Das kotzt mich an - der Brezensalzer in Verruf
So ist das also. Die Persönlichkeitsrechte von Entmenschten. Er darf mir vor die Füße kotzen und meinen Heimatort in ein Schlachtfeld der Körperentleerung verwandeln, ich ihn dabei aber nicht fotografieren. Hank William III hätte dazu nur folgende Antwort. Ich aber bin für Meinungsvielfalt. Mit allem, was ich habe, stehe ich ein für die Meinungsfreiheit meiner größten Kritiker und Feinde. Ich möchte ja hören, was sie stört.
Die Kritik an der Idee von muenchenkotzt.de kommt auf dem Glatteis der Absurdität allerdings selbst ins Trudeln. Stellen wir also, wie gefordert, den Körper über den Geist, wie es die Kritiker fordern. Das finde ich dann doch auch eine ganz witzige Idee.

Ich meine, deutlicher läßt sich meine Einstellung wohl nicht darstellen, als durch meine Jahresbeiträge zum Wiesnmassaker. Ich bin ein eindeutiger Bacchus-Fan, ein Anhänger der sinnlosen Hirnvernichtung. Wie oft bin ich schon durch die Stadt gefallen oder auf allen Vieren in die S-Bahn eingestiegen. Ich bin pro Rausch. Und jene Abgelichteten sind meine Bodentruppen, der Stein auf den ich meine Kirche baue, ein stabiler liegender Stein sozusagen, ein Stein, der sich 110 % der Erdanziehung hingibt. Masse ohne Energie. Der Körper also weit über dem Geist.

Aber die taz weiss es besser. "Sie fotografieren Betrunkene in entwürdigenden Posen oder bei sexuellen Handlungen, um sich dann über sie lustig zu machen." entlamt sie sich.

Im Vollsuff liegt keine Hintergründigkeit verborgen. Das Innen kehrt sich hier nach aussen. Jedes andere Foto zeigt genausoviel Entwürdigung, sprich Würdigung des im Alltag Verborgenen - nur sieht man es nicht so deutlich wie beim Kotzen (und übrigens auch beim angstrengenten Scheißen).
Hier sei vermerkt, dass ich nicht selbst fotografiere, sondern die Fotos verwende, die Abertausende auf Wiesn schiessen. Mein Wort ist das Medium. Zudem geht es weniger um Posen und noch weniger um sexuelle Handlungen, sondern vorwiegend ums Kotzen, doch schon hier beginnt die Verdrängung zu wirken. Viele, leider vielleicht die Meisten, gehen inzwischen aufs Oktoberfest, um mal so richtig die Sau rauszulassen und anderen dabei zuzusehen. Aber ungeschminkt darf man das so nicht mehr aufs Tablett bringen. Dieses Jahr keine Bilder mehr und nächstes auch keine Schriften.


Wie auch die Medienethiker.wordpress:"... der springende punkt ist sicherlich, ob die menschenwürde der gezeigten nun verletzt wird oder nicht. in meinen augen wird sie das. auch, wenn der großteil der abgelichteten an seinem zustand wohl selbst schuld trägt."


Ihr sollt nicht kotzen und ihr anderen, vielleicht selbst Kotzenden, dürft das ab 2014 nicht mehr fotografieren. Das ist der allzumenschliche Verdrängungsmechanismus der Ausblendung von Unerwünschtem. Dass sich die scheinbar so pikierte Presse samt Rechtsanwälte wirklich um die Menschenwürde der Abgebildeten sorgt, mag man bezweifeln.
Eine bessere Werbung als den Pressewirbel gibts wohl nicht. Alles ist Kunst, aber das Schwierigste an der Kunst ist das Geldverdienen. Ich denke, es geht der Presse und den Rechtsanwälten vorwiegend ums Geld. Und das möchte man verdienen, indem man die Kunst verbietet.

Weil dieser Teil unserer Wirklichkeit ausgeblendet bleiben soll, blendet sich hier die 'linke' Presse ein mit ihrem Ethik-Halogen, und nimmt jene Bacchanten und Mainaden unter ihre Fittiche, um sie, nachdem sie sie vor uns geschützt hat, letztendlich selbst aufzufressen.

Sie wollen eine Welt in bio-weiss, in natürlicher Ordnung und geordneter Natur. Sie sind die Sauberer, das politisch korrekte Herrschaftsmodul. Es sind die ein wenig ins Alter gekommenen Mitvierziger, die auch mal anschaffen wollen, wie die Welt um das letztendlich kapitalisierte Eigenheim auszusehen hätte.

Die konservative Presse hat damit kein Problem, sondern bringt die Fotos gleich selbst.


nnier am 27.Okt 14  |  Permalink
Es existiert ein Trend zum "Selfie mit ..." (Obdachlosem, Komapatienten usw.), der mich durchaus verstört: Kameragrinsen frei von Mitgefühl vor elender Kulisse bzw. leidendem Menschen. Dieses Draufhalten mit der Kamera auf jemanden, der offenkundig Hilfe braucht und statt dessen noch bloßgestellt und vorgeführt wird, ist mir widerlich. Allerdings habe ich die Bilder bei muenchenkotzt nie so empfunden, das waren nach meiner Erinnerung keine Individuen als Trophäen, sondern Sittengemälde, überindividuell und allgemeingültig, und dazu passt dann auch, was Sie schreiben.

einemaria am 28.Okt 14  |  Permalink
Danke danke danke
besser kann man es nicht sagen. Selbst der schwarze Balken stört ungemein, denn bei jenen Sittengemälden steht ja eigentlich der Gesichtsausdruck an der Ausdrucksfront, geschwächt und doch kampfesbereit.
Aber was soll's. Die Journalie zwingt uns ja gerade zu einem Fake. Und so wird es wohl kommen, dass wir, die aktiven Teilnehmer von münchenkotzt, uns absichtlich mit Darmgrippe infizieren und die Fotos auf diese Art und Weise selbst produzieren.

Auf jeden Fall wird es ausdrucksstark.

prieditis am 27.Okt 14  |  Permalink
Bevor Sie mich auf diese Seite hinstupsten, da hatte ich ein ganz ein anderes Bild von diesem sogenannten Oktoberfest.
Insofern waren diese Bildreportagen ja geradezu aufklärerisch!

Schade, daß der am Stock kriechende Journalismus diesem Journal den Garaus macht.

einemaria am 28.Okt 14  |  Permalink
Wie gesagt,
wir werden das nächstes Jahr wohl anders angehen müssen.

lunzn weinseppl am 31.Okt 14  |  Permalink
Das kotzt mich an ...
ein kluger comment von

Paskal
September 24, 2014 at 5:36 am

Ich muss Ihnen widersprechen: Nicht durch die Veröffentlichung wird die Menschenwürde verletzt; vielmehr wird die Selbstverletzung der Menschenwürde abgelichtet und gleich einem Mahnmahl “hingestellt”. Auf diese Weise wird unserer Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten. Man sollte sich also getrost darüber Gedanken machen, nicht aber über das Ablichten.

danke!

einemaria am 01.Nov 14  |  Permalink
So is es
Es ist selten der Spiegel, der hässlich ist.

einemaria am 12.Mrz 16  |  Permalink
Nur der Ordnung halber möchte ich noch darauf hinweisen, daß der die das Schreiber des taz-Artikels mindestens das Hundertfache dessen verdient hat, was unsereins mit dieser Seite verdient, so denn Null mal Hundert Hundert wäre. Da hätte ich den Beitrag doch besser münchenkotztaufdietaz betiteln sollen. Da schmeckt mir gleich mein Bier nicht mehr odersollte ich mich in meiner eigenen Kotze ersaufen, um wieder besser drauf zu kommen.