Freitag, 24. April 2026
Der sudanesische Wal - Offenbarungen an meinen Chemotherapeuten
Man hat mich nicht von Geburt an zu jeder Gelegenheit nach Südtirol/Alto Adige, später auch über die südlichen Grenzen Polentoniens hinaus, geschleppt, jede Sekunde meiner Ferien, Fenstertage und verlängerte Wochenenden, ohne dass ich irgendwie ein wenig Italiener geworden wäre. Der Coretto aus Triest, wo man seine österreichische Abstammung noch in jeder Kaffeebohne riecht, die Pasta in Bologna, dem Magen Italiens, das Sprechen mit den Händen.

Ich bin kein grosser Freund von Essen, der ich mein Gemüt täglich in Nussschnaps bade. So würde ich ohne italienische Küche vermutlich schon lange verhungert sein. Und man muss vom Kochen nicht viel verstehen, um festzustellen ob ein Pizzaolo den Teig in den Steinofen geworfen hat, oder man in einer Welt gelandet ist, wo die Pizza so überladen ist, als würde man nicht merken, dass es sich um Ferigpizza handelt.

Und was bekommt man hier serviert: Fertigpizza mit Analogkäse und Emulgator-Rand, Convenience-Produkte. Das wirkliche Essen sieht man hierzulande nur noch in Koch-Shows. Serviert wird digital.

Ich spreche hier in Metaphern, denn eigentlich geht es um den sudanesischen Wal - den Bruder des Buckelwals von Poel.
Sicher, wer strandet, dem sollte man auf die Beine helfen. Und wer keine Beine hat, dem werden welche angenäht. Und wer es dann trotzdem nicht schafft, der kommt ins Fernsehen ... solange es sich - und das sollte man wissen - erstens um ein Tier handelt und zweitens irgendwie in unserer Nähe beheimatet ist. Mit sudanesisch wird das nix und auch nicht mit Betriebsratswal.

Wir bekommen serviert, was es im Klärbecken unserer Medien durch die Filter schafft. Erstklassige Berichterstattung heisst, dass die Dritte Welt mit zehntausenden von Toten und auch zweitklassische Großmächte wie Russland mit Gedenkveranstaltungen an einen millionfachen Völkermord darin nicht vorkommen.
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