Startseite :
Kategorien : Die Sendung aus der Felsspalte
Der feuchte Traum vom Regen

Die Zeit des Erwachens auch für Langschläfer wie die fliegenden Ameisen und die Siebenschläfer, deren Unwesen jährlich ab dem 27.Juni droht.
wer ihn schon mal segeln hat sehen, versteht sofort, warum Segelfalter
Alle nach der Maat neu- und wiedergeborenen Familienmitglieder der Pflanzenwelt, dieses Jahr gleich zu Beginn in spürbaren Wassermangel hinein geboren, drängen sie sich trotzdem um die besten Liegeplätze am Wiesenstrand.
als Wegbegleitgrün geeignet, aber im Buchenwald chancenlos - eines jener Fobos (Fear of Becoming Obsolete)
Die Sippe der Huflattiche reserviert mit seinen ausladenden Blättern ganze Freiflächen, während Berufskraut und Bärenklau die Standortfrage himmelwärts strebend beantworten. Das Gundermännchen kriecht verstohlen, aber um so erfolgreicher, auf unterster Ebene in neu zu kolonisierende Gebiete.
Der Wolfs-Eisenhut, eine Begegnung der Dritten Art
Und gleich unter dem mageren A-Horziont liefert sich das Glaskraut mit seinen krakenartigen Wurzeln ein Rennen mit etwaigen Rhizomen.
Leben an der Abbruchkante - da kann man schon mal für die Zukunft üben
Magnolie und Glyzine setzen zur zweiten Blüte an, während das Kartoffelkraut geplagt von Hitze und Trockenheit bereits das Zeitliche gesegnet hat.

Trotz all dem Gewusel und Getriebe findet sich für alle ein Plätzchen. Und am frühen Abend kündigt sich mit Wetterleuchten der erste Regen seit Wochen an. Alles eilt noch schnell zu Distel und Flockenblume, um sich den Magen vollzustopfen mit dem überbordendem Nektar im Frühlingsangebot.
die Nymphe einer Reiswanze auf einer Jungfer im Grünen
Lovebug
selbst der Name hiflt dem Regenbogen-Blattkäfer nichts in dieser Wüste

Die Wolkenfront dringt nur widerwillig bis zu uns. Hoch oben im Tal fahren elektrostatische Entladungen quer über den azurblauen Abendhimmel - St.Elmores Fire. Angezogen vom Blitzgewitter zeigen sich nun auch die Stars in der Manege, die Glühwürmchen in ihrer Prominenz. Bioluminiszenz und elektronisches Gewitter, Fledermaustänze vor glühendem Blau, doch aus dem Himmel brechen weder Schweiß noch Höllenkugeln und das blitzblank gewaschene Träumchen vom erlösenden Regen biegt nordwärts ab und zieht abermals an uns vorbei. Auch für heute ist massenhaft Regen für Kärnten vorgesehen, der es aber nicht durchs Tauernfenster schaffen wird. Da bleibt einem Nichts als durch die tagsüber verschlossenen Fenster auf die weiterhin regenlose Hitzebrut zu starren und sich als prächtiger Blattkäfer den angenehmen Seiten des Lebens zu widmen.

Während also das lohnarbeitende Volk von der Regierung als fauler Sack beschimpft wird, gilt das neue "Bravo und Hurra" jenen Shortsellern, die gegen SpaceX gewettet haben. Der ehemalige Chef von Black Rock Deutschland sieht die Zukkunft somit eher in einer Casino-Wirtschaft, wo man vormittags seine Wetten abschließt, mittags sich dem Ausbau seiner Jacht widmet und abends die Wetterlöse mit den Krediten auf seine Immobilien gegenrechnet.
Jenen Leerverkäufern, die in der SpaceX-Angelagenheit rund 8,7 Milliarden Dollar verdient haben, sollte man zukünftig nichts weiter als virtuelles Wasser und digitales Brot auf einem leeren Teller servieren, um zu eruieren, wo so was hinführt.

einemaria am 18. Juli 26
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
70 klicks
Paradies im Nirgendwo
Bei einem konspirativem Treffen in einer Pizzeria südlich der peraridriatischen Naht habe ich mir sagen lassen, dass man in Deutschland jetzt den Faulenzern Beine macht -
wo man es beim Wal schon nicht geschafft hat.
Erhöhung der Sozialabgaben für die, die eh schon arbeiten und zeitgleich Attestpflichtverschärfung. Stinkfaules Teilzeit-Pack.
Die, die vorher schon nichts getan haben, wird das nicht viel jucken. Mich auch nicht wirklich. Wer sich so was als Chef im Haus wählt, selbst Schuld.
Ähnlich der Politik verhält es sich mit dem Wasser, dem es egal ist, ob es dich als Regen trifft oder dich in seinem Strom mitreißt. Es kriecht nicht wie eine Schlange auf der Suche nach Nahrung durch dein Gebälk, sondern tropft durchs Dach, weil es den Weg des geringsten Widerstands sucht. Das Wasser ist faul, träge, will immer nur seine kinetische Energie abstoßen, nach unten, nach unten. Nach oben nur, wenn Widerstände es zwingen. Die Welle ist keine Erfindung des Wassers. Die Welle wird dem Wasser aufoktroyiert vom Widerstand selbst. Kaltes Wasser ist noch fauler als warmes, welches sprudelt, blubbert, spritzt. Heißes Wasser dehnt sich aus, später kühlt es sich ab, bis es den kinetisch tiefsten Punkt erreicht hat, sich nicht mehr bewegt.
Vermutlich hat Wasser nicht besonders viel Bewusstsein, doch als Eisblock tief im Gletscherinneren findet es möglicherweise seinen tiefsten Frieden mit einem Fünkchen Bewusstsein und einem Lächeln. Permafrost, da ist jetzt bald Schluss mit lustig.
Ähnlich verhält es sich mit Steinen. Auch sie scheinen stets talabwärts zu wandern und nicht himmelwärts zu flattern wie die Vögelchen. Auch ihnen - zumindest dem Alpenstein - scheint die Hitze nicht zu bekommen. Alles rutscht ab. Ganz unbewusst, von äußeren Umständen getrieben. Der Stein selbst scheint bewusstlos, untätig. Selbst für den Steinschlag muss er nicht ausholen, sondern sich einfach lösen aus dem buddhistischem Dasein als Gesteinsblock im Alpenmassiv. Jeder möchte den niedrigsten Energielevel erreichen, nur der Homo sapiens sapiens will nicht altern und schon gar nicht sterben.
Und mit der Arbeit ist das so eine Sache. Wer ist schon wirklich Fan von Lohnarbeit. Aber Hobbykeller und Autoschrauben, den Garten voller Blumen, da zahlt man sogar dafür, dass man was tun darf. Gilt die Attestpflicht ab dem ersten Tag auch für den Bundeschef? Kann man sich gar nicht vorstellen.
Die zweite Junihälfte ist eine aktive Zeit. Termine, Termine. 24.Juni Johannistag, 27.Juni Siebenschläfertag. Letzte Rhabarberernte, Johanniskrauternte und im Beerenfeld der ungleiche Kampf gegen das Vogelvolk.

Alles erwacht - auch ohne Arbeitsvertrag.

Ich stehe in einem Feld vom Berufskraut mannshoch, das eigentlich Garnichts tut als faul rumzustehen und leicht im Wind zu schaukeln. Blutbleich und butterweich, Sonnenschmelze. Die Schürze umgebunden, den Rücken-Akku draufgeschnallt, 5kg, gefühlt mehr, drüber den Tragegurt, vorsichtig, weil die Lasche fast schon ausgerissen, die leichte Mütze auf, wegen der Sonne und dem Dreck, den Freischeider eingehängt, beladen wie ein Packesel, Kopfhörer auf und los kann's gehen.
Der Fadenmäher arbeitet sich langsam den Hang hinab, langsam genug für die noch etwas unreife Blindschleiche.
Er elektromotorsenst sich durch die Pflanzenfront aus Süßgräsern, Storchenschnabel und Hahnenfuß, durch Lichtnelken, Akeleien und monströse Wiesenkerbel. Der Pflanzensaft spritzt fast schon erfrischend auf die von Brennnesseln angegerbte Haut. Gundermann, Glaskraut und Giersch geben in ihrer atomisierten Form diverse Geruchsnoten von sich.
Ein sensorisches Konzert nicht immer nur angenehmer Gefühle - auch für die Wiesenbewohner wie die rote Mordwanze,

die Böcke,

und die Raupenfliege

Rund um die freigeschnittene verbliebene Lichtung Wald so weit das Auge reicht, wo einst noch prächtige Almwiesen ihr volles Antlitz zeigten. Die subsidiäre Viehwirtschaft hat es einfach nicht in die Moderne geschafft. Sie ist wie ein lahmender Gaul auf der historischen Strecke abgeblieben. Ohrmarken, Veterinärskosten, Haftpflicht und als Todesstoß die Wiedereinführung der Wölfe.

Der tagsüber talaufwärts rauschende Wind mischt sich mit seinen zarten hohen Tönen in das gurgelnde Treiben des Baches und den Rufen des Kuckucks. Der Mann in der blauen Schürze mit Edelweiss hat sein Tagwerk getan. Das Surren des Freischneiders meldet sich ab, während sich die Buchfinken als Solisten im Orchestergraben einfinden.
Kinder sagen dir gerne die volle hässliche Wahrheit, wenn du alt wirst, tut das dann jeder.
einemaria am 05. Juli 26
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
137 klicks
"Wenn man mit einem Genossen in den Wald geht und dessen Geschwätz entlaubt die Bäume und lässt die Vögel verstummen, braucht man schon ein starkes inneres Grün, um die Wälder nicht kalt und nackt zu sehen. Da hilft zum Beispiel, in ein echtes Grün zu fahren. In ein stabiles großes Grün und noch ganz andere herrliche Farben …"
- Anna Seghers

einemaria am 01. Juni 26
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
263 klicks
Naturmuseum Zeckenland

In vordester Front die Weiden, gleich dahinter die Kiefern. Beide sehr wasserverträglich und die Kiefer auch trockenresistent. Eine einzelne Fichte, weil sie schnell hochschiesst, hier wo der Buchenwald keine Heimat findet. Abends um 6 láuft der Goldschakal hier seine eigene Fährte ab. Manche zeitlos ungebunden.

Andere etwas kopflos.

Im Flussbett, das alle paar Monate mal etwas und alle paar Jahre ganze Massen an Wasser führt, findet sich der Abbruch der alpinen Verwerfungen und erste Pionierpflanzen.
Heilpflanzen
Küchenkräuter
und manche einfach wegen der Optik

... Pantherspanner, Schlingnatter, Brillenschötchen, Wundklee, Thymian, Teufelskralle, Schwalbenwurz und Kreuzblume.
371 klicks
Frosti und die Patschnässe im Eischloss
Die Weide breitet ihre Schwingen aus

Il Pastore dall'peccato alpeggio

Discesa dall'alpeggio

das Holz zu Tal

... und bona sera sagt der letzte Herbsttag.

Übernacht legt sich die weisse Pracht über das Dorf und rundherum und lässt es morgens mit wolkenlosem Himmel (leider lügen da die Bilder ein wenig) überdachen. Blau und Weiss. Die Überraschung ist den wenigen Bewohnern ins Gesicht geschrieben. Gestern noch Herbst, heute Winter.

Alles schaltet einen Gang zurück, leiser, weicher, ruhiger. Allerlei Pläne sind jetzt auch begraben unterm Schnee. Die Bäume für die Säge. Zudem kommt der Traktor kaum die provisorische Straße hoch, die zwar geräumt, aber bereits wieder vereist ist. Keine Bäume mehr pflanzen, keine Mauern mehr bauen. Jede Art von Erdarbeit hat ihr jahreszeitliches Ende gefunden.
Die Sicht verändert sich. Der wunderschöne Anblick der jungfräulichen Schneedecke. Nicht mal Spuren vom Fuchs. Das strahlende Blau. Und diese Ruhe.

Das Umdenken beginnt. Die üblichen Gehwege freischaufeln. Zum Holz, zum Auto, zum Nachbarn und erstmal beratschlagen. Wettergespräche und erste Überlegungen.
Ich schaufle mich vom Auto weg, rauf bis zur provisorischen Straße, was den restlichen Vormittag füllt. Mittagsauffrischung. Die verschwitzten drei Lagen und die kalten Schuhe mal aus. Ich muss an eine Abendunterhaltung bei 40 Grad in Mali denken, an die Bemerkung eines Einheimischen: "You need a three layer jacket to survive." Und damit meint er die Sommerabende im afrikanischen Kochtopf.
Dann Ketten drauf und die provisorische Straße nicht hochgebrochen, sondern hochgekrochen, mit der ständigen Warnleuchte, dass mein untermotorisiertes Blechfahrzeug keine Differenzialsperre besitzt. Beim Umparken sehe ich das einzige Insekt des Tages, eine kleine Steinfliege auf dem Reifen. Kein wirklich lebenswertes Habitat, würde ich sagen.
Den Einkaufswagen endlich oben auf der Hauptstraße gut verpackt, also allzeit bereit für die Ersatzteiltour, gehts dem überdrehten Absperrhahn mit Schrägsitzventil und Totraum an den Kragen. Inkontinent wie er ist, hält er keinen Winter mehr dicht. Zum Glück ist er nur einer von zwei sekundären Absperrhähnen.

Der zentrale Absprerrhahn ist hinter dem Haus in einem tiefen Schacht. Wie sich herausstellt, ist auch der nicht ganz dicht.
Man denkt sich das bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben jeden Winter: die müssen das doch gewußt haben. Auf so etwas muss man sich doch vorbereiten. Aber es kommt eben alles auf einmal und an den verschiedensten Stellen. Manches bleibt auch aus, wie Schneebruch auf die Stromleitung oder quer über die Straße.

Während ich zwischen den zwei sekundären Absperrhähnen im Haus und dem Hauptabsperrhahen hinterm Haus hin und her jogge, entdeckt ein Nachbar, dass der Dorfbrunnen eingefroren ist. Erst Butangasbrenner und ein kleines Feuer tauen sein fröhlich plätscherndes Gemüt wieder auf.

Also, was macht man so an einem ruhigen Wintertag in einem einsamen Tal der Alpen. Man wechselt wieder mal drei Lagen und hetzt weiter. Endlich Ersatzteiltour durch die Winterlandschaft, neuen Absperrhahn besorgen. Drei Rehe auf der Rückfahrt, die kaum scheu neben der Straße interessiert glotzen. Von ganz oben rauscht die erste Lawine des Jahres. Ein wenig Idyll zwischendurch also. Und dann doch wieder zurück auf den triefenden, kalten Kellerboden den neuen Hahn reingefuchst.

Reinfuchsen heisst, er sitzt zu nah an der Wand, um ihn zu drehen, es läuft beständig ein wenig Wasser, weil der Hauptabsperrhahn nicht dichtet, der Boden schwimmt im Wasser, ich muss die Meisselmaschine holen, um wenigstens soviel Putz abzubekommen, dass ich ihn reindrehen kann. Abhanfen, aufhanfen, Paste und rein damit unter dem beständig leicht laufendem Eiswasser ... im Prinzip. Und dann klappt es wirklich. Da macht dann auch das Aufräumen und Rauswischen richtig Spaß. Selbst der Brunnen gluckst vor lauter Freude.

Diesmal nur die äußerste Lage Schutzkleidung gewechselt, die mit dem nassen Putzresten dran. Zum Glück muss man hier nicht immer gleich alles fett waschen. Hier scheint die Duftmarke ein wichtiges Erkennungszeichen der Ureinwohner zu sein. Hygiene ist Luxus, den man sich nicht unbedingt leisten muss. Keine Speisereste wegen den Mäusen und Fliegen. Kein Benzin oder Brandkalk auf der Haut beim Abendessen. Aber Schweiß, Holzstaub oder Späne, Erde und Neo-Fermit sind nicht dein Feind, sondern Begleiter auf dem Lebensweg. Hier sind Betonreste an der Hose ein Stammesritual für Barbesucher. Am besten man erzählt gleich, dass man Holzfrevel begangen und nun gleich das Fundament für den Schwarzbau gelegt hat. Dann schließen einen alle gleich ins Herz.

Es ist 4 Uhr, wird dunkel und noch brennt kein Ofen. Die Temperatur im Haus sinkt immer weiter. Höchste Zeit für
den Ofenlauf.
einemaria am 08. Dezember 21
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
1121 klicks
Was soll man das agen
Schreiben ist keine Schmierinfektion,
kein Tintenkleks auf Papier,
sondern Informationsübertragung,
die, wie Strom, nicht fließen kann,
wenn der Widerstand zu groß ist.
Mir fehlen die Worte,
die ohne Blog auch garnicht nötig wären,
für die Farben- und Formshow auf meinem billigen Vorortbalkon,
für die Gefechtsschreie der Elstern,
für das Lüftchen, das sich müde durch die Wand trockner Hitze presst.
Im Anschluss also noch
das metaphorische Inhaltsverzeichnis all dessen,
was ich nicht geschrieben habe.

einemaria am 29. Juni 21
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
1070 klicks
Coronafrei
1185 klicks
Ein Steinboot fährt spazieren
Urlaub mit den Kindern mitten in der Natur. Das ist es, was das Leben ausmacht.

Wenn die Kinder schon vor dem Hahn krähen, realisiert man, dass Kinder eben auch ein Teil der Natur sind.

Der Holzwurm mit seinen subtilen Knabbergeräuschen wirkt geradezu einschläfernd nach dem allabendlichen Gezanke und Geschrei. Endlich das Zirpen der Grillen und das Rauschen des Baches.

Oder sind sie nochmal heimlich aus den Betten gehuscht und simulieren den Bergbach im Bad?

Sind es die letzten Mond- oder die ersten Sonnenstrahlen, während der Hahn und man selbst noch dämmert? Eine Seelenruhe, die ein latentes Geräusch im Hintergrund offenbart. Ein Schleifen, ein Kratzen, links hinten. Und es dauert nicht lange, bis klar wird: ein Steinboot fährt spazieren.

Es ist die gestern am Fluss erbeutete Schieferplatte, die mit der rauhen Oberfläche über Holz gleitet. Die Schieferplatte und - man darf bei letzterem fast von einem glücklichem Zufall sprechen, dass es sich nicht um Granit handelt - die anderen Sandsteinplatten. Das historische Interesse der Kinder ist nur halb erbaulich, während sie frühmorgens die Seeschlacht von Salamis auf dem Kirschholzfurnier des Wohnzimmertisches nachstellen.
Die Natur ist grausam. Ein Kommen und Gehen.

Fressen

und gefressen werden.

Ein Entstehen

und vergehen.

Beides in sich wunderschön.

Letzteres besonders, wenn es einen nicht selbst trifft.
ADHS, das kannte man in meiner Jugend vermutlich deshalb nicht, weil wir einen Großteil unserer Zeit ganz ohne Aufsicht gespielt und gestritten haben, weil wir nicht von Habichtsaugen bewacht

von Bäumen und in Brennesseln gefallen, in Bienen auf Dächer gestiegen sind. Unsere Schandtaten blieben unentdeckt und somit ungesühnt. Als Aufmerksamkeitsdefizit habe ich es nie empfunden. Und das Leben ohne Erwachsene war stets hyper. Hypo wurde es erst bei den Hausaufgaben und beim Abendesssen.

Trotzdem hat sich die Sorge auch in mein Gehirn gezeckt und mich kann nur die statistische Herangehensweise ein wenig beruhigen. Wieviele Kindern sind denn hier schon in den Fluss

oder von Nachbars Blechdach gefallen? Wieviele wurden von den allgegenwärtigen Hornvipern gebissen? Keines.
Dafür können die Älteren bereits Fische mit der Hand fangen, wissen dass der Traktor immer bergab fällt und auch rückwärts fährt,

und halten sich von den Löchern in den Natursteinmauern - den Kleinen kann man das gut mit Drachen erklären

- und Holzmaschinen fern.
Und ich habe gelernt, dass ein Holzwurm garnicht so alt wird, dass er dem Balken wirklichen Schaden zufügen kann. Ich lebe mehr im Einklang, seit ich die Hälfte der Ernte der Marillen den Siebenschläfern,

die Hälfte der Johannisbeeren den Vögeln und die Hälfte des Salates den Schnecken zugestehe.

Nur die Mäuse werden niemals die Hälfte meiner Küchenvorräte bekommen. Niemals!

einemaria am 19. Juli 20
|
Permalink
|
0 Kommentare
|
kommentieren
1231 klicks
Ab in die Felsspalte
Hätte ich mein kleines schäbiges Kabuff nicht bereits vorsorglich nikotiongelb gestrichen, könnte man leicht erkennen, wie die Zeit vergilbt. So aber fühlt sich mein Leben an wie am ersten Tag.
Frühmorgens die Geburtswehen und dann das traumatische Austreten aus dem Uterus des Morpheus. Glücklicherweise folgt wenige Schockminuten später schon der mütterliche Kuß von Espresso und ner Kippe, der mich einigermaßen satisfiziert in den Horror grauer Wintertage hinüberbegleitet.
Ohne einen Blick aufs Thermometer erkenne ich am feuchten Rauschen der Winterreifen auf der Hauptstraße, daß einem heute nicht die sibirische Kälte die letzten Lungenfetzen aus der Brust reißt. Dafür wird es für die Gelenke um so naßkälter werden.
Heute gibt es Weltrettung in einem Aufwasch. Ich verlasse den mit Stadtratten gefüllten Geldsack. Mein Gemüt, schon ganz aufgehellt, scheint bereits die Wetterscheide Richtung Süden überquert zu haben. Jetzt muss ich meinen Körper nur noch hinterherbugsieren. Ab in die Felsspalte ...
2335 klicks
Besinnliche Abende unter der Lawine
Herrje, ich habs mal nachgelesen, wie verträumt und sprachlich gewandt sich der Strom der Worte in früheren Blogjahren noch bewegen durfte.
Jetzt nur noch starre Gedankenblöcke, die ich hier abzuladen dankbar sein darf.
Die lange Nacht des Kuhstalls, auf die wir ja gerade wieder zusteuern, was für ein schöner Titel. Weil ich mir die Geschenke dieser Tage ja selbst ausdenken muss und nicht mehr auf die Mithilfe des Christkinds zählen darf, muss ich mich mit Dingen wie Dreh-, Wechsel-, Stark- und Anlaufstrom herumschlagen. Hierbei möchte ich Ihnen den Begriff des
Wirbelstroms nicht vorenthalten, der noch einen Hauch von Magie in sich trägt.Ich geh mal raus in die Zeit, schlag die aktuellen Sozialmedien zu und les mir nen Ast, über Stromarten, Holzbrennwerte, über alles eben, was man in einem verlassenem Tal zum zeitgemäßen Überleben so benötigt.
Ob es öde ist in dieser Abgeschiedenheit? Nicht im geringsten. Und besonders nicht, wenn man eingeschneit wird und die Strasse nicht passierbar durch vom Schneebruch entwurzelte Bäume. Die ersten Tage ist es ruhig und man schürt gemütlich den Holzofen, doch dann wird das Benzin knapp für den Generator und die Mobilfunkmasten senden kein Signal mehr. Im Funkloch weiß keiner, wann der Schneefall nachläßt. Wenn man von Schnee zugeschüttet wird, fängt das Gehirn erst an zu arbeiten, das sich sonst unter all dem aus latest news und Konsumgier fast schon aufs Sterben vorbereitet. Man bleibt erheblich gelassener, wenn man bei der Essensversorgung vorgeplant hat und die Wasserleitung nicht einfriert, weil irgendein Oberschlauer das laufende Wasser am Dorfbrunnen abgedreht hat. Termine sind dann natürlich auch nicht so günstig. Und sehr zu vermeiden, sind schwerere Unfälle oder ein schwerer Hexenschuss. Aber langweilig wird es nicht.

Wenn dann alles wieder vorbei ist, sieht es aus, als wäre nichts gewesen, und das Brennholz liegt abholbereit am Straßenrand.
1387 klicks