des nur-Besten für die Einzelkinder der grünen Elite.
Der Regenbogen am Kindergarten nebenan und der Club of Rome, alle sprechen von sustainability, von Nachhaltigkeit. Gelackmeiert sind hierbei jene, die bei Lidl und Netto einkaufen müssen, weil sie sich das gutmenschliche Essen im Biomarkt nicht leisten können. Und hierfür bezahlen sie mit Fettleibigkeit durch Junk Food und letztendlich mit ihrer Lebensberechtigung. Wer sich erstmals dem Gedanken ergibt, daß wir zu viele sind, wird als nächstes die Frage stellen müssen, wer denn zu gehen hätte und da ist man eigentlich nie auf der eigenen Liste. Worauf wird man also zurückgreifen müssen? Auf althergebrachte Muster und Vorlagen, auf die Strickmuster der Eugenik.
Ich verwende kein Deo. Meine Duftmarke ist Nussschnaps. Ich bin Schwerstalkoholikerin, nicht nur schwer weil ich fett bin und meine aufgedunsene Leber inzwischen mehrere Kilo wiegt, und so stehe ich inzwischen vermutlich auch auf solch einer malthusianischen Liste. Ich denke, weil ich diesen Planetenrettern den Schnaps vom Tisch trinke. Obwohl ich diese Argumentationslinie bisher nicht finden konnte im Memorandum NSSM 200 eines Herrn Kissinger, bin ich mir doch sicher, dass das irgendwo im Kleingedruckten verschwunden ist. Wer hat schon die Zeit, die näheren Ausführungen zur Entvölkerung zu lesen, wenn einem Heimatplanet unter den Füssen wegschmilzt und sich antialkoholische Fluten über einen ergiessen.
Die Argumente der liebreizenden Eugenikerschaft - sind ja schliesslich keine Nazis, obwohl sie im Grunde fast die gesamte Weltbevölkerung vom Tisch wischen würden - kommen in ähnlichen Verpackungen wie das Junk Food, das sie uns servieren. Die Sorgenfalten, die sich in die kindlichen Gesichtszüge eines Bill Gates mischen, wenn es um den Hunger in der Dritten Welt (immerhin noch eine Bronzemedallie) geht.
Und gestern hätten sie mich fast erwischt mit der Metapher eines Einzellers, der sich von Kartoffelschnaps ernährt: Jede Sekunde teilt sich dieser Einzeller und verdoppelt somit seine Population. Aus eins wird zwei und aus zwei werden vier. Das geht lange gut und die Flasche scheint unerschöpflich. Wenn aber die Flasche noch halb voll ist mit Kartoffelschnaps und halb mit Einzellern, dauert es noch genau eine Sekunde bis die Lebensgrundlage, der Kartoffelschnaps, alle ist und die Flasche nur noch voll mit Einzellern.
Heute aber, da der Körper nach dem Rausch wieder in sich selbst zurückgefunden hat, begreife ich, dass ich als Vielzeller diese Flasche ganz alleine leergesoffen habe. Und so denke ich mir: Wenn sie denn so besorgt um diesen Planeten sind, warum gehen sie dann nicht mit gutem Beispiel voran und rotten sich erstmal selbst aus, diese eugenischen Raubwanzen mit all ihrer Unersättlichkeit. Dann hätte jeder Münchner seine eigene Wohnung (4400 pro qkm) und es wäre auch für uns gesundes Essen wieder erschwinglich. Denn die Alternative käme weniger einer Szene aus David Attenborroughs Naturfilmen gleich, denn einer nicht so blühenden Wüste wie in Becketts Endspiel. Und da gibt es selbst für die vier letzten Überlebenden keinen Tropfen Kartoffelschnaps.
Der Akropolis zu Füßen, stinkenden Füßen mit Rauchpilzen zwischen den Zehen. Das muss man wohl in Kauf nehmen, wenn man der Athene an die Wäsche und mit offenen Augen auch mal unter den Rock möchte.
Die stinkenden Füße sollte ich relativieren, denn rund um den Tempelberg wirkt Athen auf mich eher wie ein Waldgebiet in dem Männer mit Rauschebärten hausen, die sich neuerdings auf der Suche nach dem Sinn des Lebens mit Plastiktüten umringen, in denen sie all ihr Hab und Gut sammeln.
Wie alle Strassen nach Rom, führen alle Worte nach Griechenland. Times Old Greek, sag ich da. Die gleiche Schrift in den Auslagen der modernen Einkauspassagen wie auf den alten Steintafeln, die überall rumliegen. Keiner will Letztere mitnehmen, weil eben das gleiche draufsteht wie heutzutage. Und trotzdem versteht keiner mehr, was sie eigentlich sagen wollen, jene Steintafeln - während Werbetafeln der modernen Markenartikel unser Innerstes bewegen. Athen hat sich in den letzten zweieinhalb Jahrtausend irgendwie verändert. Aus Polis wurde Police.
Und die Graffitis werden inzwischen nicht mehr eingeritzt, sondern gesprüht.
So spricht man davon, dass Delos (die Sichtbare), das einst heimlich von Poseidon 'geschaffen' wurde, um der Titanin Leto, einem der Seitensprünge Zeus, einen Ort zu geben, wo sie unentdeckt (also adelos=unsichtbar) von der ihr zürnenden Hera ihre Kinder Apollo und Artemis zeugen konnte, nun auch wieder A-Delos wäre. Die Geschichte Griechenlands lebt somit omnipräsent fort und doch hat sie keinerlei Verbindung mehr zur Gegenwart.
Diesem Schutzwall des Elends, der die Akropolis schützen soll, schliesst sich ein zweiter an, in dem sich die Angreifer verheddern sollen. Ein undurchdringlicher Ring aus Cafes und Bars. In Athen leben mehr Bistrostühle als Griechen, obwohl es sich um die Hälfte der Bevölkerung handelt. Der eigentliche Schutzwall allerdings sind die Touristenmassen, die sich die Seele aus dem Leib fotografieren. Jedes Erklärungstäfelchen und jeder Stein, der auch nur annähernd auf einem anderen liegt, wird digitalisiert. Selbst das Motto des Orakels von Delphi wurde umgeschrieben von "Know thy self" in "Know thy buttons".
Trotz all dieser Sicherheitsmassnahmen hat sich die Frontex-Linie rund um die Akropolis als scheinbar wirkungslos erwiesen, denn hier hat sich bereits jede monotheistische Religion schon mal eingenistet. Während der Völkerwanderung noch von polytheistischen Horden überrannt, lag sie im Mittelalter sozusagen als Mittelstation auf dem Weg der Christen nach Jerusalem. Byzantiner, Franken und schliesslich die Osmanen, die es sich nicht nehmen liessen ein hübsches Minarett draufzusetzen. Nur den Venzianern unter dem Dogen Morisini kam 1687 die grandiose Idee, die Bude auch mal in die Luft zu jagen. Kein konservatives Gedudel, sondern rein mit der Kanonenkugel in das osmanische Munitionslager, und rumms, durften die Götter nun auch mal ans Licht, durften frische Luft schnappen, solange Athen noch nicht von einer Dunstglocke überkuppelt wurde.
Das einzig Interessante an der Akropolis, die immer kleiner wird, je näher man kommt (das perikleische Wunder der Perspektive), sind vorwiegend ihre Schutzwälle. Wer also auf sinnlose Steinhaufen, Touristenmassen und überteuerte Koffeingetränke in der Bistrostuhl-Zone steht, dem sei ein Besuch wärmstens ans Herz gelegt. Die Zwerghaftigkeit der Agropolis und die Tatsache, dass es sich hinter der Fassade einzig um einen Geröllhaufen über der Stadt handelt, erschliesst sich eigentlich erst kurz nachdem man an der Kasse das sündteure Ticket erstanden hat.
Sehr viel antiker und ganz ohne Menschen wandelt es sich auf dem Hügel nebenan, wo man einen Blick auf die Knastzelle des Sokrates werfen,
oder nachts auch mal ein ausgelassenes Symposium mit den Platiktüten-Philosophen feiern kann.
WARUM DAS HOHLKOPFGESCHOSS UNBEDINGT WIEDER ERLAUBT WERDEN MUSS - oder warum eigentlich die Kriegskontrollgesetze abgeschafft werden sollten
Vorwort: Versehentlich bin ich auf einen Eintrag aus dem Jahr 2007 gestossen, der mir erneut vor Augen geführt hat, dass sich die Zeit nur bei der Handyentwicklung weiterbewegt. Im Grunde besteht ihre Zeitachse aber aus einem Punkt. Die Ausweitung des Nahostkonflikts gab es damals wie heute.
Zum anderen möchte ich die Begrifflichkeiten nochmal auf den Desktop bringen, weil der Begriff des Hohlkopfgeschosses für die hartelinie wie geschaffen ist, wo Hohlkopf und DumDum aus der gleichen Familie kommen. Denn es ist der einzig mir bekannte Waffentyp er zugleich sein Ziel bezeichnet. So denn:
Was die hartelinie nicht versteht, ist das Prinzip der Kriegskontrollgesetze. Beziehungsweise wir verstehen es sogar sehr gut und finden sie eine Riesenschweinerei.
Hatte ich mich doch anfangs gewundert, warum einerseits die Jugend als tugendlos, verwahrlost etc verschrien wird und uns andererseits von der Dauerglotze nichts anderes serviert wird als Leichen und Sex, der Videomarkt nur so überquillt von Kriegsspielen.
Unser Nachwuchs wird medial bereits zum Soldaten ausgebildet. Bis zu Beginn des Einsatzes hat er tausende von Leichen gesehen und wurde am Simulator an diversen Waffentypen trainiert. Kein Wunder, daß der technologische Vorreiter in dieser Sache, die USA, ihre gewaltbereite Jugend dann auch sinnigerweise ziemlich komplett in die Schurkenstaaten abtransportiert. Mord und Totschlag, im zivilrechtlichem Sinne verboten, im völkerrechtlichem Kriegsfall sind sie ein Muss.
Aber ... dann ist vieles wieder auch nicht erlaubt. Die Genfer Konvention und Kriegswaffenexportbestimmungen, Atomwaffenabkommen und Verbot von verschiedenen Patronentypen.
Ein Glücksfall für den Verletzten und der Gau für den Schützen ist ein glatter Durchschuß. Im Kriegsfall geht es mehr darum, die Feindkräfte zu binden, was vorwiegend durch massive Verletzung und den anschließenden Abtransport erwirkt wird.
Als "am wirksamsten" gelten Hohlkopfgeschosse, weil bei diesen durch die konkave Ausbuchtung in der Geschossspitze der Auftreffimpuls ins Geschoss-Innere geleitet wird und das Geschoss regelrecht zum Explodieren bringt und Fragmentationsgeschosse, die sich nach dem Auftreffen in eine nicht vorher bestimmbare Anzahl von Einzelteilen zerlegen und mehrere "temporäre Wundhöhlen" verursachen. Sie sind international zum Einsatz gegen Menschen verboten.
Die durch den zum Geschossboden hin verlagerten Masseschwerpunkt entstehende Drehung des Vollmantel-Rundkopfgeschosses (zB 9mm VMRK) im Schusskanal (Narrow Channel) führt zu einer temporären Wundhöhle, die einen Durchmesser von bis zu 20cm haben kann. Im Glücksfall für den Schützen werden noch Teile der Schutzweste mit in den Körper gerissen, wo das Geschoss fragmentiert und möglichst viele Organe so verletzt, daß der Verwundete so invalid wie möglich überlebt.
Der klassische Fall ist die Erfindung des Dum-Dum-Geschosses:
Es leitet sich ursprünglich vom Namen der Munitionsfabrik in Dum-Dum (bei Kalkutta) in Indien ab, welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Britischen Kolonialtruppen eine Patrone mit Teilmantelgeschoss bekannt als "Cartrige, S.A., Ball, .303-Inch Mark II* C." fertigte. Schon während des Mahdi-Aufstands 1889 im Sudan wurden die Geschossspitzen der damals verwendeten Patrone "Cartrige, S.A., Ball, .303-Inch Mark II C." durch die britischen Soldaten abgefeilt (kein Hohlkopf, sondern eben erst ein flacher) und somit freigelegt, um eine geforderte, bessere Mannstoppwirkung zu erreichen.
Erst kürzlich wurde einem serbischen Soldaten vor dem internationalem Gericht für Kriegsverbrechen vorgeworfen, mit entsprechender Munition, die durch ihre hohe Mündungsgeschwindigkeit von 1000m/s als panzerbrechend erweist, aus einem Draganow-Gewehr auf menschliche Ziele geschossen zu haben.
Meines Wissen ist das Draganow, gerade aufgrund seiner hohen Mündungsgeschwindigkeit speziell für Sniper gedacht, um weit zu schießen. Und dabei handelt es sich auch um Weichziele. Dem Opfer wird es egal sein, um welchen Patronentyp es sich gehandelt hat und aus welcher Entfernung der Schuss erfolgte. Mich würde es allerdings nicht wundern, wenn die Militärpolizei mit Massbändern auf den Schlachtfeldern wandelt, um etwaige Kriegsverbrecher ausfindig zu machen.
Panzermine auf der Autobahn einbuddeln ist ok, auf dem Feldweg gibts Ärger mit dem Internationalem Gerichtshof. Torpedos auf Schiffe, ja, Tischbein, Granate, Messer oder Löffel, alles ok, aber Hohlkopfgeschosse ... nein.
Minen zur Bekämpfung von Weichzielen sind ok, wenn man nicht entsprechende Papiere unterschrieben hat. Und in jeder Panzermine befindet sich selbstverständlich ein Anti-Personen-Mine, die vor einiger Seite noch manuell beigelegt werden musste, um deren Bergung zu verhindern. Auch die BRD führt noch Anti-Personen-Minen im Arsenal. Wer auf eine Panzermine tritt, ist im Grunde einfach selber schuld.
Atomwaffen darf haben, wer sie vor dem Sperrvertrag schon hatte und wer diesen nie unterschrieben hat und zwei drei andere. So besitzt Israel mehr nukleare Sprengkraft als Indien oder Pakistan - obwohl es offiziell keine Nuklearwaffen besitzt. Und dann ist es auch nicht verwunderlich, daß die Grünen für die Lieferung deutscher U-Boote der Dolphinklasse an Israel stimmen, die diese mit ihrem Nuklearwaffen aufrüsten. Bleibt fraglich, ob diese größtenteils von deutschen Steuergeldern finanzierten Atom-U-Boote ein wesentlich Beitrag Deutschlands zum Weltfrieden sind.
Selbst der Abschuß von Zivilflugzeugen wirft uns wieder zurück auf die Definitionsgewalt, und wenn man die hat, die Definitionsgewalt, dann geht das eigentlich sogar im Friedensfall.
Radioaktive Waffen, wie die bunkerbrechenden GBU-Bomben der USA und anderer Munition mit Uran, sind wiederum all clear, obwohl man rein rechtlich nach Beendigung der Kampfhandlung den Dreck auch wieder entsorgen müsste. Das neueste ist dann aber doch umweltfreundliches Töten mit einem Nano-Wolfram-Glas-Gemisch, das kann man dann auch liegenlassen.
Bei der Anzahl der Ermordeten wird es dann etwas absurd, denn einer kann schon zuviel sein. Es können aber auch Millionen sein und es ist ok.
Und jetzt aufgepaßt, denn Folgendes geht eigentlich nicht, aber eben doch: Phosphorbomben und Streubomben sind nicht gut, aber passiert auch nix, wenn's mal passiert, wie jetzt im Libanon. Jede Art von Bomben auf zivile Ziele, hatten im obigen Fall und auch im Irak keine Folgen. Denn keine Presse ist die beste Presse - wie derzeit im Sudan, Nahen Osten, und so weiter und so fort. Wie das so läuft erzählt uns, wiedermal, Noam Chomsky mit dem Film Manufactoring Consent.
Es geht darum, daß man die drankriegen kann, die sich nicht an die Regeln halten in diesem dreckigen Spiel, das wir eigentlich garnicht bräuchten, dessen Erfinder und Enkel allerdings zugleich die sind, die auch die Kriegskontrollgesetze durchbringen. Und eine der perfidesten Waffen dieses Massenschlachtens sind die Kriegskontrollgesetze selbst. Denn sie versuchen zu rechtfertigen oder zu verteidigen, was schlichtwegs verboten und abgeschafft gehört. Ich glaube es heißt: Den Belzebub mit dem Teufel austreiben.
Und deßhalb meines Erachtens: Entweder Kriegskontrollgesetze raus oder Hohlkopfgeschosse rein.
Ganz klar ein Fall für hartelinie.Hohlkopfgeschosse erhalten ein klares 'in', sind 'long, long, long' und für unserer Portfolio ein klarer Kauf. Auch ein deutlich postives Signal sehen wir bei dem Gerücht einer Wettbörse auf internationale Konflikte - über deren Eintreten, Verlauf und Ausgang. Wenn ich jetzt nicht diesen Dummy-Effekt hätte, daß wo was reingeht auch was raus muß, weil schon voll ist, dann wüßte ich auch noch ob was dran ist an dem Gerücht.
Als erste Makro-Wette schlage ich den Nahen Osten vor. Denn: Wie sich die USA ihre Neue Strategie rund um den Irak vorstellen, zeigen die nun mehrfach veröffentlichten Karten des Neuen Nahen Ostens. Das sieht nicht gut aus für den Iran, aber auch nicht für die Verbündeten der USA wie die Türkei, Saudi-Arabien und Pakistan. Dafür gibt es dann endlich ein Kurdistan und auch ein Belutschistan, sowie einige andere interessante Nebenprodukte dieser ethnischen Säuberung. Daß die Sache schon am Laufen ist sehen wir immer noch im Irak, sowie an den ersten Vorbereitungen im Iran, wie den Anschlägen auf die Revolutionären Garden in Belutschistan, die die USA witzigerweise dem Iran selbst in die Schuhe schieben will. Auch der zweite US-Flugzeugträger im Persischen Golf wird nicht gegen irakische Stadtguerilla eingesetzt werden.
Heute darf ich mal an Deck. Landgang wie ich das als Navigator, als Unterdeckmensch, so nenne. Eigentlich auch nur, weil ich fuer das Ankermanoever ran muss.
Bei der Einfahrt in die Bucht gehts erst noch mal ran an die Kordeln. Die Kompassrosette kreiselt und der Meltemi kreischt wieder mal mit 7 Beaufort.
'Fuck the Fock, gestern hiess sie doch noch Genua."
Die Wortwand der Anweisungen steht wie ein geheimnisvoller Urwald vor mir. Als einziges Bleichgesicht unter windgegerbten Gesichtern, bin ich auch nicht so vertraut mit den Begriffen, die sich fuer mich selbst mit dem staerksten Seemansgarn nicht verbinden lassen.
Die Spinnakerfall pruegelt auf den Hauptmast ein und ich versteh nur Bahnhof, bzw.Hafen, unter dem Surren der Rigg, den Wanten und Stegen. Das Leben an Deck ist auch kein Winsch-dir-was, hier wird noch mit der Hand gewinscht. Die Genuafall von meinen Hautfetzen ummantelt, rauschen die Schoten durch meine Haende, mit Namen, die mir noch unbekannter sind als der Grossteil der Besatzung, die ich vorwiegend treffe, wenn sie mal zum Kotzen runter kommen.
Doch die Auffuehrung an Deck, der letzte Akt ist fuer mich schon zu Ende, ehe der Vorhang sich schliesst. Fuer mich heist es, wieder runter in den Ankerkasten, wo die Ankerwinsch heult und das Bugstrahlruder brummt. Und wenn alles schief läuft, schicken wir unsere Geheimwaffe runter an den Ankergrund. Den Retsinataucher!
Erst der Ruf "Anker fasst" erloest mich aus dem Hades unter Deck. Jetzt bin auch ich wieder Teil der Mannschaft - zumindest fuer das Anlegerbier. Denn dann heisst es, abermals hinab. Logbucheintraege und ... was sonst ... Abwasch.
... das ist die Mischung aus Missgunst und Besserwisserei, der Ort, an dem man endlich mal damit protzen kann mit all dem Jargon und Fachsimpeleien, die sie sich für ihren SKS-Schein und tausenden von Euros in Monaten und Jahren reingepaukt hatten. Die Scheine selbst sind schliesslich nicht vorgeschrieben, um zu segeln. Das einzige, was man braucht, ist der Motor-Sport und den gibts in einer Woche mit Prüfung auf einem motorisiertem Schlauchboot.
Landen Sie mal an am Kai und rufen "Schmeiss doch mal die Kordel rüber" oder "Wir parken da links". Da wird sich das Publikum, bestehend aus hochdotierten, profibekleideten Amateurseglern so schnell abwenden, als wäre es eine Bombendrohung. Nur um sich nicht mit Ihnen abgeben zu müssen.
Ein Klassiker ist die Besprechung des Anlegemanövers, wo jeder mal was sagen darf und zeigen kann, dass er es auch drauf hat.
So schwojet die 45er-Bavaria bei langsamer Fahrt und blanker See herein und macht erstmal eine Hafenrundfahrt. Es ist nur noch ein Box frei, was sie nicht hindert, noch zweimal abzudrehen und die Lage zu besprechen, wo sie nun anlegen. Es scheinen heftige Diskussionen stattzufinden, ob nun hier oder hier, und jeder darf mal drauf deuten. Beim dritten Anlauf entschliessen sie sich einhellig ... die einzig freie Anlegebox zu nehmen. Die Fender werden ausgebracht. Alle in strahlend weissen Hochseeuniformen und Segelsportpreziositäten wählen die einzige Frau an Bord dazu aus, mit den Achterleinen hinten festzumachen, während sie selbst ein letztes mal das Manöver besprechen, als ginge es um die Schlacht bei Waterloo.
Erika, zierlich und von Angstfalten durchfurcht, wohlwissend dass nur die Schwäche des Einen, die anderen wirklich stark macht, schleppt die 20 Kilo Tau ans Heck und allen ist klar, dass sie es nicht schaffen kann und wird. Am Kai versammeln sich schon alle abgehalfterten Ferienkapitäne und -matrosen, um ihr prinzipiell beizustehen, doch auch ihnen ist klar, dass sie ihre sündteuren Segelhandschuhe niemals mit den feuchten Leinen beflecken werden.
Schon beim ersten Wurfversuch - im Grunde lässt sie den ganzen Packen einfach ins Wasser fallen, alles andere würde die Gesetze der Physik sprengen - passiert die herbeigeahnte Katastrophe. Die Achterleine wickelt sich um die Schraube und aus dem leisen Blubbern wird ein Ächzen und Grunzen. Der tiefere Sinn "Mann, Erika!" hat sich mir bis heute nicht erschlossen.
Nun wird es hektisch an Bord, denn der ablandige Wind treibt nun das manövrierunfähige Boot wieder hinaus ins Hafenbecken. Als hätten sie es gewusst, natürlich haben sie es gewusst - alle haben es gewusst - kommt schon, "Tätarä", die österreichische Nachkriegsmarine in ihrem Schlauchboot mit vier nackten Oberkörpern und der Taucherausrüstung für professionelle Tiefseeforschung angerauscht, während die Schweden eher so "wir hätten ja" daher dümpeln. Mit Todesmut in den Augen und der scharfen Klinge zwischen den Zähnen wird die blockierte Schiffsschraube nun abgetaucht und unter Einsatz aller im Hafen befindlichen Seglerhandschuhe das Boot schliesslich in der Box vertaut. So haben wir nun mehrere Dutzend Helden und eine doofe Erika - und alle sind glücklich.
Dass es auch anders laufen kann am vollen Pier, zeigt der vom zwergenhaften türkischem Kapitän gesteuerte, ausladende 30-Metern-Kahn Gület. Er kommt angerauscht, dreht sich wie eine dicke Matrone, der der Rest der Welt daran vorbeigeht, mit dem Arsch (Heck) zur einzigen Anlegebox, die wie ein winziger Spalt zwischen den blankpolierten Sportbootjachten hervorlugt. Keiner käme auf den Gedanken, dass Gület wirklich den Versuch startet sich achtern da reinzudrücken, bis er mit seinem fetten V8-Motor den Rückwärtsgang einlegt und Ziel nimmt, denn vom Mass her ist es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Aber Gület hat zwei Dutzend deutsche Mountainbiker an Bord, die von Bord müssen, und so schiebt er sich mit viel Gefühl zwischen die beiden Bugspitzen der Jachten, die links und rechts von der Box liegen.
Vom Unglauben noch gelähmt stolpern die beiden Mannschaften der Nachbarboote übers Deck und versuchen noch den ein oder anderen Fender zwischen sich und Gület zu bringen, doch dieser schiebt die Boote links und rechts mit wackelndem Arsch so weit zur Seite bis er hinten achtern gehen kann. Die bereits angebrachten Sportbootfender poppen aus den Ritzen wie Gummibälle. Dank der fauligen Algenschicht, die Gület links und rechts ziert, gibt es keine Kratzer, sondern eine besonders innige schleimige Nachbarschaft.
So hält das Hafenkino auf grossen Leintüchern jeden Tag einen Film bereit. Und bezahlen tun immer die Darsteller. Zumeist mit ihrem Ruf.