Mittwoch, 27. August 2014
Na, es san hoid Arschlecha

"Is heute Scheisse Hitze, DuHu Re(*)."

Zitat aus Ampfing (*neoanatolische Gottheit)


Dass der Olymp irgendwann seine Götter überholt, wer hätte das gedacht. Keine Götter mehr im Himmel. All der Glaube, weg. Abgetötet wie Wurzelfäule, nur von aussen her. Vom Trieb zum Täter, von der Blattspitze bis zum Papst, diese Knolle - tritt zurück, der Vertreter Gottes und jetzt soll es zwei geben, Benedikt und Franziskus. Was für ein billiger katholischer Taschenspielertrick. Mal der Biotechnologie eins klassisch auswischen wollen mit der vatikanischen genfreien Papstklonung. Herrje, wo sind die nur gestrandet?

Auf dem Olymp kein Betrieb mehr. Nur das Firmament bleibt bestehen wie Ruinen der Religion. Heute grau durchwachsen. Nur noch terrestrisch laufen sie umher, schwarzverhüllt, die Vertreter der frohen Botschaft.

Die Götter nicht mehr da, glaubt man nun an das Wetter. An das was man am Himmelsgewölbe oder in Form ekelhafter Wassertropfen auch mit den himmelwärts gerichteten Augen wahrnehmen kann. Wegen des Gewitters will der Schlagrahm nichts werden und bei Vollmond soll man sich nicht rasieren.
Inzwischen ist es nicht mehr Gottes Prüfung, sondern das Wetter ist schuld an den Krankheiten, die über uns hereinfallen wie Heuschnupfen, Missernten, Mäuseplagen und schlechter Schragrahm. Es sind nicht mehr die Reiter der Apokalypse, die uns peinigen werden, sondern das planetäre Eleminationsprogramm des Klimawandels. Die Sonne ist schuld, finde ich zumindest.

Und hätte sich Galilei, dieser Obernaseweiss, nicht so arrogant noch vorne gedrängelt, würde sich auch heute noch die Sonne um die Erde drehen. Klimawandel wäre ein Fremdwort, die Sommernächte angenehm lau und Weihnachten unter einer warmen Schneedecke.
Aber neee. Die Kirche hats vermasselt. Einmal verläßt man sich auf die Saubande, schon ist man verlassen. Dass die Idee eines Mannes wie dem Knilch Galileo Galilei sich gegen ein Imperium von Kirche und Monarchie durchsetzen konnte, wo man heute selbst Grundbegriffe wie Demokratie und Menschenrechte auszumerzen in der Lage ist. Unerklärlich. Die Inquisition war ihr Geld nicht wert, sag ich. Die haben ihre Chance vergeigt, diese Kopfbedecker und Schwarzkleider.


Nachdem die Wetternachhersage gut angekommen ist, möchte ich mit einem Beitrag aus den grantigen Gegenden des Alpenraums, mit einem Zitat aus einer bayrischen Bäckerei morgens um halb Acht, zeigen, dass selbst dieser letzte Gott, das Wetter, dem Schicksaal der Zeitlichkeit verfällt:

"Host as Wetta heid scho gsäng?"

Eine wunderschöne Frage, die nur zu gut von der tiefen, mariengläubigen Liebenswürdigkeit der Altbayern herrührt. Denn sie läßt dem Befragten viel Handlungspielraum. Indem er der Wetterfalle komplett ausweicht, mit:
"Naa, und es interessiert mi aa ned. Zwoa Brezn."

Oder fatalistisch, fast teilnahmslos:
"Do brauch i gorned hischaun. Renga werds. Vier resche Semmeln und oane von de feichtn Brezn. ... Wenn's heit no neibasst."

Nur der Saupreusse geht voll auf den Leim und hält die Frage für eine Frage.
"Ja, wunderschön heute. Schon die ganze Woche. Ich konnte die Jungs am Wochenende den ganzen Tach draussen spielen lassen."

Jeder halbwegs bewusstseinsfähige Oberbayer versteht, dass eine freundliche Frage am frühen Morgen niemals freundlich, sondern stets infam und verhöhnend gemeint ist. Zudem ist das Wetter traditionell schlecht und auf Tradition wird viel gegeben. Sollte wider Erwarten dennoch die Sonne scheinen, so ist dies eine trübliche Ausnahme, der Erwähnung nicht wert. Das begreifen hierzulande sogar die Hunde, egal woher, nur die von der Arktis südwärts drängenden Völker scheinen das nicht in ihren Schädel zu bekommen.

Es interessiert zudem wirklich niemanden in diesen Gewölben der Mehlgeister, Teigroller und Stehtischfrühstücker, was die horrende Jungpreussenrotte am katholischen Wochenende so getrieben hat. Nur bleibt dem so geschlagenen Fachverkäufer in seiner bayrischen halbwegen, getrübten Realitätsoffenheit nichts als sich murrend dem Teiggebäck zuzuwenden und sich selbst für die Frage zu verdammen.

Dies versteht die als Durchreisende Verstandene und als Nichtgewollte Gebliebene nicht und missversteht es als interkulturelle Annäherung, als liebgemeinte Frage übers Wetter und, da hilft auch kein noch so energisches späteres Granteln und Schimpfen, bleibt. Der Preusse, deswegen Sau-, bleibt hängen an diesem vordergründig freundlich wirkendem München und presst sich schon ganz ansässig auf die überfüllten Bierbänke. Er übertüncht seine Amoralität durch laute, militärische Sprache, die so tut, als wär sie überall zuhause und bestellt falsch beim Bäcker.
"Tja, der Jens, der alte Schlingel. Aber wenn Sie schon dabei sind, Geben Sie mir doch drei von den Schrippen, ne Schwäbische Seele, bitte, und n Stückchen Apfelrolle. Wenn Sie so lieb wären."

Da fällt einem wirklich nichts mehr ein. An diesem Satz ist einfach alles falsch. Beim 'Tja' angefangen bis zum Vornamen. Für solche Leute bin ich nie dabei. Schrippen ist eine Anmassung deren Bestrafung kein Mass kennt und schwäbische Seele bekommt man bei uns geschenkt. Behalt dein scheinheiliges Bitte für dich, besonders so früh am Morgen. Und ein Stückchen Apfelrolle bleibt a Schtügal vo dem Apfezeig.
Was bleibt einem da, als nach den lätscherten, lapprigen Semmeln zu gruschen, die Apfelrolle in die Semmeltüte zu bazen und sich beim Wechselgeld grob zu verzählen. Saubande.


Das Beispiel ist natürlich aus dem letzten Jahrtausend, denn das Wetter findet in die heutigen Selfservice-Bäckereien einfach nicht hinein. Hier herrscht wohltemperiertes Schweigen. Wir hier in München, am Puls der Zeit, sind an einem zivlisatorischem Punkt angekommen, wo selbst das Wetter bald keine Rolle mehr spielen wird. Der letzte Gott fällt vom Olymp. Es sind antiquierte Restbestände in Ampfing, Orte persönlicher Felder und verhagelter Nähe, wo heute noch übers Wetter geschimpft wird. Örtchen, wo sich der Wettergott noch nicht in Silberoxidwolken aufgelöst hat.

Familienbäckereien vielleicht, wo die Familie noch hinter der Auslage steht, mit einem Jesus am Kreuz, in der Ecke, dass er im Falle eines Wunders nicht die Semmeln vollblutet.
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