Donnerstag, 4. März 2021
Der Impfpriviligist
Mit hochdosierten Vitamin-E oder -D-Ladungen wird man die viralen RNA-Schleudern wohl nicht abschrecken oder niederstrecken können.

Ich will ganz ehrlich sein. Trotzdem ich viel von meiner doch sehr kostenintensiven Breitbandantibiotika-Therapie überzeugt bin - ich rauche - mache ich mir da nichts vor. Das wird alleine nichts helfen. Selbst wenn ich mir über hundert Gifte durch tiefes Inhalieren in die letzten Winkel meines Körpers treibe, werde ich mich damit schwerlich gegen das Corona-Virus immunisieren.

Man wird auch keinen Impfschutz erreichen, indem man heimlich die letzten Blutreserven der in häuslicher Pflege befindlichen Oma anzapft - obwohl ich hierzu bisher noch keine belastbaren Studien finden konnte. Beim Impfen wird es also bleiben, wie es bei der Rente schon ist: First come, first serve. Die Letzten werden die Ersten sein.

Das ist doch mal was, wenn die ganz Alten mal die Ersten sind, die wieder Leben in unseren Alltag bringen. "The Roaring 80s" wie man ja so sagt. Knochen knacksen, Gelenke knarren, und überall das Surren von Rolatoren. Morituri te salutant - die Totgeweihten grüßen dich.
Aufgrund der Annahme, dass die erste Touristenschwemme der über 80jährigen Europa bald erreichen wird, wäre es ein geschickter Zug, die Reisebüros in Altenheime zu verlegen und dem Roten Kreuz/Halbmond, die Caritas und Kumpanen bei der Lufthansa zu beteiligen. Was liegt näher als ein Johanniter-Kreuzfahrtschiff oder Massentransportmittel für Rolatoren und Rolatorinnen.

Der Rest wird darben müssen, wenn man nicht gerade in der Altenhilfe tätig ist. Oder ... der Impfalgorithmus ist einem irgendwie wohlgesonnen.

Ich habe mich aufs Geratewohl einfach mal registriert. Eher so nebenbei, im Glauben, dass da eh nichts passiert. Mein Impfterminrechner hatte als Impftermin das Jüngste Gericht errechnet. Ich habe die Angaben wahrheitsgemäß eingetragen und siehe da: Drei Tage später kam der Vorschlag des Impftermins.

Nun wohne ich nicht in einer der Metropolen, sondern in einer Gemeinde, wo man für Autozulassung und einen neuen Pass keine Nummer ziehen oder anstehen muss. Ich habe täglich mit vielen Menschen live zu tun und muss auch sehr alte Menschen treffen. Ich selbst habe - zumindest aus Sicht der futuristisch denkenden Rentenversicherung - noch nicht die Mitte meines Lebens erreicht und bin doch schon geimpft. Ad Astra, zu den Sternen, wie Seneca zu sagen pflegte.

Jetzt weht mir der scharfe Wind der Neider entgegen. Es hagelt Kritik und Vorwürfe wie beim jüngsten Gericht.
Ich werde gehasst, als hätte ich die Sieben Plagen durch irgendeinen schwarzmagischen Trick irgendwie umschifft.

Selbst aus dem HomeOffice und von Seiten vieler Kürzestarbeiter werde ich mit Flüchen belegt, von Menschen also, die im Gegensatz zu mir also nicht tagtäglich mit Dutzenden von potenziellen Virenlasten umlagert werden.

Rund die Hälfte der Neider, wie sich herausstellt, sind selbst noch garnicht registriert - das würde ich diesen Menschen dann doch mal vorschlagen - oder noch besser, wissen noch nicht einmal, ob sie sich impfen lassen wollen. Die Nebenwirkungen und so! Bei mir war das dann der Nachfolgetag mit leichten Erkältungserscheinungen. Und der COVID-Arm! Dann warten Sie mal, wie sich das anfühlt, wenn Sie statt im Impfzentrum das Astra-Zeneca, mal von der Arzthelferin die Tetanus- oder Gelbfieberimpfung reingepresst bekommen. Das ist dann mal Arm!

Aber Impfdrängler schreien, weil man das Wort eben mal gelernt hat oder daran einen besonderen phonetischen Reiz entdeckt hat.

Ich trage nach wie vor Maske, ich kann nach wie vor eventuell jemanden anstecken, ich habe keine Privilegien, ausser dass ich mehr als vermutlich keine Notbetten oder Intensivstationen blockieren werde. Das wars.

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Diesen Beitrag habe ich, in Anbetracht der derzeit stattfindenden Polarisierung und mentalen Volksstörung, unter der Rubrik "Dezivilisierung" laufen. Hier stimmt was nicht.
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