Das Penzberger Schisma
Weil man sich in München die Recherche nicht mehr leisten kann - über 5 Euro für 0,5 Liter Bier, in der Kastanienklause glücklicherweise noch 3,10 Euro - so soll es journalistisch dieses Jahr ins Münchner Umland gehen. Zum Beispiel nach Penzberg:
Mancher mag denken Penzberg wäre ein bedeutungsloses Kaff am Rande der Alpen. Weit gefehlt. Man mag den Dorfcharakter daran erkennen, was es in Ortskernnähe nicht gibt: eine bayrische Wirtschaft und eisblaue Bächlein.

Penzberg war in früher Vorzeit, nach bisherigen Forschungsstand, der Ausgangspunkt für das abrahamitische Schisma, die Teilung der Einheitskirche in katholisch, evangelisch, muslimisch. Das Penzberger Schisma. Hier also floss das Blut der Glaubenskriege in solchen Fluten, dass seine Bäche heute noch die rote Farbe führen.

Ehe ich mich der Teilung selbst zuwende, möchte ich den Begriff der Bierwüste klären, der emotional oft falsch gedeutet wird. So es in der Sandwüste viel Sand gibt, gibt es in der Bierwüste viel Bier. Somit fällt Penzberg mehr in die Kategorie der Sandwüste als der Bierwüste.

Wie sich an den Spuren des Schisma-Denkmals ablesen läßt, hat sich diese Teilung bereits vor der natürlichen Bildung von Biergärten manifestiert. Ehe sich die katholischen Wänste der Ausbildung ihrer Religion in flüssiger Form zuwenden konnten, hat sich hier der monotheistische Glaube in eine Superposition begeben, aus der heraus sich eine ordentliche bayrische Wirtschaft mit Biergarten nicht mehr entwickeln konnte.

So müssen wir heute Vorlieb nehmen mit einem Cevapcici in einem Jugo-Biergarten, der, das muss man bemerken, ganz ordentlich an einen Hang gebaut ist, wie sich das aus technischen Gründen eigentlich auch gehört. Durch das frühe Schisma blieb es Penzberg also leider verwehrt, einen ordentlichen Dorfcharakter herauszubilden, so daß es auch heute noch als Transitstation fürs Ausflüge aufs Land dient - mehr aber leider nicht. Armes Penzberg.