Freitags? oder Arbeit verliert Mann
Freitags bin ich nie da. Nicht dort, nicht hier, nicht da.

Freiertags, das wäre eine Übergangslösung, jeden Freitag ein Feiertag als Gewerkschaftsprogramm, aber wer bezahlt die denn überhaupt, wenn keiner mehr arbeitet. Wer arbeitet denn bitte an einem Tag, der Frei-tag heißt, bitte, hallo? Mehr Stunden, weniger Geld und schlechte Aussichten, so lautet die Devise. Wie ausgenockt ist denn dieser armselige Kampfeswille. Ich habs schon so oft in den Wind gesprochen, ohne Wirtstier überlebt kein Parasit. Das scheint dem Parasiten aber herzlich egal. Beim Untergang des römischen Reiches könnte es das Quecksilber in den bleiernen Wasserrohren gewesen sein.

Arbeit? Welche Arbeit denn? Meetings und Schulungen, 140+ auf dem Arbeitszeitkonto und am Puls der Zeit und immer noch keinen Kunden gesehen. Hierzulande dürfen wir doch eher von der Simulation der Arbeit sprechen, von ihrer Theoretisierung, viel besser, von der Pauperisierung der Arbeit, weil sie keine Arbeiter mehr hat und letztere keine Arbeit. Die Arbeit krankt. Aber ganz gewaltig. Auf den ersten Blick nur ein schwerer Hüftschaden, erst wenn sie näher kommt, sieht man, daß sie nicht mehr tickt, nicht mehr richtig.

Die Arbeit krankt, sie krampft. Sie zieht sich zusammen. Denn da, wo sie noch zu finden ist, ist sie dann voll da. Eine Arbeitsintensität an wenigen Orten, eine Arbeitskonvulsion. Vielleicht ist es nur ein Epi, vielleicht ist es der Grand Mal, vielleicht brauchen wir einen Defi.

Ist das Herz oder ist es nur Karies, die wir in der Arbeitswelt beispielsweise als Laubbläser wiedertreffen, laut statt leise, teuer statt billig, umweltschädlich statt -freundlich. Das ist Fortschritt wie ich ihn kenne. Mit dem Auto zum Bahnhof, aber 10 Minuten Parkplatz suchen. Nichtfunktionierende Maschinen ersetzen den Arbeiter. Für mich ist das die Arbeitsverschmutzung (siehe Der Mensch im Kapitalismus von Lucien Sève). Da muß man schon absichtlich bekloppt sein, um das nicht zu begreifen.

Und weil ich immer von der Aufkündigung des Generationsvertrages spreche, von meiner Seite, so will ich schon mal klarstellen, daß dieser von der anderen Seite Zeit meines Lebens bereits gekündigt worden war und wurde. Die Kinder durchs Leben prügeln und dann die Rente vom Staat eintreiben lassen, das ist ... Liebe.

Ich hab heut nen guten Tag. Ich fühle mich als die neue Inquisition - das tempus finitum des Jetzt und ewigen Jetztes. Ich möchte die alten Garden, Gardinen, Haudegen und Haudeginnen hier sprachlich mal an die Wand stellen. Und tun, was an Wänden so getan wird. Binde nicht mehr nötig weil schon grauer Star.

Die porotischen Gichtgriffel nochmal richtig weich prügeln, wie in der Schule. Dann bleiben sie zwar Steif wie zum Gruß bereit, aber unter der Erde soll uns das egal sein. Goodbye Fuckers. Selbst die Erderwärmung auf dem Buckel und am Arsch, nur daß es auch im Sarg schön warm wird. Das ist typisch Generation Xtra-fies.

Und weil es bei Trommelfeuer schwierig ist, das Kollaterale zu minimieren, will ich mal nicht an mir halten und das Generation. Die ganzen AbsahnerInnen jeglicher Coleur und egal wie alt, die sich am Gut anderer vergriffen und vergreifen und noch leben.


c17h19no3 am 25.Nov 11  |  Permalink
wenn man alle irrationalen entscheidungen und all das blabla streichen würde, dann müssten wir nur noch montags arbeiten.

aber wenn man all das blabla streicht, gäbe es auch nicht mehr viel zu bloggen.
und das sagt eine, die lebtschreibt nur von wochenenden. ;)

die musik und auch der name der band passen wie arsch auf eimer zu ihrem schreibstil.
damit sind sie eine der wenigen bloggenden, von denen ich kein inneres bild habe. sie könnten alles sein, männlein oder weiblein, alt oder jung, stadtkind oder landpomeranze...

jean stubenzweig am 25.Nov 11  |  Permalink
Lesen soll ich
«Der Mensch im Kapitalismus» von Lucien Sève. Und lesen tu' ich: «Tunesisch denken» von Charlotte Wiedemann. Da bleibt einem ja der Kommentar weg.

einemaria am 25.Nov 11  |  Permalink
tja. schließlich sollte man die zeitung kaufen oder besser noch abonnieren.

jean stubenzweig am 29.Nov 11  |  Permalink
Als jahrzehntelanger
Alt- und Vielabonnent aller möglicher Zeitungen und Zeitschriften von Apothekenumschau, Bäckerblume über konkret, Mare bis hin zu lettre sowie St. Pauli-Nachrichten und gar eine Zeitlang der taz nehme ich mir die Freiheit: Der Mensch im Kapitalismus von Lucien Sève.

einemaria am 29.Nov 11  |  Permalink
Das macht Sie eben unersetzlich, danke. Wie Sie das nur immer machen.
Beim Ausufern, scheine ich die Seemitte etwas aus dem Blickfeld verloren zu haben. Ich sollte mich etwas besinnen, ehe ich mich erneut den Wortschwällen widme.

kopfschuetteln am 25.Nov 11  |  Permalink
immer noch keinen Kunden gesehen?

der kunde, der steht im mittelpunkt und damit eindeutig im weg.
arbeit jibbets auch ohne kunden ohnehin jenuch: schreibtisch aufräumen, kaffee kochen, kaffee trinken, kaffeetasse auswaschen, (kaffee alle) neuen kaffee aufsetzen. irgendwo dazwischen statistiken, zwischen den übrigen dringenden und für notwendig erklärten statistiken. die alten statistiken so "ablegen", daß sie wieder gefunden werden, falls die alten-neuen die neuen-alten ersetzen oder noch besser: alles auf einmal auf den tisch muß. und botschaften verstehen, also e-mails lesen vonne geschäftsleitung oder wenn nicht direkt von oben heimlich ungelesen löschen. wer will das bei gefühlten 15.206.789 e-mails noch überprüfen? (wir sind sowieso so überinformiert) es sei denn, es muß in die tages- oder wochen- oder monatsstatistik, dann lieber nicht. ausnahme sind e-mails von sich verabschiedenden mitarbeiternstreitern, die an alle gerichtet sind und wo drinne steht warum! die werden im gegenzug vonne geschäftsleitung ungelesen getilgt; gottchen: jetzte werden die mitarbeiter schon genauso penetrant wie die kunden. ähm, frau ..., drucken sie mir doch mal aus ... die statistik xyz der kunden a bis z.
am rande notiert: niemals über den erkenntniswert von statistiken, die von unten nach oben zur erfreulichen kenntnisnahme gestrickt oder erstellt (klingt sehr sachlich und damit fast richtig und wichtig) wurden. andere gibt es ja eigentlich nicht. und - natürlich - nie-niemals freitags.

(ps: simulation der arbeit - eine variante; wenn auch am thema vorbei.
pps: ich habe sie ja verlinkt als frau einemaria; ist das überhaupt korrekt so? ich meine die frau.)

einemaria am 26.Nov 11  |  Permalink
Frau, Kopfschütteln ;)

Mehr sag ich nicht. Ich bin ein Ding, eine Linie, ob nun wirklich hart oder weich, wer weiß. Aber eigentlich ist es schwer die Texte "nüchtern" , sächlich zu halten. Ich finde, es sollte keine Rolle spielen.

Naja, ich sag ja, da wo sie vorkommt, die gute Arbeit, da kommt sie kummuliert vor, also eher stressig. Aber Simulation war mir beim Schreiben schon ein wenig herbeigeholt vor.

Man sagt ja, glaube nie einer Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Beim mail kenn ich nur bore-out, nix drin. Deßhalb schreib ich auch hier so fleissig und freue mich immer über jeden Kommentar. Ich fühle mich sehr wohl hier in der blogger.de-Familie.

wuhei am 26.Nov 11  |  Permalink
gute Frau "einemaria",
meine Kinder wussten bereits in der Volks (Grund)schule, woher die Tage ihre Namen haben und hätten niemals so einen Unsinn verzapft.
Solche Fehler machen mich sofort mißtrauisch gegen alles andere Gechreibsel.

jean stubenzweig am 26.Nov 11  |  Permalink
Freitags,
das weiß jeder Eigentümologe auf dem akutuellen Stand, wurzelt in der Freiheit des Tages (s. o.).

Samstags finden die Sonnabende des Sonntags statt.
Sonntags scheint immer die Sonne, auch dem, der die Helligkeit des Lebens im Jetzt fürchtet.

Montags geht immer der Mond auf, auch tags.

Dienstags ist immer (außer sonntags), weil dem Hier und Jetzt gedient werden muß.

Mittwochs werden die Wochs geteilt, das dient der Arbeitsplatzvergemütlichung.

Donnerstags donnert's den ganzen Tag, weil die Arbeitnehmer den ganzen Tag nicht anderes getan haben, als die Wochs zu teilen.

Unsinntags haben ihre eigentümolische Wurzel im fehlerhaften Gechreibsel von Tags und anderem Unsinn.

jean stubenzweig am 26.Nov 11  |  Permalink
Wer nicht arbeiten darf,
hat hat wahrlich kein Vergnügen, vor allem kein solches, seine Verzweiflung zu verbloggen.

Ich woll't ich wär' ein Huhn
Ich woll't ich wär' ein Huhn

tomkin am 26.Nov 11  |  Permalink
Freitags um eins macht jeder seins.
oder
Wie mach ich aus 140+ eine 40+?

Warum nur klappt das nie? Dummheit? Falscher Job?
Nein. Vollster Einsatz zum Wohl der Firma, selbstverständlich. Jeden Tag eine Stunde weniger? Dann wärs nach hundert Tagen soweit. *LOL*

Also hopp, Freitag geh ich um fünf schon heim. Einmal muss man ja anfangen ...

sid am 26.Nov 11  |  Permalink
Freya hätte ihre Freude an Ihnen ; )

einemaria am 26.Nov 11  |  Permalink
Ein Spiel mit Feuer und Eis,
ich weiß.
Die liebe gute Freya, ich kenn sie persönlich, wird sich da mal keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn ich hier so daherkalauere. Und danke für "wuhei"-Blumen, die weniger mit China und dem Freitagsgedanken zu tun haben - Kritik ist erfreu- und erbaulich.

@wuhei: ich bin eine Arbeiterdrohne aus den nichtgermanischen Gebieten. Wir haben andere GötterInnen. Ich respektiere auch den germanischen Gedanken durch all seine Zeitepochen hindurch. Aber in der Schule hatten wir auch die Stunde über die Alterspyramide und eine andere über das Rentensystem, trotzdem ist dieser Gedanke erst kürzlich sich selbst bewußt geworden.
Die hartelinie ist ein Konzept, die Worte neu zu definieren. All Your Base Are Belong to Us