Vorwahl 007 - der skripale Infekt im extralegalen Territorium
Mir scheint, dass mit der Skripal-Affäre unter anderem der Eindruck erweckt werden soll, so etwas wäre nicht das tagtägliche Geschäft eines Staates. Man darf den meisten westlichen Staaten zu Gute halten, dass sie sich mit Giftgaseinsätzen gut auskennen wie das im Wikipedia-Eintrag über chemische Waffen sehr gut zum Ausdruck kommt. Mit einem Großeinsatz im ersten Weltkrieg, Italien am Isonzo oder in Abessinien, mit den USA durch Agent Orange und Napalm in Vietnam. Selbst ein Herr Churchill fand noch 1919, "I am strongly in favour of using poisoned gas against uncivilised tribes.".

Niemand wäre auf den Gedanken gekommen, einem General Pinochet für die Ermordung Orlando Leteliers ans Bein zu pissen. Extraterritoriale Eleminierungen sind für Israel scheinbar keine Frage der Moral, sondern zwingende Bedingung für ihr Überleben. Barack Obama genehmigte in seiner Amtszeit weit über 2000 solcher Hinrichtungen. Nach einem Bericht von Serge Halimi in der April-Ausgabe der Le Monde Diplomatique sieht auch Francois Hollande in der außergerichtlichen Hinrichtung von Staatsfeinden ein legitimes Mittel - "während seiner Amtszeit durchschnittlich einer pro Monat".

Unter der Rubrik "War against Terror" wird von staatlicher Seite entführt, gefoltert und gemordet als wäre es nicht möglich mit Hilfe Justiz und Exekutive für Recht und Ordnung zu sorgen, wo es doch mit militärischen Mitteln eben viel leichter von der Hand geht und man sich nicht mit Beweisführung oder ähnlichem Mist herumzuschlagen hat.

Warum sollte es da einen Herrn Erdogan stören, wenn ein Berufungsgericht feststellt, dass Gülen-Sympathie keine Straftat ist. Darf er sich doch im Chor mit einer ausser Rand und Band geratenen politischen Klasse damit brüsten, inzwischen 80 Gülen-Anhänger in achtzehn Ländern festnommen zu haben. Man muss ihm im Grunde zu Gute halten, dass er ihnen ganz unamerikanisch keine Hellfire-Raketen hinterhergeschickt hat.

Man möchte es nicht glauben, doch selbst im alten Rom waren Angriffskriege verpönt, wobei es einiger Rethorik bedurfte, damit ein Weltreich zu erobern. Diese Diskussion können wir uns in Zukunft ersparen, nachdem USA & friends inzwischen dazu übergehen einfach einzumaschieren, wo sich eine Gelegenheit bietet, wie Grippeviren in einen geschwächten Körper. Das Recht des Stärkeren ist nun internationales Gesetz. Wer würde sich heute wirklich wundern, wenn morgen Burkina Faso in Luxemburg einmarschiert, oder die Fidschi-Inseln in China, weil die Welt ohne das Tier Soundso eine bessere wäre. Hauptsache postmodern, anything goes.

Ob Bienen-, Insekten- oder Vogelsterben, ob Tschernobyl, Fukushima oder Monsanto, ob Ferigpizza oder Diesel-Skandal, Steueroasen, Butterberg oder Zuckerberg. Irgendwie ist die ganze Atmosphäre vergiftet und ein wilder Haufen Soziopathen, der sich an keine Konvention mehr gebunden fühlt, hat den Planeten in Beschlag genommen. Ob Giftgasanschläge in Syrien oder Giftgas gegen russische Doppelagenten, geht es, wie im Artikel von Peter Vonnahme schön beschrieben, vorwiegend um die Vergiftung des Denkens. Ich glaube, nur die Liebe kann uns retten.

PS: Ich darf ganz kleinlaut bemerken, dass, wer auch nur ein bisschen politischen Grips mit sich trägt, die Skripal-Affäre bereits herannahen hätte sehen können wie ich eine Woche vorher am Ende des vierten Absatzes von "Jetzt check ich's erst". Ich möchte fast behaupten, dass die Politik unserer Tage fast schon nostradamisch vorhersehbar ist. Macron droht am 13.02.18 mit der roten Karte Linie bei einem Giftgaseinsatz und schon ist er zwei Wochen später da. Wie letzes Mal in Douma mit einer vorhergehenden Drohung Trumps. Es scheint, dass das Tier Assad immer nur drauf zu warten, dass man ihm droht. Es sieht fast so aus, als würden die Friedensvölker der NATO das Theater schon lange verlassen wollen, wenn sie nicht immer wieder eingeladen würden. So was lässt sich im Grunde auch ganz einfach mit Briefen erledigen, denn mit Giftgas. Aber mit Briefen kennt sich der Westen seit den Leiden des jungen Werther und Twitter nicht mehr so gut aus wie mit Giftgaseinsätzen. Schade eingentlich.


lalol am 16.Apr 18  |  Permalink
Ja,
wir sollten das politisch Dilemma der Menschheit, durch die Verabreichung eines Liebestranks beenden.
Krötenhaut und Spinnenbein, bei Mondschein in den Nussschnaps rein, fertig soll das Tränklein sein.
Sie müssen sich nur noch um den Vertrieb kümmern.
Lots oft Love

einemaria am 16.Apr 18  |  Permalink
Ich danke Ihnen
auch für diesen wertvollen und Liebeseintrag:

witzigerweise bereite ich mich gerade vor für die notwendigen Worte zur Wiesn 2018 und bin da auf ein ähnliches Tränklein gestossen: Freibier. Da geht dann auch der Vertrieb ganz locker von der Hand.

Ich hatte Sie ja bereits zu so einem solchen geladen, Freischnaps um genau zu sein. Jetzt müssen wir nur noch den richtigen Blog finden, wo wir das versüffeln können, oder in etwaigen Katakomben, den Lofts of Love. Also ... die Flasche ist am Start.