Samstag, 18. Januar 2020
Das Unrecht auf Abwertung und die Aufwertung des Anrechts
Und schon wieder die Kopftücher! Die Welt ist also eine Scheibe, oder eine Kugel. Auf jeden Fall nicht eckig oder nur eine Linie, sondern rund. Wenn das Leben auf diesem Planeten schon ein steiniger Pfad ist, dann ein Rundweg. Es ist, als wandle man als Zweidimensionaler auf einer Möbiusschleife. So wiederholt sich alles.

Einst verbreitet bei Piraten, aber auch Seemännern, am Bau und im Sport, wo Wind und Schweiß zusammentreffen, hielt sich die Tradition des Kopftuchs hier in Bayern vorwiegend bei Frauen der unteren Schichten und im ländlichen Bereich. Meine Großmutter wäre ohne Kopftuch niemals auf die Straße, nicht mal kurz zum Müll runterbringen. Am Bau und im Sport ist das Kopftuch noch vereinzelt zu sehen. Aber bei den züchtigen wie unzüchtigen Frauen hat sich etwas verändert.

Kaum schienen sie ausgestorben hier in Bayern, die letzten Dienstmägde, Unterdirn oder Mitterdirn ihres Standes, verschrumpelt wie ein 100jähriger Apfel, in ein Kopftuch eingepackt. Stets ein Kopftuch, weil offenes Haar eben unzüchtig ist. Darunter das Haar geflochten zu Zöpfen. Diese wiederrum geflochten wie ein Hefezopf oder eine trockene Breze. Als Hexe wären sie wohl nicht mehr verbrannt worden, aber in der Kirche in der selbst zu meinen Lebzeiten die Geschlechter noch schön getrennt links und rechts saßen, hätte das zu störendem Getuschel während der Andacht und Gemunkel über den Anstand geführt.

Verpackung wertet die Dinge scheinbar auf. Bei Geschenken, bei Nahrungsmitteln und eben auch bei Mitmenschen. 'Stell dir deinen Chef einfach mal nackt vor' sagt man ja, wenns Ärger in der Arbeit gibt. Aber ein nacktes Croissant in der Auslage ist heute mehr im Trend, als ein von mehreren Lagen Weichplastik umhülltes. Selbst in edles Papier von Schleifen umrankte Geschenke scheinen ihren Lebensabend gefunden zu haben - entweder weil die Geschenke inzwischen zu voluminös geworden oder auf Grund der modischen Konsumfeindlichkeit.

Bei dem weiblichen Geschlecht allerdings will das Verpacken scheinbar nicht enden. Kopftücher und Umhänge bis über die Knöchel finden wieder Anklang in einer Gesellschaft, der es egal ist, ob man in Jeans rumläuft, die schon die Fabriktore zerrissen verlassen, oder in Röcken, die noch nicht mal die Strapsoberkante erreichen. Egal ob Feinripp-Unterhemden oder Zobelpelz, weiß-besockt in Sandalen oder knallgelbe Radlhosen. Anything goes.

Und genau hier rein puhlt der moralbesetze Zeigefinger des abermals nicht sterben wollenden Monotheismus. Kopftuch als Modeerscheinung liebend gern, aber Kopftuch als Zeichen des Anstands und der Züchtigkeit des schwachen Geschlechts. Da rumort etwas im Bauchgefühl derjenigen, die die Endlosschleife mindestens einmal durchlaufen haben.

Denn Kopftuch, wie auch Schleier oder graue Umhänge, aus Gründen der Züchtigkeit tragen auch den Umkehrschluss in sich, dass wer sich anders kleidet unzüchtig oder gar gottlos sei. Schlampe, würde man mancherorts sagen. Unzüchtige erwartet nicht nur nicht das Paradies, sondern auch die schriftbedingte Mißachtung durch die Züchtigen. Heilige Schriften beinhalten eine Regelsammlung, wo man sich nicht aussuchen kann, welchem Teil man nun zustimmt oder auch nicht. Alles oder nichts, steht da geschrieben - zumindest wird behauptet, dass es irgendwo geschrieben stand, weil es irgendjemand gesagt hätte.

Du darfst dürfen, aber du sollst nicht müssen - schon garnicht, wenn man sich auf die zweifelhaften Deutungen überlieferter Schriften eines bärtigen Propheten aus dem 8.Jahrhundert oder einer früheren Kopie beruft. Feminismus beginnt bei den Frauen und er sollte niemals bei alten Männern enden. Hierin liegt auch das Problem des Kopftuchs als Ausdruck einer Ideologie.

Die Frage für mich ist: Durfte man meiner Großmutter das Kopftuch verbieten und/oder sollte man dem zölibatärem, monotheistischem Männerverein die mehr als zweifelhafte moralische Alleinherrschaft ein für alle mal absprechen? Sollte man nicht denen, die nicht mitspielen, endlich mal sagen, dass sie nicht mitspielen?
 1095 klicks
Dienstag, 16. April 2019
Ein grosser Tag für das Handwerk
sollte man sich entschließen, die Kathedrale von Notre Dame wieder aufzubauen. Eine große Herausforderung für Glaser, Maurer und vor allem Zimmermänner, die in einer Welt ohne Vollholz und Steinmauern nicht mehr viel zu tun haben. Man könnte fast glauben, es wäre ein Hilferuf des katholischen Gottes, dessen erdgewordener Sohn wohl auch Zimmermann gewesen sein soll, den man heute nicht mehr vor Pilatus, sondern höchstens noch vor das Insolvenzgericht zerren würde.

Mich wundert ein wenig, was die Presse in Zeiten der Stahlbeton-Glas-Architektur so ausspuckt. Als hätte man in den vielen Jahrhunderten nach der Errichtung dieser Kathedrale nicht immer wieder mal ein handwerklich interessantes Gebäude bauen können. Gehen Sie heute mal vor die Tür und suchen einen Erker oder einen Dachreiter. Selbst Dachstühle sind in Zeiten der Würfelarchitektur rar geworden, wo selbst ein Wetterhahn auf einem Flachdach nicht wirklich zu Geltung käme. Ein Rundbogen aus gehauenem Stein? Allerhöchstens die Kathedralen des Geldes werden heute noch mit dünnplattigem Marmor aus China verkleidet. Der Rest darf sich glücklich schätzen, wenn er zwischen verputzen Ziegeln wohnen darf und nicht begraben unter Betonplatten.

Der einzig brauchbare Beitrag, der mir im Internet untergekommen ist (wie so oft), lässt sich bei Don Alphonsos Rebellemarkt nachlesen, der ein wenig Licht unter die Kuppel des Herzens Europas dringen lässt. Im Grunde hätte es uns mehr gebracht, wenn Notre Dame der von den französischen Revolutionären umfunktionierte Tempel der Vernunft geblieben wäre, oder wie später ein Weinkeller, und nicht von geschmacklosen Hostien und ekelhaftem Messwein beseelt.

Wir von der hartenlinie bleiben da bescheiden und schlagen vor, den Rest auch noch einzureissen und darauf einen Biergarten zu errichten, um sich nach vielen Bieren, der Währung der Zukunft, weil man es nicht aufheben kann, des mentalen Widersinns gewahr zu werden.

" . .. ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake ... Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören ..." wie das am 20.Februar 1909 in Paris erschienene Futuristische Manifest von Filippo Tommaso Marinetti zu berichten weiß. Das möge man sich in diesem Biergarten zu Gemüte führen und mal nachsinnen, was für ein unüberwindlicher Hirnriß sich da aufgetan hat zwischen dem, was wir sagen, und dem, was wir tun. "Mögen also die lustigen Brandstifter mit ihren verkohlten Fingern kommen! Hier! Da sind sie! ... Drauf! Legt Feuer an die Regale der Bibliotheken! . ..", so Marinetti - einem hochaktuellem Manifest von vor mehr als hundert Jahren.

Frankreich trauert um eingestürztes Kirchendach, während es fleissig zusammen mit den Saudis den Yemen-Koflikt mit Waffen füttert und in Libyen General Haftar gegen Tripolis führt. "Wir wollen den Krieg verherrlichen — diese einzige Hygiene der Welt -, den Militarismus, den Patriotismus ..." schreibt Marinetti eben auch in seinem Manifest.

Frankreich trauert natürlich nicht um die vielen Augen, die es seinen Gelb-Westen-Bürgern mit Hartgummigeschossen aus der Augenhöhle schießt. Ebensowenig wie es - und mit Frankreich ist natürlich nur gemeint, wer ein saftiges Ein- und Auskommen hat - seinen darbenden Banlieues den ein oder anderen Franc oder Euro gönnt, während es nicht warten kann bis das Feuer aus ist, um schon hunderte Millionen an Spenden gesammelt zu haben, um ein abgebranntes Kirchendach wieder zu errichten.

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass dieser Blogeintrag nicht ohne Grund unter der Rubrik "Die heilige Lanze brechen" läuft. Ich kann nur hoffen, dass es möglichst viele Reliquien mit in den Feuertod gerissen hat. Wie pervers, die Dornenkrone eines Gekreuzigten über zweitausend Jahre anzubeten, als wäre es das von der ersten Menstruation eingeblutete Unterhöschen der ersten Liebe. Und mögen auch die Knochen in den Gruften eingeäschert worden sein, mögen die Knochen Napoleons ihren ewigen Frieden gefunden haben, den er anderen nie vergönnt hat, daß wenigstens die ein oder andere Hirnzelle frei wird, um mal dran zu denken, daß sich ein gutes Leben nicht auf der Knechtschaft und dem Leid anderer errichten lässt. Und ein Kirchendach eben auch nicht.
 898 klicks
Sonntag, 5. März 2017
Hassreden mit oder ohne Frieden
... des is mir jetzt wurscht, ob mit Haut oder ohne, ob weiß oder blutrot.

Eigentlich wollt ich ja garnichts mehr sagen, aber jetzt langt es mir so der Maßen, daß mir letztere auch nicht mehr helfen. Des ist des Allervorletzte, des sag ich Ihnen. Ausgeschämt ist dafür garkein Ausdruck mehr. Und weil es für meine Eindrücke garkeine Ausdrücke mehr gibt, sag ichs jetzad mal ganz deutlich. Saubande, hundsverreckte.

Bei uns redet ma eigentlich eh nix, weil ma dauernd arbeiten muss, um sich die danach anfallenden Steuern überhaupt noch leisten zu können. Und wenn ma jetzt noch Vorsteuern zahlen, brauch ma mit dem Arbeiten auch garnicht mehr anfangen, geschweige denn mit dem Reden. Hundsbuam, ihr greisslichen.

Herrgott sakra, des is doch ned zum Glauben. Des is zum Abfallen von jeglichem Glauben. So wie des ausschaut, war doch dieser erste Apfel da oben schon wurmstichig und ist deswegen vom Baum runtergfallen. Und ned von dieser Eva, die doch noch nie jemand wirklich kennt hat, runtergeklaubt. Ah gä, so ein Schmarrn, diese Gschicht, ein biblischer Apfelschmarrn. Egal.

Is eh scho so lang her. Und trotzdem halten sie sich immer noch fest dran, an diesem wurmstichigem Apfel. Da geht mia doch der Kropf über als wärs der Schaum vom Schnitt. An diesem ersten, angeblich gepflücktem Apfel, der schon so alt ist, dass dafeid eigentlich sein Geburtszustand war.

Oiso ich glaub, da war der Wurm schon drin ehe er geboren wurde, dieser Apfel. Wahrscheinlich wars eh eine Birne und es hat nur keiner mehr so genau hingschaut vor lauter Zeder und Mordio.

Mit dem Glauben hats angfangen, als es mit dem Wissen vorbei war.

Im Traum wärs mir nicht eingefallen, denen aber schon, diesen Wolkenschubsern, dass es eine Sünd wär, wenn man einen Apfel isst, wo doch heut jeder Zahnarzt mich auf Knien anfleht, dass ich welche essen würd, gottverrecktes, scheinheiliges Parasitengschwerl. Des einzige was davon übrig, ist der Wurm und der seids ihr, Mistkrippin. Dazu fällt einem doch wirklich nix mehr ein ...
 589 klicks
Mittwoch, 27. April 2016
SMOM - das kleinste Land der Erde
aus der Reihe: Orden unserer Welt - letzte Helden eines sterbenden Planeten


I got a lock on the target. Meine Pfötchen schmiegen sich um ein Gläschen Nußschnaps. Ich bin mir sicher, dass sich das ausgehen könnte. Ich will diesen Orden. Den "Grand Cross pro Merito Melitensi – special class", denke ich.
Na, da nehm ich doch noch mal ein Schlückchen, ehe ich mich entscheide. Ich denke, ich habs verdient.

Ich verlange ja nicht viel. Eine kleine Anerkennung des Souveränen Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes von Jerusalem von Rhodos und von Malta, kurz SMOM, ein kleiner Anhänger des souveränen Militärordens der Malteser. Wer ist das schon, dieser SMOM?

Der SMOM ist ein souveränes, nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt und geniest Beobachterstatus bei der UN. Er hat zwar keine eigene Gerichtsbarkeit und im Grunde auch kein Staatsgebiet, aber immerhin 3 Einwohner, wie uns der englische Wikipediaeintrag lehrt. Italien gesteht ihm allerdings extraterritoriale Rechte über seien Besitzbarkeiten in Rom zu. Als Hauptstadt könnte man vermutlich seinen Hauptsitz, den Palazzo Malta in der Via dei Condotti 68 in der heiligen Stadt, ausmachen. Er kann Pässe ausstellen, obwohl er kein Staat ist und hat neben einer eigenen Währung auch noch eigene Briefmarken. Warum er für seine 3 Bewohner und ohne Staatsgebiet dann gleich 3 Brigaden Soldaten benötigt, eine Bridade pro Einwohner, bleibt mir etwas rätselhaft. (The order's military corps, three brigades, are stationed throughout Italy, liaisoned with the Italian Armed Forces.) Es sei denn, es handelte sich ausschliesslich um Sanitätsbrigaden. Letzteres lies sich aus dem Wikipediaeintrag zu SMOM nicht ersehen. Aber warum würde man sich sonst auch Militärorden nennen.

Prost Mahlzeit. Für die Rohstoffkosten so eines Ordens an meiner geschwollenen Brust komme ich gerne auf, Hauptsache so n Ding am Revers und damit in guter Gesellschaft. Beziehungsweise in etwas absonderlicher Gesellschaft, wenn man sich die Liste der bisherigen Ordenträger mal ansieht:

- Nazis wie Reinhard Gehlen (Gründer des BND), der schwarze Prinz Junio Valerio Borghese (Anführer der letzten italiensichen Faschisten XMas), Benito Mussolini, Heinrich Himmler, Licio Gelli (Urvater des modernen Staatsterrorismus), Hermann Abs (Vorstand der Deutschen Bank im Dritten Reich), Otto Skorzeny (Leibgarde Hitlers).

- Geheimdienstler wie Bill Casey, William Colby, James Jesus Angelton, Allan Dulles, Vernon A. Walters, Giovanni De Lorenzo und George Tenet.

- Die modernen Killer unseres Planeten wie Joseph Edward Schmitz und Erik Prince (Gründer der Privatarmee Blackwater), denen Jeremy Scahill zufolge engste Beziehungen zu SMOM nachgesagt werden. Wie auch Seymour Hersh den US-Kommandeuren Stanley McChrystal und William McRaven (JSOC und Afghanistan) tiefgreifende Verbindungen zu SMOM nachsagt.

- Staatspräsidenten und Königshäuser wie Konrad Adenauer, Beatrix van Oranje-Nassau, Valéry Giscard d'Estaing, Juan Carlos de Borbón y Borbón-Dos Sicilias, J. Edgar Hoover, Dwight D. Eisenhower, Rainier III of Monaco, Ronald Wilson Reagan, Gerald Ford, Elizabeth Windsor, der Papa von John F.Kennedy, Tony Blair, Ronald Reagan, Augusto Pinochet, Kurt Waldheim (oder war der jetzt Kategorie Nazi?).

- Die amerikanische Spitzenpolitik wie Pat Buchanan, Alexander Haig, Rick Santorum, Henry Kissinger, Oliver North.

- Und natürlich die Geldelite wie William Barron Hilton, William Randolph Hearst, Frank C. Carlucci III (vom Direktor der CIA bishin zum Vorsitzenden der Carlyle Group), Victor Rothschild, David Rockefeller, Fritz Thyssen (Financier Hitlers), Rupert Murdoch.

Um jetzt nur mal ein paar zu nennen. Also eigentlich alle, wenn es darum geht, Dreck am Stecken zu haben (Staatspräsidenten und andere Paragrafengeschützte nehme ich hiervon natürlich aus, um nicht wie Böhmermann nach Paragraf 103 STGB vernknackt zu werden).

Und obwohl ich die scheinbaren Grundvorraussetzungen nicht wirklich mitbringe - schließlich bin ich nicht praktizierender Faschist, noch habe ich ne ganze Latte von Leuten auf dem Gewissen, habe weder mit Waffen oder Drogen gehandelt und somit auch kein besonders dickes Sparkonto, würde so eine Auszeichnung mein Lebenswerk doch irgendwie abrunden. Spätestens nach dem zehnten Gläschen Nußschnaps bin ich übellaunig genug, um meinen Namen auch irgendwie auf dieser Liste Prädestinierter vertreten sehen zu wollen. Mit einer Malteser Hilfsdienst service medal möchte ich mich nicht abspeisen lassen. Kann doch nicht sein, dass man erst den halben Planeten ausrotten müsste, um so ein nette Auszeichnung zu bekommen.
 1133 klicks
Donnerstag, 17. Dezember 2015
Weihnachtslotto - Die lange Nacht des Kuhstalls
Wo ist nur der Wunschzettel? Am Ende findet es den vom letzten Jahr und ich bekomme die gleichen Geschenke nochmal. Wie wärs denn mit Gegenzeichnen, wo die gestrichelte Linie dafür wäre, wenn man den Zettel gesehen hat. Kommen tut eh nur die Hälfte und das in abgespeckter Version oder schlechter Qualität. Ich wollte nie Holzspielzeug. Hätte das Christkind lieber mal wie von mir empfohlen in Waldwirtschaft investiert. Wo ist nur der verdammte Wunschzettel..

Gottverflucht, jetzt ist ja gleich Weihnachten und bei mir heisst es immer noch Mein Mann, der Wixer als Überschrift. Onan der Barbar hätte ich es eigentlich taufen sollen. Das finde ich pietätslos. Keine Tabubrecher an heiligen Tagen. Nicht aus Anstand, sondern aus Angst, weil ich ungern von einer katholischen Autobombe zu Manitou berufen werden. Die hat es nämlich auch schon gegeben, hier in Europa, katholische Bomben gegen ein protestantisches England. Man soll Geister nicht ärgern. Und tote Götter fallen bei mir in die Kategorie Geist. Mit Göttern möchte man keinen Ärger, selbst wenn sie bereits tot sind. Ich hab zu wenig Erfahrung, um festzustellen, ob so ein Gott nun tot oder nur komatös ist. Seine Anhänger sind nämlich noch ganz fidel. Sie warten immer noch auf das Christkind, während sie zeitgleich den arabischen Winter einläuten.

Herrje, man muss sich schon in eine Traumwelt flüchten, um Weihnachten und Sylvester noch als solches zu empfinden. Meine ersten Gedanken bei diesen Daten sind Jahresabbuchungen, TÜV und damit auch Reparaturen. Geschlossene Geschäfte und Ämter, die kurz vorher aber noch ne Unmenge an unverständlichen Briefen und Fristen raushauen, auf denen man dann über die stillen Tage hinweg so brütet. Still ist es wirklich, wenn man für zwei Wochen aus dem Räderwerk heraus auf sich selbst zurückgeworfen wird. Aber unangenehm still. Die Ruhe vor dem Ansturm an weiteren Abbuchungen, Neuregelungen und Beitragserhöhungen.

An Weihnachten, dem Fest der Liebe, an dem sich mehr alte Menschen das Leben nehmen als sonstwann, weil sie vom Braten der Liebe eben nichts mehr abbekommen. Und ich will mal vermuten, dass der ein oder die andere auch den Gedanken spinnt, sich direkt ans himmlische Weihnachtsbankett zu beamen als noch ein Jahr mit der Plörre aus dem Pflegeheim den Tag zu beginnen.

Ich wills mal so positiv sehen wie eben geht. Man freut sich inzwischen einfach mal daheim zu sein und wenn geht mit Familie Zeit verbringen. Freut sich auf paar Tage frei und bekommt einen Blick für die handwerklichen Details der selbstgebastelten Krippen. Weihnachtssterne gefaltet, geschnitten, geflochten. Monsterdosen mit selbstgemachten Weihnachtsplätzchen und der Friedhofsbesuch wie eine Rally im Schnee mit den Grablichtern als Wegbegrenzung.

Das leere Konto am Jahresanfang weiss ich gut investiert als Opfer an meine Götter, die sehr lebendig sind. Der Gott des Stroms, der Gott des Warmwassers, der KFZ-Steuer und Versicherung, und wie sie nicht alle heissen. Nur die Tempelsteuer, die Kontogebühr haben sie größtenteils abgeschafft. Mit denen möchte man keinen Ärger. Sie erfordern auch kein hohes Maß an Pietät, Hauptsache das Opfer ist pünktlich überwiesen.

Pietät oder Frömmigkeit, wie es der gottselige Luther zu seiner Zeit gesagt hätte. Martin Luther, namensgleich mit jenem, der auf der Wannseekonferenz den Holocaust mitbeschlossen hat. Fromm im Sinne von die Ordnung respektierend. So sind dem Kirchenreformer die Thesen etwas aus der Hand geraten, bzw von den rebellierenden Fürsten aus der Hand genommen worden.

Die Ordnung allerdings möchte in Ruhe gelassen werden. Das sollte man sich hinter die Ohren schreiben, hier wo am Weihnachtsabend Weißwürste serviert werden. Zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss, so unser gottseliger Martin in Wider die Mordischen und Reubischen Rotten der Bawren.
Der liebende Gott und der strafende Gott, alle unter einem Dach, in einer Person. Schon dafür mussten tausende Arianer sterben. Das nimmt wirklich kein Ende.

Wie das die bis heute herrschende Ordnung dann so will, kommt als Antwort auf die Thesen die noch viel blutigere Gegenreformation, so blutig, dass sich so manch katholische Grafschaft freikauft, um freiwillig wieder in die Hände des Sultans zurückzukehren.

Das Jahresende als Schweigeminute für all die Greuel, die der Glaube an einen Gott hervorruft. Demonstrationen von gemäßigten Gläubigen, eine Vatikanbank, die nicht mehr die uneinsichtigste Geldwaschanlage unter dem Himmelsgewölbe und ein klein wenig Toleranz für Atheisten. Dann kommen sie eben in die Hölle, die Ungläubigen. Ist doch schlimm genug.
Das wünsch ich mir vom Christkind plus Lottogewinn für gute Führung.

 1630 klicks
Mittwoch, 27. August 2014
Na, es san hoid Arschlecha

"Is heute Scheisse Hitze, DuHu Re(*)."

Zitat aus Ampfing (*neoanatolische Gottheit)


Dass der Olymp irgendwann seine Götter überholt, wer hätte das gedacht. Keine Götter mehr im Himmel. All der Glaube, weg. Abgetötet wie Wurzelfäule, nur von aussen her. Vom Trieb zum Täter, von der Blattspitze bis zum Papst, diese Knolle - tritt zurück, der Vertreter Gottes und jetzt soll es zwei geben, Benedikt und Franziskus. Was für ein billiger katholischer Taschenspielertrick. Mal der Biotechnologie eins klassisch auswischen wollen mit der vatikanischen genfreien Papstklonung. Herrje, wo sind die nur gestrandet?

Auf dem Olymp kein Betrieb mehr. Nur das Firmament bleibt bestehen wie Ruinen der Religion. Heute grau durchwachsen. Nur noch terrestrisch laufen sie umher, schwarzverhüllt, die Vertreter der frohen Botschaft.

Die Götter nicht mehr da, glaubt man nun an das Wetter. An das was man am Himmelsgewölbe oder in Form ekelhafter Wassertropfen auch mit den himmelwärts gerichteten Augen wahrnehmen kann. Wegen des Gewitters will der Schlagrahm nichts werden und bei Vollmond soll man sich nicht rasieren.
Inzwischen ist es nicht mehr Gottes Prüfung, sondern das Wetter ist schuld an den Krankheiten, die über uns hereinfallen wie Heuschnupfen, Missernten, Mäuseplagen und schlechter Schragrahm. Es sind nicht mehr die Reiter der Apokalypse, die uns peinigen werden, sondern das planetäre Eleminationsprogramm des Klimawandels. Die Sonne ist schuld, finde ich zumindest.

Und hätte sich Galilei, dieser Obernaseweiss, nicht so arrogant noch vorne gedrängelt, würde sich auch heute noch die Sonne um die Erde drehen. Klimawandel wäre ein Fremdwort, die Sommernächte angenehm lau und Weihnachten unter einer warmen Schneedecke.
Aber neee. Die Kirche hats vermasselt. Einmal verläßt man sich auf die Saubande, schon ist man verlassen. Dass die Idee eines Mannes wie dem Knilch Galileo Galilei sich gegen ein Imperium von Kirche und Monarchie durchsetzen konnte, wo man heute selbst Grundbegriffe wie Demokratie und Menschenrechte auszumerzen in der Lage ist. Unerklärlich. Die Inquisition war ihr Geld nicht wert, sag ich. Die haben ihre Chance vergeigt, diese Kopfbedecker und Schwarzkleider.


Nachdem die Wetternachhersage gut angekommen ist, möchte ich mit einem Beitrag aus den grantigen Gegenden des Alpenraums, mit einem Zitat aus einer bayrischen Bäckerei morgens um halb Acht, zeigen, dass selbst dieser letzte Gott, das Wetter, dem Schicksaal der Zeitlichkeit verfällt:

"Host as Wetta heid scho gsäng?"

Eine wunderschöne Frage, die nur zu gut von der tiefen, mariengläubigen Liebenswürdigkeit der Altbayern herrührt. Denn sie läßt dem Befragten viel Handlungspielraum. Indem er der Wetterfalle komplett ausweicht, mit:
"Naa, und es interessiert mi aa ned. Zwoa Brezn."

Oder fatalistisch, fast teilnahmslos:
"Do brauch i gorned hischaun. Renga werds. Vier resche Semmeln und oane von de feichtn Brezn. ... Wenn's heit no neibasst."

Nur der Saupreusse geht voll auf den Leim und hält die Frage für eine Frage.
"Ja, wunderschön heute. Schon die ganze Woche. Ich konnte die Jungs am Wochenende den ganzen Tach draussen spielen lassen."

Jeder halbwegs bewusstseinsfähige Oberbayer versteht, dass eine freundliche Frage am frühen Morgen niemals freundlich, sondern stets infam und verhöhnend gemeint ist. Zudem ist das Wetter traditionell schlecht und auf Tradition wird viel gegeben. Sollte wider Erwarten dennoch die Sonne scheinen, so ist dies eine trübliche Ausnahme, der Erwähnung nicht wert. Das begreifen hierzulande sogar die Hunde, egal woher, nur die von der Arktis südwärts drängenden Völker scheinen das nicht in ihren Schädel zu bekommen.

Es interessiert zudem wirklich niemanden in diesen Gewölben der Mehlgeister, Teigroller und Stehtischfrühstücker, was die horrende Jungpreussenrotte am katholischen Wochenende so getrieben hat. Nur bleibt dem so geschlagenen Fachverkäufer in seiner bayrischen halbwegen, getrübten Realitätsoffenheit nichts als sich murrend dem Teiggebäck zuzuwenden und sich selbst für die Frage zu verdammen.

Dies versteht die als Durchreisende Verstandene und als Nichtgewollte Gebliebene nicht und missversteht es als interkulturelle Annäherung, als liebgemeinte Frage übers Wetter und, da hilft auch kein noch so energisches späteres Granteln und Schimpfen, bleibt. Der Preusse, deswegen Sau-, bleibt hängen an diesem vordergründig freundlich wirkendem München und presst sich schon ganz ansässig auf die überfüllten Bierbänke. Er übertüncht seine Amoralität durch laute, militärische Sprache, die so tut, als wär sie überall zuhause und bestellt falsch beim Bäcker.
"Tja, der Jens, der alte Schlingel. Aber wenn Sie schon dabei sind, Geben Sie mir doch drei von den Schrippen, ne Schwäbische Seele, bitte, und n Stückchen Apfelrolle. Wenn Sie so lieb wären."

Da fällt einem wirklich nichts mehr ein. An diesem Satz ist einfach alles falsch. Beim 'Tja' angefangen bis zum Vornamen. Für solche Leute bin ich nie dabei. Schrippen ist eine Anmassung deren Bestrafung kein Mass kennt und schwäbische Seele bekommt man bei uns geschenkt. Behalt dein scheinheiliges Bitte für dich, besonders so früh am Morgen. Und ein Stückchen Apfelrolle bleibt a Schtügal vo dem Apfezeig.
Was bleibt einem da, als nach den lätscherten, lapprigen Semmeln zu gruschen, die Apfelrolle in die Semmeltüte zu bazen und sich beim Wechselgeld grob zu verzählen. Saubande.


Das Beispiel ist natürlich aus dem letzten Jahrtausend, denn das Wetter findet in die heutigen Selfservice-Bäckereien einfach nicht hinein. Hier herrscht wohltemperiertes Schweigen. Wir hier in München, am Puls der Zeit, sind an einem zivlisatorischem Punkt angekommen, wo selbst das Wetter bald keine Rolle mehr spielen wird. Der letzte Gott fällt vom Olymp. Es sind antiquierte Restbestände in Ampfing, Orte persönlicher Felder und verhagelter Nähe, wo heute noch übers Wetter geschimpft wird. Örtchen, wo sich der Wettergott noch nicht in Silberoxidwolken aufgelöst hat.

Familienbäckereien vielleicht, wo die Familie noch hinter der Auslage steht, mit einem Jesus am Kreuz, in der Ecke, dass er im Falle eines Wunders nicht die Semmeln vollblutet.
 2089 klicks
Sonntag, 15. Juni 2014
Church Upgrades - die heilige Lanze brechen 3.0
Ist natürlich auch cool, der antiquierteste Verein auf Gottes Erden zu sein. Wenn aber nun schon das Streicheln minderjähriger Kirchenmitglieder verboten und alles sonstige unzölibate Vergnügen gestrichen wird, sollte man sich Gedanken machen, andere Reize zu setzen, um weiterhin Priesteranwärter zu finden, die der Gemeinde ein Leben lang das gleiche Buch vorlesen. Man wird neue Wege finden müssen, Leute anzuwerben, die dem irdischen Vergnügen trotzen, in der Hoffnung, dass der Tod es besser macht. Das wird in Zeiten von youporn und menschenleeren Kirchengeisterschiffen immer schwieriger.

Ausser dass man auf dem Kirchenschiff Kreufahrten für knallharte Gothics anböte, fiele mir da noch ein kulinarisches Schmankerl ein. Anstatt den Gläubigen allsonntäglich trockene Oblatten zwischen die Kiefer zu schieben, könnte man die auch mal belegen. Tomaten-Mozarella-Oblatten oder Calzone-Hostien, eingelegte Leiber Christi oder den Teig mal mit Spinat und Meerrettich aufbessern. Das Abendmahl bestand vermutlich auch nicht nur aus Reisfladen. Und wenn schon Armut, dann bitte gerne Mangold statt Spinat.

Den Wein trinkt der Herr Pfarrer, ganz im Gegensatz zu seinem Idol Jesus beim Abendmahl, ganz allein. Und er kann auch keinen aus dem Wasserhahn raus zaubern. Ob faul oder nicht, jedenfalls kein Zauber. Der Kirchenbesucher bekommt keinen Tropfen ab, obwohl das durchaus dienlich wäre, die tödlich langweiligen Predigten an ungeheizten, reichlich unmystischen Orten einigermassen zu überstehen. Das ist in Zeiten des Postkommunismus reichlich anmassend, wo man fast alles schon zu einem Euro bekommt. Solch ein Geiz wirkt sich nicht fördlich für den Klingelbeutel aus. Sonst geht doch auch alles, solange man seine Sünden bereut.
Blöd nur, wenn man an einem Freitag mit einer ganzen Woche voll Sünden auf dem Buckel stirbt - so kurz vor der Beichte, so kurz vor der wöchentlichen Absolution. Ich denke, tot aus dem Beichtstuhl zu fallen, ist der direkte Weg ins Himmelreich.

Der schwarzen Bande aus Rom muss man die guten Ideen wirklich mit dem Dreschflegel reinprügeln. Da gäbe es so einiges zu justieren. Mit Maltesenern in roten Rasewägen und einem Jesuitengeneral zur Seite, mit einem Spionagering wie dem Opus Dei und all den verstreuten Nonnen und Mönchen weltweit, fällt den Vertretern Gottes nichts besseres ein, als ihre Kundschaft mit Osterbotschaften in 54 Sprachen zu unterhalten.

Besser mal ne Fussballmannschaft auf die Beine gestellt, die auch international mitspielt. Papamobil war ja schon nicht schlecht und Füsse waschen hat durch seinen Fetischcharakter auch schon wieder Zeitgeist. Aber mit der Pizza-Hostie wär man, glaub ich, zumindest im monotheistischen Areal wieder ganz vorne dabei. Glück auf, jeden Fall.
 622 klicks
Donnerstag, 28. November 2013
Das verborgene Stiegl hinab
Sie werden sich fragen, was das Stiegl-Bier aus Salzburg mit den verborgenen Schriften der Bibel, den Apokryphen, zu tun hat? Die Antwort ist: der kleinste und gemeinsame Nenner bin ich. Denn hier treffen beide zum ersten mal aufeinander.

Leider kann ich den Anfang dieser Geschichte nicht mehr rekonstuieren, nachdem sich Teile der Lunge in einem Hustensturm über meine langjährigen Niederschriften hierzu ergossen haben. Im selbigen Unwetter hat sich dann auch noch der goldene, heilige Gerstensaft über die bereits von Lungenschrapnellen durchlöcherten Papiere ergossen, so dass bereits mein Frühwerk zu Relikten geworden ist, ehe es jemals das Licht erblickt hätte. Frühe Relikte, aber sicher spätere Apokryphen, mein Frühwerk.
Wer mich kennt, wird sich fragen: Welche Lunge? Na, bereits meine dritte. Die Ärzte kommen bei mir inzwischen mit dem Transplantaten nicht mehr hinterher. Irgendwann hab ich's dann begriffen: Lieber letzte Chance als letzte Ölung, lieber Ödem als Lunge. Die Lunge stirbt kinderlos, aber das Ödem hat die letzte Chance, sich über Tröpfchenbefruchtung an der Krankenschwester gütlichst zu tun. Und vielleicht sogar noch Kinder mit ihr zu bekommen. Wer weiß das schon. Grosse Teile meiner Niederschriften werden keinesfalls mehr Kinder bekommen - ein zu Papier gebrachter Tintensee mit Bierschaum und treibendem Schleim.

Aber was solls. Schon allein der Rest ist der Rede wert. Ich wär selber nie drauf gekommen, doch Echo/Sound Test Service hat mir kürzlich folgenden Hilferuf auf Skype zukommen lassen:

Liebste hartelinie, Brecher der heiligen Lanze, stehen Sie mir bei in meiner Not. Das eingöttige Monster, das sich seit zweitausend Jahren als bösartiger Tumor in uns breitmacht, quält mich nun auch noch auf dem eigentlich doch so göttlich gottverlassenem Youtube-Kanal mit Geheule wie "Du musst alles geben, dann wirst du belohnt. So ist das Leben." oder "Kehr nicht zurück und bereue Deine Sünden."

Der monotheistische Block, dem nur eine Emotion eigen, der zunehmende Haß auf jede Art von Andersgläubigkeit, beginnt sich wie reifender Stinkkäse immer eindringlicher bemerkbar zu machen - ehe er sich hoffentlich bald endgültig auflöst. Auch Käse kommt also in Wellen.
Es wird zunehmend enger auf dieser Reise nach Jerusalem, mit immer weniger Stühlen für immer mehr mono-religiöse Wertevermittler. Der Leidtragende bei einem Familienstreit sind zumeist die Außenstehenden. Die Triebabfuhr derer, die lieber glauben als zu wissen, trifft den Atheisten im vollen Lauf der Geschichte.

Allein in sieben Bundesstaaten der USA wurden erst kürzlich Gesetze erlassen, dass Personen, die die Existenz eines höheren Wesens leugnen, kein öffentliches Amt innehaben dürfen, wie die American Humanist Association berichtet.

Selbstverständlich ist es nur konsequent Unbeteiligte zu eliminieren, bis man sich im Lager des Ein-Gott-Glaubens eben gegenseitig mit dem Messer und atomarem Rüstzeug an die Gurgel geht. Ein entsprechendes Bibel- oder Koranzitat wird sich wohl auch hierfür finden. Ähnlich dem Leitspruch des kreuzzüglerischem Judenprogroms in Köln: Richtet sie alle, Gott wird die seinen verschonen!

So nachzulesen in einem Teil der Apokryphen, im 3.Buch der Makabäer, in dem beschrieben wird wie Ptolemaios IV. im hellenistischen Ägypten zum einzig wahren Glauben (in diesem Fall dem jüdischen) konvertierte, nachdem es ihm weder gelang, die Juden zum dionysischen Glauben zu bekehren, noch sie anschliessend durch Elefanten niedertrampeln zu lassen. Doch dem nicht genug, forderte die jüdische Gemeinde nach seiner Bekehrung ihre eigenen Abtrünnigen selbst niedermetzeln zu dürfen. Im Wortlaut der deutschen Wikipedia-Übersetzung:

"dann gingen ihre Priester und die ganze Menge
unter Anstimmung des Alleluja voll Freude von dannen.
Und sie bestraften jeden befleckten Volksgenossen,

der ihnen unterwegs in die Hände fiel,
und töteten ihn mit Schimpf und Schande.
An jenem Tag erschlugen sie mehr als 300 Männer

und begingen ihn voll Freude als Festtag,
weil sie die Gottlosen getötet hatten."


Wer glaubt von solch intolerantem Verhalten in einer übergriffigen Moderne verschont zu bleiben, weil er nur heimlich an nichts glaubt oder wie die Griechen auch einen Götterhimmel vorweisen könne, der sei gewarnt. So hatte schon das Flächenbombardement des Theodosius I. eine Streuwirkung, die man so nicht erwarten hätte. Zitat Wikipedia: "391/92 verbot er jedoch schließlich die heidnischen Kulte und ihre Ausübung. Dies war, wie gesagt, vermutlich eine begrenzte Aktion, die sich wohl ganz konkret gegen die großteils altgläubigen Anhänger des Eugenius richten sollte. 393 wurden auch die Olympischen Spiele verboten, doch erst Theodosius II. setzte ihnen mit der Verbrennung des Zeustempels wirklich ein Ende ..." Sie würden dich schon allein desshalb teeren und federn, weil du keine Gemagebühren an Radio Vatikan abführst und kein andersgläubiges Blut an deinen Händen klebt.

Und sie sehen alles, im Gegensatz zu ihrem Gott, dem so manch pädophiler Pfarrer schon mal durch die rächenden Hände rutscht. In diesem Sinne, liebes Echo/Sound Test Service, kann ich Ihnen nur den Artikel "The Mafia, The CIA & The Vatican's Intelligence Apparatus" empfehlen, um sich mal schlau zu machen, wie das in unserer Zeit so läuft.
 724 klicks
Mittwoch, 13. März 2013
Silvio Papam - der politische Hattrick


Weißer Rauch steigt auf und mir schneits auf die Mütze. Ich denke, denen brennt doch, wenn nicht der Dachstuhl, so doch der Hut bei ihren seltsamen Ritualen, die sich stets in strengen Kontrast zu den Idealen der Moderne stemmen und spreizen wie die Jungfrau am Altar. Die Kamera starrt wie gebannt auf einen rauchenden kleinen Kamin. Immer wieder dringt der Störsender des Spaghettimonsters durch die Frequenzen. Weißer Phophor steigt aus dem Inneren der Gottberauschten und die Maße jubelt frenetisch als stände der FC Bayern schon im Viertelfinale. Nach über einer Stunde starker Gefühle einer Gemeinde tritt er, gehüllt in weißen Rauch und einer Energiesparlampe im Hintergrund, zwischen dem roten Vorhang hervor. Die Glocken eines Landes, das nicht mehr viel zu läuten hat, bimmeln sich den Schlegel aus der Glocke, halb neun abends, wie man es von Wahnsinnigen so gewohnt ist, und rufen einen neuen Winter ins Land. Das Beste vom Letzten, Papst Silvio, der Erste.

Es werden doch nicht die reuigen Tränensäcke gewesen sein, die Herrn Berlusconi kurz nach seiner Verurteilung zu einem Jahr Gefängnis wegen des Abhörskandals und kurz vor dem Prozeß aufgrund seines sexuellen Umtriebes mit den minderjährigen Prostituierten Ruby in eine Augenklinik trieben. Berlusconi zieht damit auf weltlicher Ebene mit der Konklave zur Papstwahl gleich. Da folgt er kirchlichen Traditionen, sowohl mit seiner Krankenhauskonklave wie mit Ruby. Er zieht sich zurück zur Klausur, die Augen geschlossen, nicht weil er durch muß, sondern weil er sich müht, die von ihm getroffene Entscheidung zu finden. Er allein läßt den weißen Rauch aufsteigen, und überrundet mit diesem politischem Hattrick seinen Vorgänger Licio Gelli, der ihn zum Patriarchen Italiens gemacht hatte. Berlusconi wählt sich in einer Alleinwahl, in der eine Stimme genügt, selbst zum Papst.

Was ist nur los im Lande der Lateiner? Im Vatikan funktionieren die von der Deutschen Bank betriebenen Bankautomaten nicht mehr. Italien hat aufgrund des Verdachts der Geldwäsche die Bankgeschäfte mit dem Vatikan eingestellt. Eine bisher scheinbar unkorrumpierte Partei wie Movimionto 5 Stelle bleibt trotz der eingefahrenen 25% der Stimmen lieber in der Opposition. Das Nichts ist immer noch eine bessere Wahl als eine Koalition mit einer gemäßigten Linken. Italien geht zunehmend in den flüssigen Aggregatszustand über und der Stiefel droht im Mittelmeer unterzugehen. Berlusconi sieht als letzten Ausweg die kirchliche Immunität. Nach Vatileaks und Don Bancomat braucht der Fels den Petrus, jemanden der sich in solchen Offshore-Bereichen auskennt.

Berlusconi wählt sich selbst auf den heiligen Stuhl, auf dem es vom Vorgänger noch so heiß ist, daß er beim Sitzen keinen Unterschied spüren wird. Für ihn ist es der Schleudersitz ins Paradies. Und endlich wieder ein italienischer Papam, der sich in Rom auskennt wie in seiner Westentasche. Eine geistige Herrschaft, die im eher altrömischen Gewande einherschwebt, die die Prostitution wieder entsäkularisiert und die alleinigen Übertragungsrechte für die Zeremonie des Blasiussegen in einer Hand hätte. In Zeiten wie diesen ist die Verbindung zu Gott nicht unbedingt mehr ein Draht, sondern medialisiert. Vermutlich gäbe es auch bald attraktive Frauen im Priesteramt und die Fernbeichte 'on demand' als App.

Wer fände sie nicht gut, die Idee, den ausrangierten Berlusconi auf den ebenso überkommenen heißen Stuhl im Vatikan zu setzen. Ein geläutertes Italien, das den Vatikan als Mülldeponie nutzt. Eine Art neuer Lateranvertrag, der versucht, das Öl vom Wasser zu trennen und eine Gesellschaft zu receyceln. Der Vatikan als ein untergegangenes Atlantis worauf sich, wie der Plastikmüll im Südpazifik, das historische Strandgut sammelt, und Don Silvio, jetzt Santo Silvio, kann nochmals seinen stark immunisierten Hals aus der Schlinge ziehen. Für seine Gegner eine Vergeistigung des Unzerstörbaren, sicher nur ein Kompromiß, aber endlich eine Art auch mit dem politischen Plastikmüll fertig zu werden.


 970 klicks
Montag, 24. Dezember 2012
Die frohe Misere
Kaum sind die ersten Geschenke gekauft, der erste Schwung Konsumrausch vorbei, weil schon alles von der Liste gekauft ist, schon begleiten uns unzählige Bettelplakate auf unseren Shoppingwegen und Straßen. Ästhetisch aufgeschwollene Kinderbäuchchen - man will es dem Spender ja nicht madig machen - und traurige Kulleraugen, so groß, daß ich anfangs dachte es wäre eine UFO-Werbung.
Helft den Kindern im Senegal
denn die scheinen es dieses Jahr wohl am nötigsten zu haben. Helft den Kindern und nicht den Erwachsenen. Denn die sind reichlich angefressen, nachdem wir Ihnen die Fische vor der Küste weggefischt und die Erdnußpreise durch unsere westlichen Agrarsubventionen in den Keller getrieben und eine korrupte, 1.Welt-freundliche Regierung vor die Nase gesetzt haben. Ne, die Erwachsenen sind durch, ausverkauft, beschissen und beraubt. Denen ist nicht mehr zu helfen. Warum auch in Auslaufmodelle investieren. Wir wollen den senegalesischen Kindern helfen. Die können zwar in etwa genauso viel für die Misere im Senegal wie ihre Eltern, aber sie haben so eine Art Zukunft. Sie sind das Zuchtmaterial, die Zuchtmuschel aus der wir später die Perle pflücken.

... zufällig liegt neben dem Senegal auch noch Mali, in das wir demnächst unsere Truppen entsenden. Da ist es kein Fehler vorher schon ein paar NGO-Späher in die nächste Nähe zu entsenden. Im Endeffekt wird Mali später auch eine beholfene Landschaft - mit anderen Mitteln allerdings.

Nun schickt den Kindern natürlich keine Erdnußflips oder ähnlich sarkastischen Krimskrams, sondern überweist Geld. Nicht an den Senegal, denn da soll es ja auch nicht wirklich hin, sondern auf unser Spendenkonto der Deutschen Bank. So Hilfsaktionen kosten viel Geld. Viel, viel Geld. Vorwiegend, so um die 80% Verwaltungskosten, denn unsere Geschäftsstelle liegt schließlich in einem tariflich völlig überteuertem Deutschland. Und wo findet man heute für einen Hungerlohn noch einen tüchtigen Geschäftsvorstand. Da muß man schon was hinlegen. Ein Lear-Jet für den Deutschen Orden, oder waren es zwei, repräsentative Geschäftswägen, Dienstreisen in potentielle Hilfsregionen und so dringend wie Essen im Senegal, ein Laserfarbkopierer für die Buchhaltung.
Helft den Kindern im Senegal
denn denen im Sudan oder Irak haben wir schon das Lichtlein ausgeblasen. Sorry. Zum Glück ist unser Gott ein verzeihender und Weihnachten ein Fest der Liebe und des Mitgefühls, auch für sich selbst.

Sich am Leid der anderen die Taschen zu füllen ist dermaßen unter der Gürtellinie, daß es eben genau jene betreiben, die sich unter der Gürtellinie auskennen: religiöse Gemeinschaften. Pfui Weihnachten an dem auch jenem arabischen Flüchtlingskind im Kuhstall schon damals nicht geholfen wurde. Das feiert man also nun seit 2000 Jahren. Wie schäbig ... aber wen wunderts
 452 klicks