Dienstag, 14. April 2020
1000 Plateaus - Der Tag des Rhizoms
Ich stehe am Schießstand und warte. Für meinen Geschmack ist der Schützenstand in meinem Rücken zu gut ausgeleuchtet. Ich möchte ins Schwärzeste des Schwarzen treffen und kümmere mich persönlich wenig um Sicherheitsbestimmungen oder Chancengleichkeit. Meine Langwaffe, deren Typus hier nichts zur Sache tut, ist mit einem Grünlichtlaser und Fadenkreuz ausgestattet und auf die exakte Entfernung justiert. Alles bereit.

Mein Körper steht mental auf einem Dreibein aus Edelstahl. Ich habe über die letzten Tage, aber vorwiegend nächtelang, mein Bewußtsein der Corioliskraft, der Erdrotation und ihrer Auswirkung auf Flugbahnen, angeglichen. Wie eine Flak haben meine Augen und Ohren Dutzende von Kampfjets am Militärflughafen Aviano verfolgt, insbesondere Überflüge an wolkenverhangenen Tagen. Endlose Tage in den Wäldern habe ich damit verbracht, aufgescheuchtes Wild mit meinen Blicken zu töten, ebenso die wenigen in Europa verbliebenen Hasen. Innerlich bewegt von bewegten Zielen, aber in meiner Haltung kataton wie ein buddhistischer Mönch.

Runde um Runde bin ich gelaufen, bergauf, bergab im Hinterland, bis mein Atem so gleichmäßig geworden, dass man eine Atomuhr danach stellen könnte. Geist und Körper sind so eins geworden, dass selbst die entwürdigenden Beschimpfungen durch meine Nachbarin mein Pranayama nicht mehr zu stören vermögen.
Ich atme ein und aus und warte, als gäbe es keine Zeit, auf mein Ziel. Licht hin oder her, die Dinge sind wie sie sind. Das Fadenkreuz geht auf und ab wie ein Boot in der Flaute. Kein Links, kein Rechts, kein Oben oder Unten und egal ob von vorne oder von hinten, jede der vier Dimensionen unterliegt meinem Willen, das Ziel auszuschalten. Das richtige, das wahre Ziel, das Einzige auf das sich mein Dasein konzentriert.
Ich wurde geboren und habe viele Jahre verlebt, Freude und Leid mich prägen lassen, nur für diesen Moment. Kein Aussen hat mehr Zugriff auf das Dasein der Stille in mir.

Ich werde das Richtige, das Einzige, die Wahrheit eleminieren im Augenblick ihrer Manifestation. Ich werde es auslöschen im Moment seiner Entstehung. Das Richtige wird bereits Geschichte sein, noch während der Zielverfolgung. Ich bin das Fallbeil, das schon immer fiel. Ich weiß, woher es kommt, ich kenne seine Verlauf. Die Wahrheit hat nur eine Tür, die richtige, die einzig richtige, durch die sie hereinkommen wird, und die in diesem Fall auch ihr Exit sein wird. Sie kommt, während ich gerade beim Ausatmen bin, mein Finger, der Laserpunkt mitten im Ziel, biegt sich kaum spürbar.

Sssappp, keine Wahrheit mehr. Jetzt und in Zukunft. Eine Ära ist abgeschlossen.

Ich atme ein. Der grüne Punkt läuft, zumindest in meinem Gedanken, leicht nach oben. Hohlgassengeschoss schießt mir durch den Kopf. Und ich warte. Auf das Zweitbeste, die Alternative. Um sicher zu gehen, dass es sich nicht vermehrt wie ein Virus oder wie die Köpfe einer Hydra. Die Wahrheit, das einzig Richtige und sein bester Freund, das Zweitbeste, die Alternative. Ich atme, sssappp, aus. Das Zweitbeste, aus dem Kopf und aus dem Sinn. Nicht danieder, sondern ausgelöscht und weg ohne Chance auf Wiedergeburt. Ins ewige Nichts befördert. So ausgelöscht, dass selbst Thomas Bernhard seine wahre Freude dran hätte.

Die Zukunft ist wieder ausgangsoffen. Die Tür, durch die sie kamen, schwingt noch in ihren Angeln, während ich spüre, dass sich die Waffe fast unmerklich abkühlt. Es herrscht augenblicklich eine andere Ruhe, eine friedlichere Ruhe. Die Luft scheint schwanger von Zukunftschancen, Multipolarität. Aus einem faschistoidem Planeten wird wieder ein Multiversum. Der Tag als die Covid19-Rate pro Einwohnerzahl in New York die des Vatikan überstieg war der Tag an dem Entscheidungen ein anderes Prädikat bekamen. Der Tag des Rhizoms.

Es war der Tag als der Baum des Wissens wieder mehrere Stämme haben konnte, der Tag, an dem alle Bewertungen umgeschrieben werden mussten. Der Moment als aus Einheiten wieder Vielheiten wurden. Der Moment der tausend Plateaus ist erreicht.
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Donnerstag, 30. Januar 2020
Goodbye, Grandpa Sam - we are not US
Ein Problem der turbokapitalistischen Lebensweise ist, wenn man im Alter merkt, dass man eigentlich nie in die Rente eingezahlt hat. Ganz ähnlich muss sich das Amerika des weissen Mannes fühlen.

Erst die leichte Nachkriegsgeburt, dann die Schwangerschaftsstreifen einer unipolaren Weltmacht nach dem Kalten Krieg. Doch nun wird auch das Angesicht us-amerikanischer Aussenpolitik im Zuge des beschleunigten Alterungsprozesses zunehmend runzliger.

Es sind die unipolaren Sorgenfalten in denen China die Belt-and-Road-Initiative vorantreibt und Russland die Nordstream-II verlegt? Die Furchen, die ehemals wie der Eiserne Vorhang von Süd nach Nord auf den Längengraden verliefen, werden plötzlich in Ost-West-Richtung durchdrungen.

Die Pufferzone Zwischeneuropas vom Schwarzen Meer an die Nordsee, das vom polnischen Marschall Pilsudski als Intermarium bezeichnete Gebilde, um die wirtschaftliche Annäherung zwischen Russland und Deutschland sicherzustellen, scheint durch die Nato-Osterweiterung gut gesichert. Frecherweise umgeht die fast fertiggestellte Nord-Stream-Pipeline wie auch die südlich verlaufende Nabuco-Pipeline diese Strategie.

Im Nahen Osten durchkreuzt die iranisch-russische Intervention in Syrien und und im Irak einen weiteren us-amerikansichen Längengrad. Die Tentakel der neuen Seidenstraße reichen bald wie die langen Fäden eines Holzschwamms von China bis ans östliche Mittelmeer.

Fehlt nur noch, dass Nicaragua einen zweiten Panama-Kanal durch den Urwald sticht und das Nordmeer ganzjährig befahrbar wird - nicht nur für die russische Marine, sondern auch zivil. Dann wird es schwer, die Umklammerung, das Containment der Konkurrenz aufrecht zu erhalten.

Es wird schwierig mit der Glaubwürdigkeit, wenn man sich als Weltpolizist und Verteidiger der Freiheit zu brüstet, während man gleichzeitig Holland mit einer Invasion droht, sollten jemals amerikansiche Staatsbürger vor den internationalen Gerichtshof gezerrt werden. Und noch schwieriger, wenn Whistleblower wie Snowden in Russland um Asyl bitten, um nicht im Gulag Guantanamo zu enden.

Die Erzwingungshaft für die eigentlich bereits begnadigte Chelsea Manning und die Jagd auf Julien Assange, als handelte es sich beim blauen Planeten um die gesetzlosen Weiten der Prärie, machen es nicht einfacher. Kein Wunder also, dass ein Alexander Issajewitsch Solschenizyn davon spricht, dass die NATO die Vereinten Nation und ihre Charta auf den Müll geschmissen hat, um ein uraltes Gesetz zu proklamien: das Gesetz des Dschungels.

Es spricht nach meinem Verständnis nicht für die Weitsicht eines alten weissen Mannes, sich auf das Gesetz des Dschungels zu berufen, wo einem Botox und Perücken nicht wirklich helfen beim Broterwerb. Mit 75 Jahren Großmacht auf dem gekrümmten Buckel ist man eben kein Silberrücken mehr.

Krieg ist nun mal die Art und Weise, wie Amerikaner Geographie lernen. Mit rund 1000 Militärstützpunkten rund um den Globus kennt man dann selbst runde Inseln wie Diego Garcia. Doch wenn man versucht, die Welt auf ewig in Schach zu halten, wird man selbst irgendwann matt. Und man darf sich dann auch nicht wundern, wenn die Erniedrigten und Geprügelten dem Imperium dann keine Care-Pakete schicken. Wichtig für uns ist jetzt eigentlich nur, dass wir dem ergrauten Silberrücken noch zeitig den Koffer mit dem roten Knopf abknöpfen.

Aber wer braucht schon Weitsicht, wenn man das eigene Grab bereits ausgehoben direkt vor Augen hat. Für die Kinder gibt es eben auch keinen Mutterinstinkt, wenn man nur Gründungsväter hatte. Der Gedanke an 'Gods own country' wird immer mächtiger je näher das eigenen Ende rückt. Goodbye, Grandpa Sam, it was a hell of a time.
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Mittwoch, 24. Mai 2017
Manchester United - mal anders

Ceterum censeo Carthaginem defendam esse


Hitler soll ja den Krieg an allen Fronten gebraucht haben, um an der Heimatfront den Frieden zu wahren. Klar, als dann alles vorne den Bach runterging, hieß es, man sei ihm in den Rücken gefallen. Der demokratische Westen gibt sich da alle Mühe, das zu wiederholen, um damit auch gleich seine eigenen demokratischen Grundwerte zu unterminieren.
So soll nicht lange her ein deutscher Minister gesagt haben, Deutschland werde am Hindukush verteidigt. Ich bin mir nicht sicher, ob der Satz nicht schon nach hinten losgegangen ist - 'backfired' wie man heute so sagt.
Der Versuch, den restlichen Planeten in eine bessere, demokratische Ära zu bomben, wird vermutlich im Totalitarismus enden.

Darf man nach den Motiven fragen, die die Attentäter von Paris, London und Manchester zu solchen Taten bewegen? Vermutlich darf man das rechtlich nicht. Trotzdem könnte man insgeheim mal drüber nachdenken., was passiert, wenn man aus atombombensicheren Lagezentren heraus die 16jährigen Söhne von Terroristen mit gezielten Drohnenangriffen tötet und Bomben zur Hochzeit schickt. Die schädlichen Nachwirkungen des Kollateralen sind nun mal durch jahrelange Kriege verrohte Menschen, die sich irgendwann auch wehren.
Wer von beiden nun der 'feigere' ist, ist fraglos.

Die Auswirkungen der NATO-Aussenpolitik lassen sich inzwischen ja gut rekapitulieren aus Beispielen wie Afghanistan, Irak, Libyen, Yemen, Sudan, Ägypten, Mali oder Syrien.

Wenn wir die imperiale Tötungsmaschine des 'Westens' nicht GEMEINSAM mit allen Betroffenen bald stoppen, wird selbst jeder Waldspaziergang in Uelzen oder Oppenheim demnächst zur Risikosportart. Leider würden wir dann bei der Rüstungsexportweltmeisterschaft vom Treppchen steigen müssen, könnten aber wieder in aller Seelenruhe Trambahn fahren oder auf Popkonzerte gehen. Das könnte man doch mal abwägen.
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Samstag, 21. Januar 2017
La Ultima Battaglia del Futurismo

aus der der Reihe 'Hassreden für den Frieden' - Teil 2
(siehe auch Teil 1)


Man muss ihn wirklich nochmal ausgraben, den Signore Marinetti (wie bereits einmal durch Mussolini) und sein futuristisches Manifest, und mit Splitterbomben und Tretminen traktieren, um vielleicht doch noch ein wenig Leben in ihm zu entdecken - so geschehen im Propagandablatt 'Spiegel'. Vermutlich erübrigen sich selbst diese Produktionmittel des Kieges, wenn man sein faules Fleisch samt Manifest rüberschleppt nach Palmyra, wo derzeit die ISIS ganz in seinem Sinne mit der Antike bricht - "ein aufheulendes Auto, das auf Kartätschen zu laufen scheint, ist schöner als die Nike von Samothrake" (Marinetti). Eine zeitgemäße Wiederermordung des futuristischen Gedankens durch sich selbst sozusagen, mit einer wunderschönen Brandrede von Pfarrer Gauck "... dass eine funktionierende Demokratie auch Einsatz erfordert, Aufmerksamkeit, Mut, und manchmal auch das Äußerste, was ein Mensch geben kann: das Leben, das eigene Leben. ... Hier, in der Bundeswehr, treffe ich auf Menschen mit der Bereitschaft, sich für etwas einzusetzen – gewissermaßen auf Mut-Bürger in Uniform", und Werbeeinblendungen der Bundeswehr auf Leyen-TV, weil wir in Deutschland eben manches öfter durchleben müssen, um es zu verstehen.

Da sich so ein Transport von Giftspritzen in die Levante erst rechnet, wenn man noch mehr in die Koffer stopft, wollen WIR (Pluralis Modestiae) gleich noch die Sehr Geehrten Redner und Rednerinnen des Tages der Avantgarde 'Viva il Futurismo' mit reinpacken, von denen man, beim Blick in den Schritt ihrer patriachalischen Anzugshosen, getrost davon ausgehen kann, dass sie keine Gefährder im Sinne neuer Weltkriegsbeschwörungen sind. Zipelmützenpack, das sich zwischen Straßenbahnen (Frontseite) und Deleuze/Bergson wohlredet (S.25). Solche Gedanken und Texte bekommt man also heute im Ein-Euro-Shop noch gratis mit in die Tüte geschmissen.
Genug Blabla also, dass selbst ein in Schützengräben gereifter Louis-Ferdinand Céline an seinem eigenem Erbrochenem erstickt wäre.

Was wäre naheliegender als auch noch das Museo di arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto, wo sich die Kakophonie der Kulturerhalter und das sinnentleerte an die Wand hängen futuristischer Werke ein Stelldichein geben, mit nach Palmyra rüberzusprengen. Marinettis Geist wäre die Speerspitze unseres Projektes ("Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören").

Entschuldigen Sie meine harschen Worte, die mich selbst irritieren, wie auch jene Plakate einer Antifa, die mit einer das Hakenkreuz zerschmetternden Faust für den Frieden kämpfen will. Wie man sagt: Fighting for freedom is like fucking for virginity. Einen Marinetti aber, so er noch lebte, müsste man duplizieren, um ihn gleich dreimal an Wand zu stellen, diesen Labersocken, dessen Abbild des 'metallisierten Mannes' scheinbar aus zu viel Schwermetall unter der Hirnrinde besteht, der sich für die Verachtung des Weibes ausspricht, um dann seine grosse Liebe Benedetta Cappa zu heiraten. Für Irrläufer, Querschläger und A-Waffen wie Arschloch Marinetti und seine weitläufigere Umgebung brauchen wir B-Waffen, wie die Bescheidenheit oder die Besonnenheit, um das Wesen Mensch und seine weitläufigere Umgebung vor sich selbst zu schützen.
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Samstag, 14. Januar 2017
Das Credo der Auftragsmörder - die hollywoodsche Herangehensweise an die Moral
Oh Herr, Fassbender, wir danken dir. Oh Hollywood, du Bilderschlampe, wir danken dir. Wir danken dir, dass du uns in diesen dunklen Winterstunden davor bewahrst, mal rauszugehen, um was Sinnvolles zu tun. Wir danken dir, dass du uns einlullst mit grossen Geschichten und Bilderfluten von Mördern in Fly-Suits, grossen Menschen, die die Gewalt auf Erden auslöschen wollen, von Wissenschaftlern, die wieder mal die Menschheit vor sich selbst retten. Das ganze hintermauert mit einer flachen Historie und getragen von tiefgründigen Sprüchen wie "Wir arbeiten im Dunklen für das Licht", so langsam wie möglich gesprochen, dass es echt wichtig klingt und nicht wie eine Weihnachtsansprache bei einem lokalen Elektrizitätswerk.

Wir danken dir, dass wir jetzt wieder wissen, dass es sich nicht lohnt, seine Lebenszeit mit Produkten der Unterhaltungsindustrie zu verschwenden, wie manche eben einmal jährlich einen Cheeseburger benötigen, um zu wissen, dass dieser einfach unverdaubar ist. Man kann von Glück sprechen, dass solche Filme auch als Stream im Internet angeboten werden, sonst müsste man sich noch im Kino übergeben.

Die Kirche, die Templer, die Assassinen und die Wissenschaft. Vier großkotzige Vertreter von großkotzigen Ideen, von edlen Idealen und sonstigen Mumpitz. Wirkliche Ideale gibt es an Stammtischen und beim Bloggen, aber bei oben genannten Institutionen geht es letztendlich immer nur um Macht und Geld, also letztendlich um Fressen, Ficken und Saufen.

Wer die Menschheit mal wirklich retten will, der möge lieber einen Gemüsegarten anlegen und öfter mal nicht shoppen gehen, der nehme ein Buch zur Hand statt sich von der Propagandamaschine berieseln zu lassen, oder lädt einfach mal seinen Nachbarn zum Essen ein - und zwar nicht über Whatsapp oder Facebook, sondern durch simples Klingeln an der Tür. Oder man schreibt mal einen netten Brief an alte Freunde.

Assassins Creed aber will uns weismachen, daß Gewalt eine Lösung ist, daß man oft nur mit hunderten aufgeschlitzten Bäuchen sein hehres Ziel erreicht und dass man locker mal Kirchturm springen kann, ohne sich den Knöchel zu verstauchen. Dass nenn ich mal, den Bildungsauftrag voll verkackt. Aber was will man schon erwarten, nachdem sich Filme inzwischen aus Videospielen heraus entwickeln.

Mir bleibt nichts anderes übrig als zu versuchen, mir diesen geistigen Müll mit Nusschnaps wieder aus der Gehirnschale zu brennen. Nastrovje ...
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Montag, 21. Oktober 2013
Die hartelinie 2.0 - das lyrische Todesschwadron
Zur Welt der selbstlosen Liebe gehört in einer dualen Welt auch der selbstlose Hass. Das muss man schon mal sagen, dürfen.

Das Völkerrecht wird nicht mit Füssen getreten. Es wurde und wird korrumpiert, entführt, gefoltert und ermordet - alles live mitgeschnitten, weil man wissen will, ob da nicht einer beim lustigen Vielstaatenspiel stört. Im Fussball nennt man das eine Schwalbe. Der Staat wird zur Finte und ist selbst der Terrorist geworden. Das ist kein Qualitätsmanagment nach ISO2000. Das ist gröbstes Verbrechen. Bei den heutigen Standards hätte man den Laden schon lange schliessen müssen.
Zitat meines Mannes: Bin Laden zumachen gegangen.

Dass Kriege und Hungersnöte die Wirtschaft am Laufen halten können, werden sie mit Rechten und Standards ausgestattet - Völkerrecht, Kriegsrecht, Genfer Konvention - um sich schließlich selbst daran nicht mehr zu halten. Wir leben in Zeiten in denen Rendition, black sites, Entführung und Folterzentren, wieder eingeführt werden. Demnächst werden wir die ersten think-tank-Begründungen lesen, warum wir hie und da auch mal vergewaltigen müssen.

In Alternativlos, Folge 29 erklären Frank und Fefe sehr deutlich, in welcher Weise unser Weltbild manipuliert wird, ganz im Sinne eines kranken, paranoiden Geistes durch unsere Unistyle-one-fits-all-Medien.

Rührt Euch! Hand vors Gesicht! Die Dekonstruktion des Staates, einer Nation, eines Kontinents, einer Welt, jener Kugel auf der wir leben, findet gerade statt. Der allgemeine Plan besteht darin, den Staat an die Wand fahren und den Bürger als Vollkasko zu verwenden. Der Bürger ist der Helm des Staates, dass dieser sich bei seinen Manövern nicht den Kopf anstösst.

Ich werde nicht aufhören zu sprechen, bis ich meine Stimme hinter mir wieder kommen höre. Ich möchte einmal um die Welt sprechen. Ich bin eine Spitzmaus. Und es ist mein Duktus als sprechende Spitzmaus mitteilig zu wirken. Sprechen ist für mich wichtig wie Echolot für Delfine. Ein soziales Echolot.

Mein Blog ist eine Kanzel, ein Geschützturm der vermeintlichen Wahrheit. Fest verankert in meiner persönlichen Dreifaltigkeit steht mein Dekonstruktionsgeschütz. Schnelle Feuerstöße. Sperrfeuer. Wir basteln Brand-sätze, auf dass neue Wurzeln spriesen im Bodensatz der Moral, Textsplitter für eine neue Saat im Aussatz der Ethik. Qualitätsgewalt aus gutem Hause.

Meine Ping-Rate geht hoch. Atmung, der Pulsschlag einer Atomuhr könnte nicht gleichmäßiger schwingen. Keine Affekte mehr, sondern kontrollierte Körperbewegung. Ein Tanz mit einer strengen Choreographie.

Sonar und Radar an den Start und die Antennen raus. Es britzelt auf der Haut. All die Koksnasen wissen, wovon ich spreche. Nur dass es bei mir nicht drogeninduziert, sondern bei jedem Einsatz einsetzt. Die Sinne schärfen sich. Ich scanne meine Umgebung. Angriffsziele, Fluchtwege. Sehen und gesehen werden, sehen, daß man gesehen wird, aber sich nicht ansehen lassen, daß man es sieht. Höchste Konzentration bei völliger Enstpannung. Auf Schleichfahrt.

Wir gehen mittags nicht essen, sondern setzen uns rüber an die mobile Einsatzzentrale und lauern als Sniper online.
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Donnerstag, 29. März 2012
Hinweis in eigener Sache
zum Thema "das eigene und das größere ganze: unterstützung und organisiertheit" aus den heiligen Hallen der Dhonau-Werkstätten, ... wo sich bunte Konstruktion und Dekonstruktion von Soziabilität die Hände reichen und sobei das Schwarz/Weiß verarmt. Siehe da ...
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Montag, 26. März 2012
Little brother






Kleiner Bruder,

Wie sieht sie aus die Zukunft? Verpixelt. Vielleicht auch ein wenig fog-of-war am Horizont, zeitlich wie örtlich. Da wo sich Videospiele und Dasein treffen werden, dort liegt unsere Zukunft. Bis dahin wird es Entwicklung geben. Dann nur noch einen status quo - urbi et orbi. Die Spiele werden immer realisitischer und die Realität immer digitaler und irgendwann macht es wumms. Ein Totalschaden auf der Zeitachse, time jam, Zeitstau.
Hin und wieder mal ein Update und Ende Gelände. Wer sich keine neue Version leisten kann, der schaut in die Röhre und sieht Flachbild. Die Unterschicht sieht dann nur noch 2D Monokanal. Wie eine Funkfessel wird sich unsere WLAN-Reichtweite erstrecken, bzw uns limitieren.
Der Grundplan der Zivilisierung, der eigentlichen Geissel der Menschheit, geht mit dieser Entwicklung mehr als konform. Einschränkung, Beschneidung. Ich möchte bei den Technikern arbeiten. Aussendienst, die Schrauben und Kabel richten bei den Zombies in ihren Höhlen, die I-Lifes wieder durchstarten beim Systemabsturz. Ist es nicht das Höllengleichnis, das uns besagte Fussfessel anlegt und uns an Bildschirme bindet, die Esel nur noch digital durch die Wüste führen?

Es ist die Doppelstrategie der Ü40, daß wir uns den Anwalt zwar bereits leisten könnten, aber doch lieber weglaufen sollten?!

Little brother, where are you now. Little brother, can't I help somehow?
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Samstag, 10. März 2012
Angstschweiss in Nordafrika - aus Frühling wird Sommer
Der Frühling ist eine Jahreszeit, der nach einer gewissen Zeit der Winter folgt.
Ob das beim arabischem Frühling auch so sein wird? Und wer findet Sommer in der Wüste schon wirklich so erhoffenswert? Der Begriff riecht nicht nur nach westlichen Denkmustern, sondern es ist ein ganz modriger Geruch, den wir aus dem Kolonialismus und vom modernem Gutmenschentum her kennen. Arabischer Frühling - wer anderes als die westliche Kapitalpresse könnte diesen Begriff wohl geprägt haben? Der Aufbruch in die Demokratie - so könnte es eine liberale italienische Zeitung titeln und darunter das demokratische Abbild eines Herrn Monti. Uns selbst entgleitet diese Demokratie wie ein glitschiger Fisch, den noch vor kurzem europäische Schiffangflotten dem arabischem Fischer vor der Nase weggeangelt hatten. In der Psychologie nennt sich das klassisch Übertragung. Die Mär vom tunesischem Gemüsehändler, der durch seine Selbstverbrennung die arabische Freiheitsbewegung in Gang gesetzt hat. Das hat Bildzeitungsniveau und gerade deshalb wurzelt es tief in den Hoffnungen jener Menschen, die sich Freiheit wünschen. Wenn sie diese Freiheit dennoch in Ansätzen bekommen, wählen sie schließlich die Moslembrüderschaft. Den Rest der scheinbaren neuen Freiheit konterkariert die westliche Politik und Industrie, deren Interesse es ist, daß nicht nur der Rohstoff Fisch für uns weiterhin billig zu haben ist.
Wir könnten die Freiheit kennen. Für eine repräsentative Demokratie konnten wir allerdings selbst noch kein Gefühl entwickeln in den wenigen Jahrzehnten, in denen sie hier um Einlaß gebeten hatte - ohne diesen jemals gewährt bekommen zu haben.
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Wenn man sich der Borniertheit hierzulande nicht total verwehrt, könnte man meinen, wir hier im Westen befänden uns in einem ausuferndem Zeitalter der Vernunft, wir wären die Schöpfungsgeschichte der Menschenrechte und die Soldateska der Freiheit. Den halben Planeten in kürzester Zeit vernichtet, preisen wir Werte, die wir selbst nie so recht zu Gesicht bekommen haben. Wir verweihräuchern unseren verfressenen Geist so sehr, daß die Theorie zur Praxis wird. Wir bauen uns eine Phantasiewelt, in der wir jene Guten sind, die den anderen das Lebensrecht verweigern, so daß wir es später als Hilfslieferungen wieder zurückschippern können. Wir kapern das arabische Öl, indem wir nicht nur dem saudischem Volk die Freiheit verweigern, und schicken den Restmüll in Plastiksäcken zurück. Das ist raffiniert, aber mit Ethik und ähnlichem Anstandsgemurmel hat es so wenig zu tun wie das derzeitige Arabien mit dem Frühling.

Der sogenannte arabische Frühling ist kein Marshallplan für Nordafrika, sondern deren fortwährende Ausbeutung unter einem anderen Vorzeichen. Vielleicht soll es verhindern, daß weiterhin Schiffsladungen von Verzweifelten über das Mittelmeer schippern, vielleicht allerdings soll es uns auch helfen, daß uns hierzulande nicht die Billigarbeiter ausgehen, jene Illegalen, deren Traumberuf ein prekäres Arbeitsverhältnis in Europa ist. Wenn derzeit die korrupte Elite der Dritten Welt nicht nur in Nordafrika vom Thron gefegt wird, so muss das nicht zwangsläufig bedeuten, daß es dem restlichen Volk zugute kommt. Ganz und garnicht. Ohne Ali Baba, nach dem arabischen Zapfenstreich, sind es immer noch 40, heutzutage multinationale Räuber.
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Dienstag, 10. Januar 2012
Europa ist keine Europäerin
Eine gemolkene heilige Kuh und der Rettungsschirm von Pan Tau


Gemolken wird, ob heilig oder nicht, die Kuh Europa. Schade, daß es seit der griechichen Krise keinen verfügbaren Stier mehr gibt (und somit auch keine der Besamung entstammende Kalbsleber mit Zwiebelringen).
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Ich hätt mal gern drei Helle auf die Schnelle, Frau Wirtin. Rücklagen? In Rückenlage gekommen vielleicht und vor Schreck verschluckt: da hilft nur Rückenschlagen. Ach, Sie kamen in Rückenlage, um eine Brücke zu schlagen. Aber warum denn Brücken schlagen? Zerschlagen vielleicht, abreißen, daß uns die Kuh nicht entwischt. Irgendetwas schien Sie zu Boden zu drücken. Aha! Die finanzielle Schwerkraft also.

Zwei kurze für zwischendurch und ein Rausch mit Langlaufzeit, eine Katastrophe in Raten, Frau Wirtin. In der Schule gut gemerkelt, heißt nicht, daß frau auch ein Luftschloß aus heißer Luft zu schaukeln weiß. Aber wer will das heute noch machen, ein besserer Lügenverkäufer zu sein als alle anderen. Mit dieser Art Parasitentum wird es erstes zur Neige gehen. Die Sekundärabsahner sind die, die später als erstes im Höllenfeuer landen. Da würd ich mal vorsichtig sein.
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Vorsicht auch mit der letzten Kuh, dem finalen Melken und der Schlachtung. Denn selbst diese ist Importgut. Europa war keine Europäerin, sondern kam aus dem Nahen Osten. Wollen wir hoffen, daß diese phönizische Kuh kein trojanisches Pferd ist.
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