Bei einem konspirativem Treffen in einer Pizzeria südlich der peraridriatischen Naht habe ich mir sagen lassen, dass man in Deutschland jetzt den Faulenzern Beine macht -
wo man es beim Wal schon nicht geschafft hat.
Erhöhung der Sozialabgaben für die, die eh schon arbeiten und zeitgleich Attestpflichtverschärfung. Stinkfaules Teilzeit-Pack.
Die, die vorher schon nichts getan haben, wird das nicht viel jucken. Mich auch nicht wirklich. Wer sich so was als Chef im Haus wählt, selbst Schuld.
Ähnlich der Politik verhält es sich mit dem Wasser, dem es egal ist, ob es dich als Regen trifft oder dich in seinem Strom mitreißt. Es kriecht nicht wie eine Schlange auf der Suche nach Nahrung durch dein Gebälk, sondern tropft durchs Dach, weil es den Weg des geringsten Widerstands sucht. Das Wasser ist faul, träge, will immer nur seine kinetische Energie abstoßen, nach unten, nach unten. Nach oben nur, wenn Widerstände es zwingen. Die Welle ist keine Erfindung des Wassers. Die Welle wird dem Wasser aufoktroyiert vom Widerstand selbst. Kaltes Wasser ist noch fauler als warmes, welches sprudelt, blubbert, spritzt. Heißes Wasser dehnt sich aus, später kühlt es sich ab, bis es den kinetisch tiefsten Punkt erreicht hat, sich nicht mehr bewegt.
Vermutlich hat Wasser nicht besonders viel Bewusstsein, doch als Eisblock tief im Gletscherinneren findet es möglicherweise seinen tiefsten Frieden mit einem Fünkchen Bewusstsein und einem Lächeln. Permafrost, da ist jetzt bald Schluss mit lustig.
Ähnlich verhält es sich mit Steinen. Auch sie scheinen stets talabwärts zu wandern und nicht himmelwärts zu flattern wie die Vögelchen. Auch ihnen - zumindest dem Alpenstein - scheint die Hitze nicht zu bekommen. Alles rutscht ab. Ganz unbewusst, von äußeren Umständen getrieben. Der Stein selbst scheint bewusstlos, untätig. Selbst für den Steinschlag muss er nicht ausholen, sondern sich einfach lösen aus dem buddhistischem Dasein als Gesteinsblock im Alpenmassiv. Jeder möchte den niedrigsten Energielevel erreichen, nur der Homo sapiens sapiens will nicht altern und schon gar nicht sterben.
Und mit der Arbeit ist das so eine Sache. Wer ist schon wirklich Fan von Lohnarbeit. Aber Hobbykeller und Autoschrauben, den Garten voller Blumen, da zahlt man sogar dafür, dass man was tun darf. Gilt die Attestpflicht ab dem ersten Tag auch für den Bundeschef? Kann man sich gar nicht vorstellen.
Die zweite Junihälfte ist eine aktive Zeit. Termine, Termine. 24.Juni Johannistag, 27.Juni Siebenschläfertag. Letzte Rhabarberernte, Johanniskrauternte und im Beerenfeld der ungleiche Kampf gegen das Vogelvolk.

Alles erwacht - auch ohne Arbeitsvertrag.

Ich stehe in einem Feld vom Berufskraut mannshoch, das eigentlich Garnichts tut als faul rumzustehen und leicht im Wind zu schaukeln. Blutbleich und butterweich, Sonnenschmelze. Die Schürze umgebunden, den Rücken-Akku draufgeschnallt, 5kg, gefühlt mehr, drüber den Tragegurt, vorsichtig, weil die Lasche fast schon ausgerissen, die leichte Mütze auf, wegen der Sonne und dem Dreck, den Freischeider eingehängt, beladen wie ein Packesel, Kopfhörer auf und los kann's gehen.
Der Fadenmäher arbeitet sich langsam den Hang hinab, langsam genug für die noch etwas unreife Blindschleiche.
Er elektromotorsenst sich durch die Pflanzenfront aus Süßgräsern, Storchenschnabel und Hahnenfuß, durch Lichtnelken, Akeleien und monströse Wiesenkerbel. Der Pflanzensaft spritzt fast schon erfrischend auf die von Brennnesseln angegerbte Haut. Gundermann, Glaskraut und Giersch geben in ihrer atomisierten Form diverse Geruchsnoten von sich.
Ein sensorisches Konzert nicht immer nur angenehmer Gefühle - auch für die Wiesenbewohner wie die rote Mordwanze,

die Böcke,

und die Raupenfliege

Rund um die freigeschnittene verbliebene Lichtung Wald so weit das Auge reicht, wo einst noch prächtige Almwiesen ihr volles Antlitz zeigten. Die subsidiäre Viehwirtschaft hat es einfach nicht in die Moderne geschafft. Sie ist wie ein lahmender Gaul auf der historischen Strecke abgeblieben. Ohrmarken, Veterinärskosten, Haftpflicht und als Todesstoß die Wiedereinführung der Wölfe.

Der tagsüber talaufwärts rauschende Wind mischt sich mit seinen zarten hohen Tönen in das gurgelnde Treiben des Baches und den Rufen des Kuckucks. Der Mann in der blauen Schürze mit Edelweiss hat sein Tagwerk getan. Das Surren des Freischneiders meldet sich ab, während sich die Buchfinken als Solisten im Orchestergraben einfinden.
Kinder sagen dir gerne die volle hässliche Wahrheit, wenn du alt wirst, tut das dann jeder.