Sonntag, 19. März 2017
Aus dem Stand heraus
... solange man eben noch stehen kann. Besser also vor dem Kneipenbesuch mal was schreiben als es aus dem Bauch herauskotzen, nachdem man davon zurückkommt. Vielleicht könnte das gar zur neuen Kolumne heranreifen: Liveberichterstattung von den Morgennachrichten für alle, die keinen Radio mehr besitzen.


Cyberattacken auf die Wahlen: aha. Wie soll das denn funktionieren? Die Kreuze kommen da doch drauf, indem man mit etwas billigen Stiften was draufkritzelt. Sie kommen, so hoffe ich, nicht aus der Druckerablage. Ich kann man mir beim besten Willen keine virtuelle Attacke auf physikalische Wahlzettel vorstellen wie auch ein Cyberangriff auf meine Stammkneipe kaum vorstellbar ist. Ein Beschuß durch Bierdeckelhologramme oder Informationsverlust im Schnapsglas durch Datenabsaugung?

Beim Abgassakandal verhält es sich schon wieder ganz anders. Den kenne ich vom abendlichen Wirtshausbesuch nur zu gut. Das kann man nachvollziehen. Vermutlich der einzige Punkt, wo sich die Stimmen aus dem Radio mit meiner Lebenswelt überlagern.

Beim Thema Politik allerdings konnten wir trotz jahrelanger Recherchen keine Legitimationsgründe finden. Für was brauchen wir Politiker, die wir wählen und dann auch noch deren Gehälter aus dem Steueraufkommen bestreiten, während sie sich vorwiegend um die Sorgen und Nöte der Wirtschaftsriesen kümmern?
Uns ist da kein Grund eingefallen, warum wir nicht gleich die Vorsitzenden der Großbetriebe wählen sollten. Direct Democracy. Und wenn inzwischen transnationale Firmen kapital- und somit entscheidungsstärker sind als die meisten Staaten, wäre es nur folgerichtig, sich einer solchen anzuschließen und das Staatsbürgertum ein für allemal abzuschaffen. Citizen of Google oder ein Paß von Microsoft, das wärs.

Nein, was ich da im Äther so höre, klingt wie aus einer anderen Zeit. Ich brauch keine Nachrichten von gestern. Ich will wissen, was morgen passiert. Keine Nachrichten, sondern Vorrichten.
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