Dienstag, 7. Mai 2013
Des bisserl Sterbn
denn gstorbn is schnell.

Bei der einen Oma seh ich noch den verknöcherten, 101jährigen Zeigefinger, hocherhoben. "Gott hat mich vergessen. Schau bloß, daß Du ned so lang lebst." Die Freunde warten schon seit Jahrzehnten im Grab, manche schon ein halbes Jahrhundert; wie ihr geliebter Bruder. Und sie kommst vor lauter Totenandachten garnicht mehr zum Einkaufen. Vermutlich ist sie sozusagen katholisch verhungert.

Bei der anderen Oma würde man eher sagen: Des bisserl Leben. Im Grunde biblisch: Des bisserl Lehm. Bauernmagd, dann Putzfrau, Ehefrau eines frühverstorbenen Kohlenschauflers. Ein Leben ohne Warmwasserhahn und Heizung - selbst im 20.Jahrhundert. Das Highlight war die alljährliche Wahlfahrt nach Altötting. Ich hatte das ja schon ausreichend beschrieben. Aber dafür sorglos mit 86 sanft entschlafen.

Des bisserl Sterbn is eigentlich Wurscht, denn alles hat ein Ende, nur die Wuscht hat zwei. Und so wird gemetzgert und gemordet im Namen des Staates. Mal mit Kriegserklärung, mal ohne. Wie Pippi Langstrumpf, mit den zwei Zöpfen, ganz wie es mir gefällt. 'Des bisserl Sterbn' hatten sich die zwei, der Bommeleeër-Anschläge angeklagten Staatsdiener und ihre Hintermänner gedacht. Und in gewissen Sinne staatstragend waren auch "de bo Dodn" des Oktoberfestanschlages. Da müßte man schon irgendwie betriebsblind sein, um beim Fall NSU und seinen Pannenserien nicht auch hier den Staat als Dirigent des Terrororchesters zu sehen.
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